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Kategorie: Ladung

Ich hänge mal wieder…

…in der Warteschleife. Heißt auf deutsch: Ich stehe seit Stunden an einer Rampe, um die wahnsinnige Menge von vier Paletten geladen zu bekommen. Aber nix passiert. Also warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und irgendwann kotze ich.

Irgendwie bin ich jetzt stinkig. Aber richtig!

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In der Wartezone

Dienstagnachmittag, kurz vor drei. Ich stehe am Haupttor einer Firma mit selbsternannten Weltruf, irgendwo in Mittelhessen. Der Pförtner erklärt mir in seiner überschäumenden Art, dass ich meine Ware in einer anderen Niederlassung entladen lassen soll. Das hätte man Ihm so mitgeteilt und er würde keine Widerrede dulden. Eigentlich hatte ich das auch nicht vor.
Er erklärt mir den Weg. Es sollten gerade einmal 25 Kilometer sein und man würde mich natürlich noch abladen. Das wäre überhaupt kein Problem.

Dreisig Minuten später meldete ich mich in der dortigen Warenannahme. Es waren wirklich kaum mehr als zwanzig Kilometer. Nur wußte dort keiner etwas von meiner Ankunft und so behandelte man mich auch. In arroganter Art erklärte man mir, dass meine Ladung dort ebenfalls unerwünscht ist und schickte mich in ein anderes Lager. Dieses lag atemberaubende 300 Meter unterhalb der Zweigstelle dieses weltbekannten Kombinats.

Dort angekommen erwartete mich eine wohlbekannte Antwort: „Heute nicht mehr. Aber morgen früh ab sechs Uhr kannst Du hier entladen!“ Ich verabschiedete mich freundlich und suchte mir einen Standplatz für die Nacht.

Mittwochmorgen, 5.15 Uhr. Der Wecker reist mich aus dem Tiefschlaf. Nach einer kurzen Morgenhygiene am 10 – Liter Wasserkunstoffkanister begebe ich mich wieder zum Aussenlager. Dort ist es stockdunkel. Während ich zentimeterweise rückwärts an eine freie Rampe fahre, erleuchten schräg vor mir auf dem Gelände der bereits erwähnten Wagenburg zwei grelle Halogenschweinwerfer. Nun sehe ich überhaupt nichts mehr. Ich steige mehrmals aus, um die Lage hinter dem Auflieger zu peilen. Kurz vor sechs stehe ich schließlich halbwegs gerade an meiner anvisierten Rampe.

Nun passierte nichts mehr. Es wurde um sechs, viertel sieben, halb sieben. Ich stieg aus, drehte eine halbe Runde um den Zweckbau. Durch eine angelehnte Tür gelangte ich in das innere und erspähte den Mitarbeiter, dem ich das frühe Aufstehen zu verdanken hatte.
„Ich habe Dich schon gesehen„, rief er mir entgegen, noch bevor ich etwas sagen konnte. „Die Nachtschicht hat aber Chaos hinterlassen, dass muß ich erst aufräumen!“ Ich nickte nur mit dem Kopf und ging wieder durch die morgendliche Kälte zum Lkw.

Mittlerweile war es kurz nach sieben. Das Rolltor der Rampe öffnete sich, kurz darauf hörte ich lautes Fluchen. „Was ist los„, rief ich fragend nach hinten. Eine Antwort bekam ich nicht. Langsam ging ich nach hinten.
Der Lagerarbeiter schaute sich kopfschüttelnd die Ladung an. „Sind das alles Retouren„, fragte er. „Ah ja„, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Alles Retouren!“
Nun begann er abzuladen – immer darauf bedacht, nicht noch mehr Schäden an der Ware zu verursachen. Nach knapp zehn Minuten hatte er drei Paletten abgeladen. Kurz darauf war er wieder verschwunden. Da es mir zu dumm war, wieder zum Lkw zu gehen und ich die Hoffnung hegte, durch meine Anwesenheit das ganze etwas zu beschleunigen, wartete ich im Lager. Und wartete. Und wartete.

Mittlerweile waren weitere Mitarbeiter am schaffen. Zumindest hörte ich aus verschiedenen Ecken verdächtige Geräusche. Aber keines galt mir.
Irgendwann – ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren – holte mich eine Stimme zurück in die Gegenwart: „Ich weiss. Das hier ist ärgerlich. Aber mir wurde gesagt, ich soll nur abladen, wenn ich ein wenig Zeit habe. Andere Arbeit geht vor!“ Ausser ein „Achso“ viel mir nichts ein, was ich darauf entgegnen sollte.

Gegen halb zehn war der Auflieger leer. Bei den Lieferscheinen reichte mir eine Unterschrift. Ich hatte bedenken, dass meine Frage nach einem Stempel der Tag vorrüber gewesen wäre.

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Holz gelöscht

So. Die Teilladung Holz habe ich abgeladen. Oder eher abladen lassen.

Holz ist weg

Übrig blieb ein Haufen Dreck.
Am Anfang – also beim Beladen – hatte ich leichte bedenken, aber der Stapel hat gut gehalten. Na ja, hatte ja auch genügend Gurte drum herum gewickelt.

Ein Haufen Dreck

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Zeit, Ärger und quiekende Schweine

Stellt Euch vor: Ihr geht zum Metzger, um drei Schnitzel zu kaufen. Die Fleischereifachverkäuferin bittet um etwas Geduld und bietet Euch einen Stuhl an.
Nach einiger Zeit seht Ihr, wie ein Schwein durch einen Nebeneingang in einen Hinterhof getrieben wird. Kurz darauf quiekt das Vieh erbärmlich, bis es durch einen Schuß verstummt. Und zwar für immer. Peng.

Nach zwei Stunden fragt Ihr höflich nach, was denn eigentlich aus den gewünschten Schnitzeln geworden ist. Die Fleischereifachverkäuferin geht nach hinten und kommt nicht wieder. Ihr ahnt mittlerweile, dass das gewünschte Fleisch noch irgendwo im oder am Schwein hängt. Also geht Ihr. Es gibt ja noch andere Metzgereien.

Einfach wegfahren geht bei mir natürlich nicht. Leider. Also heißt es weiter warten. So auch am Mittwoch in einem kleinen Kaff im Süden Kalabriens.

Von meiner Dispo erfuhr ich, dass ich Holz für Hamburg laden sollte. Nicht mehr und nicht weniger. Also nahm ich an, dass es sich um Bretter oder Platten handelt. Eigentlich eine dankbare Ladung: Die Seite des Aufliegers öffnen, dem Staplerfahrer seine Arbeit machen lassen, Ladung verzurren, Auflieger schließen, fertig.
Kurz vor Mittag trudelte ich in der Firma ein.

Bereits die Anfahrt war eine Geschichte für sich – vom morgendlichen Beginn bis zu eben diesem Betrieb hatte ich gerade einmal 80 Kilometer zurück gelegt. Der Fahrtenschreiber zeigte aber bereits eine Fahrzeit von knapp drei Stunden an. Selbst die Landschaft entschädigte nicht meinen leicht aufkommenden Ärger.

Auf der Dauerbaustellen – Autobahn von Reggio Calabria bis Gioia Tauro und weiter auf der halbwegs ausgebauten Nationalstrasse bis Cittanova lief es ja noch einigermassen. Wenn man den ärgsten Schlaglöchern ausweicht, kommt man sogar relativ fix vorwärts.
Doch sobald man Nebenstrassen benutzen muß, geht viel Zeit verloren. Immerhin sind Pkw – Fahrer auf dem Land relativ zuvorkommend. Da wird auch mal gewartet und nicht so hektisch gefahren wie in den Städten.

Strasse in Kalabrien

Natürlich war bereits Mittag. Italien halt. Von zwölf bis zwei ist das eine heilige Zeit. Im Norden weicht das teilweise auf. Da gibt es Betriebe, die sich auch mit einer Stunde Freizeit zufrieden geben. Im Süden dagegen beginnt dieses Ereignis eher zehn Minuten früher und endet dementsprechend auch zehn Minuten später.

Langsam trudelten die Arbeiter ein. Ich ging in’s Büro und teilte meine Wünsche mit. Aus der Antwort die ich bekam, filterte ich heraus, dass die Ware auf einem anderen Gelände lagert und erst noch heran geschafft werden muß. Jetzt ärgerte ich mich darüber, dass meine Eile am Vormittag nicht nur albern, sondern auch überflüßig war. Wie so oft.
Ich wartete im Lkw. Nicht zu wissen wann es weitergeht, mag ich nicht. Um mich abzulenken, begann ich die Hütte zu putzen. Auch ein neuer Laster setzt Staub an. Besonders dann, wenn er steht.

Nach einiger Zeit begannen zwei Leute in sichtbarer Entfernung Baumstämme in handliche Stücke zu sägen. Endlich eine willkommende Abwechslung. Auch wenn mir nicht klar war, weshalb diese Arbeit wichtiger sein sollte, als meine Bretter oder Platten heran zu schaffen.
Ich stieg aus, um mir das Schauspiel aus der Nähe zu betrachten. Einer der beiden sah mich an, zeigte erst auf die Stämme und dann auf mich. Ich schüttelte mit dem Kopf.

Das schien Ihm aber nicht zu beeindrucken. Er war weiterhin der Meinung, dass diese wildgewachsenen Stämme für mich bestimmt waren.
Eine gute Stunde später war auch ich davon überzeugt. Aber eher unfreiwillig. Denn wie ich bereits erwähnt habe: Ich kann mir meine Ladung nicht aussuchen.

Passende Holzstaemme

Mit dem Verladekran eines Lkw, der – nebenbei erwähnt – seine beste Zeit seit 30 Jahren hinter sich hatte, wurden die Stämme nach Beendigung der Sägearbeiten schließlich verladen. Am Ende hatte ich neben viel Schweiß und Nerven, zwölf Gurte verbraucht. Und natürlich Zeit. Viel Zeit.

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Kraftakt

Manchmal sollte man seinen Mund nicht zu voll nehmen. Besonders dann, wenn man „etwas“ unwissend ist.

Staplerfahrer: „An die drei Paletten komme ich mit den Gabeln nicht ran!“
Ich: „Bring mir einen Hubwagen. Ich ziehe die dann nach vorne!“

Staplerfahrer: „Die sind schwer. Mach besser die andere Seite auf!“
Ich: „Ach wo. Mit Hubwagen geht das schneller!“

Gesagt, getan. Der Hubwagen war fix da und ich versuchte die erste Palette so zu stellen, um diese abladen zu lassen. Beim „Versuch“ hörte es aber auch schon auf.
Es war bereits ein Kraftakt, dass Teil auch nur etwas anzuheben. An einem „bewegen“ des ganzen war nicht zu denken.

Letztlich öffnete ich doch die andere Seite des Aufliegers. Hätte auch einfacher vonstatten gehen können.

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Schüchtern und bescheiden oder Montag ist Schontag

Anmelden, Ladestelle vortragen, an die Rampe fahren. Bis dahin lief alles prima. Nur warum ich jetzt seit einer Stunde an eben dieser Rampe stehe, ohne das was passiert, weiss ich nicht.
Nach dem Grund fragen, ist mir aber auch zu blöd. Ich will ja nicht aufdringlich wirken. Lieber warte ich noch ein wenig.

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Ich warte…

…seit Stunden, dass man eine lumpige Kiste am Frankfurter Flughafen von meinem Auflieger hebt. Das Teil soll Mittwochfrüh nach New York fliegen – leider ohne mich.

Erst hieß es, dass nur Ware entladen wird, die innerhalb 24 Stunden weiter geleitet werden kann. Wegen des schlechten Wetters gibt es Abfertigungsprobleme auch bei Fracht. So ist das Lager von Lufthansa Cargo überfüllt. Nach Intervention des Auftraggebers soll die Kiste nun doch entladen werden. Irgendwann.

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Es ist, wie es ist

Wißt Ihr, wo Deutschland’s größter Parkplatz ist? Nein? Dann fahrt mal in die südwestlichste Ecke unseres Landes. Da stehen jede Nacht zig Lkw. Schön aufgereiht auf zwei Spuren und das über mehrere Kilometer.
Einfach Weil am Rhein in ein Navigationsgerät eingeben und dann findet Ihr das schon. Das ist wirklich nicht schwer.

Mit etwas Glück entdeckt Ihr dort auch mich in dieser Nacht. Wir könnten anschließend Mau Mau spielen. Gut, zur Not auch Siebzehn und vier. Weitere Kartenspiele kann ich leider nicht. Selbst Skat habe ich nie kapiert. Von Pokern ganz zu schweigen.

Der Vorteil dieser Spielerunde wäre, dass ich nicht überlegen müßte, wann ich morgen früh aufstehe. Um fünf Uhr beginnen die Zöllner mit Ihrer Arbeit. Nur heißt das nicht automatisch, dass dieser Parkplatz bereits um diese Zeit von vorne her verkürzt wird.
Nein, manchmal beginnt das erst um sechs. Oder auch um sieben. Und ich habe keine Lust, zwei Stunden mit halboffenen Augen und ungewaschenen Gesicht die Hecktüren des vor mir stehenden Lkw anzuschauen.

Ja ja. Jetzt denkt Ihr, ich wäre eine Sau. Quält sich aus seiner Koje und wäscht sich nicht einmal. Recht habt Ihr. Aber: Lieber mal ein weibliches Schwein sein, als sich den Pops von Pkw – Fahrern abfahren zu lassen.
Immerhin hole ich das später nach. Also das waschen. Versprochen. Zeit habe ich ja dazu.

Wenn ich an die Schweiz denke, wird mir leicht übel. Nein, nicht wegen der Menschen in diesem Land, auch nicht wegen der Berge. Obwohl, bei den Menschen…?
Viele Eidgenossen haben ja etwas gegen Ausländer. Na ja, zumindest gegen solche, die in irgendeiner Weise straffällig geworden sind. Und einige sind ja der Meinung, auch ich wäre kriminell. Allein schon deshalb, weil ich mit einem Lkw durch Ihr schönes Land fahre.
Aus diesem Grund hat man sogenannte Stauräume geschaffen, in denen man mich festhält. Also nicht nur mich, sondern auch meine Kollegen der fahrenden Zunft. Da steht man dann und wartet auf seine Freilassung.
Wie lange das dauert, kann natürlich keiner sagen. Den Grund auch nicht.

So kann es passieren, dass ich für diese lumpigen 290 Kilometer von Basel nach Chiasso fünf Stunden brauche. Super, da freue ich mich.
Es können aber auch sieben werden. Oder acht. Oder sogar noch mehr. Dann werde ich etwas grantig. Und bin auf dieses Land nicht gut zu sprechen.

Tage wie der morgige sind der Grund, dass ich immer dicker werde. Ich sitze und fahre. Sonst nichts. Gut, in der Schweiz heißt es: Sitzen und stehen. Also ich sitze und der Lkw steht. Nur Kalorien verbraucht man da auch kaum.

Bis Genua – also da, wo ich hin muß – sind es noch knapp 500 Kilometer. Angenehm wäre es schon, morgen noch abladen zu können. Allein schon deshalb, um nicht wieder erst Samstagabend ins Wochenende zu kommen.
Aber abwarten. Es ist wie es ist. Ich nehm’s so hin.

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