Tesla will beim Thema Elektro-Lkw offenbar endlich vom Ankündigen ins Handeln kommen. Das schwedische Transport- und Technologieunternehmen Einride plant, ab September insgesamt 500 Tesla Semi in seine Flotte zu integrieren.
Die Elektro-Sattelzugmaschinen sollen zunächst auf verschiedenen Güterverkehrskorridoren in den USA eingesetzt werden.
Geplant sind Einsätze unter anderem in Texas, Kalifornien, New Jersey, Illinois und Georgia.
Zu den Kunden, für die die Fahrzeuge unterwegs sein sollen, gehört auch Amazon.
500 Tesla Semi in zwei Jahren
Der Start ist für September vorgesehen. Allerdings werden nicht alle 500 Fahrzeuge gleichzeitig auf die Straße kommen. Nach Angaben des Austin American-Statesman soll die Integration der Tesla-Sattelzüge über einen Zeitraum von rund zwei Jahren in mehreren Phasen erfolgen.
Einride setzt dabei stark auf elektrischen und autonomen Güterverkehr und will die Tesla-Trucks in seine eigene Flottenmanagement-Plattform integrieren.
Damit geht es also nicht nur darum, Diesel-Lkw durch Elektro-Lkw zu ersetzen. Die Fahrzeuge sollen Teil eines digital gesteuerten Transportsystems werden.
Tesla verspricht niedrigere Betriebskosten
Tesla selbst sieht vor allem wirtschaftliche Vorteile. „Elektro-Lkw bieten im Vergleich zu Diesel-Lkw niedrigere Kosten pro Kilometer“, erklärte Dan Priestley, Direktor des Tesla Semi.
Verantwortlich dafür seien unter anderem geringere Energiekosten, weniger Wartungsaufwand und eine höhere Verfügbarkeit.
Gerade bei großen Flotten könnten sich diese Vorteile noch verstärken. Denn je mehr Fahrzeuge eingesetzt werden, desto stärker lassen sich Ladeinfrastruktur, Wartung und Einsatzplanung aufeinander abstimmen.
Das klingt zunächst einmal logisch. Gleichzeitig hängt die Rechnung natürlich davon ab, wie die Fahrzeuge tatsächlich eingesetzt werden. Reichweite, Ladezeiten, Ladeinfrastruktur und die verfügbaren Strompreise spielen eine entscheidende Rolle.
Der Tesla Semi. Seit Jahren angekündigt
Interessant ist vor allem ein anderer Punkt. Der Tesla Semi ist längst kein neues Projekt mehr.
Tesla hatte die Serienproduktion des Elektro-Sattelschleppers bereits vor Jahren angekündigt. Der großflächige Einsatz ließ allerdings immer wieder auf sich warten. Nun soll es offenbar ernst werden.
Tesla hat angekündigt, dass die Auslieferung des Semi in größerem Umfang noch in diesem Jahr beginnen soll. Am 24. September ist außerdem eine offizielle Einweihung des neuen Tesla-Semi-Werks in Nevada geplant.
Dort soll künftig die Produktion des Elektro-Lkw laufen. Damit könnte sich tatsächlich ein Wendepunkt abzeichnen.
500 Elektro-Lkw sind noch keine Revolution
500 Fahrzeuge sind für die gesamte amerikanische Transportbranche natürlich keine Revolution. Aber sie sind ein ziemlich großer Praxistest. Denn bisher konnte Tesla den Semi vor allem präsentieren, testen und ankündigen.
Jetzt muss der Lkw zeigen, was er im täglichen Transportgeschäft tatsächlich kann.
Und genau dort wird es interessant. Denn ein Elektro-Sattelzug muss nicht nur auf einem Testgelände funktionieren. Er muss Waren zuverlässig von A nach B bringen, seine Fahrzeiten einhalten, geladen werden können und dabei wirtschaftlich sein.
Für einen Flottenbetreiber zählt am Ende nicht, wie beeindruckend die Beschleunigung eines Elektro-Lkw ist. Entscheidend ist, was eine transportierte Tonne pro Kilometer kostet und wie zuverlässig das Fahrzeug läuft.
Wenn Einride mit den 500 Tesla Semi tatsächlich dauerhaft wirtschaftlich unterwegs sein kann, dürfte das auch für andere große Flottenbetreiber interessant werden.
Und was ist mit dem autonomen Fahren?
Einride verfolgt gleichzeitig das Ziel, den Güterverkehr zunehmend zu automatisieren. Das macht die Geschichte noch interessanter. Denn der Tesla Semi ist zunächst einmal ein Elektro-Lkw.
Die eigentliche Vision geht bei Einride aber deutlich weiter. Denn Fahrzeuge sollen möglichst effizient, digital gesteuert und perspektivisch autonom eingesetzt werden.
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander, die den Straßengüterverkehr in den kommenden Jahren erheblich verändern könnten: Elektromobilität und autonomes Fahren.
Ob und wann daraus im großen Stil Realität wird, steht allerdings noch auf einem anderen Blatt.
Der Praxistest beginnt
Die kommenden zwei Jahre dürften deshalb spannend werden. 500 Tesla Semi im realen Güterverkehr sind deutlich aussagekräftiger als 500 Präsentationen.
Jetzt muss Tesla zeigen, dass der Semi nicht nur technisch interessant ist, sondern auch im harten Alltag eines Logistikunternehmens funktioniert.
Denn am Ende interessiert den Kunden vor allem eines. Nämlich kommt die Ware zuverlässig, pünktlich und zu einem konkurrenzfähigen Preis ans Ziel?
Wenn die Antwort auf diese Fragen dauerhaft „Ja“ lautet, könnte der Tesla Semi tatsächlich mehr sein als nur ein weiterer Elektro-Lkw.
Dann könnte aus einem jahrelangen Versprechen langsam ein ernstzunehmender Bestandteil des amerikanischen Güterverkehrs werden.
