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Kategorie: Unterwegs

Nix halbes und nix ganzes

Ein bissel beleidigt bin ich ja schon. Da lasse ich mir gestern morgen ein Wattestäbchen in die Nase bis kurz unters Gehirn rein schieben und dann war sprichwörtlich alles für die Katz. Ja, ich weiß jetzt das ich nicht an Corona erkrankt bin, wenn man diesem Test glauben kann, aber davon bin ich eh ausgegangen.

Spätestens auf dem Autohof Sadobre bei Sterzing in Südtirol kann sich jeder Fahrer der in Richtung Norden unterwegs ist, testen lassen. Oder auch nicht. Denn der Test kostet dort vierzig Euro.
Wer sich die Kohle sparen will und direkt hoch zum Brenner fährt, auch gut. Denn einen Nachweis will oder wollte zumindest heute keiner sehen. Ein Auto der Polizia stand einsam hinter der Mautstelle Sterzing, die beiden Polizisten starrten desinteressiert auf ihre Handys.

Oben am Brenner das gleiche Spiel. Freie Fahrt nach Österreich. Nur mit dem Unterschied, dass ich nicht mal einen Uniformierten zu Gesicht bekam. Also auf durch Nordtirol.

Bis kurz vor Angath. So heißt die letzte Raststätte, vielleicht sechzehn, siebzehn Kilometer vor der deutschen Grenze.
Ab dort staute es sich. Klar, die Bundespolizei will ja die Testnachweise sehen. Dachte ich zumindest.

Stau vor Kiefersfelden
Ein Stau in Tirol

Nach zwei, zweieinhalb Stunden hatte ich es fast geschafft. Der Grenzübergang kam in Sicht.
Und dann? Nix. Ich fuhr ganz normal durch. So wie immer. Auch die deutschen Bundespolizeibeamten wollten meinen Test nicht sehen. Jetzt mal ehrlich. Das ist doch eine Farce.

Viele die aus Italien hoch kommen müssen zusehen, wo sie sich testen lassen können. Zahlen dafür dann vierzig, fünfzig Euro. Oder halt deren Firma. Ist ja jetzt kack egal.
Andere fahren teilweise lange Umwege durch die Schweiz oder über die Tauern, um nach Deutschland zu kommen.

Dieser Zettel interessierte heute keinen, zumindest als ich durchgefahren bin. Trotzdem. Irgendetwas läuft da falsch. Ich stand immer und stehe auch heute noch hinter vielen Aktionen, um die Pandemie einzudämmen. Aber irgendwie sind die Maßstäbe dafür mittlerweile so verschoben.

richtige Spur beachten
Der Spureinweisung bitte unbedingt Folge leisten

Wie diese Grenzkontrollen. Vorletztes Wochenende hoppla Hop beschlossen, dass nachfolgende Chaos wurde wissentlich und billigend in Kauf genommen. Ist ja schließlich für die Gesundheit.
Nur dann sollten diese Maßnahmen auch voll und ohne Kompromisse durchgezogen werden. Ansonsten könnte, nein sollte, man es auch gleich sein lassen.

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Positiv oder negativ?

Da habe ich doch gestern gelesen, dass ab heute früh fünf Uhr am Rastplatz Münster-Nord an der Inntalautobahn eine neue Corona-Teststation eröffnet wird. Der Test ist 48 Stunden gültig, mit meiner Easy-Tour könnte ich es schaffen, bis Donnerstagfrüh wieder in Deutschland zu sein.

Wieso also mich nicht gleich testen lassen? Allein schon deshalb, um diesen ganzen Chaos in Italien aus dem Weg zu gehen.
Kurz vor sechs war ich da, der Container nicht zu übersehen. Davor nur ein Fahrer.

Teststation in Tirol

Das erste Problem? Einen Parkplatz zu finden. Viele schliefen um diese Zeit noch. Das zweite? Die Ungewissheit, vielleicht doch positiv getestet zu werden.
Ich fühlte mich zwar gesund, aber man weiß ja nie.

Problem Nummer eins war eigentlich keins. Ein Kollege fuhr gerade weg, Stellplatz gesichert.
In der Station zwei Männer, ein Schriftführer und der Arzt. Der erste möchte den Führerschein oder den Personalausweis, dafür bekommt man einen Zettel mit einer Nummer.

Diese dient der Identifikation des Probanden, soll ja keiner verwechselt werden. Dann geht’s zum Arzt, der steckt einem das Stäbchen in die Nase, rührt ein bissel drin herum, fertig.
Danach noch einige Minuten warten, bis das Ergebnis da ist. War bei mir natürlich negativ. Was auch sonst. Damit hatte sich auch Problem Nummer zwei, die Ungewissheit, erledigt.

Mein positives, negatives Testergebnis

Also alles richtig gemacht, dass ich mich bereits in Tirol habe testen lassen. Denn wenn es normal läuft, schaffe ich es morgen bis nach Deutschland. Natürlich mit der Hoffnung, dass mir die Italiener keinen Strich durch die Rechnung machen. Aber warum sollten die? Hab ja einen gültigen negativen Test.

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Die ultimative Lösung. Ab in den Süden.

Die letzten drei Tage waren wirklich schwierig und auch die kommenden anderthalb, zwei Wochen werden nicht einfach. Erst diese Unmengen an Schnee und jetzt die sibirische Kälte.

Viele Lkw kamen nicht mehr vorwärts, standen quer oder rutschten in Leitplanken oder Straßengräben. Autobahnen und Landstraßen waren über Stunden blockiert, in Teilen von NRW und Niedersachsen wurde sogar ein zeitweiliges Fahrverbot für schwere Lastwagen verhängt. Was für ein Dilemma.

Wer dieser Misere sprichwörtlich aus dem Weg gehen fahren will, es gibt da eine gute Lösung: Alle die wie ich auch so viel Angst und Schiss vor Eis und Schnee auf den Straßen haben. Fragt doch mal Euren Chef oder Disponenten nach einer Tour Richtung Italien.

Winter in Italien

Zweistellige Plusgrade, weiß – blauer Himmel und sollte es wider Erwarten doch mal schneien, kein Problem. Italiener schieben dann noch mehr Panik. Wir Angsthasen fallen da gar nicht mehr auf.

Himmel über Bayern Italien
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Premium parken

Ein toller Premiumparkplatz heute Nacht. Genau am Tor zum Wareneingang, die Einfahrt komplett von mir blockiert, dazu gefühlte acht Prozent Gefälle.

Dabei habe ich am Nachmittag noch mit einem Mitarbeiter aus dem Lager telefoniert und auch gefragt, ob da Platz zum übernachten ist.
Seine Antwort? Klar, überhaupt kein Problem. Da stehst Du gut.

Na ja, dass werde ich morgen früh merken. Denn hinter dem Tor ist ein Mitarbeiterparkplatz. Mal sehen, wenn die ersten ungeduldig hupen und ich voller Hektik Platz machen muss.

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Sie haben Post

Von Oliver kommt dieser Hinweis zum Thema Ladungssicherung. Vielen Dank:

Hi Maik,
dass hab ich gerade gesehen. Stichwort: Ladungssicherung. Zum Glück scheint der Fahrer glimpflich davon gekommen zu sein.

https://www.msn.com/en-gb/video/viral/trucks-emergency-brake-causes-steel-plate-to-slice-vehicles-cabin-open-in-china/vp-BB1bYn3M


Schöne Feiertage Oliver

Andere Länder, andere Sitten. Was aber überall gleich zu sein scheint, dass der Spruch „Mehr Glück als Verstand“ in jedem Winkel der Welt gilt. Denn laut dem verlinkten Bericht wurde der Fahrer wirklich nur leicht verletzt.

Ähnliches sehe ich auch noch ab und an in Italien. Zwar nicht mit Stahlplatten, dafür mit Granitblöcken. Auch die liegen mittig auf einem Auflieger und sind, wenn überhaupt, nur mit einer Kette gesichert. Bei einer Vollbremsung will ich nicht in der Nähe stehen.

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Europa außer Kontrolle

Vorhin in einer heutigen Pressemitteilung der EU-Kommission gelesen:

In diesem Jahr hat die Kommission eine wichtige Rolle dabei gespielt, sowohl den freien Personen- als auch den freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union zu gewährleisten.

So hat sie eine Reihe von Leitlinien zu „Green Lanes1“ angenommen, unter anderem ihre Mitteilung vom Oktober, in der das Konzept der „Green Lanes“ so weiterentwickelt wurde, dass es nicht nur den Straßengüterverkehr, sondern auch den Schienen-, Wasser- und Luftfrachtverkehr abdeckt. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass wichtige Lieferketten weiterhin funktionieren und jegliche Unterbrechung von Frachtverkehr und Logistik in der EU während der zweiten Welle der Pandemie vermieden wird.

Das beeindruckende an dieser Mitteilung ist, wie gut wichtige Lieferketten wirklich funktionieren. Sieht man ja derzeit zwischen England und Frankreich2. Da stehen tausende Lkw samt Fahrer auf Autobahnen vor Dover und Folkestone im Stau oder werden gleich auf das Flugfeld des stillgelegten Airports Manston zwischengeparkt. Das sieht so aus:

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Weitere Informationen
Quelle: YouTube.com (Nik Mitchell)

Mittlerweile dürften es einige hundert Lkw mehr sein, die dort parken müssen. Schon ein Wahnsinn der da abgeht.
Ich selbst war ja letzte Woche noch in England und bin am Donnerstagnachmittag mit dem Euroshuttle von Folkestone nach Calais gefahren. Da gab es noch keine Einschränkungen oder Sperrungen, trotzdem dauerte das ganze Prozedere wie „im Stau stehen„, die Abfertigung und das „auf den Zug warten“ fast sieben Stunden. Aber scheiß drauf, da wußte ich, dass es, wenn auch langsam, vorwärts geht und ich irgendwann am späten Nachmittag oder Abend in Frankreich bin.

Motorway M 1 England
M 1 Richtung Norden

Das passiert den Kollegen dort jetzt aber nicht. Die stehen da wie blöd, ohne wirklich zu wissen, wann es weiter geht. Dazu noch kurz vor Weihnachten, Tage die die weitaus meisten zu Hause verbringen möchten. Eigentlich ganz normal. Anders wie die Situation dort. Die ist einfach nur abnormal.

Stand jetzt, Dienstagabend, weiß niemand, was genau passiert. Vielleicht fahren die Fähren und Züge ab Mittwochmorgen wieder, allerdings ist wohl ein negativer Coronatest nötig, um rüber aufs Festland zu kommen. Bedeutet, ohne diesen geht es trotzdem nicht weiter. Bis alle Fahrer durchgetestet sind, dürfte es eh Tage dauern.

Noch im Frühjahr hingen an mehreren Autobahnbrücken Schilder oder Banner, an und durch denen irgendwelche Menschen ihre Dankbarkeit gegenüber Lkw-Fahrern ausdrücken wollten. Schön. Nur doof, dass ein Teil von diesen Fahrern die damals beklatscht wurden, jetzt südöstlich von Londern steht und nicht mehr wie eine Nummer oder Spielball der Franzosen sind.
Echt guter Job von Emmanuel. Der zeigt Europa schon jetzt, was ab Januar auf der Insel westlich von Frankreich abgehen könnte. Und zwar regelmäßig. Nämlich dann, wenn ab übernächste Woche der „No-Deal-Brexit“ droht. Danach schaut es ja momentan aus.

Der Stillstand vor dem Ärmelkanal traf die Fahrer völlig unvorbereitet. Mehr noch, die sind zu Geiseln geworden, um die Brexit-Verhandlungen im Sinne Frankreichs und der EU voranzubringen. Denn die Grenzen zu England komplett zu schließen, ist nicht verhältnismäßig.
Eine Pandemie zu missbrauchen, um zu zeigen wer der Stärkere ist. Das ist das peinlichste was Europa machen kann. Wie im Kindergarten. Denn wenn mit Gesundheitsargumenten Politik gemacht wird, untergräbt das jede Glaubwürdigkeit.

Was bleibt, ist Weihnachten auf einem Flugfeld. Mir tun die Lkw-Fahrer leid, die den ganzen Scheiß ausbaden müssen. Schande über Europa.

Anmerkungen:
1Es gibt Leitlinien der EU-Kommission, um den freien Warenverkehr in der gesamten EU trotz der aktuellen Pandemie zu gewährleisten. Damit soll sichergestellt werden, dass die EU-weiten Lieferketten weiterhin funktionieren. Die Übergangsstellen zwischen EU-Ländern werden als „Green Lane“-Übergangsstellen bezeichnet.
Diese „Green Lane“-Übergangsstellen sollen für alle Frachtfahrzeuge offen sein – unabhängig von den transportierten Waren. Zudem sollte der Grenzübertritt einschließlich aller Überprüfungen und Gesundheitskontrollen nicht länger als 15 Minuten dauern
2Dieser Satz ist ironisch gemeint.

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Warten in England

Fünf Stunden Warterei vor dem Eurotunnel. Na ja, hatte damit aber gerechnet. Ist halt momentan so. Die Briten wollen vor Januar noch so viel Zeug wie möglich rein und raus schaffen.

Stau vor dem Eurotunnel
Chillen auf der Autobahn

Aber das ärgste ist geschafft. Nicht mehr lange, dann bin ich im Abfertigungsbereich. Von da an hat es letzte Woche zweieinhalb Stunden gedauert, bis der Lkw auf dem Zug stand. Mal schauen, wie es heute läuft.

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SaniFair rüstet auf

Sieht ein wenig aus wie der Eingang zu einem Spacemobil, sind aber nur die neuen Bezahlschranken vor den Autobahntoiletten von SaniFair.

neue bezahlschranke bei sanifair
Neues von SaniFair

Statt nur mit Münzgeld kann man jetzt auch mit einem fünf Euro Schein bezahlen. Revolutionär. Oder sogar kontaktlos. Also mit Kreditkarte, Apple- oder Google Pay. Noch revolutionärer.
Mit Smartphone irgendetwas zahlen mache ich aber nicht, Kreditkarte funktionierte nicht. Also doch wieder das gute alte Münzgeld genutzt.

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