Denn mein Chef war der Meinung, genug mit weiß, jetzt ist blau angesagt. Passt auch farblich eher zum Auflieger und der Firmenfarbe seines unseres Auftraggebers. Ist ja schon ein schönes Bild.
Das eine neue Zugmaschine kommt, wusste ich schon seit Februar. Liefertermin sollte eigentlich Mitte Juni sein. Aber wegen der Halbleiter-Krise verschob sich der immer wieder nach hinten. Vor zwei Wochen hieß es noch, Lieferung erst im September. Deshalb war ich vorgestern schon ein wenig vom Anruf meines Arbeitgebers überrascht, dass ich Freitag den neuen Lkw holen kann.
Aber nun ist er da. Mit Alcoa-Alufelgen, Sitze aus Leder und Alcantara, Sitzheizung und Belüftung, Spiegel in Wagenfarbe und ganz wichtig, Lufthörner. Damit ich meinen gelegentlichen Unmut auch Gehör verschaffen kann.
Heute ist der „Tag des hässlichen Lkw“. Oder auch „Ugly Truck Day“. An jeden 20. Juli kann also jeder auf seinen hässlichen Lkw stolz sein.
Wieso es den „Ugly Truck Day“ eigentlich gibt, ist weitgehend unbekannt. Sicher ist nur, dass er an jedem 20. Juli gefeiert wird. Er wird auch als „Ugly Truck Contest Day“ bezeichnet.
Laut Google wurde er zum ersten Mal 1996 erwähnt. Ok., dieser Tag kommt ja eigentlich aus den Staaten, vielleicht kürt man da drüben auch den hässlichsten Pickup. Ich hab da nicht so richtig Ahnung von.
Aber wie auch immer. Ich halte meinen in „Osteuropaweiß“ lackierten DAF übrigens für den schönsten Lkw weit und breit. Also nix mit „Ugly Truck“.
Ich weiß nicht, ob ich in meinem Leben schon mehr gefunden als verloren habe.
Eine Tasche mit persönlichen Dokumenten, Portemonnaie mit über hundert Euro Inhalt, Notizbuch mit diversen Passwörtern, Einzelteile eines Handys und weiteren Zeugs lag mal in einer Raststättenauffahrt. Ein Autofahrer hat die wohl aufs Autodach gelegt und vor dem losfahren vergessen. Ich hab die aufgesammelt und später in meinem Heimatort bei der Polizei abgegeben.
Der damals diensthabende Beamte war davon nicht so erfreut. Statt eines ruhigen Samstagnachmittags wartete Schreibkram auf ihn. Jedes gefundene Teil durfte der in einem Protokoll aufschreiben. Na ja, ist jetzt schon einige Jahre her und hab auch nie wieder davon gehört.
Und auch schon lange nicht mehr daran gedacht. Aber gegensätzliche Sache. Was habe ich eigentlich schon verloren? Also ausser den Glauben an die Menschheit.
Bis letzter Woche wäre mir da lange nichts eingefallen. Kein Schlüssel, keine Ausweise, kein Geld, nix. Mittwoch aber ist es passiert. Packe nach dem duschen meine Klamotten zusammen, merke aber nicht, wie meine Uhr irgendwie rausrutscht. An der Kasse dann die Schlüssel für den Duschraum abgegeben, noch nen Kaffee geholt und losgefahren.
Nach zehn Minuten dämmert es mir, dass irgendetwas fehlt. Alles gedanklich durchgegangen. Klamotten, Duschtasche, Geld? Alles da. Aber kacke, meine Uhr ist weg. Einen Parkplatz später wieder rausgefahren, Taschen nochmal durchwühlt, die Uhr blieb verschwunden.
Was für eine Gülle. Das hat mich wirklich geärgert. Habe die mal von meinem Weihnachtsgeld gekauft, war für meine Verhältnisse nicht billig. Und nun? Weg! Scheiße.
Auch die Verpackung der Uhr habe ich aufgehoben.
Karma schlägt aber immer wieder zurück. Nicht nur im bösen, nee, ich denke auch im guten. So auch diesmal. Also in der Tankstelle angerufen, der netten Mitarbeiterin meinen Ärger erzählt. Die sagt: „Oh, kein Problem. Ich schau schnell in der Dusche nach und rufe sie in fünf Minuten zurück„.
Meine Laune besserte sich schon etwas – und hellte sich ganz auf, als ich im folgenden Telefonat quasi meine für immer verloren geglaubte Armbanduhr zurück bekam. Denn die lag tatsächlich noch im Duschraum. Natürlich habe ich die noch nicht so ganz, muss die nächste Woche noch abholen. Aber das passt schon, fahre eh dran vorbei.
Tja, jetzt könnte man meinen, dass Leben ist manchmal doch ein bissel wie ein Boomerang. Hätte ich das Geld von der Fundsache der Autobahnauffahrt eingesteckt und den Rest im Straßengraben oder einem Mülleimer versenkt, wer weiß? Vielleicht wäre meine liebgewordene Armbanduhr nie wieder aufgetaucht.
Das kann jetzt so sein, oder eben auch nicht. Ich selbst glaube eher nicht an so etwas. Aber als Mensch fühle ich mich besser, wenn man Gutes tut und auch, wenn einem gutes widerfährt.
Armin Laschet lässt sich so wenig angreifen wie der LKW-Stau im Gewerbegebiet, er ist so sinn- und würdelos wie jener in seiner Unhinterfragbarkeit. Er könnte auch »Brumm, brumm« sagen und würde gewählt.
Laschet wird von denen gewählt werden, die schon immer CDU gewählt haben. Weil die zur Wahl gehen. Viele unentschlossene dagegen bleiben Zuhause. Schon deshalb, weil Alternativen für viele eigentlich rar sind.
Die Meinung vieler ist doch: Von rot, egal welches, wird man verraten, grün kommt zu teuer, gelb ist gegenstandslos und blau? Nee, keine wirkliche Alternative. Also weiter wie bisher. Da weiß man, was man hat.
Wie es bei mir ausschaut? Hmm, ganz ehrlich? Wählen ist Bürgerpflicht. Aber: Der Wahlkrampf hat gerade begonnen und ich wäre schon jetzt froh, wenn dieses Gezetere endlich vorbei ist. Aber Olympia kommt ja noch und vielleicht gibt es da ein paar Dopingfälle. Abwechslung tut gut.
Der „Autohof Geiselwind„, oder in Fachkreisen einfach nur „Strohofer“ oder „Bei Toni“ genannt, wird 40.
Das Gelände sieht aus, wie America im Kleinformat. Ein großer Truckstop Autohof, BurgerKing und McDonalds, KFC und Subway. Dazu eine Metzgerei, Festhalle, mehrere Tankstellen, Lkw-Waschhalle samt Werkstatt und eine Kirche. Davon abgesehen, der Parkplatz seit eh und je schief und krumm, nach kurzer Trockenheit stinkt es pervers nach Pisse. Ach ja, einen Sexshop gibt es auch noch.
Quelle: AutoBild Nummer 25/2021
Aber die Duschräume wurden vor kurzem renoviert, seperaten Waschraum inklusive. Und die Parkplatzwächter reservieren auch mal einen Platz. Oder auch zwei. Wenn man höflich fragt.
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