Was wie eine Szene aus einem Actionfilm klingt, ist am vorletzten Sonntag in den USA tatsächlich passiert: Ein Lkw wurde nahe des Flughafens Newark von dem Fahrwerk eines landenden Passagierflugzeugs getroffen. Der Fahrer wurde dabei verletzt.
Der Unfall passierte am 3. Mai gegen 14 Uhr auf dem New Jersey Turnpike direkt am Newark Liberty International Airport. United-Flug 169 war gerade aus Venedig im Landeanflug, als das Fahrwerk offenbar erst einen Lichtmast erwischte und kurz darauf einen Sattelzug auf der Autobahn traf. Der Lkw kippte durch den Aufprall um. Der umgerissene Lichtmast beschädigte außerdem noch einen Jeep.
Trotz des Vorfalls konnte das Flugzeug ganz normal landen. Laut United Airlines blieben alle Passagiere und Crewmitglieder unverletzt. Die Maschine rollte anschließend regulär zum Gate.
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Der Lkw-Fahrer hatte dagegen weniger Glück. Er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, laut Behörden aber nicht lebensgefährlich verletzt. Wie stark der Lastwagen beschädigt wurde, ist bisher nicht bekannt.
United Airlines untersucht nun mögliche Schäden an der Maschine. Auch die Crew wurde vorsorglich erst einmal aus dem Dienst genommen, bis geklärt ist, wie es überhaupt zu diesem Zwischenfall kommen konnte.
Die Ermittler vom NTSB und die Polizei von New Jersey haben die Untersuchungen aufgenommen. Flugdatenschreiber und Cockpitrekorder wurden bereits sichergestellt. Ein erster Bericht soll in den nächsten Wochen veröffentlicht werden.
Es ist wieder so weit, der fünfte eines Monats. Und wie immer fragt „Gut gebrüllt“, wie denn der Tag anderer Leute Blogger so verlaufen ist. Das Ganze läuft unter dem konstruktiven Motto „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Oder kurz: WmDedgT.
Hier also meine inzwischen siebzehnte Ausgabe. Joa mei, wie die Zeit vergeht.
05.30 Uhr, Das Handy reißt mich aus dem Schlaf. Keine Lust. Fünf Minuten bleib ich noch liegen.
Ich stehe auf dem Gelände einer Tankstelle bei Sirmione, irgendwo am Gardasee. Müssen muss ich in ein Dorf, südöstlich von Mailand. Hab eine Komplettladung, dass macht das aufstehen ein bissel leichter.
05.38 Uhr, Klamotten zusammensuchen, anziehen. Nebenbei den Motor starten und Tacho auf Arbeitszeit stellen. Routine.
Draußen regnet es. In der Hütte ist es kühl. Für einen kurzen Moment überlege ich, die Standheizung anzumachen. Aber lohnt sich jetzt auch nicht mehr.
05.42 Uhr, schnelle Wäsche am Kanister. Von vorne nass, von oben nass. Der Tag beginnt schon mal kacke. Während ich Zähne putze, dreh ich eine Runde um den Lkw. Plane ganz, in den Reifen ist noch Luft, Beleuchtung funktioniert, alle drei Tankdeckel zu, an der Sattelkupplung hat sich auch niemand vergangen. Abfahrtskontrolle im Schnelldurchgang.
05.51 Uhr, die Tankstelle ist schon offen. Frische Brioche mit Marmelade und Cremefüllung sind Pflicht. Dazu einen Americano. Ich bin zwar geizig unterwegs, gebe wenig Kohle aus, aber das ist es mir wert.
06.01 Uhr, los geht’s. Bis Brescia-Ost bleibe ich auf der Staatsstraße. Spart meinem Chef ein paar Cent Maut. Und mir Nerven. Denn auf das Geruckel der A4 habe ich morgens keinen Bock.
Über die Tangenziale Süd geht’s weiter Richtung A35. Diese Autobahn ist kaum zehn Jahre alt und kostet mal eben doppelt so viel Maut wie die A4 weiter nördlich. Entsprechend leer ist es da meistens.
Normal meide ich die auch. Aber manchmal geht’s eben nicht anders.
07.43 Uhr, Ankunft beim Kunden. Ich bin etwas zu früh, die Bude öffnet um acht. Das ist eine Sache, die ich an Italien auch mag. Die meisten Firmen fangen um acht an, Mittag ist von zwölf bis eins oder halb zwei und schließen um fünf Uhr am Nachmittag. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber in der Regel ist es so, wie eben beschrieben. Für mich als Fahrer ideal.
Die Firma hat zwei Lager, Magazzino I und Magazzino II. Ich fahre erstmal zum Lager I. Da bin ich aber falsch. Also wieder raus aus der Firma, um das halbe Gelände herum, dann bin ich richtig.
Auch hier, wie in vielen Firmen in Italien, gibt es keine Rampe. Abgeladen, oder auch Beladen, wird meist von der Seite oder von hinten mit nen Hubwagen. Hier hatte ich die Wahl. Die Paletten waren nicht schwer, außerdem regnet es, also von hinten.
08.42 Uhr, der Auflieger ist leer. Die Ware wird von einem Lageristen kontrolliert, ich telefoniere mit meiner Disponentin. Zwei Minuten später bekomme ich den neuen Auftrag. Wird wieder eine Komplettladung, in der Nähe von Brescia.
08.53 Uhr, Abfahrt. Sind knapp 60 Kilometer bis zum Kunden. Alles easy.
10.12 Uhr, bin da. An der Anmeldung sagt man mir, ich soll im Lkw warten. Der Staplerfahrer holt mich, wenn es soweit ist. Fast entschuldigend heißt es noch, es könne heute aber noch zehn Minuten dauern. Mir egal, hab Zeit.
Hier lade ich öfter. Eine gute Firma, noch nie irgendwelche Probleme gehabt. Im Gegenteil. Manchmal komme ich hier kurz nach fünf an und werde noch beladen. Außerdem gibt es immer Bonbons. Und ne Dusche.
11.18 Uhr, fertsch. Das Zeugs steht auf dem Auflieger. Geht nach Mittelhessen. Jetzt noch die Seite zumachen, Lieferscheine und Frachtbrief unterschreiben und duschen.
Die Dusche hier ist ok. Gibt schlimmere. Nur sollte man vorher die Spinnen im Raum zählen. Denn fehlt später eine, besser Tasche, Handtücher und Klamotten ausschütteln.
12.04 Uhr, ich fahre wieder. Später auf der Autobahn mit 82. Und bin nicht mal der langsamste. Auf der Brennerautobahn eh nicht. Da pegelt sich die Geschwindigkeit bei 76, 77 ein. Dann mal 85, bevor wieder auf 70 abgebremst wird.
So ist das im Überholverbot, wenn Russen oder keine Ahnung wo die Fahrer herkommen, die Geschwindigkeit bestimmen. Hat man Milch im Kühlschrank, wird die vom ständigen Bremsen und Gas geben sauer.
Hinter Trento warnen die Leuchtanzeigen über der Autobahn vor Lkw-Stau zwischen Bozen-Nord und dem Brenner. Darauf hab ich keinen Bock.
15.12 Uhr, fertsch für heute. Stehe auf einem Rasthof vor Bozen. Wollte eigentlich noch weiter kommen. Aber was nicht ist, dass ist nicht.
Jetzt in Ruhe was essen, diese paar Zeilen fertig schreiben und dann noch ein wenig TV. Morgen früh gegen fünf geht’s weiter.
Rechnet doch weiter in Fußballfelder. Oder sind die ausgegangen? Denn ich habe keine Ahnung, wie lang 1.600 Bratwürste sind. Und selbst wenn, sind Thüringer oder Nürnberger gemeint?
Ich muss zugeben, als ich das erste Mal ein Longline-Fahrerhaus von Scania gesehen habe, war mein erster Gedanke nicht Technik, Daten oder Innovation. Sondern ganz simpel, endlich denkt mal jemand wirklich an uns Fahrer.
Denn wenn ich ehrlich ist, dass Fahrerhaus wurde seit jeher wie ein notwendiges Übel behandelt. Funktional? Ja. Effizient? Klar. Aber ein Ort, an dem man sich wirklich wohlfühlt? Eher kaum.
Zu wenig Platz war irgendwie „normal“.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie selbstverständlich es war, sich mit engen Kabinen zu arrangieren. Man hat sich angepasst, organisiert, irgendwie Platz geschaffen, wo eigentlich keiner war. Tasche mit Klamotten hier, Kühlbox da, schlafen irgendwo dazwischen.
Quelle und Urheber: Scania.com
Und genau deshalb fühlt sich das Longline-Konzept für mich nicht wie ein „Upgrade“, sondern wie eine längst überfällige Korrektur an. Klar, mehr Raum klingt erstmal banal. Aber wenn man schon mal Tage oder Wochen unterwegs war, weiß man, Raum ist Lebensqualität.
Kein fertiges Konzept. Aber genau das gefällt mir.
Was ich wirklich gut finde, Scania liefert hier keine durchdesignte Hochglanzlösung, sondern eher eine Art Rohbau mit System. Das heißt konkret, es gibt weniger Vorgaben, sondern mehr Freiheit.
Klar, das ist nicht für jeden was. Manche wollen einsteigen und alles ist fertig. Aber ich glaube, viele Fahrer würden es feiern, sich ihren eigenen Raum zu schaffen. So, wie sie ihn wirklich brauchen und nicht so, wie es sich jemand am Reißbrett gedacht hat. Und genau da trifft das Konzept für mich einen Nerv.
Es geht nicht nur um Komfort. Sondern um Respekt.
Was mich am meisten überzeugt, ist die Haltung dahinter. Das Longline-Fahrerhaus wirkt auf mich wie ein Signal. In etwa wie wir haben verstanden, wie euer Alltag aussieht.
Denn mal ehrlich. Fahrermangel kommt nicht von ungefähr. Es ist nicht nur der Job an sich, sondern oft die Bedingungen drum herum.
Denn wenn ein Fahrer sich in seiner Kabine wohlfühlt, besser schläft, sich bewegen kann, ein bisschen „Zuhause“ hat, dann ist das kein Luxus. Nein, dass ist Wertschätzung.
Mein Fazit
Vielleicht sehe ich das etwas emotionaler als nötig. Aber genau darum geht’s ja auch hier in diesem Blog. Für mich ist das Longline-Fahrerhaus kein technisches Feature. Nee, es ist ein Schritt in Richtung einer Branche, die lange nur auf Effizienz geschaut hat.
Héroes Del Silencio – Nuestros Nombres (Live In Germany)
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Auf dem Rasthof Gräfenhausen, zwischen Frankfurt/M. und Darmstadt, blieben 2023 rund achtzig Lkw-Fahrer aus Georgien, Usbekistan und der Ukraine einfach stehen. Nee, nicht, weil sie Pause machten. Sondern weil sie quasi nicht mehr konnten. Die waren monatelang unterwegs, am Ende wurde denen selbst der eh schon kärgliche Lohn auch noch gekürzt.
Als ich damals davon gehört habe, dachte ich, was muss da noch alles passiert sein, bevor man einfach stehen bleibt?
Ein Film, der hängen bleibt
Der Dokumentarfilm Driving Europe von Felix Länge erzählt solche Geschichten. Er läuft im Mai beim DOK.fest München. Aber eigentlich spielt sich das, was er zeigt, ja jeden Tag da draußen ab. Auf Autobahnen, Rastplätzen, irgendwo zwischen Ländergrenzen und Lieferterminen.
Das alles ist nicht neu. Auch ich höre solche Geschichten immer wieder. Und trotzdem geht alles weiter.
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Es ist unangenehm, das zuzugeben. Aber dieses System funktioniert. Pakete kommen an, Supermärkte sind voll. Preise bleiben niedrig.
Wir alle profitieren
Klar, auch ich profitiere davon. Wahrscheinlich jeder, der das hier liest. Aber gleichzeitig bedeutet genau das, dass irgendwo Menschen Wochen- und Monatelang unterwegs sind, die für diese „Effizienz“ den Preis zahlen. Indem sie arbeiten und dafür schlecht bezahlt und behandelt werden. Das passt nicht zusammen. Trotzdem funktioniert es.
Regeln, die nicht reichen
Es gibt ja Regeln. Das EU-Mobilitätspaket zum Beispiel. Eigentlich sollte genau das solche Zustände verhindern 1. Aber wenn Fahrer monatelang mit wenig Lohn unterwegs sind, frage ich mich schon, ob das reicht? Oder beruhigt man sich damit eher selbst?
Vielleicht liegt das Problem auch tiefer. Vielleicht geht es nicht nur um Regeln, sondern darum, wie dieses System grundsätzlich aufgebaut ist.
Der Moment, der etwas verändert
Aber nochmal zu der Geschichte auf der Raststätte Gräfenhausen. Da gab es kein stilles Aushalten mehr. Kein „es wird schon irgendwie gehen“. Nee, es war einfach Schluss.
Und genau dann ist etwas passiert. Plötzlich gab es Aufmerksamkeit, Druck, Reaktionen. Nicht, weil sich ein Gesetz geändert hat. Sondern, auch wenn es jetzt etwas theatralisch klingt, weil Menschen gesagt haben: Bis hierhin und nicht weiter.
Warum passiert das so selten?
Keine Ahnung. Ich weiß nicht, wie viel es braucht, bis Menschen an diesen Punkt kommen. Und warum man von solchen Momenten so selten hört. Vielleicht, weil der Druck vorher schon zu groß ist. Vielleicht, weil jeder für sich allein unterwegs ist. Vielleicht auch, weil das System genau so funktioniert.
Kein Film über Einzelfälle
Schon der Trailer von „Driving Europe“ wirkt für mich nicht wie ein Film über Ausnahmen. Sondern eher wie ein Blick auf etwas, dass wir eigentlich gar nicht sehen wollen. Und genau das macht solch einen Film so wichtig.
Denn die eigentliche Geschichte läuft nicht auf irgendeinem Festival oder später eventuell im Kino. Sondern draußen. Jeden Tag. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind kein Randproblem. Sie sind ein zentraler Bestandteil eines Systems, von dem wir alle profitieren.
Die Frage ist nur, wie lange wir noch so tun, als hätte das nichts mit uns zu tun.
1Das EU-Mobilitätspaket I soll die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern durch strengere Regeln verbessern: So durch ein Verbot der regelmäßigen Wochenruhezeit in der Kabine, Rückkehrpflicht an den Wohnsitz oder zur Betriebsstätte alle 3–4 Wochen, sowie verbesserte Entsenderegelungen.
Tirol will ein Lkw-Slot-System einführen, um den Verkehrsfluss entlang der Inntal- und Brennerautobahn effizienter zu steuern und Staus sowie Umweltbelastungen zu reduzieren (mehr dazu in diesem Beitrag der ARD, abrufbar in der Mediathek). Das Ziel ist, durch eine digitale Vergabe von Zeitfenstern („Slots“) für den Grenzübertritt den Schwerverkehr dosierter und gleichmäßiger verteilt durch Tirol fahren zu lassen.
Von der Tiroler Landesregierung wird dieses System als großer Wurf präsentiert: Weniger Stau, besserer Verkehrsfluss, Entlastung für die Bevölkerung entlang des Brenners. Der politische Ton ist optimistisch, ja fast schon euphorisch.
Doch ein genauerer Blick zeigt, dass viele der grundlegenden Probleme bestehen bleiben, einige werden sogar neu geschaffen.
Zunächst fällt auf, wie stark sich die Argumentation auf die technische Machbarkeit stützt. Ja, ein digitales Buchungssystem lässt sich umsetzen. Ja, Verkehrsströme lassen sich theoretisch steuern. Aber die entscheidende Frage wird kaum beantwortet. Wirkt das System eigentlich auch unter realen Bedingungen eines internationalen Transitverkehrs?
Technische Machbarkeit ersetzt keine reale Umsetzbarkeit
Denn der europäische Transitverkehr funktioniert nicht wie ein Terminkalender. Lieferketten sind störanfällig, Straßen sind unberechenbar, Zeitpläne oft schon vor Fahrtantritt Makulatur. Und trotzdem baut dieses System genau auf planbare Zeitfenster, die möglichst exakt eingehalten werden müssen.
Wer das nicht schafft, steht. Und wartet auf den nächsten Slot. Oder den übernächsten. Unabhängig davon, warum es nicht funktioniert hat.
Ich finde das ehrlich gesagt dreist. Denn es verschiebt Verantwortung dorthin, wo sie am wenigsten aufgefangen werden kann. Wir Fahrer und kleinere Transportunternehmen tragen das Risiko, während die strukturellen Ursachen, nämlich steigender Transitverkehr, fehlende Alternativen, politische Uneinigkeit, unangetastet bleiben.
Was mich zusätzlich ärgert, ist die politische Inszenierung. Dieses „Slot-System“ wird als Beleg für „Wirksamkeit“ präsentiert, obwohl es im Kern nur eine Modellrechnung ist. Gleichzeitig fehlt weiterhin eine verbindliche Einigung zwischen den beteiligten Staaten Österreich, Deutschland und Italien. Man verkauft also eine Lösung, deren wichtigste Voraussetzung noch gar nicht gesichert ist.
Und dann sind da noch die vielen Ausnahmen, die es geben soll. Zielverkehr, Binnenverkehr, sensible Transporte. Nur je mehr Einzelfälle ein System braucht, desto weniger nutzt es am Ende. Es wirkt fast so, als wolle man es allen recht machen, und riskiert genau dadurch, dass es seine Wirkung verfehlt.
Unterm Strich bleibt für mich der Eindruck, dass dieses Slot-System keine Lösung ist. Sondern nur ein politischer Kompromiss. Es suggeriert Kontrolle über ein System, das sich überhaupt nicht mehr kontrollieren lässt.
Wenn man ehrlich wäre, müsste man zugeben: Das Grundproblem ist die schiere Menge an Transitverkehr durch die Alpen. Solange sich daran nichts ändert, bleibt jede terminierte Zeitvergabe ein Versuch, Symptome zu ordnen, statt Ursachen zu lösen.
Oder anders gesagt: Es wird versucht, den Verkehr besser zu organisieren, aber verhindert wird er nicht.
Politische Inszenierung statt gesicherter Lösung
Ja, dieses Lkw-Slot-System wird von Politikern als Fortschritt gefeiert. Digitalisierung, bessere Steuerung, weniger Stau. Das klingt so toll nach Zukunft. In Wahrheit ist es vor allem eines: Ein System, das die Verantwortung nach unten durchreicht. Bis zu denen, die sich am wenigsten dagegen wehren können.
Denn die Theorie ist einfach. Lastwagen bekommen Zeitfenster, der Verkehr wird gleichmäßig verteilt, alle profitieren. Die Realität? Ich als Fahrer stehe irgendwo in einem Stau, den ich nicht verursacht habe, verliere meinen Slot und darf sehen, wie ich klar komme. Planung trifft auf Wirklichkeit, und die Wirklichkeit gewinnt. Immer.
Was mich daran stört? Diese Art von Maßnahmen tut so, als ließe sich ein chaotisches, grenzüberschreitendes Verkehrssystem quasi wie ein Terminkalender organisieren. Als wären Touren berechenbar. Als würden Baustellen, Unfälle oder Wartezeiten in irgendwelchen Firmen einfach verschwinden, nur weil bei Kufstein ein digitales System existiert.
Verantwortung wird nach unten verschoben
Und dann die stille Annahme dahinter. Irgendwer wird es schon ausbaden. Spoiler: Es sind Fahrer wie ich.
Die stundenlang irgendwo festsitzen, krampfhaft nach Parkplätzen suchen, Pausen verschieben, mit Zeitdruck kämpfen. Und gleichzeitig die starre Logik eines Systems einhalten sollen, dass mit ihrem Alltag wenig zu tun hat. Flexibilität? Fehlanzeige. Verständnis? Null spürbar.
Nein, man kann den Verkehr nicht „optimieren“, indem man den Druck einfach weitergibt. Das ist keine Lösung, das ist Verlagerung. Oder gar Verarschung. Ein politisch sauberes Konzept auf dem Papier, aber ein ziemlich dreckiger Alltag auf der Straße.
Wenn man ehrlich wäre, würde man sagen: Das Slot-System löst das Problem nicht. Es macht es nur unsichtbarer. Und viel ungerechter.
Fazit: Kein Fortschritt, sondern Verschiebung nach unten
Wer wirklich etwas ändern will, muss zugeben, dass nur weniger Transit, mehr Schiene, bessere Infrastruktur hilft. Aber genau das haben Politiker, nicht nur in Bayern und Tirol, in den letzten Jahren und Jahrzehnten keines Blickes gewürdigt. Alles andere ist Symptombekämpfung auf Kosten derer, die das System am Laufen halten sollen.
Quelle: Tiroler Tageszeitung: Endbericht zum Lkw-Slot-System liegt nun vor: Das soll sich beim Brenner-Transit ändern (+Artikel, nur mit Abo lesbar)
Wenn im Supermarkt die Preise für Kaffee und Schokolade heftig steigen, dann tun sich Reporter jedenfalls deutlich schwerer, den Volkszorn pointiert einzufangen. An der Tankstelle aber liegen die Nerven schon bei mittleren Preisanstiegen zuverlässig blank und zwischen Bentley und Brummifahrern herrscht traute Einigkeit.
Vor der Zapfsäule sind eben nicht nur alle gleich, sondern auch alle gleich beleidigt.
Anders ist es zum Beispiel beim Oktoberfest, wo Millionen Menschen die astronomischen Literpreise als weitgehend Gottgegeben hinnehmen, fährt beim deutschen Autofahrer seit jeher die Gewissheit mit, an der Tankstelle persönlich und mit Vorsatz abgezockt zu werden.
Von wem oder warum genau, dazu hat jeder so seine eigene Arithmetik. Ein Lieblingsort der Deutschen ist die Tankstelle also eigentlich nicht. Eher eine süßsaure Prüfung, der man sich regelmäßig stellen muss und bei der man im Roulette der Zahlen an der Preistafel mal Glück und häufiger noch Pech haben kann.
Die Tankstelle als Glückspielautomat, an der man eigentlich immer Pech hat. Sehr schön geschrieben von Max Scharnigg in einem Essay für die Süddeutsche Zeitung
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