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Karenztag im Transportsektor: Eine Idee mit gefährlichen Nebenwirkungen

Kein Witz, die Regierung will uns bei Krankheit Teile vom Lohn streichen. Unter anderem ist die Einführung des Karenztages im Gespräch.
Bedeutet, wer krank wird, bekommt für den ersten Krankheitstag keinen Lohn. Die Unternehmen sollen damit viel Geld sparen, weil dann weniger Leute sich einen Tag krankschreiben lassen.

Die Begründung wirkt auf den ersten Blick simpel: Unternehmen könnten dadurch Kosten sparen, und angeblich würde auch die Zahl der Krankmeldungen sinken.
Die Logik dahinter, wer wirklich krank ist, bleibt trotzdem zu Hause, alle anderen überlegen es sich zweimal.

Doch genau hier beginnt das Problem

Denn diese Argumentation unterstellt uns Beschäftigten pauschal, wir würden das System ausnutzen.
Statt strukturelle Ursachen für steigende Krankmeldungen zu hinterfragen, etwa Arbeitsdruck, Personalmangel oder schlechte Arbeitsbedingungen, wird die Verantwortung auf die Einzelnen abgewälzt.

Die möglichen Folgen sind absehbar: Menschen gehen krank zur Arbeit, um keinen finanziellen Verlust zu riskieren. Das gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit.

Denn betrachten wir das mal aus der Perspektive von uns Lkw-Fahrern.

Anders als in vielen anderen Jobs geht es hier nicht nur um Produktivität oder kurzfristige Ausfälle.
Wer jeden Tag mit Lkw über Straßen fährt, trägt ja schon eine Verantwortung, für sich selbst und für andere Verkehrsteilnehmer.

Deshalb ist Krankheit in unserem Beruf keine Nebensache, sondern ein ernstzunehmender Risikofaktor. Ein Karenztag würde genau hier einen problematischen Anreiz setzen: Nämlich wer krank wird, verliert direkt Geld.

Für viele Fahrer, die ohnehin unter hohem Zeitdruck, engen Lieferfristen und oft mäßiger Bezahlung arbeiten, ist das keine Kleinigkeit.
Die Folge liegt nahe, man setzt sich trotzdem ans Steuer.

Doch was bedeutet das konkret? Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, verlangsamte Reaktionszeiten, all das sind typische Symptome vieler Erkrankungen. Hinter dem Lenkrad eines Lkw können sie schnell zur Gefahr werden.

Ein einziger Moment der Unachtsamkeit kann ausreichen, um schwere Unfälle zu verursachen.

Hinzu kommt die Arbeitsrealität vieler Fahrer. Nämlich teils lange Touren, wenig Pausen, Schlafmangel. Schon ohne Krankheit ist die Belastung hoch.

Ein finanzieller Druck, auch angeschlagen weiterzufahren, verschärft diese Situation zusätzlich.
Die Idee, durch einen Karenztag „Missbrauch“ zu verhindern, greift hier also besonders kurz. Denn sie ignoriert die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und Risiken.

Stattdessen wird ein System geschaffen, das genau das Gegenteil von Sicherheit fördert.

Am Ende stellt sich eine unbequeme Frage: Wollen wir wirklich ein Umfeld schaffen, in dem kranke Lkw-Fahrer aus finanziellen Gründen weiterarbeiten?

Die möglichen Konsequenzen betreffen nicht nur uns Fahrer selbst, sondern alle.
Eine verantwortungsvolle Politik sollte auf Sicherheit und Gesundheit setzen, nicht auf kurzfristige Einsparungen.

Ein Karenztag mag auf dem Papier sinnvoll erscheinen. Auf der Straße könnte er sich als gefährlicher Irrweg erweisen.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Business Punk

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Blogleser Stefan ist bei einer Fahrt auf einer Autobahn etwas aufgefallen:

Hi Maik!
Lese seit Jahren  mit viel Interesse Deinen Blog (wenngleich auch völlig fach- und branchenfremd).
Bei meiner heutigen Fahrt über die Autobahn ist mir mal wieder aufgefallen, dass gefühlt alle LKW mit nur einem Fahrer besetzt sind.
Bei den hohen Effizienzansprüchen, die die Branche hat, wundert es mich, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen One-Driver-Truck zu entwerfen, der entweder den eingesparten Raum für mehr Ladung nutzt oder – das möchte ich hier ansprechen – für eine bessere Aerodynamik.
Der Fahrer würde dann mittig sitzen und die üblichen rollenden Schrankwände wären passé.
Ich habe mal mit KI einen Entwurf generiert und angehangen.
Richtig dolle ist der zwar noch nicht.
Nach vorne raus ging das bestimmt noch schmaler. Und das Problem der Rückspiegel scheint mir so auch noch nicht ganz gelöst.
Aber die Idee dürfte doch zumindest deutlich werden.

Magst du dazu vielleicht etwas sagen oder es gar in deinen Blog zur Diskussion stellen?
Ich finde es eine interessante und spannende Frage (bin aber auch jemand, der absolut nicht selber betroffen wäre).
Viele Grüße
StefaN.

ein Designentwurf eines Bloglesers, in dem der Fahrer eines Lkw mittig im Lkw sitzt.

Vielen Dank für Deine Überlegungen. Ja, die rollenden Schrankwände.
Bei den Nutzfahrzeugformen in Europa ging es lange Zeit, und geht es teilweise noch immer, nicht um Aerodynamik, sondern um die Fahrzeuglänge und gesetzliche Vorschriften.

Denn hierzulande gibt es strenge Höchstlängen für Lkw. Wenn du die Kabine kleiner machst, hast du mehr Länge, die du für den Auflieger und damit für die Ladung nutzen kannst.
Benötigst du zehn Prozent mehr Kraftstoff, um zehn Prozent mehr Fracht zu transportieren, sind die Designs im Endeffekt gleich effizient.

Aber zu Deinem Entwurf. Der ähnelt dem Semi von Tesla. In dem sitzt der Fahrer schon mittig.

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Ich sehe das eher negativ. Es macht das überholen oder abbiegen schwieriger. Beim Semi z.B. befinden sich die Türen ziemlich weit hinten. Also hinter dem Sitz.
Dadurch muss man einmal quer durchs Führerhaus, wo man mit dreckigen Schuhen alles schmutzig macht. Irgendwelche Papiere mal fix durchs Fenster zu reichen, ist dann auch nicht mehr möglich.

Auch das Thema Sicherheit und Regulierung spielt eine große Rolle. Fahrzeugbreiten, Sichtfelder, Crashstrukturen und Spiegel- bzw. Kamerasysteme sind stark normiert.

Ein komplett neues Design müsste aufwendig zugelassen werden und sich in vielen Tests bewähren. Das bremst Innovationen in diesem Bereich oft aus.

Und schließlich ist da noch die wirtschaftliche Seite: Die Branche optimiert stark, aber eher schrittweise, aufeinander aufbauend, sich quasi in kleinen Schritten erhöhend.
Neue Konzepte setzen sich meist nur durch, wenn sie mit bestehenden Auflagen, Infrastruktur und Wartungssystemen kompatibel bleiben.

Ein radikal anderes Fahrerhaus würde vermutlich hohe Umstellungskosten verursachen.

Trotzdem: Deine Idee geht durchaus in eine Richtung, die man in Ansätzen, wie bei Tesla, schon sieht. Oder bei Konzeptstudien mit besserer Aerodynamik, Kameraspiegeln oder sogar mittigen Fahrerpositionen (wenn auch selten im Serienbetrieb).

In Kombination mit Elektromobilität und autonomem Fahren könnten solche Layouts in Zukunft sicher wieder relevanter werden.

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Wir importieren Fahrer, statt Probleme zu lösen

Vom alten Haudegen Udo Skoppeck habe ich vor acht oder neun Tagen auf seinem Facebook-Profil ein Zitat gelesen.
Klar, deutlich, unmissverständlich. Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken:

Wir lösen keinen Fachkräftemangel, indem wir neue Menschen in alte Probleme stecken.

Udo Skoppeck (Fahreraktivist der ersten Stunde)

Der Grund dafür? Ich glaube, Udo hat auch auf diesen Artikel angespielt: Spedition rekrutiert ihre Mitarbeiter aus Burkina Faso.
Der ist Ende März in der Westfalenpost erschienen. Allerdings ein plus Beitrag, ohne Abo also nicht lesbar.


Der Fahrermangel ist unbestritten. Denn kaum eine Branche betont seit Jahren so anstrengend auftreibend, wie sehr ihr qualifiziertes Personal fehlt, wie die Logistik.
Nur statt mal konsequent zu hinterfragen, warum sich immer weniger Menschen für den Beruf „Lkw-Fahrer“ entscheiden, dreht sich die Debatte seit langem darum, woher neue Arbeitskräfte kommen könnten. Das ist nicht nur behaglich, sondern auch bequem.

Denn die zentrale Frage lautet doch nicht: „Wo finden wir neue Fahrer?“
Nee. Sondern eher: „Wieso will diesen Job unter den aktuellen Bedingungen eigentlich kaum noch jemand machen?“

Oder anders ausgedrückt, statt darüber zu sprechen, warum sich so wenige Menschen für diesen Beruf entscheiden, wird vor allem darüber nachgedacht, woher neue Arbeitskräfte kommen könnten.

Der Fachkräftemangel wird so zu einer Art Dauerzustand, der immer neue „Lösungen“ hervorbringt, ohne die eigentlichen Ursachen zu beheben.

Dabei sind diese Ursachen längst bekannt. Nämlich zum Beispiel eine hohe Arbeitsbelastung, unattraktive Arbeitszeiten, mangelnde Wertschätzung und oft auch fehlende Perspektiven.
Solange sich daran nichts ändert, wird jede noch so kreative Rekrutierungsstrategie ins Leere laufen.

So bleibt jede Lösung ein Provisorium. Klar kann man natürlich neue Arbeitskräfte gewinnen, aus anderen Regionen, aus anderen Ländern, von anderen Kontinenten.
Aber wenn sie in ein System kommen, welches viele vorher schon verlassen haben, was genau soll sich dadurch eigentlich verbessern?

zwei Lkw Renault stehen auf einem Parkplatz. Deren Fahrer kommen aus vielen Ländern.
Fahrer aus aller Herren Länder und ihre Maschinen

Aber ich glaube, da schwingt oft die Erwartung mit, dass „andere“ vielleicht eher bereit sind, diese Bedingungen zu akzeptieren. Vielleicht, weil sie weniger Alternativen haben.
Und genau da wird es für mich bedenklich. Denn dann reden wir nicht mehr nur über Fachkräftemangel, sondern auch über ein Ungleichgewicht, das sich Arbeitgeber zunutze machen.

Genau hier liegt das Problem

Ich meine, ein nachhaltiger Ansatz beginnt bei den Grundlagen. Nämlich gleiche Rechte für alle Beschäftigten, faire und transparente Löhne, verlässliche Verträge und Arbeitsbedingungen, die diesen Namen auch verdienen.

Denn am Ende ist die Antwort eigentlich einfach: Eine Tätigkeit, die fair bezahlt wird, planbare Arbeitszeiten bietet und vielleicht auch ein bissel gesellschaftliche Anerkennung erfährt, wird Menschen anziehen, unabhängig von ihrer Herkunft.
Ein Beruf hingegen, der diese Standards nicht erfüllt, wird auch langfristig niemanden halten können, egal wo auf unserem Planeten die Suche nach Arbeitskräften organisiert wird.

Eigentlich sollte es doch egal sein, wo jemand herkommt. Entscheidend ist, ob die Arbeit so gestaltet ist, dass man sie machen will.
Und nicht nur, dass man sie irgendwie macht, weil man keine bessere Option hat.

Solange das nicht passiert, bleibt der Fahrermangel ein hausgemachtes Problem, welches man nicht mit neuen Menschen lösen kann, sondern nur mit besseren Bedingungen. Und da bin ich ganz bei Udo.

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Leistungsverlust am Berg: Wenn der Ladedruck bei alten Motoren nachlässt

Leistungsverlust am Berg durch nachlassenden Ladedruck? Ursachen, Vergleich und Tipps zu alten Turbomotoren. Jetzt informieren.

Wer mit einem älteren Turbomotorenfahrzeug steile Steigungen befährt, kennt das Problem: Der Motor zieht nicht mehr richtig durch, das Fahrzeug verliert spürbar an Tempo, und das Überholen auf Serpentinen wird zur Nervenprobe.

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Dieseldiebstahl über Ostern: Tausende Liter von Baustellen entwendet

Großbaustelle an der A8 bei Pforzheim betroffen

Über die Osterfeiertage kam es auf einer Großbaustelle an der A8 bei Pforzheim zu einem außergewöhnlich großen Dieseldiebstahl.
Unbekannte Täter entwendeten dort mehrere tausend Liter Kraftstoff, offenbar gut organisiert und über einen längeren Zeitraum hinweg.

Zu sehen ist der tankbehälter eines lkw, dessen Deckel gerade geöffnet wird. Der Zweck ist Diesel Diebstahl.

Nach Angaben der Polizei wurden zwischen Donnerstagabend und Dienstagmorgen rund 4.000 Liter Diesel aus Tankcontainern sowie Baustellenfahrzeugen abgezapft.
Die Tat ereignete sich im Bereich der Autobahnausfahrt Pforzheim-Ost.

Aufgrund der großen Menge gehen die Ermittler davon aus, dass für den Abtransport ein größeres Fahrzeug, möglicherweise sogar ein Lastwagen, eingesetzt wurde. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Zweiter Fall in Calw

Ein ähnlicher Vorfall wurde auch aus Calw gemeldet. Dort nutzten Unbekannte ebenfalls das Osterwochenende, um etwa 2.000 Liter Diesel aus einer Baustelle zu stehlen.
Auch in diesem Fall wird vermutet, dass der Abtransport mit einem größeren Fahrzeug erfolgte.

Die Polizei bezeichnet Diebstähle in dieser Größenordnung als ungewöhnlich. Zwar sei in den vergangenen Monaten ein leichter Anstieg bei Kraftstoffdiebstählen zu beobachten, doch der Umfang dieser Fälle steche deutlich hervor.

Seit Anfang März wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim insgesamt 29 entsprechende Delikte registriert, darunter Diebstähle an Baustellen- und Großfahrzeugen sowie Tankbetrüge.

Polizei spricht von ungewöhnlicher Dimension

Ende März erklärte das Innenministerium Baden-Württemberg, dass die Polizeipräsidien bislang keine verlässlichen Erkenntnisse darüber hätten, ob Fälle von Kraftstoffdiebstahl und Tankbetrug in den vergangenen Wochen zugenommen haben.

Für eine fundierte Einschätzung sei es noch zu früh. Gleichzeitig geht das Landeskriminalamt (LKA) jedoch davon aus, dass die seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Spritpreise langfristig zu einer Zunahme solcher Delikte führen könnten.

Quelle: Tagesschau.de

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Betz International meldet Insolvenz an

Die Betz International GmbH, eine Tochtergesellschaft der Willi Betz-Gruppe hat laut einem entsprechenden Bericht des „Reutlinger General-Anzeigers“ am 2. April Insolvenz angemeldet.
Damit könnte ein weiteres Kapitel einer Marke enden, die über Jahrzehnte hinweg den europäischen Straßengüterverkehr maßgeblich geprägt hat.

Vor der Jahrtausendwende galt Willi Betz als einer der dominierenden Transport-Giganten auf Europas Straßen. Die markanten Lkw-Flotten waren ein vertrauter Anblick auf den wichtigsten Verkehrsachsen des Kontinents.

Zu sehen ist ein Lkw der ehemaligen Spedition Willi betz.

Das Unternehmen stand sinnbildlich für eine Zeit, in der westeuropäische Speditionen den Markt bestimmten, bevor zunehmend große Flottenbetreiber aus Osteuropa an Bedeutung gewannen und die Branche nachhaltig veränderten.

In den vergangenen Jahren hatte sich das Geschäftsmodell der Betz International GmbH deutlich gewandelt. Statt als klassischer Spediteur mit eigener Flotte aufzutreten, konzentrierte sich das Unternehmen vor allem auf den Linienverkehr sowie die Rolle als Netzwerk-Frachtführer für andere Speditionen.
Dieses Modell setzte auf Kooperation, Struktur und Integration in bestehende Logistiknetzwerke, ein Ansatz, der in der heutigen, stark fragmentierten Transportlandschaft weit verbreitet ist.

Quelle: Reutlinger General-Anzeiger

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Mit 120 unterwegs. Überholt von fast allen, außer Kolekas.

Gestern mit meinem Pkw knapp 130 Kilometer Autobahn gefahren, Tempomat konstant auf 120. Eigentlich schön, um entspannt und auch noch spritsparend unterwegs zu sein.

Tja, nur gefühlt war ich damit einer der Langsameren auf der Strecke. Ich wurde permanent überholt. Vom großen Sprit Dilemma hab ich ehrlich gesagt, kaum was gemerkt.

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Zwischen Freiheit und Realität: Der Lkw als Arbeitsplatz und Ruheraum

Von Udo Skoppeck

Ich habe meinen Beruf immer gern gemacht. Der Lkw war für mich nie nur ein Arbeitsplatz, er war Freiheit, Verantwortung und oft auch ein Stück Zuhause.

Ich habe aber auch erlebt, dass es anders geht. Ein Arbeitgeber hat mir damals die Möglichkeit gegeben, meine Touren so zu planen, dass ich mir unterwegs ein Zimmer oder eine Pension nehmen konnte.
Das war menschlich, das war respektvoll, und leider eine absolute Ausnahme.

Heute sieht die Realität oft anders aus

Juristisch ist es klar: Niemand zwingt mich, im Lkw zu schlafen. Ich darf meine Ruhezeit auch in einem Hotel verbringen.
Aber genauso klar ist auch: In der Praxis fehlt diese Wahl oft.

Touren sind eng getaktet. Zeitfenster lassen kaum Spielraum. Hotels kosten Geld, das viele Unternehmen nicht einplanen. Und so wird aus einer erlaubten Möglichkeit eine Erwartung und aus dieser Erwartung entsteht ein faktischer Zwang.

Ich arbeite im Lkw.
Ich schlafe im Lkw.
Ich verbringe dort meine gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten.

Und trotzdem gilt dieser Raum rechtlich nicht als vollwertiger Ruheraum mit klaren Schutzstandards.

Während in anderen Berufen Temperatur, Belüftung und Aufenthaltsbedingungen geregelt sind, bleibt das im Lkw weitgehend offen.

ein lkw der marke ford steht auf einem parkplatz und dessen fahrer betreibt wagenpflege

Jeder, der schon einmal im Sommer bei 30 Grad nachts in einer aufgeheizten Kabine gelegen hat, weiß, was das bedeutet.

Das ist kein Angriff auf den Beruf. Im Gegenteil.

Es geht um Respekt vor dem, was wir tun

Denn eines ist doch logisch. Wenn ein System vorsieht, dass Menschen ihre Ruhezeiten in einem bestimmten Raum verbringen, dann muss dieser Raum auch so gestaltet sein, dass echte Erholung möglich ist.

Es geht nicht darum, den Lkw schlechtzureden. Nein, es geht darum, die Realität anzuerkennen.

Ich habe diesen Beruf immer mit Leidenschaft gelebt. Aber genau diese Leidenschaft darf heute nicht mehr als Begründung dafür dienen, auf klare Standards zu verzichten.

Was früher vielleicht funktioniert hat, wird unter den heutigen Bedingungen zu einem Problem

Deshalb müssen wir anfangen, die richtigen Fragen zu stellen. Wie, ist der Lkw nur ein Fahrzeug?
Oder ist er längst auch ein Arbeitsplatz und Ruheraum, der entsprechenden Schutz verdient?

Und wenn er das ist, warum behandeln wir ihn dann nicht auch so?

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