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382 Ergebnisse für "unterwegs"

Leg dich nie mit Lkw-Fahrern an…

…denn sonst droht Dir ein Shitstorm allererster Güte. Und was für einer.

Aber von Anfang an: Es geht um Gladenbach, ein schnuckeliges, possierliches kleines Städtchen im hessischen Hinterland. Etwas mehr als zwölftausend Leute leben dort, weit weg von den großen und wichtigen Verkehrsadern.

Es könnte also alles so friedlich sein, nett und schön. Wenn es mitten im Ort nicht diese eine Kreuzung geben würde. An dessen Schnittpunkt die B 255 von Herborn nach Marburg führend, auf die B 453 von Biedenkopf kommend, trifft.

Wegweiser nach Gladenbach
Tausend Wege führen nach Gladenbach

Und jetzt wird es ein wenig kompliziert. Obwohl, nee. Eigentlich ist es relativ simpel. Also Leute, bitte ein bissel aufgepasst: Das gar nicht mal so große Problem dieser Kreuzung ist, dass nach rechts abbiegende Lkw aus Richtung Marburg (B 255) in Richtung Biedenkopf (B 453), links abbiegenden Pkw aus Richtung Biedenkopf (B 453) in Richtung Marburg (B 255) ziemlich nahe kommen.
Denn beim abbiegen in Richtung Biedenkopf treffen die Lkw auf die an der Ampel in der Linksabbiegerspur wartenden Fahrzeuge, die Richtung Marburg abbiegen wollen.

Ein simples Problem

Warum das ein eigentlich simples Problem ist? Nun ja, ich bin in der glücklichen Lage, diesen Kreuzungsbereich ziemlich gut zu kennen. Eben weil ich da oft lang fahre und im Grunde genommen beim abbiegen nie ernsthafte Schwierigkeiten hatte. Denn wenn es während des Abbiegevorganges wirklich mal eng wird, warte ich kurz, bis das Fahrzeug auf der Linksabbiegerspur etwas Platz macht oder eben selber grün hat und losfährt.
Machen aber wohl nicht alle Lkw-Fahrer so. Irgendwo habe ich gelesen, dass auch schon mal ein Teil der Ampelanlage dran glauben musste. Das ist dann natürlich blöd.

Aber wie auch immer. Um diesen Gefahrenbereich abzumildern, gab es einen gemeinsamen Vorschlag von SPD und Freien Wählern. Die forderten, dass diese Kreuzung entschärft wird.

Das sollte u.a. so geschehen, die Haltelinie für die Linksabbieger auf der B 453 in Richtung Marburg, einige Meter nach hinten zu verlegen. Schon hätte ich als Lkw-Fahrer mehr Platz, um die Kurve umfahren zu können.
Also eigentlich ein relativ nüchterner Vorschlag. Und mal ehrlich? Ich habe null Ahnung, was daran so schwierig und kostspielig sein soll.

Aber, in einer Sitzung des Bauausschusses der Stadt Gladenbach gab es auch Widerspruch. So erachtete der Fraktionsvorsitzender der CDU, Stefan Runzheimer, diesen Vorschlag als verkehrten Schritt. Trotzdem. Alles in Ordnung. Denn so funktioniert Demokratie.

Blöd für Ihn allerdings, sind drei Dinge. Zum ersten seine drastischen Worte. So sagte er:

Weshalb sollen wir deren individuelle Unfähigkeit mit öffentlichen Geldern subventionieren? Wir können solchen Idioten nicht hinterherlaufen.

Stefan Runzheimer, CDU-Fraktionsvorsitzender der Stadt Gladenbach

Mit „deren“ und „solchen“ meinte Runzheimer uns Lkw-Fahrer. Aber alles gut bisher. Wirklich.

Nur, daraus folgte sein zweites Problem. Denn ein Redakteur eines Lokalblattes nahm genau dieses Zitat als Aufhänger für einen Bericht über diese Bauausschusssitzung. Das blieb natürlich nicht unbesehen.

Schon kommt der dritte Punkt: Die Macht der sozialen Medien. Irgendwer entdeckte diesen Artikel samt Spruch und teilte ihn auf Facebook. Tja. Dann nahm das Drama Trauerstück seinen Lauf.

Die Macht der sozialen Medien

Ob dieser „irgendwer“ ein zurückhaltender Zeitgenosse mit wenig Reichweite war, mag will ich nicht beurteilen. Aber wohl bezweifeln. Denn wie sonst sollte dieses Zitat von Runzheimer, gefallen in einer Bauausschusssitzung von Gladenbach, innerhalb weniger Stunden für breite, große Empörung in vielen (Fahrer-) Gruppen sorgen?

Denn genau das tat es. Ich will nicht wissen, wie viele beleidigende eMails oder Telefonate Runzheimer, seine Parteikameraden und andere Gladenbacher Stadtratsmitglieder bekommen haben. Selbst eine Sammelklage gegen Runsheimer sollte angestrengt werden. Dafür wurde extra eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der Befürworter dieser Klage ihre Adresse zur Unterstützung hinterlassen sollten. Kein Scherz.

Ihr denkt, spätestens jetzt hätte dieser Spuk ein Ende? Denn jeder einigermaßen normal denkende Mensch würde sagen: Ähhhh, wenn jemand persönliche Daten, und sei es nur meine Adresse, haben will, ist sprichwörtlich Schicht im Schacht? Nee, weit gefehlt. Es ging erst richtig los.

Nicht wenige teilten wirklich ihre Adresse in dieser WhatsApp-Gruppe, die übrigens jeder abonnieren konnte. Denn das Wort „Sammelklage“ betäubte nun das Hirn. So nach dem Motto, wir Trucker halten zusammen, dem zeigen wir es jetzt aber.

Mittlerweile aufgeschreckt und vielleicht auch überfordert von den vielen eingehenden, eventuell auch beleidigenden Nachrichten, veröffentlichte der CDU-Ortsverband Gladenbach eine Stellungsnahme. Nur statt ihrem Mitglied und Fraktionsvorsitzenden den Rücken zu stärken…

…aber lest selbst:

Sehr geehrte Damen und Herren,
die CDU Gladenbach reagiert mit dieser Stellungnahme auf die Berichterstattung, welche in den sozialen Medien und in der Tageszeitung bzgl. der Äußerung des Fraktionsvorsitzenden der CDU , Herrn Runzheimer zu der Thematik „LKW-Fahrern im Bereich einer Kreuzung“ zu entnehmen war.

Die CDU Gladenbach distanziert sich ausdrücklich von den getätigten Aussagen und führt aktuell Gespräche mit der betroffenen Person, welche sich bereits darüber im klaren ist, einen Fehler begangen zu haben. LKW Fahrer/innen verrichten tagtäglich einen unverzichtbaren Dienst an unserer Gesellschaft und in den letzten Monaten auch in einem hohen Maße darüber hinaus. Eine Berufsgruppe pauschal zu beleidigen, ist nicht der Stil, welchen die CDU zu pflegen weiß.

Die CDU Gladenbach erwartet deshalb eine Stellungnahme und eine Entschuldigung von Herrn Runzheimer und behält sich weitere, interne Maßnahmen, ausdrücklich vor.

Die CDU Gladenbach entschuldigt sich an dieser Stelle aber bereits inständig für die Worte, welche von einem unserer Mitglieder in einer nicht hinnehmbaren Art und Weise in den Mund genommen worden sind und gleichwohl bedanken wir uns bei allen LKW-Fahrern und Fahrerinnen, welche jeden Tag auf unseren Straßen unterwegs sind und damit unsere Versorgung sicherstellen.

CDU Gladenbach, 03.11.2021

Stellungsnahme des CDU-Ortsverbandes Gladenbach zu den Aussagen ihres Mitgliedes Runzheimer

… nun ja, Wenn es wenigstens ein berechtigtes Schuldeingeständniss wäre. Aber mit diesem Artikel wird ein Parteimitglied der Meute quasi erst recht zum Fraß vorgeworfen, nur um selbst einigermaßen sauber aus dieser Misere zu kommen. Diese Stellungsnahme wurde natürlich auch auf Facebook veröffentlicht. Die Kommentare darunter, eigentlich nur von Fahrern, sprechen Bände.

Nur, so funktioniert das meiner Meinung nach nicht. Denn jeder sollte „fair“ beurteilt werden. Und „fair“ sollte von Seiten seiner Parteilkollegen solidarisch heißen. Und nicht zynisch.

Aber genauso, nämlich zynisch, klingt diese Gegendarstellung. Aber mehr noch, selbst Runzheimer, also der Gescholtene, verleugnet sich selbst:

Stellungsnahme Stefan Runzheimer (CDU Gladenbach)

Allein schon die zweite Zwischenüberschrift „sehr geehrte Lkw-Fahrer“. Also ich fühle mich davon nicht angesprochen.

Warum auch? Der Runzheimer hat mich ja nicht persönlich beleidigt. Also weder wegen „individueller Unfähigkeit„, noch durch „Idiot„. Denn ich kam bisher immer gut durch oder über diese Kreuzung.

Und da bin ich endlich wieder beim eigentlichen Thema. Denn ich glaube, nee Quark, bin mir sogar sicher, Runzheimer meint mit seiner Aussage nur die Fahrer, die zu dumm sind, an dieser Kreuzung rechts abzubiegen. Das seine Ausdrucksweise nicht so ganz korrekt war, drauf geschissen. Diese Äusserung ist in einer Gemeinderatssitzung gefallen und war keine politisch korrekte Jubiläumsrede und über Gladenbach hinaus, hat dieser Ausspruch null Relevanz.

Wenig Selbstwertgefühl?

Warum also fühlt sich dann ein Teil der Fahrerschaft angesprochen? Haben die etwa so wenig Selbstwertgefühl? Komisch, in diversen Fahrergruppen auf Netzwerken wie Facebook sind immer alle super duper toll cool drauf.

Nur „super duper“ oder „mit besten Absichten“ reicht bei einigen eben nicht. Ich weiß, dass Leute hier mitlesen, die speziell auf Facebook eine gewisse, hmm, wie soll ich es beschreiben, joa, Reichweite besitzen. Also Seiten mit mehreren zehn- oder gar hunderttausend Likes haben oder Admins in Gruppen mit mehreren tausend oder zehntausend Mitgliedern sind. Wer so etwas aufgebaut hat und Mitglieder und Leser im Griff hat, alle Achtung. Ist mein ernst,

Aber gerade dann befremdet es mich, wenn Personen, die aufgrund ihrer starken und einflussreichen Präsenz in den sozialen Medien ein gewisses Ansehen haben, Stimmung gegen Menschen, wie hier der Lokalpolitiker aus Gladenbach, machen. Das kann ich nicht so ganz nachvollziehen.
Denn eigentlich hätte schon im Vorfeld klar sein müssen, wie die Reaktionen darauf ausfallen. Nämlich teilweise alles andere als nett.

Mit dem teilen dieses Zitats wurde dem Ansehen unseres Berufsstandes leider keinen Gefallen getan. Im Gegenteil, wenn ich mir diverse Kommentare durchlese, werden Vorurteile wie in dem geteilten Zitat getätigt, sogar noch bestätigt.

3 Kommentare

FKK. Also fast.

Duschen im Industriegebiet. Erotischer wird es diese Woche nicht mehr. Natürlich auch wegen der Temperatur des Wassers. Klar.
Oder wie ein guter Bekannter auf Instagram schrieb: „Das ist jetzt aber die Endstufe der Truckerromantik.“

duschen unterwegs
Es wird romantisch

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In diesem Jahr, gerade einmal zehn Wochen alt, kamen schon vierzehn Fahrer an einem Stauende ums Leben. Erst gestern gab es auf der A 2 bei Burg zwei tödliche Unfälle.

Wolfgang Dorn, der selbst viele Jahre als Lkw-Fahrer unterwegs war, macht sich darüber seine eigenen klugen Gedanken. Vielen Dank dafür:

Früher hat man von einem schwarzen Tag gesprochen…

Es kracht heute wieder an allen Ecken und Kanten und keiner der Verantwortlichen will es wissen.
Muss es erst wieder zu einem solchen Unfall, wie am 07.07.1987 in Herborn kommen?
Gut – die Ursache war damals eine andere und ist mit den heutigen Unfallursachen nicht zu vergleichen.

Aber ich will auch nichts vergleichen. Nur ist es in meinen Augen nur noch eine Fragen der Zeit, bis es wieder zu einer solchen Katastrophe wie 87 kommt. Seinerzeit war es eine Verkettung mehrerer Gründe die zu der Katastrophe führten.
Heute wird der Unfallauslöser wohl eher in menschlichem Versagen zu suchen sein.

Die Ursachen für diese, immer häufiger auftretenden Unfälle liegen aber m. E. woanders.
Ein total überlastetes Straßennetz, zumindest auf den Hauptverkehrsadern, dazu viel zu wenig Parkmöglichkeiten, ein, durch jahrelange Vernachlässigung, marodes Straßennetz mit zu vielen Baustellen sind nur einige der Gründe für diese Unfälle.
Klar – werden jetzt viele einwerfen, der Fahrer sitzt am Lenkrad und er trägt die Verantwortung für sein handeln.

Das ist vollkommen richtig, aber man muss auch sehen, was für Leute sitzen am Lenkrad und warum ist das so.
Das gesamte Transportwesen befindet sich in einem selbst zu verantwortendem Dilemma – einerseits hat man sich mit Haut und Haaren an die Industrie, bzw. die Discounter und Lebensmittelketten verkauft und andererseits findet man keine Fahrer mehr.

Die Preise fallen immer tiefer in den Keller, das Frachtaufkommen wird immer größer und die Fahrer bleiben, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke.
Und weil es noch immer nicht reicht – kommt auch noch Corona mit all seinen „Annehmlichkeiten“ oben drauf.

Will man von den Unfallzahlen runter, muss man als allererstes mal dafür sorgen, dass das Verkehrsaufkommen massiv reduziert wird. Dann muss dringend die Qualität der Fahrer verbessert werden. Es kann nicht sein, dass jedes dahergelaufene Männlein oder Weiblein eine Fahrerlaubnis erhält.
Ebenso sind kontinuierliche Kontrollen dringend erforderlich und eine konsequente Strafverfolgung.

Der alte Mann

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Links und rechts der (Daten-) autobahn

Zuerst mal etwas in eigener Sache. Anfang der Woche kam eine Mail, in der mir mitgeteilt wurde, dass dieser mein Blog zu den 100 wichtigsten oder auch relevantesten Blogs in Deutschland gehört. Na ja, dass ist ja toll. Nur:

Basis des Top-100-Blogrankings ist der Blogger-Relevanzindex. Hierfür werden rund 2.000 Blogs in fünf Disziplinen bewertet…

Quelle: www.faktenkontor.de

Eine Bewertung unter zweitausend Blogs. Das sind ja nun nicht soooo viele. Zumal ich keine Ahnung habe, welche genau begutachtet wurden. Von daher, alles easy. Keine Aufregung.
Allerdings könnte dieses Ranking für die Außendarstellung vielleicht mal wichtig sein. Keine Ahnung, wer oder was mal anfragt. Für mein Tagesgeschäft hier aber eher nur eine Fußnote.

Blogger sind relevant
Das Ziel ist da, wo der Pfeil hinzeigt. Platz 5 unter den Autoblogs, Platz 86 im Gesamtranking. Quelle: Blogger-Relevanzindex.de

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Auch die Bayern haben es letzte Woche geschafft, eine Corona-Teststation zu installieren. Diese ist am Autohof Raubling, so zwanzig Kilometer vor Kiefersfelden, zu finden. Initiatoren sind der Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS) und der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT). Nach Aussage der beiden Verbände habe es in Fahrtrichtung Süden bisher an einer solchen Einrichtung gefehlt.

Das ist gelogen. Die Tiroler haben schon eine Woche vorher zwei Schnelltest-Stationen eingerichtet, auf dem Rastplatz „Münster-Nord“ und in Nößlach. Die Bayern dagegen haben eine ganze Woche länger dafür gebraucht.
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Letztes Jahr wurde das Mobilitätspaket Teil I beschlossen. Es beinhaltet auch Verbesserungen von Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer*innen. So müssen Speditionen oder Fuhrunternehmen jetzt die Arbeit ihrer Fahrerinnen und Fahrer so planen, dass es ihnen innerhalb eines jeden Vier-Wochen-Zeitraumes mindestens einmal ermöglicht wird, an ihren Wohnsitz oder, (Achtung: Jetzt wird es kompliziert) an die im Niederlassungsmitgliedstaat des Arbeitgebers gelegene Betriebsstätte des Arbeitgebers, der sie normalerweise zugeordnet sind, zurückzukehren, um dort eine Wochenruhezeit von mindestens 45 Stunden einzulegen.

Auch die Fahrzeuge, also Lkw, unterliegen einer Rückkehrpflicht. Diese müssen mindestens alle acht Wochen in das Land zurückkehren, in dem sie registriert sind.
Wirtschaftlich wäre das natürlich furchtbar. Denn kein ost- oder südosteuropäisches Unternehmen hätte einen existenziellen Vorteil davon, ihre Laster regelmäßig heimzuholen. Also schicken die ihre EU-Abgeordneten nach vorn, um das zu verhindern.

Ich hoffe, EP und Rat werden die Realität akzeptieren und fordern, dass die Heimkehrpflicht für Lkw aus dem Gesetz gestrichen wird

Marian-Jean Marinescu, rumänischer Europaabgeordneter (EVP)

Die Rückkehrpflicht für Lkw ist kompletter Unsinn. EU-Kommission, sie sind am Zug.

Andor Deli von der ungarischen Fidesz-Partei

Klar gibt es auch einen Grund für den Beißreflex dieser Abgeordneten. Nämlich die Umwelt. Denn diese geplanten Vorschriften könnten dazu führen, dass in der EU jährlich bis zu 2,85 Milliarden Lkw-Kilometer mehr gefahren werden und der CO2-Ausstoß durch den Verkehr um bis zu 3,3 Millionen Tonnen steigt. Das zumindest beinhalten zwei Studien, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben wurden.

Merkt Ihr was an diesen Zahlen? Genau, die zeigen doch vorbildlich, dass viele Lkw jetzt dauerhaft nicht in dem Land unterwegs sind, in dem die zugelassen sind. Wird also längst Zeit, dass zu ändern. Denn sollen Gewinnmaximierung und Wettbewerbsverzerrung weiterhin wichtiger sein, als Arbeitnehmer- und Menschenrechte?
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Chefredakteur: „Hey Nathanael, willst mal wieder raus aus München? Dann fahr auf nen Autobahnrasthof, such Dir zwei Trucker, die Dir was aus Ihrem Leben erzählen. Die sind eh einsam und immer froh, wenn sich jemand für sie interessiert.

So oder zumindest ähnlich stelle ich mir das Vorgespräch zu diesem Artikel vor.

Corona-Test nach 72 Stunden in einem Risikogebiet? Welcher Lkw-Fahrer wurde denn bisher danach gefragt? Mit Ausnahme von England vor Weihnachten und Tschechien und Tirol seit letzten Montag hat ein Test doch meines Wissens keinen interessiert. Und in den drei Fällen geht oder ging es um die Virusmutanten.

Denn um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, wurden Green-Lanes beschlossen und eingerichtet. Die Betonung liegt hier auf „Versorgungssicherheit“ und nicht auf „Erleichterungen“ für uns Fahrer.

Soziale Kontakte? Zumindest Fahrer im Fernverkehr haben die doch schon immer kaum. Das darauf zurück zu führen, dass immer weniger Fahrer der deutschen Sprache mächtig sind, naja, ich weiß nicht.

Diese Brummi-Card gibt es nur für einen kleinen Teil der Fahrer. Wie viele davon ausgegeben und letztlich auch genutzt werden, keine Ahnung. Würde mich aber mal interessieren.
Das so wenig Fahrer gewerkschaftlich organisiert sind, liegt wohl kaum am dauernden unterwegs sein. Eher am Eigenbrötlertum vieler, wo ich wieder bei den fehlenden sozialen Kontakten bin, und den allgemeinen Vorurteilen gegenüber Gewerkschaften. Manchmal glaube ich, diese werden den zukünftigen Fahrern schon mit in die Wiege gelegt. Ok., der letzte Satz war ein kleiner Scherz.
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Nix halbes und nix ganzes

Ein bissel beleidigt bin ich ja schon. Da lasse ich mir gestern morgen ein Wattestäbchen in die Nase bis kurz unters Gehirn rein schieben und dann war sprichwörtlich alles für die Katz. Ja, ich weiß jetzt das ich nicht an Corona erkrankt bin, wenn man diesem Test glauben kann, aber davon bin ich eh ausgegangen.

Spätestens auf dem Autohof Sadobre bei Sterzing in Südtirol kann sich jeder Fahrer der in Richtung Norden unterwegs ist, testen lassen. Oder auch nicht. Denn der Test kostet dort vierzig Euro.
Wer sich die Kohle sparen will und direkt hoch zum Brenner fährt, auch gut. Denn einen Nachweis will oder wollte zumindest heute keiner sehen. Ein Auto der Polizia stand einsam hinter der Mautstelle Sterzing, die beiden Polizisten starrten desinteressiert auf ihre Handys.

Oben am Brenner das gleiche Spiel. Freie Fahrt nach Österreich. Nur mit dem Unterschied, dass ich nicht mal einen Uniformierten zu Gesicht bekam. Also auf durch Nordtirol.

Bis kurz vor Angath. So heißt die letzte Raststätte, vielleicht sechzehn, siebzehn Kilometer vor der deutschen Grenze.
Ab dort staute es sich. Klar, die Bundespolizei will ja die Testnachweise sehen. Dachte ich zumindest.

Stau vor Kiefersfelden
Ein Stau in Tirol

Nach zwei, zweieinhalb Stunden hatte ich es fast geschafft. Der Grenzübergang kam in Sicht.
Und dann? Nix. Ich fuhr ganz normal durch. So wie immer. Auch die deutschen Bundespolizeibeamten wollten meinen Test nicht sehen. Jetzt mal ehrlich. Das ist doch eine Farce.

Viele die aus Italien hoch kommen müssen zusehen, wo sie sich testen lassen können. Zahlen dafür dann vierzig, fünfzig Euro. Oder halt deren Firma. Ist ja jetzt kack egal.
Andere fahren teilweise lange Umwege durch die Schweiz oder über die Tauern, um nach Deutschland zu kommen.

Dieser Zettel interessierte heute keinen, zumindest als ich durchgefahren bin. Trotzdem. Irgendetwas läuft da falsch. Ich stand immer und stehe auch heute noch hinter vielen Aktionen, um die Pandemie einzudämmen. Aber irgendwie sind die Maßstäbe dafür mittlerweile so verschoben.

richtige Spur beachten
Der Spureinweisung bitte unbedingt Folge leisten

Wie diese Grenzkontrollen. Vorletztes Wochenende hoppla Hop beschlossen, dass nachfolgende Chaos wurde wissentlich und billigend in Kauf genommen. Ist ja schließlich für die Gesundheit.
Nur dann sollten diese Maßnahmen auch voll und ohne Kompromisse durchgezogen werden. Ansonsten könnte, nein sollte, man es auch gleich sein lassen.

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