Ein holländischer Lkw-Chauffeur kommt an eine Unfallstelle, sichert die ab und stellt den umgestürzten Anhänger eines Pkw mit seinem Mitnehmstapler wieder auf die Reifen. Schon ist ein Problem gelöst.
Kleine Sache, große Wirkung. Denn so verdient man sich Respekt.
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Mal schnell die Spur wechseln wollen, dabei nicht auf den rückwärtigen Verkehr achten oder diesen auch einfach zu übersehen und schon kracht Blech auf Blech. Oder auch Reifen auf Blech. Ist ärgerlich, passiert aber bestimmt hundert- oder tausendfach jeden Tag irgendwo. So wie einem Autofahrer rechts neben mir vor der Mautstelle Rho bei Mailand.
Der sieht, dass es vor mir etwas schneller läuft, zieht rüber und peng. Gesehen habe ich den zuerst überhaupt nicht, spürte nur einen leichten Schlag und hörte ein quietschen. Mein erster Gedanke war, oy, Rad verloren? Oder oy, Reifen platt?
Aber nein, es war nur ein Auto. Dessen Fahrer hielt an, ich auch. Eigentlich war die Schuldfrage klar. Denn wo ein Gegenstand ist, passt kein zweiter hin. Aber nicht für meinen Unfallgegner. Er schimpfte, wie es nur Italiener können. Was ich heraus hörte war, ich hätte bremsen müssen und überhaupt, die Spur gewechselt hätte ich, nicht er. Also meine Schuld, für ihn ganz klar.
Mitten in der Spur
Immerhin einigten wir uns, hinter der Mautstation zu halten und die Polizei zu rufen. Da war mehr Platz und wir behinderten den Verkehr etwas weniger. Zuvor machte ich aber die obligatorischen Fotos.
Nach einer guten halben Stunde kam die Straßenwacht. Das ist eine gute Sache in Italien. Steht ein Pannenfahrzeug auf oder neben der Autobahn oder gibt es einen Unfall, rücken die aus und sichern dahinter ab. Da fühlt man sich doch gleich sicherer.
Wenig später kam die Polizia. Es war ja eigentlich nicht mehr wie ein simpler Blechschaden, sollte nun also schnell gehen. Aber da hatte ich etwas falsch gedacht.
Zuerst war ich an der Reihe. Mit einem Mix aus deutsch, englisch und italienisch erklärte ich meine Version vom Unfall. Aber ihr könnt Euch denken oder wisst es sogar, im Ausland was wichtiges mit einem Mix aus Sprachen zu erzählen, ist immer blöd.
Natürlich gut abgesichert
Deshalb rief ich vorsichtshalber meine Disponentin an. Sie spricht fließend italienisch. Na ja, wegen so etwas anzurufen ist mir immer ein bissel peinlich, aber so war ich immerhin auf der sicheren Seite.
Was die beiden Polizisten dann noch alles von mir wollten, habe ich in einem kleinen Tipp zusammengefasst. Also:
Wenn ihr mit einem Lkw mal nach Italien kommen solltet und unverschuldet in einen Unfall verwickelt werdet >>> haltet die Fahrerkarte bereit, 28 Tage werden ausgelesen.
Holt tief Luft, denn für den Alkoholtest braucht ihr viel davon. Kramt sämtliche CMR, also Frachtbriefe, hervor, die müsst ihr alle vorzeigen. Auch die von den bereits erledigten Abladestellen. Achtet darauf, dass die vorschriftsmäßig ausgefüllt sind, selbst eine fehlende Unterschrift birgt enormen Diskussionsbedarf.
Und schüchtert den Unfallgegner ein, denn Italiener sind nie schuld. Ein lautes „Halt’s Maul“, natürlich auf deutsch, denn das klingt bedrohlicher als auf italienisch, und ein grimmiger Blick reicht da aber schon.
Aber das alles nur mal so als Info.
Nach anderthalb Stunden war endlich alles erledigt. Meine Papiere und Dokumente bekam ich zurück und durfte fahren. Aber zuvor gab es noch ein „Grazie“ und ein „Buon Viaggio„, also „Gute Fahrt“ von einem der beiden Polizisten. Wurde zum Schluss also doch noch ganz nett.
Ein tragischer Verkehrsunfall, verursacht von einem 18-jährigen, bei dem sein 16-jähriger Beifahrer ums Leben kommt, weil er ein Stoppschild nicht beachtet und eine Vorfahrtsstraße kreuzt, ohne den Verkehr auf der Hauptstraße zu beachten, im Zuge dessen es zum Zusammenstoß mit einem vorschriftsmäßig fahrenden Lkw kommt. Erschütternd für alle Beteiligten und Angehörigen.
Für die Schreiberlinge bei oe24.at ist das aber nicht tragisch genug. Denn das der Fahrer des Lkw völlig schuldlos war und den Unfall nicht verhindern konnte, erfährt man da natürlich nicht:
Was man aber der geneigten Leserschaft mitteilen muss, ist, dass der Lkw von einem 40-jährigen Serben gefahren wurde. Das ist zwar völlig unwichtig und belanglos, sorgt aber bei anderen Verkehrsteilnehmern für althergebrachte und auch neue Vorurteile.
So steht’s in der Überschrift zu einem Artikel über einen Unfall, bei dem ein Lkw-Fahrer einen Radfahrer übersehen von seinem Gefährt holte.
Äh, ja. Bisher dachte ich, dass es noch keine selbstfahrende Lkw gibt, sondern noch immer ein Mensch am Steuer sitzt und das es bei solchen Unfällen nicht um kilometerlange Staus, sondern um Menschenleben geht. Aber gut. Mittlerweile glaube ich, Journalisten sind da lernresistent. Auf solche „metaphorische Fehlzündungen“ kann man also weiter hoffen.
Wie kann ich mit einem Lkw an einem Bauwerk hängen bleiben, welches zu hoch für den Lastwagen ist? Ein unerklärliches Phänomen. Scully und Mulder, übernehmen sie bitte den Fall.
In diesem Jahr, gerade einmal zehn Wochen alt, kamen schon vierzehn Fahrer an einem Stauende ums Leben. Erst gestern gab es auf der A 2 bei Burg zwei tödliche Unfälle.
Wolfgang Dorn, der selbst viele Jahre als Lkw-Fahrer unterwegs war, macht sich darüber seine eigenen klugen Gedanken. Vielen Dank dafür:
Früher hat man von einem schwarzen Tag gesprochen…
Es kracht heute wieder an allen Ecken und Kanten und keiner der Verantwortlichen will es wissen. Muss es erst wieder zu einem solchen Unfall, wie am 07.07.1987 in Herborn kommen? Gut – die Ursache war damals eine andere und ist mit den heutigen Unfallursachen nicht zu vergleichen.
Aber ich will auch nichts vergleichen. Nur ist es in meinen Augen nur noch eine Fragen der Zeit, bis es wieder zu einer solchen Katastrophe wie 87 kommt. Seinerzeit war es eine Verkettung mehrerer Gründe die zu der Katastrophe führten. Heute wird der Unfallauslöser wohl eher in menschlichem Versagen zu suchen sein.
Die Ursachen für diese, immer häufiger auftretenden Unfälle liegen aber m. E. woanders. Ein total überlastetes Straßennetz, zumindest auf den Hauptverkehrsadern, dazu viel zu wenig Parkmöglichkeiten, ein, durch jahrelange Vernachlässigung, marodes Straßennetz mit zu vielen Baustellen sind nur einige der Gründe für diese Unfälle. Klar – werden jetzt viele einwerfen, der Fahrer sitzt am Lenkrad und er trägt die Verantwortung für sein handeln.
Das ist vollkommen richtig, aber man muss auch sehen, was für Leute sitzen am Lenkrad und warum ist das so. Das gesamte Transportwesen befindet sich in einem selbst zu verantwortendem Dilemma – einerseits hat man sich mit Haut und Haaren an die Industrie, bzw. die Discounter und Lebensmittelketten verkauft und andererseits findet man keine Fahrer mehr.
Die Preise fallen immer tiefer in den Keller, das Frachtaufkommen wird immer größer und die Fahrer bleiben, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke. Und weil es noch immer nicht reicht – kommt auch noch Corona mit all seinen „Annehmlichkeiten“ oben drauf.
Will man von den Unfallzahlen runter, muss man als allererstes mal dafür sorgen, dass das Verkehrsaufkommen massiv reduziert wird. Dann muss dringend die Qualität der Fahrer verbessert werden. Es kann nicht sein, dass jedes dahergelaufene Männlein oder Weiblein eine Fahrerlaubnis erhält. Ebenso sind kontinuierliche Kontrollen dringend erforderlich und eine konsequente Strafverfolgung.
Andere Länder, andere Sitten. Was aber überall gleich zu sein scheint, dass der Spruch „Mehr Glück als Verstand“ in jedem Winkel der Welt gilt. Denn laut dem verlinkten Bericht wurde der Fahrer wirklich nur leicht verletzt.
Ähnliches sehe ich auch noch ab und an in Italien. Zwar nicht mit Stahlplatten, dafür mit Granitblöcken. Auch die liegen mittig auf einem Auflieger und sind, wenn überhaupt, nur mit einer Kette gesichert. Bei einer Vollbremsung will ich nicht in der Nähe stehen.
Was der Fahrer auf dem Acker wollte, war ihm schleierhaft. Zwischen den Leitplanken nur eine Durchfahrt, damit der Bauer sein Feld befahren kann. Dahinter fünf Meter asphaltierte Fläche, danach unbefestigte Flora. Wie es oft zu sehen ist.
Ob der Fahrer drehen wollte? Auch unwahrscheinlich. Denn jeweils drei,- vierhundert Meter in jede Richtung gibt es einen Kreisverkehr. Wäre also ganz easy gewesen. Eigentlich.
Aber vielleicht ist es manchmal besser, nicht nach dem „warum?“ zu fragen.
Kleines Update. Florian schreibt, da ist nichts asphaltiert. Nicht mal ein kleines Stück, geschweige denn fünf Meter. Hab ich wohl falsch gelesen.
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