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Schlagwort: Stau

Brenner: Der Fahrer darf warten und die Klappe halten

Mehr als zwanzig Jahre fahre ich fast wöchentlich über die Brennerautobahn. Mal läuft es einigermaßen gut, oft aber eher kacke.

Baustellen gibt es dort immer irgendwo, Schnarchnasen, die mit 77 oder 78 km/h dahinkriechen, auch. Und dann sind da noch die Staus. Die werden immer mehr und immer länger.

Gerade ist es ganz übel. Die Luegbrücke ist wegen Reparaturarbeiten nachts auf den verbliebenen Fahrspuren für alles über 3,5 Tonnen gesperrt. Tagsüber ist nur eine Spur frei.
Auf der italienischen Seite gibt es zwischen dem Brennerpass und Klausen ebenfalls Baustellen, bei denen der Verkehr immer wieder einspurig geführt wird.

Gestern habe ich mit einem Kollegen gesprochen. Er hat letzten Mittwoch von Bozen bis Sterzing fast sechs Stunden gebraucht. Das ist krank.

Im Gespräch mit einer Südtiroler Zeitung beschreibt ein anderer Berufsfahrer die Situation in einem öffentlichen Hilfeschrei als dramatisch:

Screenshot aus Südtirol News mit einem Bericht über einen Lkw Fahrer, der stundenlang im Stau auf der Brennerautobahn steht
Screenshot Südtirol News

„Stundenlang stehen wir im Stau – völlig regungslos. Wir sind Arbeiter und keine Ware“, erklärt der Lkw-Fahrer. Die Situation sei unmenschlich. Es stünden keine Informationen zur Verfügung, es gebe keine Erklärungen. „Am schlimmsten ist: Wir stecken in unseren Fahrerkabinen fest – ohne Toiletten, ohne Wasser, ohne Essen

Ein Fahrer im Gespräch mit Alto Adige online

Jep, wer als Lkw-Fahrer regelmäßig über den Brenner fährt, bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, welchen Stellenwert der Güterverkehr in Europa tatsächlich hat.
In politischen Sonntagsreden ist er systemrelevant. Ohne Lkw würden schließlich die Regale leer bleiben, die Produktion stillstehen und die viel beschworenen Lieferketten ziemlich schnell reißen.

Auf der Straße sieht diese Wertschätzung allerdings anders aus

Da wird eine der wichtigsten europäischen Transitstrecken zur Dauerbaustelle, der Verkehr wird ausgebremst, und Tausende Lkw-Fahrer dürfen zusehen, wie ihre Lebenszeit zerbröselt.

Die Luegbrücke muss saniert werden, ganz klar. Auch auf der italienischen Seite müssen Fahrbahnen und Brücken repariert werden.
Aber dass solche Engstellen den internationalen Güterverkehr über Jahre derart beeinträchtigen, ist nicht einfach nur ein technisches Problem. Es ist auch ein verkehrspolitisches Armutszeugnis.

Denn die Frage ist nicht, ob eine Brücke saniert werden muss. Die Frage lautet, warum die Folgen für eine der wichtigsten Wirtschaftsachsen Europas offenbar als etwas hingenommen werden, mit dem sich die Betroffenen eben irgendwie arrangieren sollen.

Europa will freie Warenströme. Aber bitte ohne störende Lkw

Besonders absurd wird es, wenn man sich anschaut, wie viel Aufwand betrieben wird, um den Verkehr zu regulieren. Dosierungen, Fahrverbote, wechselnde Verkehrsführungen und komplizierte Fahrkalender sollen den Verkehr beherrschbar machen.
Die ASFINAG spricht selbst von grundsätzlich einspuriger Verkehrsführung auf der Luegbrücke und einer nur zeitweise möglichen Zweispurigkeit.

Natürlich sind solche Maßnahmen auch notwendig. Aber sie lösen das grundsätzliche Problem nicht: Zu viel Verkehr trifft auf eine Infrastruktur, deren Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Und anstatt den Güterverkehr zuverlässig durchzubringen, wird er verwaltet, gebremst und auf freie Zeitfenster verteilt.

Der Lkw-Fahrer darf sich dann durch die Vorschriften arbeiten. Er soll wissen, wann er fahren darf, wann nicht, wo er warten muss und welche Einschränkungen gerade gelten.
Das dadurch Lieferketten komplizierter, Touren unberechenbarer und Arbeitsbedingungen schlechter werden, scheint in der politischen Rechnung kaum vorzukommen.

Wer trägt eigentlich die Kosten dieses Wahnsinns?

Ein Lkw, der im Stau steht, verdient kein Geld. Der Fahrer verliert wertvolle Arbeitszeit, der Betrieb bezahlt Fahrzeug und Personal, und die Ware kommt trotzdem nicht schneller ans Ziel.
Dazu kommen zusätzlicher Kraftstoffverbrauch, unnötige Emissionen und Stress für Menschen, die ohnehin schon unter Zeitdruck arbeiten.

Und wer erklärt dem Fahrer, dass er seinen Kunden nicht rechtzeitig erreicht? Wer organisiert einen neuen Entladetermin? Wer findet einen Parkplatz, wenn die geplante Pause wegen des Staus nicht mehr funktioniert?

Die Antwort ist meistens dieselbe: Der Fahrer muss irgendwie damit klarkommen.

Dabei wird von der Transportbranche gleichzeitig verlangt, effizienter, klimafreundlicher und wettbewerbsfähiger zu werden.
Wie das funktionieren soll, wenn eine zentrale Transitroute über Jahre zum Nadelöhr wird, darf gerne jemand erklären.

Das eigentliche Problem ist nicht die Brücke

Eine marode Brücke zu erneuern, ist keine Fehlentscheidung. Eine notwendige Baustelle lässt sich nicht wegdiskutieren.
Das eigentliche Ärgernis ist, wie selbstverständlich die Belastungen für den Güterverkehr und die Menschen am Steuer als unvermeidbare Begleiterscheinung behandelt werden.

Der Brenner ist kein abgelegener Alpenübergang, auf dem sich gelegentlich ein paar Lastwagen begegnen. Er ist eine zentrale Verbindung für den europäischen Warenverkehr. Das weiß man nicht erst seit gestern.
Der Zustand der Infrastruktur, die Abhängigkeit von einer einzelnen Verkehrsachse und die Folgen jahrelanger Bauarbeiten hätten deshalb längst viel stärker in die europäische Verkehrsplanung einfließen müssen.

Stattdessen bleibt der Eindruck, dass die Politik den Güterverkehr vor allem dann ernst nimmt, wenn er funktionieren soll. Wenn er wegen der Rahmenbedingungen nicht funktioniert, wird auf Baustellen, Vorschriften und notwendige Einschränkungen verwiesen.

Das mag alles seine Gründe haben. Für den Fahrer, der im Stau steht, macht es den verlorenen Arbeitstag trotzdem nicht besser.

Europa braucht den Lkw. Aber am Brenner entsteht zuweilen der Eindruck, dass Europa zwar die Waren haben möchte, den dazugehörigen Verkehr aber am liebsten irgendwo zwischen Kufstein und Sterzing parken würde.

Und genau das ist der bittere Witz: Ohne Lkw läuft die Wirtschaft nicht. Doch wenn es darum geht, dem Lkw-Verkehr vernünftige Bedingungen zu bieten, scheint diese Erkenntnis erstaunlich schnell vergessen zu sein.

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Brenner-Stau. Die Rechnung zahlen wieder wir Lkw-Fahrer

Gestern Lkw-Stau von Trento bis zum Brenner. Kann man hier lesen. Und hier. Also wie immer nach Feiertagen in Österreich mit einem Fahrverbot.
Dieses stundenlange Stehen hab ich auch schon einige Mal hinter mir. Aber nicht auf so einer lange Strecke. Das ist nur noch krank.

Denn seit Jahren wird der Güterverkehr am Brenner durch Fahrverbote, Nachtfahrverbote, Blockabfertigungen und andere Einschränkungen immer stärker in quasi enge Zeitfenster gedrängt.

Und wenn dann nach einem Feiertag tausende Lkw gleichzeitig wieder losfahren, tut man überrascht, dass es Stau gibt.
Das ist ungefähr so, als würde man einen Fluss immer weiter einengen und sich anschließend wundern, dass das Wasser über die Ufer tritt.

Vielleicht sollte wirklich einmal über das Nachtfahrverbot in Tirol diskutiert werden. Denn tagsüber stehen die Lastwagen Stoßstange an Stoßstange auf der Autobahn, nachts wäre auf vielen Abschnitten eine Menge Platz vorhanden.
Aber gefahren werden darf dann nicht. Also stehen die Fahrzeuge tagsüber im Stau und alle beklagen das Verkehrsproblem.

Denn wenn ein Feiertag ausreicht, um den Verkehr auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Europas derart aus dem Takt zu bringen, dann sollte man vielleicht über die Ursachen sprechen und nicht nur über die Symptome.

lkw-stau stau auf der brennerautobahn. ein tagtägliches ärgernis.

Seit Jahren wird über Blockabfertigungen, Fahrverbote und Verkehrsbeschränkungen geredet. Gleichzeitig fehlen aber Lösungen, die den Verkehr tatsächlich flüssiger machen würden.

Man könnte beispielsweise darüber nachdenken, ob bestimmte Feiertagsregelungen im Güterverkehr noch zeitgemäß sind.
Wenn tausende Lkw einen Tag lang stehen müssen und sich anschließend die gesamte Transportmenge auf die folgenden Stunden konzentriert, sind Staus praktisch vorprogrammiert.

Genauso stellt sich die Frage nach dem Nachtfahrverbot in Tirol. Natürlich müssen die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden.
Doch wenn Lastwagen nachts nicht fahren dürfen, tagsüber durch Blockabfertigung, Baustellen und Pendlerverkehr ausgebremst werden und zusätzlich an Feiertagen stillstehen müssen, dann darf man sich über kilometerlange Staus am nächsten Tag nicht wundern.

Der Verkehr verschwindet ja nicht einfach. Nee, der wird auf wenige Stunden konzentriert.

Die Folgen tragen am Ende vor allem wir Fahrer. Wir sitzen stundenlang im Stau, verlieren wertvolle Lebens- und Arbeitszeit, geraten unter Termindruck und müssen später oft um jeden freien Parkplatz kämpfen.
Gleichzeitig werden wir in der öffentlichen Debatte häufig nur als Teil des Problems wahrgenommen, obwohl wir lediglich unseren Job machen.

Der gestrige Stautag zeigt einmal mehr, dass die Verkehrspolitik entlang des Brennerkorridors so dermaßen kaputt ist.
Wer aber immer neue Einschränkungen beschließt, ohne ausreichend Alternativen zu schaffen, produziert zwangsläufig neue und immer längere Staus.

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Blogleser Christopher hat ein Lob und eine Frage:

Hallo Maik,

seit längerer Zeit lese ich hier mit und finde viele (nicht alle) Beiträge interessant. Auch als einer, der nicht als Lkw-Fahrer arbeitet. Nur was mir auch als Autofahrer auffällt, ist, dass der Verkehr immer mehr wird, es viele Baustellen gibt, der Verkehr oft mehr steht, als er rollt. Wie gehst Du damit um, denn besonders für Leute wie Dich ist ja Zeit wirklich Geld.

VG und weiterhin viel Erfolg mit diesem Blog, Christopher

Hallo Christopher, danke für Deine Frage.

Tja, was soll ich machen? Klar ist es ärgerlich, wenn ich irgendwo nicht so vorwärts komme, wie ich es mir wünsche und es eigentlich auch will.
Nur wenn ich etwas habe, was ich nicht ändern kann, wie eben Stau, es alles etwas länger dauert, aber es wird irgendwann weiter gehen.

Solche Dinge sind eben wie sie sind. Und wenn ich die nicht ändern kann, muss ich die eben einfach so hinnehmen.
Denn es bringt nichts, sich großartig darüber aufzuregen oder mit Bitterkeit durch den weiteren Tag zu fahren. Denn, wie schon geschrieben, es ist wie es ist. Ich muss damit einfach leben.

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Sie haben Post

Die Verkehrssituation am Brenner ist schon arg harte Kacke und wird sich in den nächsten Jahren auch nicht zum flüssigen Ausfluss ändern.
Auf einen Artikel darüber, hat mich Blogleser Otto aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür 😉

Hallo Maik,

hat die Baustelle am Brenner eigentlich Auswirkungen für dich (ich bin durch den unten aufgeführten Artikel darauf gekommen.

Grüße

waz.de/panorama/bruecke-marode…

Moin, nicht nur die Baustelle direkt am Brenner. Von Innsbruck bis Bozen ist die Autobahn eigentlich nur noch Baustelle. Ist ein Stück fertig, werden anderswo neue Abschnitte aufgebaggert. Aber so ist das nun mal.

Die Luegbrücke, um die geht es ja in dem Artikel, war in den letzten Wochen meist schon nur einspurig. Zumindest dann, wenn ich da lang gefahren bin. Also von wegen erst ab 1. Januar.
Es lief aber gut, gab keinen Stau. Vielleicht auch deshalb, weil derzeit wenig Urlauber unterwegs sind. Der November ist halt keine Reisesaison.

Das macht mir ein bissel Hoffnung für nächstes Jahr. Das es eben doch nicht so übel wird, wie einige Spezialisten vorhersagen. Zumal an verkehrsreichen Tagen zwei Spuren je Richtung geöffnet werden sollen.
Denn auf so einen güllemäßigen Megastau wie bei der Heimfahrt aus dem Urlaub, hab ich wenig keine Lust.

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Under the Bridge

die brennerautobahn von unten fotografiert

Auch wenn es hier auf dem Foto nicht so ausschaut, aber auf der Heimfahrt vom Urlaub ein Megastau von noch vor Sterzing bis nach hinterm Brenner.
Megastau titelte auch die Kronenzeitung. Und selbst wenn diese Postille oft maßlos übertreibt, hier nicht. Es war wirklich ein Megastau.

Von Vipiteno, wie der Italiener sagt, dachten wir, den Stillstand auf der Autobahn durch ein Ausweichen über die Staatsstraße umgehen zu können. Den gleichen Gedanken hatten viele andere Autofahrer aber ebenfalls. Also auch auf diesem Weg eher Stop als go.

Irgendjemand sagte mal „Der Weg ist das Ziel„. Aber das ist natürlich Humbug. Denn das Ziel ist das Ziel.
Trotzdem blieb kurz Zeit für dieses Bild: Die Brennerautobahn mal von unten gesehen. Auch ganz nett.

Unser Ziel habe ich trotzdem nicht aus den Augen verloren.

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Es gibt so Tage

Eigentlich wollte ich gestern Abend nur bis zum Rasthof Feucht fahren. Nur lief das so gut, dachte ich mir, fährst halt bis Aurach, bist wenigstens an Nürnberg schon vorbei.
Letztlich kam ich noch etwas weiter, nämlich bis Steigerwald. Da war dann wirklich Schluss.

War aber eine gute Entscheidung. Denn heute früh in den Verkehrsnachrichten, zehn Kilometer Stau von Nürnberg-Nord bis Erlangen. Den hab ich mir somit schon mal erspart.

Auch heute früh ne halbe Stunde früher los gefahren, als ich eigentlich wollte. Keine Ahnung weshalb. Konnte nicht mehr liegen, Pause hatte ich genug.
Übernächste Abfahrt, Geiselwind, noch mal abgefahren. Dort am Autohof geduscht, zwei belegte Brötchen gekauft und weiter gefahren.

Wieder auf der Autobahn angekommen, nix los. Vor mir keiner, von hinten kam niemand. Freie Strecke sprichwörtlich bis zum Horizont.
Grund war wieder ein Unfall, dieses Mal bei Schlüsselfeld. Der muss kurz nach mir passiert sein.

Klar, für die Beteiligten scheiße. Für mich, na ja, entspannter fahren geht kaum.

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Es gibt ja nicht schon genug Stau

Heute Vormittag auf der A3 bei Höchstadt. In einer Baustelle wie es sie überall gibt, säbelte ein Wohnmobil von nen Lkw den linken Spiegel ab. Passiert öfter wie man denkt.
Ich versteh eh nicht, weshalb sich Reisemobilisten selbst auf engsten Spuren an einen Lastwagen vorbei quälen müssen. Denn die haben doch eigentlich Urlaub, was hetzt solche Leute?

Also. Lkw steht rechts, Wohnmobil steht links, die beiden Fahrer davor und diskutieren. Und dahinter etliche Kilometer Stau. Kann man sich nicht ausdenken.

Wieso machen die keine Fotos, merken sich den ungefähren Standort und fahren dann weiter? Stellen sich in die nächste Pannenbucht, diskutieren das da aus und rufen von dort die Polizei?
Klar, könnte mir eigentlich egal sein, war in der Gegenrichtung unterwegs. Aber man macht sich halt so seine Gedanken.

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