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Bei der Demokratie möchte ich nicht neutral sein

Von Udo Skoppeck

Ich weiß inzwischen ehrlich gesagt nicht mehr, wie man bei all dem, was politisch gerade passiert, noch neutral Stellung beziehen soll.
Und damit meine ich nicht, dass man sich nicht mehr differenziert äußern sollte.

Im Gegenteil. Ich halte Differenzierung, Fakten und einen klaren Kopf für wichtiger denn je.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem Neutralität nicht mehr bedeutet, beide Seiten gleich zu bewerten, sondern anfängt, die Realität zu verleugnen.

Und genau da bin ich inzwischen angekommen.
Ich habe in meinem Leben schon viel über die Union gesagt. Ich habe sie kritisiert, verspottet, politisch abgelehnt und mich über manche ihrer Entscheidungen geärgert.

Aber dass ich einmal sagen würde, diese Partei, beziehungsweise ihre derzeitige Führung, macht mir Angst. Damit hätte selbst ich nicht gerechnet.

Es wirkt auf mich, als hätte sich ein Teil der Union nach Merkel in ein konservatives ideologisches Korsett gezwängt und inzwischen vergessen, dass Politik eigentlich kein Glaubensbekenntnis ist.

In der Politik sollte es nicht darum gehen, die eigene Weltanschauung um jeden Preis durchzusetzen. Nein. In der Politik sollte es darum gehen, die Realität zu erkennen und Lösungen für reale Probleme zu finden.
Und genau diese Fähigkeit vermisse ich zunehmend.

Seit Jahren erleben wir Realitätsverweigerung, fehlende Empathie und einen erschreckenden Mangel an strategischen Ideen. Probleme werden verwaltet, verschoben, erklärt und manchmal auch einfach weggeredet.

Und währenddessen wächst die AfD. Nicht, weil sie besonders gute Lösungen anbietet. Nicht, weil ihr Programm plötzlich überzeugend wäre.

Sondern weil sie in einem politischen Vakuum wachsen kann, das andere Parteien selbst geschaffen haben. Sie muss sich teilweise nicht einmal mehr besonders anstrengen.

Sie kann Behauptungen aufstellen, die jeder Faktenprüfung widersprechen. Sie kann gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen. Und trotzdem bekommt sie immer mehr Zustimmung.

Das macht mich fassungslos. Und ja, ich kann den Ärger vieler Menschen über die aktuelle Regierung verstehen. Ich kann verstehen, dass Menschen genug haben von Bürokratie, steigenden Kosten, politischen Fehlentscheidungen, Migration, maroder Infrastruktur, Unsicherheit und dem Gefühl, dass Politik ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr versteht.

Natürlich kann man darüber wütend sein. Natürlich darf man eine Regierung abwählen. Natürlich darf man die etablierten Parteien für ihr Versagen verantwortlich machen.

Aber warum zur Hölle muss daraus die AfD werden? Da steige ich aus.

Da gründe ich lieber in meiner Wohnung einen eigenen Staat und wähle mich selbst zum Bürgermeister.

Denn spätestens wenn die Antwort auf politisches Versagen darin besteht, eine Partei zu wählen, deren politische Vorstellungen einen erheblichen Teil unserer demokratischen und gesellschaftlichen Grundordnung infrage stellen, wird es für mich schwierig, noch von einem normalen politischen Richtungswechsel zu sprechen.

Und dann passiert etwas, das ich eigentlich gar nicht möchte: Man diskutiert.

Als wohlerzogener Mensch versucht man weiterhin, vernünftig zu bleiben. Man versucht, Fakten entgegenzuhalten. Man versucht zu erklären, dass Teile des AfD-Programms wirtschaftlich, sozial oder verfassungsrechtlich kaum umsetzbar sind oder bestimmte Probleme sogar verschärfen würden.

Man versucht zu erklären, dass „Die da oben“ keine politische Kategorie ist, mit der man ein Land regieren kann.
Und irgendwann bekommt man Antworten wie: „Das ist eben Demokratie.“ „Lass sie doch mal machen.“ „Ich bin gegen die da oben.“

Und da merkt man irgendwann, dass man nicht mehr über Politik diskutiert. Man diskutiert über völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was Realität überhaupt ist.

Und das ist der Punkt, an dem ich nicht mehr weiß, wie ich neutral bleiben soll. Denn Neutralität bedeutet für mich nicht, Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit genauso zu behandeln wie demokratische politische Positionen.

Neutralität bedeutet auch nicht, so zu tun, als seien alle Argumente gleichwertig, nur weil sie von unterschiedlichen politischen Seiten kommen.

Ich kann eine Regierung hart kritisieren und gleichzeitig die AfD ablehnen. Ich kann die Union für ihre Politik verantwortlich machen und trotzdem anerkennen, dass sie eine demokratische Partei ist.
Ich kann die SPD für ihre Fehler kritisieren, ohne deshalb AfD zu wählen.

Ich kann die Grünen für politische Fehlentscheidungen kritisieren, ohne deshalb ihre politischen Gegner für vernünftig zu halten. Das eine schließt das andere nicht aus.

Vielleicht ist genau das etwas, das wir gerade wieder lernen müssen. Man muss nicht jede demokratische Partei mögen. Man muss nicht mit jeder Regierung einverstanden sein.

Man darf wütend sein. Man darf enttäuscht sein. Man darf protestieren.

Aber irgendwann gibt es politische Grenzen, bei denen ich nicht mehr bereit bin, so zu tun, als wäre das alles nur eine Frage unterschiedlicher Meinungen.
Und deshalb macht mir auch die derzeitige Entwicklung in der Union Sorgen.

Nicht nur wegen einzelner Entscheidungen. Sondern weil ich den Eindruck habe, dass man sich selbst immer mehr Handlungsspielräume verbaut.

Erst werden politische Brücken eingerissen. Dann wird darüber diskutiert, wie man die Folgen der eigenen politischen Isolation wieder auffangen kann.
Und wenn die AfD immer stärker wird, entdeckt man plötzlich Bundeszwang, Remonstrationspflicht, Geheimschutz und Verbotsverfahren.

Dabei waren die Warnzeichen längst da. Man konnte es kommen sehen. Denn die AfD ist nicht über Nacht groß geworden. Ihre Radikalisierung ist seit Jahren dokumentiert.

Warnungen gab es. Untersuchungen gab es. Zeit gab es. Instrumente gab es.

Was häufig fehlte, war der politische Wille, rechtzeitig daraus Konsequenzen zu ziehen. Und jetzt suchen alle hektisch nach den Feuerlöschern, während der Dachstuhl schon brennt.
Das ist für mich kein Zeichen besonders guter Staatskunst.

Das ist das Ergebnis jahrelangen Wegsehens. Und trotzdem werde ich mich nicht dazu hinreißen lassen, deshalb AfD-Wähler pauschal als dumm oder böse abzustempeln. Auch wenn ich manchmal verdammt dabei bin, dass zu versuchen.

Denn Menschen sind komplizierter als ihr Wahlzettel. Aber irgendwann darf man auch ehrlich sagen: Ich möchte mit Menschen, die Rechtsextremismus bewusst unterstützen oder ihn verharmlosen, nichts zu tun haben.
Das ist keine politische Analyse. Das ist eine persönliche Grenze.

Denn Demokratie bedeutet nicht, dass ich jeden mögen muss. Demokratie bedeutet auch nicht, dass ich jede Position als gleichwertig akzeptieren muss. Und schon gar nicht bedeutet Demokratie, dass ich schweigen muss, wenn ich glaube, dass etwas grundsätzlich falsch läuft.
Vielleicht ist das meine derzeit größte Schwierigkeit. Ich möchte weiterhin der Mensch sein, der zuhört. Der Fakten prüft. Der seine eigene Meinung hinterfragt. Der nicht sofort in Freund und Feind einteilt. Der versucht, auch die andere Seite zu verstehen.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass einem dieser vernünftige Mittelweg gerade von allen Seiten unter den Füßen weggezogen wird. Dann bleibt irgendwann nur noch die Erkenntnis, man kann nicht gleichzeitig neutral gegenüber der Realität und neutral gegenüber ihrer Leugnung sein.

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht. Aber ich merke bei mir inzwischen etwas, dass ich eigentlich gar nicht wollte: Ich werde müde. Nicht vom politischen Streit. Sondern vom irrationalen Wahnsinn. Und vielleicht ist genau deshalb jetzt der Zeitpunkt, an dem wir wieder anfangen müssen, zwischen politischem Streit und demokratischen Grundsätzen zu unterscheiden.

Man darf die Regierung scheiße finden. Man darf die Union scheiße finden. Man darf die SPD scheiße finden. Man darf die Grünen scheiße finden. Man darf sogar mich scheiße finden. Alles völlig legitim.

Nur irgendwann sollte man sich gemeinsam darauf verständigen können, dass Demokratie, Rechtsstaat, Menschenwürde und unsere freiheitliche Grundordnung keine Verhandlungsmasse für den nächsten Denkzettel bei einer Wahl sind.
Alles andere können wir meinetwegen ausdiskutieren. Darüber sogar sehr gerne. Aber bei den Grundlagen unseres Zusammenlebens möchte ich dann doch lieber nicht neutral sein.

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Alles okay bei der Kontrolle. Na ja, fast.

Seit längerer Zeit wieder in eine Kontrolle gekommen. Die Umstände waren ein wenig kurios, will ich hier aber nicht weiter ausführen. Waren aber nicht schlimm, ehrlich nicht.

polizeiauto auf einem Parkplatz während einer Kontrolle

Die Überprüfung selbst war easy. Fahrerkarte in Ordnung, Zustand des Fahrzeugs auch, Ladungssicherung ebenso. Mit einer kleinen Ausnahme. Meine untergelegten Antirutschmatten wurden bemängelt. Die wären eher schon Gummi, als nicht rutschend. Sprich zu alt.
Und außerdem müssen die so gelegt werden, dass die darauf stehende Palette an keiner Stelle mit dem Boden vom Auflieger in Berührung kommt.

Wieder ein bisschen schlauer und mit der Erkenntnis, auch eine völlig schlichte Kontrolle findet immer noch etwas. Wäre ja sonst auch langweilig.

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Mistfinken

Eine Tankstelle in Österreich. Ich zahle vier Euro für die Dusche, gehe nach hinten, da wo der kleine Sanitärraum ist. In dem hängt an der Wand auch ein Wickeltisch.
Kaum die Tür geöffnet, muss ich würgen. Auf dem Boden liegt eine vollgekackte Windel, der ganze Raum stinkt nach Scheiße. Es ist unglaublich.

Wieso nimmt Mama oder Papa das Teil nach dem Wickeln nicht einfach fix mit nach draußen und wirft es dort in eine Abfalltonne?
Dann kommt das große Müllauto und weg ist sie, die Windel. Zusammen mit anderen Reisemüll, ohne dass irgendjemand die Hinterlassenschaft noch sieht, geschweige denn riecht. Aber so, nee. Einfach nur eklig.

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Wenn du fünf Tage hintereinander keinen Parkplatz findest, verlierst du irgendwann den Glauben an die „Freiheit“ auf der Straße

Von Udo Skoppeck

Du fährst los. Dein Ziel kennst du. Deine Tour kennst du. Vielleicht hast du dir sogar ausgemalt, wie der Abend wird. Nämlich ankommen, duschen, etwas warmes essen.
Vielleicht noch einen Film auf dem Laptop. Oder einen Kaffee. Vielleicht triffst du noch Kollegen, mit denen du ein paar Worte wechseln kannst.

Eigentlich ganz normale Dinge. Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind.

Und dann suchst du einen Parkplatz. Und suchst. Und suchst. Und suchst.

Industriegebiet? Voll. Rastplatz? Voll. Autohof? Voll. Irgendwo an einer Landstraße? Alles dicht. Waldweg? Feldweg? Vielleicht noch eine Lücke, aber eigentlich weißt du genau, dass du dort gar nicht stehen darfst.

Und irgendwann stehst du irgendwo.

Nicht dort, wo du hinwolltest. Nicht dort, wo du dich wohlfühlst. Nicht dort, wo du deine Pause verbringen möchtest. Sondern dort, wo du gerade noch stehen kannst.

Beim ersten Mal sagst du dir: „Na ja. Wird schon.“ Beim zweiten Mal: „Kann passieren.“ Beim dritten Mal: „Ist halt so.“

Beim fünften Mal hintereinander merkst du, dass etwas mit dir passiert. Du wirst müde. Nicht nur körperlich. Sondern auch innerlich. Denn du hast dich den ganzen Tag konzentriert.
Du hast Termine eingehalten, Verkehr ausgehalten, Staus, Baustellen, enge Rampen, Wartezeiten und Zeitdruck.

das bild zeigt einen lkw, der wegen eines falsch geparkten lkw nicht weiter fahren kann
Parkplatz voll? Oftmals wird die letzte Lücke genutzt, auch wenn andere Lkw nicht weiterfahren können.

Und dann kommt eigentlich der Teil des Tages, an dem du Mensch sein möchtest. Aber selbst das wird zum Problem. Wo kann ich schlafen? Wo kann ich duschen? Wo kann ich essen? Wo kann ich auf die Toilette? Wo kann ich mich einfach einmal hinsetzen, ohne das Gefühl zu haben, im Weg zu sein?

Und irgendwann redest du dir die Situation selbst schön. „Ich habe doch Freiheit.“ „Ich kann stehen, wo ich möchte.“ „Schau mal, Vollmond.“ Oder ein schöner Sonnenuntergang.

Und ja, manchmal ist er tatsächlich wunderschön. Aber ein schöner Sonnenuntergang ersetzt keine Dusche. Ein Vollmond ersetzt kein warmes Essen.

Und diese vermeintliche Freiheit, die du dir selbst einredest, weil du sonst irgendwann an dieser Situation zerbrechen würdest, ersetzt keinen sicheren und menschenwürdigen Arbeitsplatz.
Denn Freiheit ist nicht, wenn du irgendwo stehen kannst, wo gerade zufällig noch Platz ist.

Freiheit wäre, wenn du dir aussuchen könntest, wo du deine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit sicher und vernünftig verbringen kannst.

Und dann denkst du an früher. Da war die Welt nicht perfekt. Aber vieles war menschlicher.

Du bist beim Kunden angekommen. Das Fahrzeug wurde beladen oder entladen. Und währenddessen konntest du deine Dinge erledigen. Vielleicht gab es eine Kantine. Ein günstiges Mitarbeiteressen. Sanitärräume. Eine Dusche.
Manchmal sogar einen Aufenthaltsraum.

Du warst vielleicht ein Fremder für den Betrieb. Aber du wurdest trotzdem wie ein Mensch behandelt.

Heute heißt es immer öfter: „Nein, das geht nicht mehr.“ „Wir haben kein Personal.“ „Die Kantine ist nur noch für Mitarbeiter.“ „Duschen? Nein.“ „Sanitärräume? Nur für unsere Beschäftigten.“ „Beladen? Das müssen Sie selbst machen.“ „Warten? Bitte draußen.“

Und wenn du dann wenigstens deinen Wasserkanister mit frischem Wasser auffüllen möchtest, damit du morgens deinen Kaffee kochen, dir die Hände und das Gesicht waschen und deine Zähne putzen kannst, wird selbst das zunehmend zum Problem.

Auf manchen Raststätten musst du inzwischen sogar für dieses Wasser bezahlen. Und immer öfter sind die Wasserhähne einfach abgedreht. Am Waschbecken kannst du deinen Kanister nicht vernünftig füllen.
Fragst du nach, heißt es: „Gibt kein Wasser.“

Wasser. Kein Luxus. Keine Wellness. Keine Sonderleistung. Einfach nur Wasser.

Und so wird aus einem Menschen, der unser aller Waren transportiert, immer mehr ein externer Dienstleister auf vier Rädern, der möglichst wenig kosten und möglichst wenig Raum beanspruchen soll.

Er soll funktionieren. Pünktlich sein. Flexibel sein. Niedrige Preise akzeptieren. Lange warten. Selbst beladen. Selbst entladen. Selbst einen Parkplatz suchen. Selbst für seine Verpflegung sorgen. Selbst für seine Hygiene sorgen. Selbst für seine Sicherheit sorgen.

Und wenn er irgendwann erschöpft ist? Dann kommt von außen nicht selten der Satz: „Dann such dir doch was anderes.“

Was für ein Satz. Ein Satz, der all das ignoriert, was diesen Beruf einmal ausgemacht hat.

Denn viele Fahrer haben diesen Beruf nicht gewählt, weil sie nichts anderes konnten. Sie haben ihn gewählt, weil sie ihn geliebt haben. Weil sie fahren wollten. Weil sie Technik mochten. Weil sie unterwegs sein wollten. Weil sie Europa kennenlernen wollten. Weil sie stolz darauf waren, etwas zu bewegen.

Und viele haben jahrzehntelang genau das getan. Aber irgendwann wurde aus dem Beruf immer mehr ein Kampf um Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

  • Parkplatz.
  • Toilette.
  • Dusche.
  • Wasser.
  • Essen.
  • Ruhe.
  • Respekt.

Und dann wundern wir uns über den Fahrermangel? Vielleicht sollten wir den Menschen nicht ständig sagen, sie sollen sich einen anderen Beruf suchen.
Vielleicht sollten wir endlich anfangen, diesen Beruf wieder so zu gestalten, dass Menschen gerne bleiben.

Denn der Fahrer verlangt keine Sonderbehandlung. Er verlangt keinen roten Teppich. Er verlangt keine Wellnessoase. Er verlangt nicht einmal Luxus.

Er verlangt nur die Möglichkeit, seinen Beruf auszuüben und dabei Mensch bleiben zu dürfen. Und vielleicht sollten wir uns alle einmal eine ganz einfache Frage stellen: Was wäre eigentlich, wenn wir selbst sieben Tage lang so leben müssten?

Nur sieben Tage. Kein eigenes Badezimmer. Kein eigenes Bett. Kein sicherer Parkplatz. Kein warmes Essen. Kein selbstverständlich zugängliches Wasser.

Und bei jeder Kleinigkeit: „Nein.“ „Geht nicht.“ „Nur für Mitarbeiter.“ „Dann suchen Sie sich eben etwas anderes.“

Vielleicht würden wir dann verstehen, warum manche Fahrer irgendwann nicht mehr können. Nicht weil sie zu empfindlich sind.
Sondern weil man Menschen auch mit kleinen Dingen Tag für Tag zermürben kann.

Und genau das passiert auf Europas Straßen. Nicht irgendwann. Heute. Jeden Tag.

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Und plötzlich war die Tür zu

Heute Nachmittag war ich duschen, in einem Autohof irgendwo in Niedersachsen. Ich gehe in den Shop, sage zur Bedienung „Einmal duschen bitte“.
Sagt sie, „macht 1.99 Euro“. Mein Blick, ein wenig überrascht. „Ja, die Duschen hier werden gerade renoviert, deshalb steht draußen ein Container. Geht leider nicht anders.“ „Ist alles gut“, erwidere ich.

Also zwei Euro bezahlt, Lkw-Schlüssel als Pfand da gelassen, Containerschlüssel bekommen und zur Dusche gegangen. Danach noch rasiert.
Zwischendurch die Tür geöffnet, damit der Dunst raus zieht.

Dann kommt ein anderer Fahrer, keine Ahnung aus welchem Land. Er guckt rein und fragt „Dousch?“ „Ja, Dusche“ sage ich. Er fragt „Money?“ Ich: „Zwei Euro. Musst Du drin bezahlen.“
Schaut er mich an und antwortet „oh, no Money“. War mir auch egal, soll er machen.

Er läuft zurück zu seinem Lkw, kurz darauf war der mit seinen Utensilien wieder da. Dann verschwindet er in der Dusche.

Ich war dann fertig, pack mein Zeug zusammen, ziehe den Schlüssel von innen ab und schließe die Tür von außen zu. Reiner Reflex, ganz klar. Dann bin ich in den Shop, um die Schlüssel zu tauschen.
Als ich wieder raus kam, stand die Toilettenfrau vor dem Container und zerrt am Türgriff. Die Tür ging natürlich nicht auf, die war ja abgeschlossen.

Den Ausländer höre ich, wie er von innen gegen die Tür schlägt. Wumms, wumms, wumms.
Ich sage zur Klofrau, der Schlüssel liegt drin in der Tankstelle. Fragt sie: „Wie drin?“ „Na im Shop. Ich hab den grad abgegeben. Brauche ja meinen Lkw-Schlüssel.“ Und dann bin ich gegangen.

Tja. Das war mein aufregenstes Erlebnis heute.

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