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Kategorie: Gedanken

Mobilitätspaket im Zwielicht

Ende 2017 hat der Europäische Gerichtshof klargestellt, dass es eigentlich schon immer verboten war, die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit im Lkw zu verbringen. Nur hat sich nie einer daran gehalten. Dieses ignorieren ist einer der Gründe, die zur massenhaften Ausbreitung des Nomadentums der osteuropäischen Fahrer im Westen geführt haben.

Anfang April dieses Jahres hat das Europäische Parlament seine Position bei den hoch umstrittenen sozialen Themen des ersten Mobilitätspakets festgelegt. In einer Mammutabstimmung entschieden die Abgeordneten über rund 1 100 Änderungsanträge.
Mit diesem Mobilitätspaket möchte die EU die Arbeitsbedingungen im europäischen Güterverkehr verbessern. Fernfahrer sollen fair bezahlt werden und nicht wochenlang in ihren Fahrerkabinen campieren müssen. Damit war der Weg frei für die Kompromisssuche zwischen Rat, EU-Kommission und EU-Parlament, die sogenannten Trilog-Verhandlungen.

Jeweils zwei Stunden Gespräche

Am 3. Oktober, also vor drei Wochen, begannen in Brüssel die ersten Verhandlungen im Trilog. Diese dauerten etwa zwei Stunden. Am 4. und 5. November folgen die nächsten Termine. Auch für diese sind jeweils (nur) zwei Stunden vorgesehen. Dazwischen gibt es immerhin Gespräche auf Arbeitsebene, also zwischen den jeweiligen Mitarbeitern der politisch Verantwortlichen.

Ein Kommentar

Hier ein Kommentar von Ingo Schulze vom 12. April 2019 zum anstehenden Mobilitätspaket I, den ich hier mit seiner Erlaubnis widergeben darf:

Ich halte grundsätzlich die Bemühungen mit dem Mobilitätspaket für gut. Aber ich möchte hier nun mal MEINE persönliche Meinung dazu äußern:
Das endlich etwas gegen das Nomadentum auf europäischen Straßen passieren muss, ist absolut richtig und notwendig! Der Ansatz mit dem Mobilitätspaket ist dabei sicher auch schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber! Was hat man denn nun damit erreicht? Das die Fahrer jetzt in irgend welchen Hotels übernachten sollen, was sie oft selbst gar nicht wollen?
Die Fahrer sind oft in ihren Lkw so eingerichtet, dass sie dort alles haben, was sie für eine längere Verweildauer brauchen. Dem entziehen sie sich, wenn sie in ein Hotel müssen.
Die Vorschriften sagen aber nicht, dass sie in ein Hotel müssen, sondern, dass sie NUR NICHT im Lkw übernachten dürfen. Das heißt, wenn die westeuropäischen Firmen Containerdorfer aufbauen und die Fahrer dort übernachten lassen, ist die Vorschrift erfüllt.Trotz alledem bleibt es dabei, dass die Fahrer weiterhin NICHT nach Hause kommen. aber genau das sollte doch eigentlich das Ziel des Mobilitätspaketes sein!

In Gesprächen mit osteuropäischen Fahrern kommt immer wieder zum Ausdruck, dass sie selbst als Betroffene gar nichts gegen drei Wochen am Stück Fahren haben. Und in diesen drei Wochen möchten die meisten in ihrem Lkw verbleiben.
Ziel des Mobilitätspaketes sollte es viel mehr sein, dass es in Europa endlich aufhört, dass Fahrzeuge zum Teil das ganze Jahr nicht mehr in ihre Zulassungsländer zurückkehren, teilweise mit korrupten Mitteln der TÜV nur auf dem Papier im Ausland gemacht wird, Kabotage betrogen wird und Briefkastenfirmen nicht wirksam bekämpft werden. Viele Firmen entziehen sich dadurch einem ganz normalen Sozialgefüge.

Sozialbetrug wird zur Normalität, siehe Belgien. Belgien geht momentan gegen genau solche Firmen vor. Aber ich glaube, dass ist nur die Spitze des Eisberges. Es wird den Firmen durch Ausflaggen viel zu leicht gemacht, gegen Sozialstandards zu verstoßen und sich einer ordentlichen Gerichtsbarkeit zu entziehen.
Der Fehler allerdings liegt doch schon im gesamten europäischen System. Wie kann man Arbeitnehmerfreizügigkeit und Liberalisierung der Kabotage durchsetzen, wenn es in der EU so viele so unterschiedliche Sozialsysteme gibt?

Die Forderung nach einem einheitlichen Mindestlohn in Europa ist da genauso absurd. Nach was sollte der sich denn richten, nach dem Land mit den niedrigsten Löhnen?
Es war abzusehen, dass es in Europa eine Schieflage in der Verteilung geben wird.
Konzerne und Dienstleister haben nun in Europa die Möglichkeit, ihre Produktion oder Dienstleistungen danach auszurichten, wo sie am billigsten anbieten können. Mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit brauchen sie nicht mal mehr den Produktionsstandort verlegen.

Leidtragende sind die Länder, in denen hohe Mindestlöhne oder Tarife gelten. Dazu gehört in der Industrie auch noch immer Deutschland, auch wenn hier immer mehr Werks- und Leiharbeiter eingesetzt werden. Bestes Beispiel ist hier die Fleischwirtschaft. Niemand glaubt wirklich daran, dass hier irgend welche deutschen Lohnmindeststandards eingehalten werden. Dazu lässt das Mindestlohngesetz viel zu viele Schlupflöcher.

Aber zurück zur Transportbranche. Als 2009 die Verordnung zur Kabotage in Europa neu geregelt wurde, waren die osteuropäischen Firmen und Firmen die nach Osteuropa ausgeflaggt haben, von vornherein bevorteilt.
Eine flächendeckende Kontrolle auf Einhaltung dieser Regeln ist so gut wie unmöglich. Korruption, Mangel an Kontrollpersonal und nicht vorhandene ausreichende Kontrolltechnik begünstigen all die, die sich eh an keine Regeln halten.

Die weitaus billigeren Arbeitskräfte aus Rumänien, Bulgarien, Litauen usw. verführen dazu, ganze Fuhrparks umzustellen, siehe Hegelmann (deutsche Firma mit PL, LT- Kennzeichen).
Der angebliche Fachkräftemangel ist dabei nur selbst produziert und vorgeschoben, um noch bestehende beschränkende Regeln aufzuweichen.
Mit dem Mobiltätspaket hätte man die Chance gehabt, wirklich sozial zu agieren. Man hätte die Heimfahrten der Lkw regeln sollen. Nicht die Hotelaufenthalte.

Ein norwegischer Kollege war vor Jahren mal in Litauen. Girteka und Vlantana sind zwei sehr große Firmen im Baltikum. Der Kollege stellte damals fest: Je näher man Richtung Litauen kam, also je weiter von Westeuropa weg, desto weniger Fahrzeuge dieser Firmen bekam man zu sehen. Soll heißen, dass sie fast ausschließlich in West- und Nordeuropa agieren.

Einer vernünftigen Regelung durch das Mobilitätspaket stehen die derzeitigen EU-Verordnungen und Regelungen sowie die Konzerninteressen der Transportbranche entgegen. Normalerweise müsste, wenn die EU menschlich und sozial ausgelegt wäre, die Transportbranche von Grund auf neu geregelt werden. Arbeitnehmerfreizügigkeit und Liberalisierung der Kabotage sind nach heutigem Stand eigentlich federführend für Sozialdumping!

Und nun noch eine ganz persönliche Erfahrung: Ich bin selbst ab und an mal am Wochenende draußen. Das Verbot, die 45-Stunden Wochenendpause nicht mehr im LKW verbringen zu dürfen, führt dabei zu sinnlosen Maßnahmen.
Wenn es hoch kommt, bin ich einmal im Monat am Wochenende nicht zu Hause. Seitens meiner Firma werde ich gefragt und ich werde dann rechtzeitig informiert, um mich auch darauf einzurichten.

Wenn ich dann am Freitag Feierabend mache und aber eigentlich noch Lenkzeit habe, um einen geeigneten Parkplatz in der Nähe des am Montag zu beliefernden Kunden habe, muss ich trotzdem halten und am Samstag den Rest fahren, nur um die 45 Stunden zu unterbrechen. Das ist absolut absurd!
Es ist deutlich an meiner Fahrerkarte ersichtlich, dass es nicht oft ist, dass ich am Wochenende nicht zu Hause bin. Darauf sollten solche Regelungen auch eingehen. Tun sie aber nicht, sie pauschalisieren unsere Tätigkeit.

Deshalb halte ich persönlich das ganze Paket für unausgegoren und nicht besser, als das, was wir eh schon haben. Es ist nur wieder der Fahrer, dem das Leben schwer gemacht wird, durch noch mehr Reglementierung. Außerdem gebe ich denen Recht, die da sagen, wer schützt in der Zeit, in der die Fahrer außerhalb des LKW übernachten, den LKW und dessen Ware? Dafür gibt es in ganz Europa gar keine Infrastruktur!

Sie hätten einfach nur regeln sollen, dass die Lkw mindestens alle drei Wochen in das Zulassungsland fahren müssen und der Fahrer dort dann mindestens eine Woche verbringen muss.
Wir haben vor einigen Jahren mal Vorschläge unterbreitet, wie man das besser regeln, kontrollieren und durchsetzen könnte. Davon ist heute nirgends mehr etwas zu lesen. Schade!

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Links und rechts der (Daten-) autobahn

Ein Lkw mit rechtsextremen Symbolen? Ist ein wenig übertrieben. Es geht um eine Reichsfahne auf dem Beifahrersitz, einem Aufkleber mit dem altdeutschen Schriftzug „Führerhaus“ und ein Schild mit dem Namen „Adolf H.“.

Tja nun. Der Fahrer heißt bestimmt Adolf Häßlich. Und die Fahne hat er von seinem Opa mal zur Jugendweihe bekommen. Da seine Frau Eva den Lappen nicht auf der heimischen Couch haben will, ist der halt im Führerhaus gelandet. Zack, Story aufgeklärt.
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Die Gemeinde Grafschaft in Rheinland-Pfalz verweigert parkenden Lkw-Fahrern ein Mindestmaß an Lebensqualität. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Wenn die Gemeinde keine Lkw will, muss sie halt das Gewerbegebiet schließen.
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In den kommenden vier Jahren will der Bund pro Jahr 100 Millionen Euro in den Ausbau von Lkw-Parkplätzen investieren. Also insgesamt 400 Millionen Euro.
Da kommt viel Arbeit auf bestehende und neu gegründete Bürgerinitiativen zu. Denn Park- und Rasthöfe will ja keiner vor seiner Haustür. Selbst wenn die fünf Kilometer entfernt ist.
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Durch die Tiroler Blockabfertigung bei Kufstein sieht der Bundesverband der deutschen Industrie die Versorgungssicherheit gefährdet. Tja nun, was interessiert mich die Versorgungssicherheit?
Klar, zum einen kann ich die Anwohner verstehen. Keiner hat Bock auf eine Verkehrslawine sprichwörtlich vor seiner Haustür. Auf der anderen Seite verliere ich durch diesen Humbug zig Stunden, die mir fehlen. Vielleicht nicht an dem Tag, in dem ich im Stau stehe. Aber am nächsten oder übernächsten oder überübernächsten Tag. Denn was der Platter oder die Felipe da in Innsbruck treiben, sind Machtspielchen mit München, Berlin und Brüssel – und die Spielfiguren sind Fahrer wie ich, deren Weiterfahrt um Stunden verzögert wird.
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Die Grünen fordern den Aus- und Neubau von Park- und Rastanlagen? Wie schnell sich die Zeiten manchmal ändern.
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Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat wohl mehr als 100 Kontroll-Fahrzeuge vom Typ Mercedes Vito bestellt. Das findet der FDP-Bundestagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Christian Jung etwas seltsam. Denn seiner Meinung nach, sollten diese zur Überprüfung der Infrastrukturabgabe (ISA-Kontrollen), dienen.
Vielleicht sollen aber auch nur die bisherigen VW-Bullies ausgetauscht werden. Denn wäre das Bundesamt überhaupt für die Kontrolle der Pkw-Maut zuständig? Oder es werden demnächst so einige Stellen neu zu besetzen sein.
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Intime Geständnisse

Wenn ich unterwegs bin, also oft, habe ich Probleme damit, Türklinken oder ähnliches anzufassen. Das finde ich schon eklig. Keine Ahnung, ob das eine Störung oder Neurose bei mir ist. Aber ich habe immer das Bedürfnis, mir danach die Hände waschen zu müssen.
Nutze ich z.B. öffentliche Toiletten, versuche ich immer, die Türklinke mit dem Ellenbogen zu öffnen oder die Ärmel meines Pullover soweit über die Hände zu ziehen, um so die Tür zu öffnen, anstatt die mit der bloßen Hand zu berühren.

Gibt es da noch Papierhandtücher , nehme ich die. Affig? Mir egal. Denn wenn ich mich früh in solch einer Örtlichkeit wasche, sehe ich es immer wieder. Da kommen Leute rein, die erledigen Ihren Morgenkack oder urinieren und haben dabei logischerweise den Pimmel in der Hand und gehen danach, ohne Ihre Pfoten unter den Wasserstrahl zu halten.

Dann warte ich auch mal, bis der nächste rein kommt und schlüpfe dann durch die halb geöffnete Tür. Hauptsache nix anfassen. Dann diese Handtrockner. Ich habe mal gelesen, in der warmen Luft die diese Geräte erzeugen, fühlen sich Bakterien sprichwörtlich pudelwohl. Nutze ich nicht. Bin doch nicht lebensmüde. Also. Großen Bogen auch darum.

Anderes Beispiel. Tanken tue ich meist in Österreich. Die Einheimischen nennen das Tanktourismus. Ich nenne es ökonomisches denken. Denn wenn ich für die Firma, für die ich fahre, Geld sparen kann, mache ich das natürlich. Zumal ich eh an der Tankstelle dran vorbei fahre.
Aber zurück zum Thema. Das ist eine Automatentankstelle. Dieses Bedienfeld, auf dem ich die PIN der Tankkarte und den Kilometerstand des Lkw eingeben muss, ist oft so verschmiert und verkeimt, keine Ahnung was da so alles drauf hängt. Eigentlich will ich es auch nicht wissen.

Bevor ich darauf rum tippe, wische ich mit einem Feuchttuch drüber.
Davon habe ich mal ein Foto gemacht. Das ist so eklig, danach faulen einem die Fingerkuppen ab.

Bedienfeld einer Tankstelle

Jetzt mal ernsthaft. Das kann oder will ich nicht anfassen. Das kleben meine Finger drauf fest.

Aber vielleicht bin ich auch nur überempfindlich. Keine Ahnung. Mit meiner Vorsicht habe ich es aber geschafft, fast fünfzig Jahre alt zu werden. Nee, dass klingt Gülle.

Also nochmal. Mit meiner Vorsicht habe ich es geschafft, 49 Jahre alt zu werden. Da kann ich also nicht allzusehr viel falsch gemacht haben.

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Vom Streit um Paletten und einer Nominierung

Momentan herrscht hier im Blog ein wenig Tristesse. Urlaub für mich, „zwischen den Jahren“ ein bissel abschalten und auch sonst passiert nix groß interessantes, was aufschreibenswert wäre. Oder habe ich was übersehen? Oh ja, klar. In der Woche vor Weihnachten wurde die Shortlist mit den Nominierten für den Goldenen Blogger veröffentlicht.
Die goldenen Blogger. Klingt lustig. Wie eine Spassveranstaltung. Gut, ich muss zugeben, so richtig wahrgenommen habe ich diese Abstimmung und alles drum herum auch nie. Ging immer etwas an mir vorbei.

Aber jetzt wo dieser Weblog nominiert wurde, habe ich ein bissel rumgestöbert im weltweiten Netz. Spaßig gemeint war es vielleicht in den Anfangsjahren. Mittlerweile ist daraus eine Gala mit viel Vor- und Nacharbeit geworden, die es selbst in die klassischen Medien schafft.
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Aber gut. Noch ist dieser Blog nur nominiert. Klickt mal hier >>> und scrollt ziemlich weit runter bis zur zehnten Kategorie „Themen- & Nischen-Blog“. Da seht Ihr auch die beiden anderen Blogs, die in dieser Rubrik zur Auswahl stehen.
Wer den Preis bekommt, entscheidet sich am 28. Januar. In vier Wochen also. Entschieden wird entweder per Online-Voting, Jury-Entscheid oder durch die Zuschauer im Saal. Das wird erst kurz vorher beschlossen .
Wie auch immer. Gewinne ich das Ding nicht, darf ich wenigstens rum floskeln: Auf den Sieg kommt es nicht an, ich war immerhin nominiert. Auch schön.
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Fast acht Jahre ist das schon wieder her. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Und das ist keine Floskel.

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Weitere Informationen

Hier >>> der geschriebene Text dazu. Noch einige Monate älter.
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Was bin ich froh, dass im Italienverkehr meist keine Paletten getauscht werden. Denn dort gibt es für Transportunternehmen keine Verpflichtung, Paletten zu tauschen. Denn Paletten gelten als Ladehilfsmittel, die ein Teil des Verpackungsmaterials sind und entweder im Produktpreis mit eingerechnet oder separat in Rechnung gestellt werden.

Der Europäische Palettenverband Epal und der Internationale Eisenbahnverband (UIC) wollen ihren Streit um den Tausch von Ladungsträgern beider Organisationen in einem gemeinsamen Pool beilegen.

Logistikunternehmen, Speditionen, Transportunternehmen haben am Tausch von Paletten kein Interesse. Das ist Sache von Industrie und Handel und sollte von denen anständig vergütet werden. Denn das sind deren Verpackungsmaterialien. Der Palettentausch wie er jetzt fabriziert wird, ist nur ein Verlustgeschäft für Speditionen und Transporteure.
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Ein Lkw-Fahrer erzählt von seinen Beobachtungen auf der Straße. Manches kann man kaum glauben.

Sind die Menschen inFranken nicht von dieser Welt? Es ist doch allgemein bekannt, dass während der Fahrt nicht nur nach vorn geguckt wird. Ein jeder hat doch schon mal aufs Handy, in Lieferpapiere, Straßenkarte oder worauf auch immer, geschaut. Man kann es also schon glauben.

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Erfurt, Sardinien und Caffè Americano

Warum Diskussionen in sozialen Medien (hier Twitter) meist sinnlos sind.

warum diskussionen in sozialen medien unnütz sind
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In Italien fällt es mir immer wieder auf. Da sitzen in den Dörfern Männer vor Bars und genießen den Tag. Es sind immer Männer, die da sitzen, Frauen nie. Ältere Männer. Zumindest habe ich nie eine Frau gesehen. Und auch keine jüngeren Männer. Vielleicht treffen sich die Frauen bei sich zu Hause. Also nicht in der Öffentlichkeit. Ich weiß es nicht. Muss bei Gelegenheit mal meinen alten Freund Mario fragen. Der lebt seit fast einem vierteljahrhundert auf Sardinien. Kennt sich also mit den Gepflogenheiten da unten schon ziemlich gut aus. Obwohl Sardinien ja nicht so ganz wie Italien ist. Aber anderes Thema.

Der Kaffee, der in diesen Bars serviert wird, ist schmackhaft. Also nicht wie diese anonyme Brühe aus deutschen Kaffeevollautomaten. Für die auch noch drei Euro siebzig verlangt wird. Deshalb belasse ich es hierzulande meist bei Tee. Gut, der ist auch hoffnungslos überteuert. Aber wieder ein anderes Thema.

In Italien trinke ich ja meist Caffè Americano. Typisch Deutsch halt. Denn laut Überlieferung wurde der Americano nach dem zweiten Weltkrieg durch amerikanische Soldaten in Italien eingeführt. Denen war der geläufige Espresso der Italiener zu kräftig. Sie verlangten ein Glas heißes Wasser zu ihrem Espresso, um ihn zu verdünnen. So entstand der Begriff Caffè Americano. Also so, wie er heute noch geläufig ist. Und auch noch oft serviert wird, wenn man einen Americano bestellt.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte. Ich sitze in einer Bar auf Sardinien und trinke einen Caffè. Also keinen Espresso. Sondern einen Americano. Und beobachte dabei diese alten Männer. Keiner von denen sprach ein Wort. Die ganze Zeit. Zehn Minuten oder so. Das sah so wahnsinnig bewusst aus. Keine Ahnung, wie ich es anders beschreiben soll. Jeder ruhte in sich. Keine Aufregung, keine Hektik. Nichts von alledem. Sondern nur schweigen.

Wirklich beeindruckend. Warum kann ich das nicht?
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Gute Frage.
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Vor zwei Jahren lies das Straßenverkehrsbauamt Nordthüringen die Ampeln auf der Hauptverkehrsroute durch meine Heimatstadt auf die sogenannte „grüne Welle“ umstellen. Die Kosten? Rund 150 000 Euro. Echt viel Geld.
Nur funktioniert es bis heute nicht. So fahre ich an einer Kreuzung los und die Ampel an der nächsten Einmündung springt auf rot. Schon ist es mit meiner inneren Ruhe vorbei. Da kann ich mich noch so anstrengen. Mich nervt so etwas. Ist halt so.

Viele der alten Männer auf Sardinien dürfen bestimmt auch noch Auto fahren. Nur ist deren Vorteil, dass es in den dortigen Dörfern kaum Ampeln gibt. Wenn dann Kreisverkehre. Und die wurden nicht von deutschen Verkehrsexperten geplant. Klar das die Männer in sich ruhen (können).
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Meine kleine Theorie.
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Seattle, Tel Aviv, Doha, New York oder Erfurt?

airport frankfurt departure erfurt central

Abflug Flughafen Frankfurt

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Ein offener Brief von Camion Pro: „Jan Bergrath war nie Mitarbeiter des ETM-Verlags oder des FERNFAHRER“
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Eine Podiumsdiskussion auf der IAA in Hannover, ein Journalist schreibt darüber. Nicht besonders nett, muss er auch nicht. Es ist ein Blogbeitrag. Also seine persönliche Meinung. So wie ich es hier auch mache. Gut, nicht jedem gefällt dieser Artikel. Verstehe ich.
Einer, der sich und seinen Verein durch diesen Blogbeitrag unfair behandelt fühlt, schreibt daraufhin einen offenen Brief an den Verlag, für den dieser Journalist hauptsächlich schreibt. Der widerum droht Camion Pro, dem Verein des unfair Behandelten, nun mit gerichtlichen Schritten. Das lässt Camion Pro, der Verein, natürlich nicht auf sich sitzen und holt zum nächsten Gegenschlag aus. Fortsetzung folgt.
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Da fällt mir grad was ein. Könnte man aus diesen Stoff keine Daily Soap machen? So nach dem Motto „Büro Cowboys reloaded„?
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old cagliari

Gasse in Cagliari

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Ein neues Buch bestellt: Behind the Wall: DEPECHE MODE-Fankultur in der DDR.

Beim örtlichen Buchhändler. Mit Selbstabholung. Warum ich das erwähne? Keine Ahnung. Aber ich freue mich drauf.

Der Autor, Sascha Lange, liest daraus am Dienstagabend in Erfurt. Wäre vielleicht interessant.
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Also doch Erfurt.
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Na ja, mal schaun.
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Nutzlose Eimer

Hier am Rasthof Irschenberg steht alle zehn Meter ein Abfalleimer, trotzdem sieht es aus wie auf einer verwehten Müllhalde. Warum nutzt kaum einer diese Behälter? Versteh ich nicht.

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Jens kann nicht

„Na, wie läufts“, frage ich Jens am Telefon. „Alles gut“, antwortet er mir. „Drei Kunden habe ich heute geschafft. Den vierten mache ich morgen. Das passt doch, oder?“ „Klar, mach Dir keine Hektik!“

Das war unser letztes Gespräch. Ich glaube, nein, ich hoffe, dass ich Ihn nie wiedersehe.

Jens hat letzten Montag neu in der Firma angefangen. Er sollte wöchentlich nach Italien fahren, so wie ich es seit mehr als zwölf Jahren mache. Italien ist lang, aber nicht mehr für uns. Wenn es mal bis nach Modena oder gar Bologna geht, ist das schon weit. Normal fahren wir nur noch in den Großraum Mailand, nach Brescia, Verona und rüber bis Treviso. Mir persönlich ist das recht so. Die Mitte und den Süden kenne ich von früher, da brauche ich nicht mehr unbedingt hin. So bleiben die Touren übersichtlich und bin meist Freitagabend wieder daheim. Erst Samstags zuhause ist selten, ein Wochenende draußen, noch seltener.

Beste Vorraussetzungen also für Jens. Seine erste Tour sollte ihn nach Mailand führen. Vier Abladestellen, der Auflieger war schon vorgeladen. Nur tanken musste er noch und anschließend auf mich warten. Er sollte mir hinterherfahren. Wir kamen gut vorwärts, der Berufsverkehr bei Frankfurt war schon Geschichte.
Unterhalb von Offenburg machten wir eine dreiviertel Stunde Pause. Ich fragte Ihn etwas aus. Wo er schon gefahren ist, ob er schonmal in der Schweiz oder Italien war, wie lange er eigentlich schon fährt. Auch um einen Eindruck von Ihm zu bekommen. Also ob er eventuell ein Schwätzer oder Großmaul ist, der schon überall war und alles kann. Aber nichts dergleichen. Ruhiger Eindruck, antwortete ehrlich. Die Schweiz ist Ihm völlig fremd, in Italien war er mal als Kind. Lange her.

In Weil am Rhein ging es runter von der Autobahn. Bei einer Spedition im Industriegebiet lassen wir unsere Zolldokumente erstellen. Der direkte Weg ist einfach. Autobahn runter, erste Ampelkreuzung gerade drüber, Kreisverkehr rechts und nach wenigen hundert Metern ist man schon da. Montag aber war Umleitung. Die war gut ausgeschildert, also auch kein Problem.
Dort nimmt man seine Lieferscheine und Frachtbriefe, geht ins Gebäude, gibt die einem Zolldeklaranten und wartet. Den Rest machen die.

Ist man dort fertig, steigt man wieder in den Lkw und fährt zum Zollhof. Nicht mal im Autobahn-Stau braucht man sich anzustellen. Die direkte Auffahrt führt direkt zum Zollhof. Dort stehen Leute von einem Wachdienst, die einen in die richtige Spur einweisen. Vorn stehen zwei Hochkabinen. In der ersten sitzt der deutsche Zoll, der das Transitpapier, auch T2 genannt, ausdruckt. Dreißig Meter weiter hat der Schweizer Zoll sein Domizil. Der eröffnet das Transitverfahren, nebenbei löst der Fahrer die Maut. Das geht alles vom Lkw aus, nicht mal aussteigen muss man.

Kurz nach vier waren wir in der Schweiz. Mit Tempo 80 ging es durch Basel, danach waren 85 angesagt. Jens brav mit Abstand hinter mir. Bei Erstfeld ging es von der Autobahn, zum obligatorischen Abstecher über das Schwerverkehrszentrum. Ich erklärte Ihm über Funk den Sinn und auch Unsinn dieser Maßnahme. Er sollte ja Bescheid wissen.
Kurz vor Bellinzona war unser Arbeitstag zu Ende. Wir unterhielten uns noch eine halbe Stunde, über Fußball, Familie, private Dinge, nichts bewegendes. Nebenbei füllten wir den Laufzettel für den Zoll aus. Große Erklärungen sind da nicht nötig, die Felder wo was geschrieben werden muss, sind selbsterklärend. Dann ging es in die Koje.

Dienstagfrüh um fünf klingelte der Wecker. Schnelle Morgenwäsche, Zähne putzen, los. Eine Stunde später waren wir in Chiasso. Um diese Zeit ist der Zollhof noch übersichtlich leer. Auch hier weisen einem Leute vom Wachdienst ein. Ich finde das gut. Ohne die wäre das Chaos programmiert.
Wir nahmen unsere diversen Unterlagen, füllten die LSVA aus und bewegten uns zum Zollgebäude. Auch hier erklärte ich Ihm alles Schritt für Schritt. An welche Schalter er muss und wo er was abzugeben hat. Das die einzigen Zettel die er wieder bekommt, zwei Durchschläge vom Laufzettel sind und eine Kopie der bezahlten Schweizer Maut. Und uns noch zwei Hochkabinen von Italien trennen.
Klingt das kompliziert? Nein. Spätestens beim dritten Mal ist das Routine. Außerdem hat jeder einen Mund zum fragen.

Kurz hinter Como liegt die erste Raststätte auf italienischen Gebiet. Da hielten wir nochmal, tranken einen Kaffee. Caffe americano. Ich zahlte. Nochmal alles kurz erklärt und gesagt, er soll mich anrufen, falls was unklar wäre. Wollte er machen. Dann trennten sich unsere Wege.

Den ganzen Dienstag hörte ich nichts von Jens. Gut lief es also. Ich machte mir auch keine Gedanken, warum auch. Der Mann ist schließlich knapp über vierzig.
Am Abend rief ich Ihn trotzdem mal an. Ein wenig neugierig war ich ja schon. Drei Kunden abgeladen, den letzten am nächsten Vormittag. Alles gut, er hatte ja Zeit.
Von meiner Disponentin wusste ich bereits, dass er eine komplette Ladung in der Nähe von Piacenza laden sollte. Für einen Ort in der Wetterau. Termin Freitagvormittag. Alles gut.

Freitagmittag, ich fast auf den Weg ins Wochenende. Das Handy klingelt. Meine bereits erwähnte Disponentin erzählt mir, dass der Neue den Lkw auf einem Rasthof in der Nähe der Firma abgestellt hätte. Die Schlüssel lägen auf einem der Hinterreifen. Das hätte er per Mail geschrieben. Sonst nichts weiter.
Sie würde mich dahin fahren, um das Teil zu holen. Natürlich sollte ich auch noch vorladen. Frühes Wochenende ade.

Seitenbretter liegen auf Auflieger

Eine halbe Stunde später waren wir am Lkw. Die Schlüssel lagen tatsächlich auf einem Reifen. Der Auflieger war leer, die Seitenbretter darauf verstreut. Sämtliche Gurte lagen zerknüllt auf einem Haufen. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt.

Montag. Mein Chef rief mich an. Ob der Auflieger denn wirklich leer war. Der Kunde in der Wetterau würde auf seine Ladung warten. Klar, bejahte ich. Abgesehen von dem Chaos darauf. Damit war das Gespräch beendet. Zumindest vorerst.
Später erfuhr ich, dass Jens nicht zur Ladestelle gefahren ist. Nachdem er mit entladen fertig war, ist er leer nach Hause. Durch drei Länder, über eintausend Kilometer. Völlig beknackt der Typ.
Kunden sauer, Disponenten sauer, ich stinke sauer, Chef ober stinke sauer.

Klar das ich versuchte, Ihn anzurufen. Ebenso klar, dass er mich weg drückte. Hatte er mit meinem Arbeitgeber vorher auch schon getan. Nicht mal einen Arsch in der Hose, sich zu erklären. So schrieb ich Ihm das auch.
Als Antwort kam später, ihm würden Herzrythmusstörungen plagen. Deshalb wollte er schnell nach Hause. Zumindest im Ausreden erfinden, ist er gut.
Auf meinen Einwand, dass er meinen Auflieger hätte nehmen können, da ich Mittwochnachmittag bereits fertig war und warum er den Lkw nicht bis zur Firma gefahren hat, kam nur nichtssagendes Zeug. Habe ich auch nicht anders erwartet.

Was bleibt ist mein Erstaunen darüber, wie abgebrüht, kaltschnäuzig und frech Leute sein können. Und auch feige. Was ist do schlimm daran zu sagen, dass der Job nichts für einen ist? Fernverkehr bedeutet halt, mehrere Tage weg zu sein. Wenn man nach einer Woche merkt, oh, dass ist nix für mich, erzählt man das seinem Noch-Chef, räumt die Karre wieder aus und fertig. Zumal mein Arbeitgeber, wohlgemerkt seit über zwanzig Jahren, der letzte wäre, der das nicht verstehen würde.
Aber auf diese Art in den Sack zu hauen, ist scheiße. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

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