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Kategorie: Firmen

Der Inbegriff von Logik

Wenn ein Staplerfahrer schon sieht, dass ein Bigbag an der Unterseite aufgerissen ist und diesen trotzdem ablädt, brauch er sich nicht zu wundern, wenn der Sack kurz darauf leer ist.
Zur Strafe war schaufeln angesagt. Also nicht für mich. Ich war mit fotografieren beschäftigt.

Montagmorgen

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Eine Genehmigung für alles

Piacenza ist eine hässliche Stadt. Wer Berlusconien Italien wirklich kennen lernen will, sollte einen Abstecher dorthin machen. Große Industriebetriebe liegen mitten im Ort und lassen die Häuser noch grauer erscheinen, als diese in diesem Land eh schon sind.

Warum ich das erwähne? Hmm. Keine Ahnung. Passt halt gut als Einstieg für folgendes Ereignis: In eben diesem Piacenza gibt es eine Firma, die ich schon des öfteren beliefern durfte. Die Anfahrt dahin ist einfach – von der Autobahn runter, zwei Kreisverkehre gerade aus überqueren, beim dritten rechts ab und den vierten um 360 Grad umrunden. Muss leider sein, denn dieser Betrieb liegt auf der anderen Seite der Strasse und diese ist in der Mitte mit einer Art Grünstreifen verziert. Etwas Farbe tut auch unserer Stadt gut, meinten wohl die Stadtväter.
Wie auch immer. Zweihundert Meter zurück und man ist da. Zumindest war es bisher so. Gestern jedoch hing ein selbstgemaltes Schild am Tor. Diesem entnahm ich, dass die Firma Ihren Standort gewechselt hat.

Schild an Firma auf italienerisch

Das Navi umprogrammieren ging fix, ebenso die Suche. Keine zwei Kilometer entfernt sollte der neue Sitz der alten Firma sein. Frohen Mutes bewegte ich mich in diese Richtung. Am ersten Kreisel links, am zweiten ebenfalls – noch 400 Meter. Das war es dann aber – ein Schild verbot mir, diese Strasse zu nutzen.
Also wieder zurück und während der Fahrt das Navigationsgerät beauftragt, eine Alternativroute zu suchen. Auch diese war schnell gefunden und kaum weiter, als die herkömmliche Strecke. Erster Kreisverkehr rechts, zweiter geradeaus und dritter wieder rechts. Pustekuchen – wieder Durchfahrtverbot für Lkw.

Nun kam erneut diese Alternativsuchfunktion des Routenplaners ins Spiel. Danach waren es schon knapp sieben Kilometer. Tolle Show. Nach vier Kilometer war aber wieder Endstation. Weshalb könnt Ihr Euch sicher denken.

Jetzt hatte ich die Faxen dicke. Aber richtig. Sagt man doch so. Oder? Ich rief meinen Disponenten an und erteilte mal selber einen Befehl – er sollte den Auftraggeber anrufen, damit der widerum seinen Kunden die Anweisung gibt, mich am alten Standort der Firma abzuholen.
Genau das klappte wunderbar. Kaum angekommen, war bereits mein Vorrausfahrer da. Und was glaubt Ihr, wo der entlang fuhr? Richtig – erster Kreisverkehr links, zweiter ebenfalls. Das Durchfahrtverbot wurde einfach ignoriert. Klar. Ist ja auch Italien.

Natürlich sprach ich Ihn darauf an. Seine Erklärung klang einfach – man hätte eine Genehmigung. In dieser wird Lkw erlaubt, diese Firma auch über eigentlich gesperrte Strassen anzufahren.
Klar. Logo. Das glaube ich aufs Wort. Wer hat diese denn nicht?

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Wo ich mich heute befand? Na da: 51°10′ n.Br. und 10°27′ ö.L.

So schaut es aus, am geografischen Mittelpunkt Deutschlands. Also zumindest an einem. Denn bis heute erheben insgesamt fünf Gemeinden den Anspruch, Deutschlands Mitte zu sein.

Am geografischen Mittelpunkt Deutschlands

Eines dieser Dörfer heißt Niederdorla. Der dortige Mittelpunkt ist eigentlich ein trostloses Plätzchen. Schaut man sich dort um, erspäht man in einiger Entfernung ein Möbelhaus, eine Tankstelle und andere, nicht gerade ansehnliche Bauten. Auch das danebenliegende Erdenwerk trägt nicht unbedingt zur Erheiterung dieses eigentlich bedeutungsvollen Platzes bei. Obwohl es dort sauber war.

Genau dort sollte ich heute laden: Blumenerde und Rindenmulch für einen Baumarkt im angrenzenden Hessen. Eigentlich nichts besonderes. Erwähnenswert ist nur eine Bemerkung des dortigen Staplerfahrers. Er wollte wissen, ob wieder tote Ratten mitgeliefert wurden. Auf meine ratlose Mine hin, erzählte der mir, dass sich in einer Lieferung aus einem anderen Werk Kunden über den beisenden Geruch der einzelnen Säcken entwich, beschwert hätten. Der Grund waren tote Nager, die in diesem Mulch verendet waren.
So genau wollte ich es eigentlich nicht erfahren und auf eine Geruchsprobe verzichtete ich ebenfalls. Man muß ja schließlich nicht alles wissen.

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Ohne Autogramm geht es auch

Der gestrige Mittwoch verlief eigentlich gut: 10.30 Uhr beim ersten Kunden, in den Bergen vor Florenz gelegen. Elf Paletten Fliesen abladen ging fix, keine zwanzig Minuten später war ich dort wieder verschwunden.
Kurz vor halb zwölf war Kunde Nummer zwei erreicht. Vier Paletten = fünf Minuten. Besser geht es nicht. Zum dritten Kunden waren es keine 15 Minuten. Selbst dort entlud man den Auflieger noch vor dem Mittag. Blöd nur, dass kurz darauf nur noch ein Mitarbeiter anwesend war und dieser sich weigerte, meinen Frachtbrief und die Lieferscheine zu unterschreiben. Ich sollte warten, bis der Rest der Belegschaft die Mittagspause beendet hätte. Das wäre gegen 14.00 Uhr der Fall.

Zwei Stunden auf eine Unterschrift warten? Ich glaube, es hackt! Ein Stempel war schnell gefunden und dessen Farbe macht sich auch ohne Unterschrift gut auf den Dokumenten.

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Ich hänge mal wieder…

…in der Warteschleife. Heißt auf deutsch: Ich stehe seit Stunden an einer Rampe, um die wahnsinnige Menge von vier Paletten geladen zu bekommen. Aber nix passiert. Also warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und warte ich und irgendwann kotze ich.

Irgendwie bin ich jetzt stinkig. Aber richtig!

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In der Wartezone

Dienstagnachmittag, kurz vor drei. Ich stehe am Haupttor einer Firma mit selbsternannten Weltruf, irgendwo in Mittelhessen. Der Pförtner erklärt mir in seiner überschäumenden Art, dass ich meine Ware in einer anderen Niederlassung entladen lassen soll. Das hätte man Ihm so mitgeteilt und er würde keine Widerrede dulden. Eigentlich hatte ich das auch nicht vor.
Er erklärt mir den Weg. Es sollten gerade einmal 25 Kilometer sein und man würde mich natürlich noch abladen. Das wäre überhaupt kein Problem.

Dreisig Minuten später meldete ich mich in der dortigen Warenannahme. Es waren wirklich kaum mehr als zwanzig Kilometer. Nur wußte dort keiner etwas von meiner Ankunft und so behandelte man mich auch. In arroganter Art erklärte man mir, dass meine Ladung dort ebenfalls unerwünscht ist und schickte mich in ein anderes Lager. Dieses lag atemberaubende 300 Meter unterhalb der Zweigstelle dieses weltbekannten Kombinats.

Dort angekommen erwartete mich eine wohlbekannte Antwort: „Heute nicht mehr. Aber morgen früh ab sechs Uhr kannst Du hier entladen!“ Ich verabschiedete mich freundlich und suchte mir einen Standplatz für die Nacht.

Mittwochmorgen, 5.15 Uhr. Der Wecker reist mich aus dem Tiefschlaf. Nach einer kurzen Morgenhygiene am 10 – Liter Wasserkunstoffkanister begebe ich mich wieder zum Aussenlager. Dort ist es stockdunkel. Während ich zentimeterweise rückwärts an eine freie Rampe fahre, erleuchten schräg vor mir auf dem Gelände der bereits erwähnten Wagenburg zwei grelle Halogenschweinwerfer. Nun sehe ich überhaupt nichts mehr. Ich steige mehrmals aus, um die Lage hinter dem Auflieger zu peilen. Kurz vor sechs stehe ich schließlich halbwegs gerade an meiner anvisierten Rampe.

Nun passierte nichts mehr. Es wurde um sechs, viertel sieben, halb sieben. Ich stieg aus, drehte eine halbe Runde um den Zweckbau. Durch eine angelehnte Tür gelangte ich in das innere und erspähte den Mitarbeiter, dem ich das frühe Aufstehen zu verdanken hatte.
Ich habe Dich schon gesehen„, rief er mir entgegen, noch bevor ich etwas sagen konnte. „Die Nachtschicht hat aber Chaos hinterlassen, dass muß ich erst aufräumen!“ Ich nickte nur mit dem Kopf und ging wieder durch die morgendliche Kälte zum Lkw.

Mittlerweile war es kurz nach sieben. Das Rolltor der Rampe öffnete sich, kurz darauf hörte ich lautes Fluchen. „Was ist los„, rief ich fragend nach hinten. Eine Antwort bekam ich nicht. Langsam ging ich nach hinten.
Der Lagerarbeiter schaute sich kopfschüttelnd die Ladung an. „Sind das alles Retouren„, fragte er. „Ah ja„, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Alles Retouren!
Nun begann er abzuladen – immer darauf bedacht, nicht noch mehr Schäden an der Ware zu verursachen. Nach knapp zehn Minuten hatte er drei Paletten abgeladen. Kurz darauf war er wieder verschwunden. Da es mir zu dumm war, wieder zum Lkw zu gehen und ich die Hoffnung hegte, durch meine Anwesenheit das ganze etwas zu beschleunigen, wartete ich im Lager. Und wartete. Und wartete.

Mittlerweile waren weitere Mitarbeiter am schaffen. Zumindest hörte ich aus verschiedenen Ecken verdächtige Geräusche. Aber keines galt mir.
Irgendwann – ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren – holte mich eine Stimme zurück in die Gegenwart: „Ich weiss. Das hier ist ärgerlich. Aber mir wurde gesagt, ich soll nur abladen, wenn ich ein wenig Zeit habe. Andere Arbeit geht vor!“ Ausser ein „Achso“ viel mir nichts ein, was ich darauf entgegnen sollte.

Gegen halb zehn war der Auflieger leer. Bei den Lieferscheinen reichte mir eine Unterschrift. Ich hatte bedenken, dass meine Frage nach einem Stempel der Tag vorrüber gewesen wäre.

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Zeit, Ärger und quiekende Schweine

Stellt Euch vor: Ihr geht zum Metzger, um drei Schnitzel zu kaufen. Die Fleischereifachverkäuferin bittet um etwas Geduld und bietet Euch einen Stuhl an.
Nach einiger Zeit seht Ihr, wie ein Schwein durch einen Nebeneingang in einen Hinterhof getrieben wird. Kurz darauf quiekt das Vieh erbärmlich, bis es durch einen Schuß verstummt. Und zwar für immer. Peng.

Nach zwei Stunden fragt Ihr höflich nach, was denn eigentlich aus den gewünschten Schnitzeln geworden ist. Die Fleischereifachverkäuferin geht nach hinten und kommt nicht wieder. Ihr ahnt mittlerweile, dass das gewünschte Fleisch noch irgendwo im oder am Schwein hängt. Also geht Ihr. Es gibt ja noch andere Metzgereien.

Einfach wegfahren geht bei mir natürlich nicht. Leider. Also heißt es weiter warten. So auch am Mittwoch in einem kleinen Kaff im Süden Kalabriens.

Von meiner Dispo erfuhr ich, dass ich Holz für Hamburg laden sollte. Nicht mehr und nicht weniger. Also nahm ich an, dass es sich um Bretter oder Platten handelt. Eigentlich eine dankbare Ladung: Die Seite des Aufliegers öffnen, dem Staplerfahrer seine Arbeit machen lassen, Ladung verzurren, Auflieger schließen, fertig.
Kurz vor Mittag trudelte ich in der Firma ein.

Bereits die Anfahrt war eine Geschichte für sich – vom morgendlichen Beginn bis zu eben diesem Betrieb hatte ich gerade einmal 80 Kilometer zurück gelegt. Der Fahrtenschreiber zeigte aber bereits eine Fahrzeit von knapp drei Stunden an. Selbst die Landschaft entschädigte nicht meinen leicht aufkommenden Ärger.

Auf der Dauerbaustellen – Autobahn von Reggio Calabria bis Gioia Tauro und weiter auf der halbwegs ausgebauten Nationalstrasse bis Cittanova lief es ja noch einigermassen. Wenn man den ärgsten Schlaglöchern ausweicht, kommt man sogar relativ fix vorwärts.
Doch sobald man Nebenstrassen benutzen muß, geht viel Zeit verloren. Immerhin sind Pkw – Fahrer auf dem Land relativ zuvorkommend. Da wird auch mal gewartet und nicht so hektisch gefahren wie in den Städten.

Strasse in Kalabrien

Natürlich war bereits Mittag. Italien halt. Von zwölf bis zwei ist das eine heilige Zeit. Im Norden weicht das teilweise auf. Da gibt es Betriebe, die sich auch mit einer Stunde Freizeit zufrieden geben. Im Süden dagegen beginnt dieses Ereignis eher zehn Minuten früher und endet dementsprechend auch zehn Minuten später.

Langsam trudelten die Arbeiter ein. Ich ging in’s Büro und teilte meine Wünsche mit. Aus der Antwort die ich bekam, filterte ich heraus, dass die Ware auf einem anderen Gelände lagert und erst noch heran geschafft werden muß. Jetzt ärgerte ich mich darüber, dass meine Eile am Vormittag nicht nur albern, sondern auch überflüßig war. Wie so oft.
Ich wartete im Lkw. Nicht zu wissen wann es weitergeht, mag ich nicht. Um mich abzulenken, begann ich die Hütte zu putzen. Auch ein neuer Laster setzt Staub an. Besonders dann, wenn er steht.

Nach einiger Zeit begannen zwei Leute in sichtbarer Entfernung Baumstämme in handliche Stücke zu sägen. Endlich eine willkommende Abwechslung. Auch wenn mir nicht klar war, weshalb diese Arbeit wichtiger sein sollte, als meine Bretter oder Platten heran zu schaffen.
Ich stieg aus, um mir das Schauspiel aus der Nähe zu betrachten. Einer der beiden sah mich an, zeigte erst auf die Stämme und dann auf mich. Ich schüttelte mit dem Kopf.

Das schien Ihm aber nicht zu beeindrucken. Er war weiterhin der Meinung, dass diese wildgewachsenen Stämme für mich bestimmt waren.
Eine gute Stunde später war auch ich davon überzeugt. Aber eher unfreiwillig. Denn wie ich bereits erwähnt habe: Ich kann mir meine Ladung nicht aussuchen.

Passende Holzstaemme

Mit dem Verladekran eines Lkw, der – nebenbei erwähnt – seine beste Zeit seit 30 Jahren hinter sich hatte, wurden die Stämme nach Beendigung der Sägearbeiten schließlich verladen. Am Ende hatte ich neben viel Schweiß und Nerven, zwölf Gurte verbraucht. Und natürlich Zeit. Viel Zeit.

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Kraftakt

Manchmal sollte man seinen Mund nicht zu voll nehmen. Besonders dann, wenn man „etwas“ unwissend ist.

Staplerfahrer: „An die drei Paletten komme ich mit den Gabeln nicht ran!
Ich: „Bring mir einen Hubwagen. Ich ziehe die dann nach vorne!

Staplerfahrer: „Die sind schwer. Mach besser die andere Seite auf!
Ich: „Ach wo. Mit Hubwagen geht das schneller!

Gesagt, getan. Der Hubwagen war fix da und ich versuchte die erste Palette so zu stellen, um diese abladen zu lassen. Beim „Versuch“ hörte es aber auch schon auf.
Es war bereits ein Kraftakt, dass Teil auch nur etwas anzuheben. An einem „bewegen“ des ganzen war nicht zu denken.

Letztlich öffnete ich doch die andere Seite des Aufliegers. Hätte auch einfacher vonstatten gehen können.

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