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Kategorie: Gedanken

Kassensturz

Ich habe lange keine Bravo mehr in der Hand gehabt – und zwar so ziemlich genau ein Vierteljahrhundert. Trotzdem bekomme ich von der Bauer Media Group kein Exemplar zugeschickt. Skandalös.

Anbieter von digitalen Informationen sind da bereits fortschrittlicher. Nach gerade einmal etwas mehr als acht Jahren wird man darauf hingewiesen, doch mal wieder auf bestimmten Seiten vorbei zu schauen. Das ist Kundennähe. Da können sich alteingesessene Medien eine Scheibe von abschneiden.

Hinweis

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Wortprellereien

Aus einer Presseerklärung des Baden – Württembergischen Landtagsabgeordneten Dr. Dietrich Birk:

Nach Auffassung von Dietrich Birk müsse ebenso gewährleistet sein, dass ein Nachtfahrverbot für den Schwerlastverkehr über 12 Tonnen auf der Bundesstraße 297 konsequent von der Polizei überprüft werde, um auswärtigen Mautprellern das Handwerk zu legen.

Ich war mir erst nicht sicher, welche Art von Verbrecher der Mann Doktor meint. Vielleicht Taschendiebe? Oder Bauernfänger? Aber nein, auswärtige Lkw – Fahrer sind der Grund seines Ärgers.
Dabei vergisst er jedoch, dass man zum Preller nur werden kann, wenn man eine kostenpflichtige Leistung nach Inanspruchnahme nicht bezahlt. Kostenpflichtig ist bisher allein die Benutzung der Autobahnen. Ein Lkw – Fahrer also, der auf Bundes- oder Landesstraßen ausweicht, ist kein Mautpreller.

Nicht jede Buchstabenzusammenstellung ergibt also einen Sinn. Genauso wenig benutzen viele Lkw Bundesstrassen, um Maut zu sparen. Im Gegenteil: Die Mautersparnis wird vom Zeitfaktor wieder zunichte gemacht. Zeit ist schlieslich Geld. Auch im Transportsektor.
Dazu kommt der erhöhte Fahrzeugverschleiß und Mehrkosten beim Sprit. Oftmaliges Bremsen und Anfahren kommt halt dem Dieselverbrauch wenig entgegen.

Übrigens fahren auch „auswärtige“ Lkw Firmen an, die an Bundes- oder Landesstrassen Ihren Sitz haben. Mir ist keine Firma bekannt, die über eine eigene Autobahnabfahrt zu erreichen ist. Aber das ist dem Herrn Dr. Birk sicher alles bekannt. Er hat halt ein großes Herz für seine Wähler. Da kann man ein paar Wortspielereien durchaus verzeihen.

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Donnerstag

Kurz nach drei weckt mich mein Handy. Um diese Zeit aufstehen zu müssen, grenzt an Körperverletzung. Ich hasse das. Ausserdem läuft die Standheizung nicht. Keine Ahnung warum. Es ist kalt. Im dunklen suche ich nach dem Knopf und stelle das Teil an. Kaum nochmal auf die andere Seite gedreht, bin ich wieder eingschlafen.
Zehn Minuten später quäkt das Telefon wieder. Ich erschrecke mich regelrecht. Immerhin bläst die Heizung warme Luft in die Kabine. Leichter wird das Aufstehen dadurch aber auch nicht. Aus der Koje krabbeln und Klamotten suchen, passiert im Halbschlaf. Nebenbei überlege ich, wo ich eigentlich stehe. Der Name Trento kommt mir in den Sinn.

Der erste Blick nach draussen, lässt mich fluchen. Vor mir ein Rumäne und ein Pole, dahinter ein Italiener. Wegfahren ist also unmöglich. Andere Fahrer zu wecken, ist doof. Das artet in der Regel zu sinnlosen Diskussionen aus. Da habe ich schon an normalen Zeiten keinen Bock drauf. Früh um halb vier dagegen, ist das Stress pur.

Zugestellt auf Rasthof

Zaghaft bearbeite ich das Blech des hinteren Lkw. Nichts tut sich. Nun klopfe ich etwas stärker. Die Kabine wackelt kurz, dann ist wieder Ruhe. Nach einem erneuten, diesmal kräftigen Schlag, habe ich mein Ziel erreicht. Der Vorhang bewegt sich und zwei müde Augen glotzen mich an. Da mir die Lust zu reden fehlt, belasse ich es bei einem Fingerzeig auf meine nicht vorhandene Armbanduhr und eine Bewegung, die anzeigen soll, dass er Platz machen muß. Als Antwort kommt eine obzöne Geste. Du Wichser, denke ich. Wieder im Lkw, starte ich den Motor. Und warte.

Fünf Minuten später ist der Weg endlich frei. Mein Arbeitstag kann beginnen.

Die Brennerautobahn ist um diese Zeit gut zu befahren. Eigentlich sind nur Lkw unterwegs. Der erste Pkw überholt mich erst eine gute dreiviertel Stunde später. Das leidige Überholverbot fängt um sechs an. Bis Bozen kommt man also prima vorwärts. Dann beginnt eine dreißig Kilometer lange 60er Zone und durchgehendes Überholverbot. Am Tag halte ich mich daran. Schneller als 65 ist nicht.
In der Frühe jedoch, fahre ich auch mal achtzig. Zumindest so lang keiner vor mir fährt.

Der Sinn dieser Beschränkung war mir lange Zeit ein Rätsel. Bis irgendwann in der RoLa die Auflösung kam: Die langen Brücken will man vor den Stößen der Kraftfahrzeuge schützen. Deshalb Tempo 60 für Lkw und Tempo 80 für Busse. Und da sage einer, im Zug wird nur dummes Zeug geredet.

Kurz hinter Bozen sehe ich die Rücklichter eines anderen Lasters vor mir. Dann hänge ich auch schon dahinter. Demnach gibt es auch mitten in der Nacht gesetzestreue Kollegen. Oder anders ausgedrückt – nicht jedem sind frühs um vier Südtiroler Brücken egal. Der Mann von Fluckinger hat aber ein Einsehen. Er blinkt rechts, fährt durch eine freie Nothaltebucht und läßt mich vorbei. Solche Aktionen sind selten.

Apropo Nothaltebucht. Alle paar Kilometer überspannen große Infotafeln die Brennerautobahn. Auf diesen wird vor möglichen Gefahren gewarnt. Des Nachts jedoch erscheint zwischen Trento und dem Brennerpass ein Hinweis, dass in diesen Buchten das Parken verboten ist. Anfangs hielten sich die meisten daran. Mittlerweile jedoch, ist ein Großteil dieser Plätze wieder belegt. Keine Ahnung, ob das nicht kontrolliert wird.

Kurz nach fünf bin ich am Brenner. Über die obligatorische Lkw – Zwangswiegespur geht es hinein nach Österreich. Seit einigen Monaten gibt es dort einen Rasthof. Nur eben keine Lkw – Parkplätze. Ein Besuch dieser Örtlichkeit wird mir also für immer verwehrt bleiben. Auch auf der italienischen Seite baut man eine neue Raststätte. Nur irgendwie wird das Ding bei denen nicht fertig.

Kaum die Grenze überfahren, fängt die österreichische GoBox wie wild an zu piepsen. Das deutsche Mautgerät stimmt mit ein. Jetzt bin ich also einer von 30 000 anderen, die einen Mautkasten weniger brauchen. Ein erster kleiner Schritt. Auch wenn mir das kleine graue Ding vorne an der Scheibe irgendwie fehlt.
Ab Nößlach, einige Kilometer unterhalb vom Brenner, ist Tempo 40 angesagt. Also für Lkw. In früheren Zeiten war das vielleicht verständlich. Jetzt denke ich aber, 60 km/h wären auch ok. Zumal Busse mit hundert Sachen ins Tal brausen. Aber was sollts.
An der Mautstation in Schönberg muß ich halten. Hier wird die GoBox einkassiert und eine Kurzanleitung zur Nutzung der Toll Collect OBU (TC OBU) für die Mautentrichtung in Österreich ausgehändigt.

Fünf vor sechs bin ich bei Innsbruck. Hier wird der Verkehr zum ersten mal an diesem Tag etwas dichter. Aber auch das ist bald wieder vorbei. Ab Hall ist wieder Ruhe auf der Strasse. Das ist ein Vorteil, wenn man früh unterwegs ist. Vielleicht der einzige.
Vor Kufstein fängt es an zu regnen. Das Thermometer zeigt minus ein Grad. Blöd sowas. Schneit es, weiss man, dass es glatt ist. Regnet es jedoch bei diesen Temperaturen, ist man unsicher. Zwanzig Kilometer weiter am Inntaldreieck, ist die Strasse aber wieder trocken.

Ich bin immer froh, wenn es auf die A 8 geht. Endlich haben viele hundert Kilometer Überholverbot ein Ende. Für Pkw – Fahrer mag das ein Traum sein. Für mich jedoch ist es einfach nur nervig.
Bei Bad Aibling, kaum zehn Kilometer weiter, beginnt es aber erneut. Wenn es dumm läuft, bis weit hinter München. Da werden ADAC – Wünsche wahr.

Am Irschenberg mache ich wie so oft Pause. Diesmal fahre ich zur OMV – Tanke, die unterhalb vom eigentlichen Rasthof liegt. Dort kann man sich in Ruhe waschen und Zähne putzen. Zeit wird es ja. Auch das Frühstücksangebot ist da in Ordnung. Und auch preiswert.
Ich lasse mir etwas Zeit. Nach einer Stunde geht es weiter.
Bei München der erste kurze Stau. Berufsverkehr halt. Trotzdem verliere ich kaum Zeit. Es läuft ziemlich flüssig. Wenn ich dagegen manchmal die Meldungen aus NRW höre. Aber da bin ich selten. Zum Glück.

Der Rest des Tages verläuft angenehm. Wenig Verkehr, selbst die A 3 bei Würzburg macht so langsam wieder Spass.
Seit dem Nachmittag stehe ich auf einem Rasthof bei Limburg. Einmal duschen kostet drei Euro, dafür ist der Raum geräumig. Wenn auch nicht so ganz sauber und mehr als zwei Haken an der Wand wären auch nicht schlecht. Aber an einem Tag ohne Kundschaft, bin ich milde gestimmt. Und das ist doch schon mal was.

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Wintersorgen

Die Ausbeute an Eisschollen auf (m)einem Auflieger nach dem letzten Wochenende. Mit Gerüst kein Problem. Nach fünf Minuten war die Plane weitgehend eisfrei. Ohne dagegen? Hmm!
Sicher würde ich so losfahren. Zwei, dreimal bremsen und dabei hoffen, dass ein Großteil runterpoltert. Bei dem Rest schlieslich darauf vertrauen, keinen Pkw zu treffen.

Eisscholle auf Plane

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Schweizer Verhältnisse

Alle paar Wochen darf ich wegen einer körperlichen Unzugänglichkeit zu einem Arzt. Im Wartezimmer sehe ich dann das ganze Elend dieser Welt: Alte Frauen die sich freuen, mal wieder Menschen zu sehen. Oder Mütter die Ihre Kinder ignorieren, nur um einige Minuten Ruhe zu haben und kahlköpfige Männer, deren gesunder Haarwuchs schon Jahre zurück liegt. Genau daran mußte ich bei dem Anblick des Bildes von Enrico Stange denken.

Enrico Stange ist Sprecher für Landesentwicklung und Infrastruktur der Linke-Fraktion in Sachsen. In dieser Funktion macht er sich für ein Nachtfahrverbot für Lastwagen stark. Er ist der Meinung, dass man so den bei drei Prozent liegenden Anteil des Güterschwerverkehrs am gesamten Straßenverkehr innerhalb eines Jahrzehnts bis 2023 um gut ein Drittel senken kann. Dieses Nachtfahrverbot soll zu mehr Schienenverkehr und damit zu mehr Umweltfreundlichkeit führen.

Gut, dass ist nur ein Vorschlag und fern jeder Realität. Trotzdem würde es mich interessieren, wie Herr Stange sich das vorstellt. Punkt 22.00 Uhr ist Stillstand angesagt? Zumindest auf der Strasse? Gleichzeitig setzen sich in ganz Deutschland Güterzüge in Bewegung – voll mit Briefen und hängenden Schweinehälften?
Oder Montagfrüh? Viele Fahrer beginnen Ihre Tour Punkt sechs. Die Verkehrsnachrichten werden nur durch kurze Sender – Jingles unterbrochen? Denn sind wir doch mal ehrlich: Weniger Lkw werden trotz gutgemeinter, wenn auch naiver Ratschläge, nicht unterwegs sein.

Vorschläge wie diesen, sollte man deshalb demütig ertragen. Zumal ich nicht weiss, was “politisieren” wirklich bedeutet und ob die Funktion eines Sprecher’s für Landesentwicklung und Infrastruktur der Linke-Fraktion in Sachsen* wirklich ausfüllend ist. Unsterblich wird man damit sicher nicht.

*Sollte ich fälschlicherweise diesen Sprecherjob falsch benannt haben, bitte ich um Entschuldigung. Bei wem auch immer.

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Mal etwas naiv gedacht

Während ich in einer Firma in der Nähe von Treviso warten mußte, begaffte ich die Autos der Angestellten: Citroen, VW, Opel, Ford, Audi, noch ein Citroen, Toyota, Skoda. Selbst ein alter Rover stand mittendrin. Nur kein Fiat. Und auch kein Alfa. Erst recht kein Lancia.
Hmm. Da kann es ja mit dem Süden nix werden, wenn die nichtmal Ihre eigenen Autos kaufen.

Alles nur kein Fiat

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Sex on the Street

Parkplätze sollen eigentlich Oasen der Ruhe sein. Zumindest dann, wenn der Tag fortgeschritten ist, Autofahrer sich in Ihre eigenen vier Wände zurück gezogen haben und der Verkehr auf der angrenzenden Strasse etwas nachgelassen hat.
Es gibt aber Orte, auf denen erst in den Abendstunden das Leben beginnt.

Ich stehe seit dem frühen Nachmittag an der A 1, zwischen Trier und Wittlich. Pkw kommen und parken, die Fahrer steigen aus. Dann spazieren Sie über den gesamten Platz, mustern mit Ihren Augen jedes neu ankommende Auto. Ab und zu verschwindet einer im angrenzenden Wald, eine Minute später folgt Ihm ein anderer. Es ist schon interessant, dass zu beobachten. Eine Frage beschäftigte mich aber: Kommt bei Regen und Kälte überhaupt eine gewisse Stimmung auf, sich körperlich zu nähern?

Fragen sind da, um sie beantworten zu lassen. Schräg vor mir parkte ein älterer Mann. Ich schätzte Ihn auf Mitte sechzig. Eine Zeitlang blieb er im Auto sitzen. Plötzlich stieg er aus, musterte einen anderen, wesentlich jüngeren Burschen. Ob die Luft nun anfing zu schwingern, weiss ich nicht. An mir muß es glücklicherweise vorrüber gegangen sein.
Der Alte maschierte Richtung Wald, kurze Zeit später auch der andere. Sein Gang erinnerte an einen Geheimagenten. Immer wieder drehte er sich kaum merklich um und inspizierte seine Umgebung. Dann war auch er zwischen den Bäumen verschwunden.

Nach ungefähr fünfzehn Minuten erschien der jüngere wieder. Diesmal hatte er es eilig. Ich überlegte kurz, mir sein Autokennzeichen zu merken. Man weiss ja nie. Tatorte gibt es überall. Dann sah ich aber den Älteren auftauchen. Langsam näherte er sich seinem Auto. Dort angekommen, winkte ich Ihn heran und fragte, wie es war.
Er winkte ab und erwiderte: „Nichts war. Zuviele Leute unterwegs!“ Mit dieser Antwort war ich aber nicht zufrieden: „Und die Kälte? Stört die nicht?“ „Ja, schon. Ich wollte im Auto. Ihm war es aber zu eng!“

Nun war ich sprachlos. Mit soviel Freizügigkeit hatte ich nicht gerechnet. Gut, ich habe gefragt. Aber eigentlich, ohne eine Antwort zu erwarten. Er stieg in sein Auto. Irgendwann war er weg, ohne dass ich es bemerkte.

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Taktlos

Diese dauernde Angespanntheit im Strassenverkehr ist auch Ramsi Ramsauer aufgefallen. Deshalb hat er mit verschiedenen Partnern und namhaften Konzertpianisten unter dem Titel „Adagio im Auto“ eine CD mit langsamen Sätzen aus Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt.

Dadurch soll alles sicherer werden. Weniger Aggression durch ausgeglichene Musik. Glaube versetzt halt Berge. Bei einem Erfolg will auch Merkel nachziehen: Sie will eine CD mit den schönsten Märchen einsprechen.
Aber bevor es soweit ist, wird die Autobahn zur verkehrsberuhigten Zone. Ramsauer sei Dank.

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