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Schlagwort: Gedanken

Bei der Demokratie möchte ich nicht neutral sein

Von Udo Skoppeck

Ich weiß inzwischen ehrlich gesagt nicht mehr, wie man bei all dem, was politisch gerade passiert, noch neutral Stellung beziehen soll.
Und damit meine ich nicht, dass man sich nicht mehr differenziert äußern sollte.

Im Gegenteil. Ich halte Differenzierung, Fakten und einen klaren Kopf für wichtiger denn je.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem Neutralität nicht mehr bedeutet, beide Seiten gleich zu bewerten, sondern anfängt, die Realität zu verleugnen.

Und genau da bin ich inzwischen angekommen.
Ich habe in meinem Leben schon viel über die Union gesagt. Ich habe sie kritisiert, verspottet, politisch abgelehnt und mich über manche ihrer Entscheidungen geärgert.

Aber dass ich einmal sagen würde, diese Partei, beziehungsweise ihre derzeitige Führung, macht mir Angst. Damit hätte selbst ich nicht gerechnet.

Es wirkt auf mich, als hätte sich ein Teil der Union nach Merkel in ein konservatives ideologisches Korsett gezwängt und inzwischen vergessen, dass Politik eigentlich kein Glaubensbekenntnis ist.

In der Politik sollte es nicht darum gehen, die eigene Weltanschauung um jeden Preis durchzusetzen. Nein. In der Politik sollte es darum gehen, die Realität zu erkennen und Lösungen für reale Probleme zu finden.
Und genau diese Fähigkeit vermisse ich zunehmend.

Seit Jahren erleben wir Realitätsverweigerung, fehlende Empathie und einen erschreckenden Mangel an strategischen Ideen. Probleme werden verwaltet, verschoben, erklärt und manchmal auch einfach weggeredet.

Und währenddessen wächst die AfD. Nicht, weil sie besonders gute Lösungen anbietet. Nicht, weil ihr Programm plötzlich überzeugend wäre.

Sondern weil sie in einem politischen Vakuum wachsen kann, das andere Parteien selbst geschaffen haben. Sie muss sich teilweise nicht einmal mehr besonders anstrengen.

Sie kann Behauptungen aufstellen, die jeder Faktenprüfung widersprechen. Sie kann gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen. Und trotzdem bekommt sie immer mehr Zustimmung.

Das macht mich fassungslos. Und ja, ich kann den Ärger vieler Menschen über die aktuelle Regierung verstehen. Ich kann verstehen, dass Menschen genug haben von Bürokratie, steigenden Kosten, politischen Fehlentscheidungen, Migration, maroder Infrastruktur, Unsicherheit und dem Gefühl, dass Politik ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr versteht.

Natürlich kann man darüber wütend sein. Natürlich darf man eine Regierung abwählen. Natürlich darf man die etablierten Parteien für ihr Versagen verantwortlich machen.

Aber warum zur Hölle muss daraus die AfD werden? Da steige ich aus.

Da gründe ich lieber in meiner Wohnung einen eigenen Staat und wähle mich selbst zum Bürgermeister.

Denn spätestens wenn die Antwort auf politisches Versagen darin besteht, eine Partei zu wählen, deren politische Vorstellungen einen erheblichen Teil unserer demokratischen und gesellschaftlichen Grundordnung infrage stellen, wird es für mich schwierig, noch von einem normalen politischen Richtungswechsel zu sprechen.

Und dann passiert etwas, das ich eigentlich gar nicht möchte: Man diskutiert.

Als wohlerzogener Mensch versucht man weiterhin, vernünftig zu bleiben. Man versucht, Fakten entgegenzuhalten. Man versucht zu erklären, dass Teile des AfD-Programms wirtschaftlich, sozial oder verfassungsrechtlich kaum umsetzbar sind oder bestimmte Probleme sogar verschärfen würden.

Man versucht zu erklären, dass „Die da oben“ keine politische Kategorie ist, mit der man ein Land regieren kann.
Und irgendwann bekommt man Antworten wie: „Das ist eben Demokratie.“ „Lass sie doch mal machen.“ „Ich bin gegen die da oben.“

Und da merkt man irgendwann, dass man nicht mehr über Politik diskutiert. Man diskutiert über völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was Realität überhaupt ist.

Und das ist der Punkt, an dem ich nicht mehr weiß, wie ich neutral bleiben soll. Denn Neutralität bedeutet für mich nicht, Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit genauso zu behandeln wie demokratische politische Positionen.

Neutralität bedeutet auch nicht, so zu tun, als seien alle Argumente gleichwertig, nur weil sie von unterschiedlichen politischen Seiten kommen.

Ich kann eine Regierung hart kritisieren und gleichzeitig die AfD ablehnen. Ich kann die Union für ihre Politik verantwortlich machen und trotzdem anerkennen, dass sie eine demokratische Partei ist.
Ich kann die SPD für ihre Fehler kritisieren, ohne deshalb AfD zu wählen.

Ich kann die Grünen für politische Fehlentscheidungen kritisieren, ohne deshalb ihre politischen Gegner für vernünftig zu halten. Das eine schließt das andere nicht aus.

Vielleicht ist genau das etwas, das wir gerade wieder lernen müssen. Man muss nicht jede demokratische Partei mögen. Man muss nicht mit jeder Regierung einverstanden sein.

Man darf wütend sein. Man darf enttäuscht sein. Man darf protestieren.

Aber irgendwann gibt es politische Grenzen, bei denen ich nicht mehr bereit bin, so zu tun, als wäre das alles nur eine Frage unterschiedlicher Meinungen.
Und deshalb macht mir auch die derzeitige Entwicklung in der Union Sorgen.

Nicht nur wegen einzelner Entscheidungen. Sondern weil ich den Eindruck habe, dass man sich selbst immer mehr Handlungsspielräume verbaut.

Erst werden politische Brücken eingerissen. Dann wird darüber diskutiert, wie man die Folgen der eigenen politischen Isolation wieder auffangen kann.
Und wenn die AfD immer stärker wird, entdeckt man plötzlich Bundeszwang, Remonstrationspflicht, Geheimschutz und Verbotsverfahren.

Dabei waren die Warnzeichen längst da. Man konnte es kommen sehen. Denn die AfD ist nicht über Nacht groß geworden. Ihre Radikalisierung ist seit Jahren dokumentiert.

Warnungen gab es. Untersuchungen gab es. Zeit gab es. Instrumente gab es.

Was häufig fehlte, war der politische Wille, rechtzeitig daraus Konsequenzen zu ziehen. Und jetzt suchen alle hektisch nach den Feuerlöschern, während der Dachstuhl schon brennt.
Das ist für mich kein Zeichen besonders guter Staatskunst.

Das ist das Ergebnis jahrelangen Wegsehens. Und trotzdem werde ich mich nicht dazu hinreißen lassen, deshalb AfD-Wähler pauschal als dumm oder böse abzustempeln. Auch wenn ich manchmal verdammt dabei bin, dass zu versuchen.

Denn Menschen sind komplizierter als ihr Wahlzettel. Aber irgendwann darf man auch ehrlich sagen: Ich möchte mit Menschen, die Rechtsextremismus bewusst unterstützen oder ihn verharmlosen, nichts zu tun haben.
Das ist keine politische Analyse. Das ist eine persönliche Grenze.

Denn Demokratie bedeutet nicht, dass ich jeden mögen muss. Demokratie bedeutet auch nicht, dass ich jede Position als gleichwertig akzeptieren muss. Und schon gar nicht bedeutet Demokratie, dass ich schweigen muss, wenn ich glaube, dass etwas grundsätzlich falsch läuft.
Vielleicht ist das meine derzeit größte Schwierigkeit. Ich möchte weiterhin der Mensch sein, der zuhört. Der Fakten prüft. Der seine eigene Meinung hinterfragt. Der nicht sofort in Freund und Feind einteilt. Der versucht, auch die andere Seite zu verstehen.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass einem dieser vernünftige Mittelweg gerade von allen Seiten unter den Füßen weggezogen wird. Dann bleibt irgendwann nur noch die Erkenntnis, man kann nicht gleichzeitig neutral gegenüber der Realität und neutral gegenüber ihrer Leugnung sein.

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht. Aber ich merke bei mir inzwischen etwas, dass ich eigentlich gar nicht wollte: Ich werde müde. Nicht vom politischen Streit. Sondern vom irrationalen Wahnsinn. Und vielleicht ist genau deshalb jetzt der Zeitpunkt, an dem wir wieder anfangen müssen, zwischen politischem Streit und demokratischen Grundsätzen zu unterscheiden.

Man darf die Regierung scheiße finden. Man darf die Union scheiße finden. Man darf die SPD scheiße finden. Man darf die Grünen scheiße finden. Man darf sogar mich scheiße finden. Alles völlig legitim.

Nur irgendwann sollte man sich gemeinsam darauf verständigen können, dass Demokratie, Rechtsstaat, Menschenwürde und unsere freiheitliche Grundordnung keine Verhandlungsmasse für den nächsten Denkzettel bei einer Wahl sind.
Alles andere können wir meinetwegen ausdiskutieren. Darüber sogar sehr gerne. Aber bei den Grundlagen unseres Zusammenlebens möchte ich dann doch lieber nicht neutral sein.

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Der Niedergang des Mittelstandes

Von Udo Skoppeck

Wie eine tragende Säule des europäischen Straßengüterverkehrs ins Wanken geriet

Über viele Jahrzehnte wurde der europäische Straßengüterverkehr vom Mittelstand geprägt. Es waren Familienunternehmen, inhabergeführte Speditionen und regionale Transportunternehmen, die den Warenverkehr zuverlässig organisierten.
Häufig wurden diese Betriebe über Generationen aufgebaut. Der Unternehmer kannte seine Fahrer persönlich, viele Kunden begleiteten den Betrieb über Jahrzehnte, und gegenseitiges Vertrauen war oft wichtiger als juristisch bis ins Detail ausgearbeitete Verträge.

Diese Unternehmen bildeten das Rückgrat der Branche

Sie investierten in Fahrzeuge, bildeten Nachwuchs aus, schufen Arbeitsplätze und übernahmen Verantwortung für ihre Region. Gleichzeitig sorgten sie für Wettbewerb, Vielfalt und eine wirtschaftliche Stabilität, die weit über den Transportsektor hinausreichte.

Mit der Liberalisierung des Marktes und dem wachsenden Preisdruck begann sich dieses Bild schrittweise zu verändern.

das bild zeigt das frankfurter kreuz, von süden aus gesehen. der straßengüterverkehr der lange vom mittelstand geprägt wurde, ist stark rückläufig.
Lkw am Frankfurter Kreuz. Sinkende Frachtraten sind für viele Unternehmer ruinös.

Zunächst schien die Entwicklung beherrschbar. Sinkende Frachtraten wurden durch effizientere Abläufe, moderne Fahrzeugtechnik und eine bessere Auslastung ausgeglichen.
Doch je stärker der Preis zum entscheidenden Wettbewerbskriterium wurde, desto geringer wurden die wirtschaftlichen Spielräume.

Viele Unternehmer standen vor einer schwierigen Entscheidung. Entweder sie passten sich den neuen Marktbedingungen an und akzeptierten immer kleinere Margen, oder sie verloren Aufträge an Wettbewerber, die günstiger anbieten konnten.

Für zahlreiche Familienbetriebe war dieser Wettbewerb auf Dauer nicht zu gewinnen

Besonders schmerzhaft war dabei, dass viele Unternehmer nicht an mangelnder Leistungsfähigkeit scheiterten. Sie scheiterten an einem Markt, in dem Qualität, Erfahrung und Zuverlässigkeit immer häufiger hinter dem günstigsten Preis zurückstanden.

Viele Speditionen gingen nicht unter, weil sie schlecht gearbeitet haben. Sie gingen unter, weil sie in einem System bestehen mussten, das den billigsten Preis höher bewertete als nachhaltiges Wirtschaften.

Mit dem wirtschaftlichen Druck verlor der Mittelstand nicht nur Erträge, sondern auch Vermögen. Die ehemals wertvollen Konzessionen verloren nach der Liberalisierung ihren wirtschaftlichen Wert. Langjährig aufgebaute Kundenbeziehungen wurden zunehmend durch europaweite Ausschreibungen ersetzt.
Unternehmen, die über Jahrzehnte gewachsen waren, mussten feststellen, dass ihr Lebenswerk innerhalb weniger Jahre erheblich an Wert verlor.

Viele Betriebe wurden verkauft, aufgegeben oder von größeren Unternehmen übernommen. Andere verschwanden still vom Markt, ohne das dies außerhalb der Branche größere Aufmerksamkeit erregte.

Damit veränderte sich nicht nur die Struktur des Straßengüterverkehrs.

Es veränderte sich auch das Gleichgewicht des Marktes

Wo früher zahlreiche mittelständische Unternehmen miteinander konkurrierten, bestimmen heute in vielen Bereichen große Logistiknetzwerke, internationale Konzerne und komplexe Unternehmensstrukturen den Wettbewerb.
Diese Entwicklung ist nicht grundsätzlich negativ. Große Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag für die Versorgung Europas.

Problematisch wird sie jedoch dort, wo wirtschaftliche Macht und Verhandlungsmacht immer stärker auf wenige Marktteilnehmer konzentriert werden.

Ein gesunder Markt lebt von Vielfalt

Er lebt von Unternehmen unterschiedlicher Größe, von regionaler Verwurzelung, Innovation und echtem Wettbewerb. Verschwindet diese Vielfalt, sinkt nicht nur die Auswahl für Auftraggeber. Es geht auch ein Stück wirtschaftlicher Resilienz verloren.

Gerade Krisen haben gezeigt, wie wichtig dezentrale Strukturen sind. Familienunternehmen entscheiden häufig schneller, kennen ihre Kunden besser und verfügen über ein hohes Maß an Flexibilität.
Gehen diese Strukturen verloren, verliert die gesamte Wirtschaft an Anpassungsfähigkeit.

Der Niedergang des Mittelstands ist deshalb weit mehr als eine wirtschaftliche Entwicklung innerhalb einer einzelnen Branche.

Er ist ein Warnsignal

Denn überall dort, wo sich wirtschaftliche Macht immer stärker konzentriert, geraten kleinere Unternehmen zunehmend unter Druck. Was im Straßengüterverkehr früh sichtbar wurde, lässt sich heute auch in anderen Bereichen der Wirtschaft beobachten.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, wie viele mittelständische Unternehmen bereits verschwunden sind.

Die entscheidende Frage lautet:

„Wie viele können wir uns noch leisten zu verlieren, bevor Wettbewerb nur noch zwischen wenigen großen Marktteilnehmern stattfindet?“

Der Straßengüterverkehr war über Jahrzehnte von Menschen geprägt, die mit Mut, Fleiß und persönlichem Einsatz Unternehmen aufgebaut haben. Viele von ihnen glaubten an Leistung, Verantwortung und langfristige Partnerschaften.

Ihr schleichendes Verschwinden ist deshalb nicht nur ein Verlust für die Branche. Es ist ein Verlust für unsere gesamte Wirtschaftsstruktur.

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Fundstücke Teil CXLI

Rechnet doch weiter in Fußballfelder. Oder sind die ausgegangen? Denn ich habe keine Ahnung, wie lang 1.600 Bratwürste sind. Und selbst wenn, sind Thüringer oder Nürnberger gemeint?

eine überschrift in der HNA: Halle wird so lang wie 1.600 Bratwürste
Quelle: HNA.de

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Rätselhaftes

Wenn ein Pannenfahrzeug auf dem Standstreifen steht und man sieht das Auto noch weit vor dem Warndreieck, weil die Leute zu faul bequem sind, ein bissel nach hinten zu laufen. Dann können die es auch gleich bleiben lassen, eines aufzustellen.

Seit, keine Ahnung, drei, vier Jahren jede Woche wenn ich zurück von Österreich nach Deutschland fahre. Direkt an der Autobahn bei Kiefersfelden stehen immer vier Bundespolizisten unter zwei Pavillons.
Eigentlich sollen die alle ankommenden Fahrzeuge zweispurig durch einen Kontrollpunkt schleusen. Rechte Spur Lkw und Busse, links Pkw. Doch meist schwatzen die miteinander oder gucken auf ihre Handys.

Und ja. Ab und an wird einer, der trotzdem irgendwie auffällig wirkt, nach rechts geleitet und durch weitere Polizisten unter einem auf dem Rasthof stehenden anderen Zelt kontrolliert.
Fahrzeuge die da durch gecheckt werden, sehe ich dort aber selten. Vielleicht fahre ich aber auch meist zur falschen Zeit vorbei.

Aber immer fühlt es sich irgendwie so falsch an. Es ist einfach nur unangenehm, wie die da so stehen und sich komplett fühlen. Denn irgendeine Sicherheit gibt mir das jedenfalls nicht. Eher nur Unbehagen. Und peinliches fremdschämen.

Noch was. Wieso fällt es eigentlich vielen so schwer, einen Beschleunigungsstreifen richtig zu benutzen? Also das Gaspedal richtig durch treten und mit irgendwas über neunzig auf eine Autobahn zu fahren?
Interessanterweise fahren die, die das oft nicht gebacken bekommen, Autos mit 150 PS und mehr.

Übel ist auch eine neue Mode. Eine Kolonne von drei, vier, fünf Autos fährt auf die Einfädelungsspur, der letzte zieht auf die Hauptfahrbahn und bremst ab, um die vor ihm oder ihr fahrenden Fahrzeuge auffahren zu lassen. Da kommt richtig Freude auf.

Ich mache auch keinen Platz mehr, zumindest für Pkw. Denn wenn jemand nicht in der Lage ist, so zu beschleunigen, dass mit einer ausreichend hohen Geschwindigkeit auf eine Autobahn gefahren wird, dann soll man sich hinter mir einordnen.

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Halbgötter braucht das Land? Oder einfach nur den Mut zur Einheit!

Von Udo Skoppeck

Es ist traurig zu sehen, wie das Einzelkämpfertum unsere Branche auszehrt. Statt Zusammenhalt erleben wir Rückzug. Statt solidarischem Handeln – Schweigen.

Schlechte Arbeitsbedingungen, mieses Image in der Öffentlichkeit? Ja, dass kennen wir alle.
Und wir wissen auch, wer davon profitiert: Kriminelle Geschäftsmodelle, Lohndumping, Ausbeutung auf offener Straße.

Es wird gefordert, die anderen sollen etwas ändern – die Politik, die Gewerkschaften, die Presse, die Verbände. Doch wer fordert eigentlich sich selbst heraus, für den eigenen Beruf aufzustehen?
Gerade in Zeiten explodierender Spritpreise und wachsender Unsicherheit wäre es wichtiger denn je, geschlossen und klar aufzutreten.

Es gab viele, die sich in letzter Zeit stark gemacht haben – doch die große Masse blieb wieder aus. Viel zu oft hört man nur:„Ihr müsst mal was machen!“
Aber wer ist dieses „ihr“, wenn nicht wir alle?

Dass wir Macht hätten, ist unbestritten. Doch solange wir sie nicht bündeln, bleibt sie ungenutzt. Ein niederländischer Gewerkschafter sagte treffend: „Wir sehen, dass Businessmodelle, die auf Korruption und Kriminalität angelegt sind, in der Branche an der Tagesordnung sind.“ – Edwin Atema.

Und ja: Auch viele Speditionen sind Opfer dieses perfiden Systems, in dem Großkonzerne die Preise diktieren und Billiganbieter bevorzugen.
Die Verantwortung reicht bis in höchste Ebenen – und trotzdem zeigt sich kaum Besserung. Und wieder wird gesagt: „Die Gewerkschaft tut ja nichts!“

Aber selten fragt jemand: „Wie viele Fahrer sind überhaupt Mitglied?“ Ohne Mitglieder keine Bewegung. Ohne Bewegung keine Veränderung.
Schon 2012 stellte ich in einem Schreiben an Prof. Dr. Karl-Heinz Schmidt (damals beim BGL) die Frage, ob weitere Liberalisierung ohne soziale Harmonisierung überhaupt Sinn ergibt.
Seine Antwort war deutlich: „Nur wenn Streiks und Proteste mit legalen Mitteln zu mehr positiver öffentlicher Aufmerksamkeit führen, könnte ein derartiger ‚Aufstand der Arbeitnehmer‘ eventuell in Brüssel und im Europaparlament Eindruck machen. Dies mit gesamteuropäischem Anspruch zu schaffen, ist eine Herkulesaufgabe, die, wie aus der Antike berichtet, ‚Halbgöttern‘ vorbehalten ist.“

Meine Antwort damals war: Ich schreibe mal auf, wo ich die Probleme sehe und welche Lösungsvorschläge ich habe. Daraus entstand – mit Unterstützung von Gregor ter Heide – die Berufskraftfahrer-Petition.

Wir brauchen keine Halbgötter. Wir brauchen Menschen mit Rückgrat. Fahrer, die erkennen, dass nur gemeinsames Handeln uns stark machen kann.
Es liegt an uns. Nicht an den anderen.

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Gesellschaftliche Fehlentscheidungen: Eine Chronologie des Versagens – und die Verantwortung jedes Einzelnen

Wer meine letzten Beiträge und die der vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt ein klares Muster: Eine Chronologie gesamtgesellschaftlicher Fehlentscheidungen, die sich über Jahrzehnte und durch alle politischen Parteien ziehen.

Gastbeitrag von Udo Skoppeck

Diese Fehler sind nicht das Ergebnis einzelner Missgeschicke, sondern Ausdruck eines Systems, das konsequent an den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung vorbeiarbeitet.
Von wirtschaftspolitischen Weichenstellungen über Sozialpolitik bis hin zu Themen wie Bildung, Gesundheit, Arbeitsrecht, Steuergerechtigkeit oder Klimaschutz – immer wieder wurden Entscheidungen getroffen, die kurzfristigen Interessen und Klientelpolitik den Vorrang vor langfristigem gesellschaftlichem Wohl gaben.

die aidt, ein verein von und für lkw-fahrer mit einem infostand auf der rüssel truck show in kassel
Die AidT, ein Verein von Fahrern für Fahrer, mit einem Infostand auf der Rüssel-Truckshow 2016 in Kassel

Die Konsequenzen sind offensichtlich: soziale Ungleichheit, ein überforderter Sozialstaat und eine immer weiter wachsende gesellschaftliche Spaltung, die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, und die Gesellschaft ist zunehmend polarisiert.

Als Lkw-Fahrer erlebe ich diese Entwicklungen tagtäglich auf der Straße und in meinem beruflichen Umfeld. Ich sehe, wie hart arbeitende Menschen immer wieder unter den Folgen politischer Entscheidungen leiden, die an der Realität vorbeigehen.

Sei es der Konkurrenzkampf mit Dumpinglöhnen im Straßentransport, die Vernachlässigung der Infrastruktur oder die wachsende Bürokratie, die kleinen Unternehmen das Überleben schwer macht – all das sind keine abstrakten Probleme, sondern Dinge, die meinen Kolleginnen und Kollegen sowie mir direkt begegnen.

Mein Ziel war es immer, dagegen anzuwirken, aufzurütteln und zu zeigen, dass es anders geht. Doch während ich versuche, Bewusstsein für eine gerechtere Politik zu schaffen, stehen auf der anderen Seite Berufsnörgler und Pessimisten, die ihre Energie lieber darauf verwenden, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu untergraben.
Sie kritisieren alles, was nicht perfekt ist, ohne einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

Dabei vergessen viele, dass persönliche Freiheiten immer mit Verantwortung verbunden sind. Wir dürfen vieles – und das ist gut so.
Aber jede Entscheidung hat Konsequenzen: Ich darf rauchen, muss aber Rücksicht auf Nichtraucher nehmen. Ich darf Alkohol trinken, darf dann aber nicht mehr fahren. Ich darf ungeimpft sein, aber Einschränkungen in Kauf nehmen, wenn dies andere schützt. Ich darf einen Ölwechsel machen, aber nicht unbedingt auf dem Parkplatz vom Supermarkt.

Diese Regeln sind keine Angriffe auf unsere Würde oder Freiheit, sondern Ausdruck des demokratischen Prinzips: Die Rechte des Einzelnen enden dort, wo sie die Rechte anderer verletzen.
Die Mehrheit hat über Parlamente Rahmenbedingungen geschaffen, die das gesellschaftliche Miteinander regeln – und das ist gut so.

Denn Demokratie bedeutet nicht, dass jeder uneingeschränkt tun und lassen kann, was er will. Sie erfordert Kompromisse und die Fähigkeit, Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns zu übernehmen.
Wer diese Prinzipien ignoriert, schwächt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch die Grundlage für die eigenen Freiheiten.

Das ist der Kern des Problems: Während viele von mehr (Meinungs)Freiheit reden oder im Umkehrschluss über Diktatur faseln, übersehen sie, dass Freiheit ohne Rücksichtnahme und Verantwortung nichts weiter ist als Egoismus.
Und dieser Egoismus treibt die gesellschaftliche Spaltung nur weiter voran – eine Entwicklung, die wir uns nicht länger leisten können.

Als Berufskraftfahrer weiß ich, wie wichtig Solidarität und Zusammenhalt sind – nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Gesellschaft. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Fehlentscheidungen korrigiert werden können, wenn der Wille da ist, die Ursachen zu erkennen und den Mut aufzubringen, anders zu handeln.

Doch dieser Wille muss nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft selbst entstehen. Jede und jeder Einzelne hat die Freiheit – und die Verantwortung –, diesen Wandel mitzugestalten.

Es liegt an uns, die Energie nicht in Nörgelei zu verschwenden, sondern in die Gestaltung einer gerechteren Zukunft.
Vielleicht braucht es noch mehr Stimmen, mehr Beharrlichkeit und vor allem mehr Menschen, die den Mut haben, den Status quo in Frage zu stellen.

Die Herausforderung bleibt: Wie schaffen wir es, eine Politik zu gestalten, die für alle da ist – nicht nur für einige wenige?
Das bleibt mein Antrieb, und ich hoffe, es wird auch der vieler anderer.

Udo Skoppeck – ein Lkw-Fahrer, der für Veränderung kämpft.

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Schlaue Zitate

Ab 50 kannst Du vielleicht keine Buchstaben mehr aus der Nähe erkennen, dafür aber Idioten schon aus der Ferne.

Quelle? Keine Ahnung, habe ich irgendwo gelesen.

Na ja. Ich trag ne Gleitsichtbrille. Dank der kann ich eigentlich noch vieles erkennen. Aber vielleicht fehlt mir manchmal noch die Fähigkeit zu bestimmen, dass nicht immer die anderen die Idioten sind?

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Metaphori­sche Fehl­zündung der Woche

Wie viele Lkws brannten da eigentlich? Das bleibt in der Überschrift ein Rätsel:

Die Auflösung des Denkspiels erfährt der Leser dann aber gleich im ersten Satz der Mitteilung:

Ein brennender Lkw hat Dienstagvormittag zu einer Sperre der Tiroler Brennerautobahn (A13) zwischen der Mautstelle Schönberg und Matrei am Brenner geführt.

Quelle: DerStandard.at

Jep. Ein Lkw war es, der da brannte. Das hätte der Standart seinen Leserinnen und Lesern auch schon in der Überschrift mitteilen können. Also in etwa wie:

Brennerautobahn in Tirol wegen eines brennenden Lkws gesperrt.

Mein Vorschlag

Und ja.

Ich finde es immer etwas komisch, wenn ich die Abkürzung Lkws statt Lkw lese. Schließlich sagt man ja auch nicht Lastkraftwagens. Sondern nur Lastkraftwagen.
Aber beide Ausführungen sind wohl korrekt. Das „s“ wird üblicherweise bei Abkürzungen geschrieben, die als solche ausgesprochen werden, und zwar immer dann, wenn ohne „s“ eine Verwechslung mit der Einzahl möglich wäre. Genau erklärt wird das hier.

Für mein Empfinden trotzdem eigenartig. Denn wenn ein Lkw ein Lastkraftwagen ist, dann sind zwei Lkw immer noch zwei Lastkraftwagen und nicht zwei Lastkraftwagens (also Lkws). Aber wie bereits angemerkt, die Endung „s“ ist erlaubt.

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