Tja. Alles noch runter bekommen gestern. Drei Kunden bis halb eins, den vierten am Nachmittag. So wie es sein muss. Dann heute Vormittag eine Komplettladung übernommen und einmal quer durch die Schweiz Richtung Deutschland. Dank der Massen an Urlaubern ging das zwar nicht ganz so fix, aber egal.
Die Nacht verbringe ich auf einem Rasthof im Breisgau und morgen früh geht es weiter Richtung Nordhessen. Also macht Platz für mich…
Montagabend, kurz nach elf. Ich stehe auf der italienischen Seite des Brenner und der Parkplatz ist noch halb leer. Was ist hier los? Normalerweise ist der Platz seit Stunden überfüllt. Hmm…
Viel Platz am Brenner
…aber alles normal. In Italien hat die ruhigste Woche des Jahres begonnen. Das Land ist im Urlaubsmodus, die meisten Firmen haben geschlossen. Also Betriebsferien. Ich glaube, nicht mal „zwischen den Jahren“ ist so wenig los.
Ein Vorteil für mich, dass wenig Verkehr ist. Komme also gut vorwärts. Vor allem auch streßfreier. Habe vier Abladestellen – und große Hoffnung, dass die Betriebe die ich beliefern muss, geöffnet haben. Zumindest mit einer Notbesetzung. Ich also das Zeug vom Auflieger gut runter bekomme. Ansonsten werden die Paletten bei einer Spedition zwischen gelagert. Kostet aber wieder Zeit, wäre also blöd. Zumal am Donnerstag Feiertag ist. Da will ich schon wieder in Deutschland sein.
Aber wird schon alles funktionieren. Hat es ja bisher jedes Jahr. Zumindest einigermaßen.
Ach ja. Und die Standheizung läuft. Kühl hier oben.
Tja nun. Der Fahrer heißt bestimmt Adolf Häßlich. Und die Fahne hat er von seinem Opa mal zur Jugendweihe bekommen. Da seine Frau Eva den Lappen nicht auf der heimischen Couch haben will, ist der halt im Führerhaus gelandet. Zack, Story aufgeklärt. ***
Durch die Tiroler Blockabfertigung bei Kufstein sieht der Bundesverband der deutschen Industrie die Versorgungssicherheit gefährdet. Tja nun, was interessiert mich die Versorgungssicherheit? Klar, zum einen kann ich die Anwohner verstehen. Keiner hat Bock auf eine Verkehrslawine sprichwörtlich vor seiner Haustür. Auf der anderen Seite verliere ich durch diesen Humbug zig Stunden, die mir fehlen. Vielleicht nicht an dem Tag, in dem ich im Stau stehe. Aber am nächsten oder übernächsten oder überübernächsten Tag. Denn was der Platter oder die Felipe da in Innsbruck treiben, sind Machtspielchen mit München, Berlin und Brüssel – und die Spielfiguren sind Fahrer wie ich, deren Weiterfahrt um Stunden verzögert wird. ***
Wir Kapitäne der Landstraße sind hart im nehmen. Selbst ein stinkender Müllcontainer im Sommer lässt uns nicht verzweifeln. Aber was bleibt einem auch sonst übrig. Sind die besten Plätze belegt, muss man die nehmen, die übrig sind. Auch wenn es müffelt, wie auf einer Müllhalde.
Ging gestern Abend nicht anders. Ehrlich. Rasthof war voll, also zumindest so, wie ich das überblicken konnte. So blieb nur der Streifen, der für ganz lange und ganz breite Laster vorgesehen ist.
Wäre so einer mitten in der Nacht gekommen, hätte ich den Platz geräumt. Ohne zu murren. Und das schreibe ich jetzt nicht nur so. Aber es kam keiner. Von daher, alles gut.
So. Montag vorbei. Jetzt gibt es noch was zu essen und dann geht es in die Koje. War übrigens eine staufreie Fahrt heute. Kaum zu glauben. Na gut. Bis auf das Geplänkel am Kreuz München-Nord. Aber auch das war nicht dramatisch.
Feierabend am Irschenberg. Ich glaube es gibt keinen Rasthof, auf dem ich in den letzten zehn, zwölf Jahren öfter stand.
Morgen früh gegen halb sechs geht’s weiter. Fünf Kunden in Oberitalien freuen sich auf meine Ladung. Zumindest hoffe ich das. Mein Plan ist, morgen den Auflieger leer zu bekommen. Aber mal schauen. Wenn nicht, Mittwoch ist auch noch ein Tag.
Sollte jemand von Euch mal eine längere Reise planen und sich der zeitlichen Abläufe nicht ganz im klaren sein, oder auch nur ein bissel unschlüssig, fragt mich. Ich helfe da ganz uneigennützig weiter. Denn meine eigene Planung für die bisherige Woche ging sowas von auf. Trotz Staus und viel Verkehr auf den Straßen stehe ich heute Abend in Österreich. Dem morgigen Feiertag in Italien habe ich also quasi ein Schnäppchen geschlagen.
Einziger Wermutstropfen ist mein nächtlicher Standplatz. Das ist der Kontrollstreifen hinter der Mautstation in Schönberg an der Brennerautobahn. Fünf oder sechs Prozent Gefälle mit einer leichten Neigung nach links. Ich werde also gleich etwas unsymetrisch pennen.
Notschlafplatz
Ging aber nicht anders, denn schon seit dem etwas vorgerückten Abend waren alle Parkplätze diesseits vom Brenner belegt. Ich weiß nicht mal, ob man hier parken darf. Aber bisher hat mich noch kein uniformierter Kamerad weg gejagt. Also gehe ich mal davon aus, dass die mich auch den Rest der Nacht in Ruhe lassen.
Da erledige ich früh um halb sechs am Wasserkanister fix meine Morgentoilette, also waschen und Zähne putzen, und werde kurz darauf von einem vor mir parkenden Busfahrer angesprochen. Er macht gerade für seine Reisegesellschaft Kaffee , ob ich nicht auch eine Tasse haben möchte.
Erst war ich ein wenig perplex, habe dann aber gerne „Ja“ gesagt. Nicht mal einen Euro für die Kaffeekasse wollte er. Das fand ich wirklich nett.
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