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Kategorie: Unterwegs

Kein Asyl

Eine Frau so um die sechzig lief quer über eine Rastanlage in meine Richtung, dabei zog Sie eine Art Rollkoffer hinter sich her. Sie blieb neben dem Lkw stehen, ich öffnete das Fenster – in fester Erwartung, mehrere Broschüren der Zeugen Jehovas aufgequatscht zu bekommen. Genau das wollte Sie aber nicht, sondern sich im Lkw aufwärmen.
Meine Antwort war natürlich ein „Nein“. Sie schien damit gerechnet zu haben, denn ohne ein weiteres Wort ging Sie wieder.

PS. Keine 100 Meter entfernt befindet sich eine Raststätte, mollig und warm.

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Wegmarken

Vor Jahren speicherte ich einen Text auf meinem Rechner ab, den es so oder ähnlich sicherlich noch zigtausend mal im Internet gibt.
Trotzdem macht es sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder gut, diese Zeilen durchzulesen:

Die wenigsten haben einen Nachnamen. Sie hießen, so können wir es gerade noch im Vorbeifahren lesen, Dirk, Andreas, Sandy, Ralf und Bernd – oder Julia, Robert, Frank und Yvonne. Oder einfach nur: WARUM.

Noch jung waren Sie alle. Und einer fuhr immer zu schnell. Nirgends ist das Sterben, ist der Tod so öffentlich wie entlang der Landstrassen. Nirgends ist auch das Gedenken so öffentlich, so laut, so brüllend wie hier inmitten der an- und abschwellenden Gesänge der Motoren. Nirgends sonst findet man auch in der freien Landschaft das ganze Jahr über frische Blumen. Nur hier.

An diesen Straßenkreuzungen, an diesen Todes- und Wegmarken für jene, die nicht mehr angekommen sind. Diese Unfallorte sind „Unorte“, Zeichen von „Unordnung“, Symbole von Fehlhandlungen, aber auch – im Falle des tödlichen Unfalls – von letzter des geliebten Menschen eigener, selbstständiger Handlung.

Die letzten Sekunden vor dem Aufprall

1,0 sek.: Die Bremsen blockieren. Der Baum kommt unausweichlich auf Dich zu…

0,9 sek.: Du siehst, wie die Knöchel weiß werden. Du umklammerst das Lenkrad so fest, als würdest Du mit ihm bremsen können…

0,8 sek.: 30 cm bis zum Baum…

0,7 sek.: Du hörst, wie Stoßstange und Kühlergrill zermalmt werden….

0,6 sek.: Dein Körper rast mit 80 km/h nach vorn. Du wiegst mehr als 3 Tonnen und wirst mit zwanzigfacher Schwerkraft aus dem Sitz gehoben. Du hörst, wie Deine Beine am Kniegelenk brechen…

0,5 sek.: Dein Körper ist starr aufgerichtet. Die gebrochenen Kniegelenke werden mit ungeheurer Wucht gegen das Armaturenbrett gepresst. Umhüllung und Stahlfassung des Lenkrades biegen sich unter Deinen Händen…

0,4 sek.: 60 Zentimeter des Autobugs sind total deformiert. Dein Körper rast weiter mit 80 km/h. Der Motor prallt mit 112 Tonnen Gewicht auf den Baum…

0,3 sek.: Dein Hände haben sich in Todesangst in das Lenkrad verkrallt. Sie biegen es fast vertikal. Deine Gelenke und Unterarme brechen. Du wirst von der Lenksäule durchbohrt. Stahlsplitter dringen in den Brustkorb, reißen Löcher in die Lungen, zerfetzen die inneren Arterien. Blut dringt in die Lungenflügel…

0,2 sek.: Deine Füße werden aus den Schuhen gerissen. Das Bremspedal bricht ab, das Fahrzeuggestell bricht in der Mitte ein… Bolzen lösen sich. Schrauben reißen ab. Dein Kopf kracht gegen die Windschutzscheibe. Du hast keine Zeit mehr zum Schreien…

0,1 sek.: Das Auto krümmt sich. Die Sitze haben sich aus den Verankerungen gelöst. Sie schnellen nach vorn. Sie pressen Deinen Brustkorb gegen die gesplitterte Lenksäule. Blut schießt aus dem Mund. Das Herz bleibt stehen durch den Schock.

0,0 sek.: Du lebst nicht mehr.

Wegmarken am Strassenrand

Dazu passt auch dieser Beitrag, den ich bei Eigent.li/ch gesehen habe:

Auch wenn es unzählige Fälle gibt, bei denen es auf die Differenz nicht mehr angekommen wäre: Dieser Spot zeigt a) extrem deutlich und b) extrem gut produziert was lächerliche fünf km/h für einen Unterschied ausmachen können.

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Urlaub?

Nö, nur eine „Dienstreise“! Aber endlich mal wieder eine in für mich extrem seltene Gefilde – nach Sardinien. Dafür nehme ich auch ein Wochenende fern der Heimat in Kauf.

Gut, dass ganze beginnt eigentlich noch auf dem Festland, in Livorno. Ankunft Donnerstagvormittag im dortigen Fährhafen, Abfahrt der Fähre Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr. Im Hafen selber gibt es zwar eine Pizzeria. Deren Öffnungszeiten sind jedoch jenseits von gut und böse und das Angebot ist auch nicht besser. Der Begriff „aufgewärmte Tiefkühlpizza“ trifft das ganze noch am besten.

Die Fähre selber? Nun ja, ein Touristenkahn halt. Von aussen toll, von innen na ja. Das Essen überteuert und grottenschlecht, die Innenkabine mit vier Mann voll belegt. Aber die Überfahrt nach Olbia dauert ja auch nur knapp 10 Stunden, von daher ist das auszuhalten.

Fähre in Livorno

Freitagfrüh, 4.30 Uhr, der Weckruf ertönt. Zum Glück auch auf deutsch, ansonsten hätte ich den Schrank mit den Schwimmwesten gekapert. Bis zur Ankunft in Olbia sind es schließlich noch gut 2 Stunden.
Frühstück ersparte ich mir, stattdessen wartete ich darauf, dass der Dampfer endlich anlegt.
Um kurz nach sieben befuhr ich sardisches Hoheitsgebiet. Die Strassen sind leer, ich komme flott voran.

Meine Abladestelle befand sich ca. 30 Kilometer nordwestlich von Cagliari, mitten in den Bergen. Auf den Ladepapieren stand nur der Name einer Baustelle und der dazugehörige Ort.
Nach weit mehr als einer Stunde hatte ich die Baustelle endlich gefunden, gut 20 Kilometer von diesem Dorf entfernt. Das ich zwischendurch zehn Leute nach den Weg gefragt habe, verschweige ich besser.

Freitagnachmittag stand ich im Hafen von Cagliari. Meine Fähre nach Neapel ging erst Montagabend um 20.30 Uhr – Zeit für ein langes Wochenende.

Im Hafen von Cagliari

Bereits von Deutschland aus habe ich einen Mietwagen geordert. Das Büro der Vertretung liegt günstig, keine 250 Meter vom Hafen entfernt, dazu noch in unmittelbarer Nähe eines McDonalds. Boah, war ich stolz auf mich.
Am Wochenende düste ich im Leihwagen über die Insel – Samstag Richtung Südwesten, immer an der Küste entlang und Sonntag Richtung Norden in die Berge.

Sardinien

Sardinien

Meine grobe Planung sah vor, Montagnachmittag das bereits vorbestellte Ticket für die Fähre nach Neapel zu holen. Der für mich zuständige Fahrkartenverkäufer erklärte mir jedoch, dass eben dieser Dampfer gecanselt wurde, angeblich wegen schlechten Wetters. Ich könnte aber auf Civitavecchia umbuchen lassen.
Nach einigen Gesprächen mit meiner Disposition wurde diesem Wunsch entsprochen. So gondelte ich halt nicht auf Neapel, sondern mit Tirrenia nach Civitavecchia – Abfahrt Montagabend gegen 18.30 Uhr, Ankunft Dienstag um kurz vor 12.00 Uhr.
Immerhin hatte ich eine Außenkabine, so kam ich mir nicht so vor wie in einem Sarg. Das war aber das einzig positive. Der Rest, nun ja – kein Unterschied zum Dampfer der Moby – Line.

Ganz anders dagegen Sardinien – herrliche Küsten, türkisgrünes Meer und ein einsames bizarres Hochland mit schroffen Bergen.

Sardinien

Sardinien

Sardinien

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Einfach nur affig

Ein Schnitt von 20 Zentimeter Länge in der Plane und schon ist der diensthabende Kappo der Deutschen Bahn auf dem RoLa – Gelände in Regensburg der Meinung, mich nicht auf den Zug nach Trento fahren zu lassen.
Meine Frage nach dem weshalb und warum konnte er auch nicht beantworten. Es gäbe wohl eine Anweisung von wem auch immer, Lkw deren Plane Schnitte von mehr als 10 Zentmeter Länge aufweisen, nicht mehr zu befördern.

Komisch ist nur, dass ich wegen solch einer Lapalie bisher nie Probleme hatte. Aber vielleicht bin ich auch nur an den falschen Aufseher geraten.
Nun fahre ich halt per Strasse nach Italien, verschmutze ein wenig die Umwelt und – was schlimmer ist – verliere einen ganzen Tag.

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