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Kategorie: Unterwegs

Im Land der drei Meere

Waldmeer, Sandmeer, nix mehr. So nannte man bereits in der DDR die Gegend ganz oben im äußersten Nordosten dieses Landes. Und irgendwie hat dieser Begriff eine zeitüberdauernde Bedeutung. Selbst eine neue Autobahn schafft es nicht, diese Gegend näher an Deutschland zu bringen.
Dafür dind die Menschen liebenswert, störrisch, nett. Ein Tankstellenbetreiber antwortete auf die Frage nach Wasser für meinen Kanister: „Den Hahn draussen habe ich abgeschraubt. Die mit den Wohnmobilen treiben mich sonst in den Ruin!“

Dann nahm er wortlos den Behälter und befüllte ihn im für Kunden abgesperrten Bereich seiner Tankstelle.

Meine letzte der drei Abladestellen war in einem Dorf, in der Nähe von Demmin. „Es wird immer schlimmer“, sagte der Staplerfahrer am Ende der Entladung. „Die Dörfer sind noch immer am zerfallen. Und die Menschen? Na ja. Grauer Alltag, nur Aussichtslosigkeit.“
„Von den jüngeren ziehen sicher viele weg“, fragte ich ein wenig naiv. „Ja, die können das. Aber wir Alten? Weggehen, umziehen, dass ist leicht gesagt. Wohin und womit denn? Das Haus verkaufen? Hier zahlt doch keiner was dafür.“

Weit bin ich nicht mehr gekommen. Ich stehe noch immer irgendwo bei Demmin. Vorhin habe ich im Internet gelesen, dass die Politik hier versagt hat und die Menschen deshalb für die Einfachheit der rechten Parolen besonders empfänglich sind.
Keine Ahnung, ob das so ist. Vielleicht erhoffen sich die Leute auch nur ein wenig Aufmerksamkeit. Wenn alle paar Jahre Journalisten in’s Land einfallen um nach den Ursachen zu suchen, ist das auch ein wenig Abwechslung in der Leere und Einsamkeit hier oben.

Im Land der drei Meere

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Samstagstoilette oder: Den ganzen Tag Gefahrgut

Alle fünf Jahre müssen Inhaber einer ADR-Bescheinigung eine Fortbildungsschulung besuchen und die anschließende IHK-Prüfung bestehen. In der Regel werden diese Veranstaltungen Freitagabend und dem darauf folgenden Samstag durch geführt.
Solch ein Prüfungsbogen beinhaltet 15 Fragen, davon dürfen vier falsch beantwortet werden. Selbst bei der vorgegebenen Zeit von dreißig Minuten ist das keine wirkliche Schwierigkeit.

Da mein Gefahrgutführerschein Mitte Mai abläuft wurde ich also genötigt, diesen Kurs zu besuchen.

Die Nacht zu gestern verbrachte ich auf dem Firmengelände der Spedition, für die mein Arbeitgeber seine Lkw fahren lässt. In der Woche ist das kein Problem – der Verwaltungstrakt ist offen und die Sanitärräume im Keller des Gebäudes sind normal zugänglich. Körperpflege ist also möglich.
Nicht aber Samstags. Da ist im Normalfall niemand mehr anwesend und alles abgesperrt.

Zwei Kilometer entfernt findet man aber einen Autohof. Der ist zwar klein, dafür aber nicht fein. Das Gelände drumherum ist schmuddelig und die Anlage selber hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Aber ich wollte ja dort nicht Dauercampen, sondern nur ein wenig Körperhygiene betreiben.
Im Tankshop fragte ich nach den Toiletten. „Draußen, nächste Tür links„, bekam ich zur Antwort.

Die Pforte schliff am Boden, einige Kraft war notwendig, um diese zu öffnen. Dahinter im Raum rechts die Kloschüssel, genau vor einem ein kleines Waschbecken. Um das Gesicht frisch zu machen und die Zähne zu putzen, ist das auch mal ausreichend. Nur sauber sollte es sein. Zumindest einigermassen.
Beim Blick auf die Latrine jedoch, fing es an, in mir zu würgen. Das Ding war mit einer braunen Masse beschmiert, der Boden drum herum sah auch nicht besser aus. Ich habe keine Ahnung wie man so etwas fabrizieren kann. Na ja, ich will es auch nicht wissen.
Den Blick star auf die Waschgelegenheit gerichtet, brachte ich etwas Frische in mein Gesicht. Die Zahnbürste benutzte ich nicht. Hätte ich das Teil in meinem Mundraum gespürt… Aber lassen wir das.

Eigentlich wollte ich diesen Tatort nicht wieder betreten. Aber ohne Foto geht es nicht. Das stelle ich hier aber nicht rein, sondern verlinke es nur >>>.
Besser ist das wohl.

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Mit halber Kraft voraus

Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen versiegte heute früh der AdBlue – Strom in Richtung Abgastrakt. Dieser Harnstoff wird gebraucht, um den Ausstoß von Stickoxiden und Partikeln zu senken und um die gesetzlichen Bestimmungen zum Emissionsschutz zu erfüllen.

Zuerst kam die Meldung „Emissionen zu hoch“ und kurze Zeit später wurde die Motorleistung reduziert. Blöde Sache, wenn man mit hochgelassener Liftachse den Brenner mit 40 km/h erklimmt.
Später in Deutschland telefonierte ich mit Scania in München. Der dortige Werkstattmeister zählte mir vier oder fünf Ursachen auf, die dafür verantwortlich sein können. So z.B. ein defektes Ventil oder eine zugesetzte Leitung. Ich sollte einfach mal vorbei kommen.

Kaum hatte ich das Gespräch beendet, erloschen die Fehlermeldungen und der Lkw lief wie am ersten Tag. Vielleicht sollte ich der Karre öfter mal mit der Werkstatt drohen.

Motor halbe Kraft vorraus

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Freitag der 13.

Bei Wikipedia findet man folgendes über diesen Tag:

Die krankhafte Angst vor einem Freitag dem 13. wird Paraskavedekatriaphobie genannt. Dieses Phänomen kann im Einzelfall so weit führen, dass Betroffene Reisen und Termine absagen oder sich an einem Freitag, dem Dreizehnten, nicht aus dem Bett trauen

Herr Groß* wohnt irgendwo bei Limburg. Oh sorry, Limburg an der Lahn. Denn er nimmt es sicherlich genau. Nicht das ich den Herrn gut kenne, aber so schätze ich Ihn ein. Gut, von Anfang an: Gestern hatte ich eine Ladestelle in Diez. War wunderbar. Die Verlader waren nett, ich war freundlich. Also alles toll.

Auf dem Weg zur Autobahn durfte ich durch eben dieses Limburg a. d. Lahn fahren. Ist ja eigentlich ein schönes Städtchen. Trotzdem zog ich es vor, die Auffahrt Limburg – Süd zu nutzen. Auch wenn ich Richtung Köln mußte. Aber das ersparte mir den Weg durch die halbe Stadt.
Kurz vor dem Ortsende teilt sich die Strasse. Für mich hieß das links einordnen. Ein Pkw war hinter mir, kein Problem. Kurz geblinkt und rüberziehen. Wie so oft.

Das gefiel dem Fahrer des mausgrauen Kleinwagens aber nicht. Mit lauten Hupen machte er auf sich aufmerksam. Wenn es dessen Nerven beruhigt, habe ich nichts dagegen. Soll er machen.
Kurz vor der Autobahn überholte er mich. Natürlich nicht, ohne ein Foto von mir und den Lkw zu machen. Handys nutzt man halt nicht nur zum telefonieren. Das er dabei fast einen Arbeiter der mit Markierungsarbeiten beschäftigt war, über den Haufen fuhr, sei nur am Rande erwähnt.

Zwanzig Minuten später klingelte mein (Dienst-) Telefon. Das Ding hat übrigens noch keine Kamera. Aber zurück zum Thema: Ich erfahre von einem meiner Disponenten, dass sich jemand beschwert hat, den ich von der Strasse abgedrängt haben soll.
Ein kurzes, aber lautes Lachen war die Antwort. Gefolgt von der Frage, ob der Typ noch lebt. Denn wenn ich den abgedrängt hätte, wäre er jetzt tot. Oder zumindest im Krankenhaus.

Mein Gesprächspartner fand das nicht so lustig. Der Mann hätte seine Telefonnummer hinterlassen. Ich sollte den anrufen und mich entschuldigen.

Klar. Nichts leichter als das. Es meldete sich eine Frau. Ich fragte nach Herrn Groß*. Kurz darauf war er am Telefon. Den genauen Inhalt seiner Rede kann ich nicht mehr widergeben. Er faselte was von einem Ultimatum.
Bis 18.00 Uhr sollte eine Entschuldigung von mir kommen. Wenn nicht, würde er mich wegen Nötigung anzeigen. Ich erkundigte mich nach seinem Wohlbefinden. Darauf kam keine Antwort. Also legte ich auf.

Vielleicht ist es doch besser, an einem Freitag dem 13. im Bett zu bleiben. Oder am Montag dem 16. Von mir aus auch an jeden anderen Tag. So geht man jedem Ärger aus dem Weg. Denn wer schläft, sündigt nicht.
Ich fühle mich nicht schuldig. Warum auch. Trotzdem weiss ich, dass der mich anzeigt. Solche Leute brauchen das. Demnächst in nicht allzu ferner Zukunft darf ich wieder einer Vorladung folgen und mich rechtfertigen. Ich habe ja nichts besseres vor.

*Name geändert

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Lkw verursacht hohen Schaden an Brücken

Ein 55-jähriger Lastwagenfahrer aus Achern fährt am Samstagmittag mit seiner Zugmaschine und einem Sattelauflieger, auf dem ein Bagger stand, auf der A 5 in Richtung Karlsruhe. Irgendwo bei Heidelberg rammt er mit dem Ausleger des Baggers zwei nebeneinanderliegende Autobahnbrücken.
Die Höhe des Aufliegers mit dem Bagger betrug 4,83 Meter.

Weiter (externer Link) >>>

Irgendwann Mitte der neunziger Jahre sollte ich zwei leere Jumbowechselbrücken mit einem Plateau-Auflieger von Oschersleben nach Kerpen transportieren. Die Höhe dieser Fuhre betrug ca. 4,20 Meter. Ich kam zwar mit heiler Ladung beim Kunden an. Trotzdem zog ich vor jeder Brücke meinen Kopf ein. Gut, dass hätte im Fall der Fälle auch nicht geholfen, ist aber ein Reflex.
Ein damaliger Kollege hatte nicht soviel Glück. Der war mit einer ähnlich hohen Pritsche von Kerpen nach Oelde unterwegs.

Auf der A1 bei Unna war Endstation. Er blieb an einer Brücke hängen, die geladene Wechselbrücke krachte auf die Autobahn. Glücklicherweise blieb es bei Sachschaden.

Damals war ich jung. Anfang zwanzig. Das ist keine Entschuldigung, aber die Erfahrung fehlte halt. Heute würde ich das auch nicht mehr machen.
Der Unglücksrabe von Heidelberg ist dagegen im gehobenen Alter und war mit einer Ladung unterwegs, die nochmal 60 cm höher war. Da sieht man schon mit blosen Auge, dass da irgendwas nicht passt. Warum der trotzdem gefahren ist? Das weiss nur er selber.

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Fundstücke Teil LVII

Zuerst dachte ich, Kescht wäre der Schweizer Begriff für Käse und SuperDrecksKescht sowas wie Harzer Roller. Also übelriechend und eigentlich auch ungeniesbar.
Die Schrott- oder Müllmulden unter dem Schild nahm ich anfangs überhaupt nicht wahr. So sehr war ich von der Namensgebung beeindruckt. Wirklich.

Aber es sind wohl doch nur die Mulden, die damit gemeint sind.

SuperDrecksKescht - Schrottmulden in der Schweiz
Fotografiert in Möhlin (AG)

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Trash TV

Ein Lkw bleibt in Norwegen an einem schneebedeckten Anstieg hängen. Bei dem Bergungsversuch wird ein Abschleppwagen mit in die Tiefe gerissen. 60 Meter rutschten der Lastwagen und der Abschleppwagen einen Hang hinunter.
Der Fahrer des Bergungsdienstes kann sich mit einem Sprung aus dem Führerhaus retten, der Lkw – Lenker wird verletzt.

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Unterwegs…

auf der A 7 bei Hamburg:






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