Seit dreieinhalb Wochen fahre ich jetzt nur in Deutschland umher. Logisch, Italien geht ja momentan nix. Und heute, nach fast einem Monat stand ich zum ersten Mal in einem Stau – zwischen Kronau und dem Walldorfer Kreuz.
Juhu, ein Stau.
Gut, es war kein richtiger Stau. Nach einer Minute ging es weiter. Keine Ahnung, wieso es kurz stockte. Aber es war Stillstand auf der Autobahn. Also ein Stau, wenn auch nur ein kurzer kleiner. Hatte echt schon Entzugserscheinungen.
Das Internet weiß alles. Jetzt gibt es auch eine Seite, auf der die Wartezeiten für Lkw an den europäischen Grenzen in relativer Echtzeit angezeigt werden. So sieht man gerade an diversen Grenzübergängen teilweise zig Kilometer Stau und stundenlange Standzeiten. Ich hätte nie gedacht, dass es innerhalb der EU nochmal zu solchen Zuständen kommt.
So. Feierabend in der italienischen Sperrzone. Ach ja, seit letzter Nacht ist ja das ganze Land als Gefahrenzone deklariert. Nicht mehr nur der Norden.
Jetzt am späten Abend ist der Parkplatz voll
Aber mal meine Beobachtungen von heute.
Der Schwer- und Lieferverkehr läuft wie immer. Ist also nicht weniger geworden. Aber logisch, Industrie und Gewerbe müssen beliefert werden, ebenso Super- und Fachmärkte. Menschen müssen auch in einer Krise versorgt werden. Kontrollen habe ich keine gesehen, den ganzen Tag nicht. Auch die Polizei selbst war nicht öfter unterwegs, wie zu normalen Zeiten.
Was merklich nachgelassen hat, ist der Individualverkehr. Viele Italiener halten sich wohl doch an das Dekret der Regierung, private Wege zu beschränken und sich nach Möglichkeit nur zu und von der Arbeit, sowie zu Arztbesuchen draußen aufzuhalten. Auch die Parkplätze vor Einkaufsmärkten waren leerer. Zumindest in der Lombardei. Schließen tun die eh schon um achtzehn Uhr, ebenso die Raststätten an den Autobahnen.
Spaziergang im Piemont
In Turin, also im Piemont, wo ich am frühen Nachmittag war, sah es anders aus. Menschen gingen spazieren, führten ihre Hunde Gassi oder joggten sich gesund. Lag vielleicht auch daran, dass Teile der Lombardei schon länger als „rote Zone“ gekennzeichnet sind, die Leute dort also schon folgsamer sind.
In drei Firmen habe ich entladen. Mit der Gefahr durch das Corona-Virus gingen die Leute unterschiedlich um. In der ersten bei Brescia saß der Pförtner mit Schutzmaske und Gummihandschuhen hinter seinem Tresen, der Staplerfahrer hingegen gab anderen Leuten die Hand, unterhielt sich normal mit denen, irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen Fehlanzeige. Aber vielleicht kannten die sich auch gut, wussten das der jeweils andere gesund ist. Was weiß ich.
Interessant noch. Bei jedem Lkw-Fahrer wurde vor der Einfahrt die Temperatur gemessen. 35,9 Grad zeigte das Thermometer bei mir an. Also alles im grünen Bereich. Was mich aber interessiert. Bei Fahrern mit erhöhter Temperatur, werden die nur weg geschickt oder wird ein Arzt benachrichtigt?
In den beiden anderen Betrieben bei Turin, war es ähnlich. Auch dort liefen einige mit Mundschutz rum, andere ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen. In der Warenannahme eines Lagers hingen vier Leute auf engsten Raum zusammen. Natürlich ohne Schutz. Die hatten echt vollstes Vertrauen zueinander.
Nicht ohne meine Handschuhe
Ich selber? Gestern von einer deutschen Autobahnraststätte einen Pack Dieselhandschuhe mitgenommen. Die da neben den Zapfsäulen hängen. Sobald ich irgendwas außerhalb vom Lkw anfasse, ziehe ich ein Paar an und entsorge es danach. Dann natürlich Abstand zu jeden und Hände waschen noch öfter als sonst.
Mag leicht panisch klingen, ist aber nicht so. Sowas kann man leicht bewerkstelligen, passt also.
Gestern Abend im Winterwunderland eingepennt und sechs Stunden später vom Wecker im Schneematsch geweckt worden. Irgendwie ein komisches Wetter. Aber die Autobahn war frei. Bei Aschaffenburg lag nicht mal mehr Schnee.
Um Würzburg rum und im Spessart sah das die Nacht wohl anders aus. Da standen die Lkw auf dem Standstreifen und deren Fahrer machten Pause. Tja, blöd wenn wegen Glätte nix geht und die Fahrzeit nicht mehr reicht, um einen Parkplatz zu erreichen. So. Jetzt erstmal eine Dreiviertelstunde Pause. Vielleicht erkennt ja einer, wo ich gerade stehe.
Kaffee im Matsch
Die nutze ich mal für nen gemütlichen Kaffee und dann geht’s weiter ins Sauerland. Drei Abladestellen warten auf mich. Also alles machbar.
Jetzt hat sich der Winter doch noch mal raus getraut. So ein Schlingel. Aber alles gut. Hab ja noch Zeit bis nachher gegen drei. Dann will ich erst weiterfahren. So zumindest mein Plan. Und der wird schon funktionieren.
Jetzt geht’s erstmal in die Koje. Mit dem Schnee da draußen werde ich super ruhig schlafen.
Die letzte Nacht am Rand des Parkplatzes eines Supermarktes bei Piacenza verbracht. Wohnhäuser nicht weit weg, alles hell erleuchtet, Hauptstraße gleich nebenan. Also eigentlich ein guter Standplatz. Sollte man meinen.
Wohl auch für Dieseldiebe. Während ich friedlich schlummer, machen die sich an den Tanks des Lkw zu schaffen. Keine zwei Meter von mir entfernt. Es werden so sechs-, siebenhundert Liter sein, die da rausgepumpt wurden. Kack Mistsäue.
Zumindest haben die mir dieses mal so viel drin gelassen, dass es bis Österreich reicht und ich nicht in Italien nachtanken muss. Ach ja, die Tankdeckel wurden auch wieder aufgeschraubt. Ordnung muss sein, auch unter Kriminellen. War ja beim letzten Klau ähnlich.
Diesel fehlt
Polizei holen lohnt nicht. Früh um halb fünf eh sinnlos, man wartet ewig, bis die kommen. Die Anzeige, falls überhaupt eine geschrieben wird, läuft sowieso ins leere. Tja, rufe ich nachher meinen Boss an, erstatte kurz Meldung und das war es. Bis wieder ein paar hundert Liter fehlen oder die Plane zerschnitten wird.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.