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Der Palettentausch. Ein System, das längst nicht mehr funktioniert.

Von Udo Skoppeck

Wer nie einen Lkw gefahren hat, denkt beim Begriff Palettentausch wahrscheinlich an einen einfachen Austausch: Der Fahrer bringt Paletten und bekommt dieselbe Anzahl wieder mit zurück.

Die Realität sieht völlig anders aus

Ein Fahrer liefert beim Kunden 33 einwandfreie Europaletten an. Oft müssen diese sogar erste Wahl sein, weil automatische Hochregallager beschädigte oder stark reparierte Paletten gar nicht mehr akzeptieren. Moderne Fördertechnik erkennt Unebenheiten, gebrochene Bretter oder verzogene Kufen und verweigert die Einlagerung.

Doch wenn der Fahrer anschließend an die Tauschrampe fährt, stehen dort häufig nur Paletten dritter Wahl.

Verzogen, mehrfach repariert, feucht, mit gespaltenen Brettern. Oder schlicht nicht mehr tauschfähig.

Der Kunde hat seine hochwertigen Paletten behalten und die Spedition nimmt minderwertige Ware wieder mit.

Das Minusgeschäft beginnt also bereits an der Rampe.

Aus 15 Euro werden schnell 25 Euro Verlust

Eine neue oder hochwertige EPAL-Palette hat einen erheblichen Wert. Muss eine beschädigte Palette später aussortiert oder ersetzt werden, bleibt die Spedition auf den Kosten sitzen.

palettentausch funktioniert nicht immer und ist oft nervig. das bild zeigt leere europaletten hinter einem verschlag

Multipliziert man diesen Verlust mit hunderten oder tausenden Sendungen im Jahr, entstehen schnell Schäden von mehreren hunderttausend Euro.

Dazu kommen:

  • endlose Diskussionen an der Rampe,
  • Palettenscheine,
  • Reklamationen,
  • Palettenkonten,
  • Verwaltungsaufwand,
  • Leerfahrten zum Palettenausgleich,
  • und nicht zuletzt die Wartezeiten des Fahrers

Zeit, die niemand bezahlt.

Der Fahrer kann das Problem gar nicht lösen

Am Ende steht der Berufskraftfahrer zwischen allen Fronten.

Der Kunde sagt: „Wir haben nur diese Paletten.“

Die Disposition verlangt: „Nimm nur gute Paletten mit.“

Der Empfänger verweigert beim nächsten Auftrag genau diese Palatten wieder. Der Fahrer trägt die Diskussion, obwohl er die Qualität weder hergestellt noch verursacht hat.

Die Anforderungen werden immer höher

Durch automatisierte Hochregallager steigen die Qualitätsanforderungen ständig. Viele Unternehmen verlangen inzwischen nahezu neuwertige Paletten, weil nur diese störungsfrei durch automatische Fördertechnik laufen.

Gleichzeitig werden im offenen Tauschsystem oft deutlich schlechtere Paletten zurückgegeben. Genau diese Qualitätsunterschiede machen das heutige System immer problematischer.

Andere Länder zeigen, dass es anders geht

In Großbritannien oder bei vielen internationalen Lieferketten arbeitet man längst mit Pooling-Systemen, beispielsweise von CHEP. Die Paletten gehören dort nicht dem Fahrer und nicht der Spedition.

Sie gehören dem Poolbetreiber.

Dieser sorgt für:

  • gleichbleibende Qualität,
  • Reparaturen,
  • Austausch,
  • Rückholung,
  • Reinigung,
  • und den gesamten Kreislauf

Der Fahrer liefert Ware ab und fährt weiter.

Keine Palettensuche. Kein Streit. Keine Wartezeiten an der Rampe. Keine Blockierung der Ladefläche durch leere Paletten.

Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Ist das offene Palettentauschsystem noch zeitgemäß?

Das heutige System stammt aus einer Zeit, in der Lager kleiner, Lieferketten einfacher und Qualitätsanforderungen geringer waren. Heute bewegen wir Waren durch hochautomatisierte Logistikzentren mit Robotik, Scannern und Fördertechnik.

Nur beim Palettentausch arbeiten wir vielerorts noch wie vor Jahrzehnten.

Vielleicht ist es Zeit, die entscheidende Frage zu stellen: Müssen wir überhaupt noch Paletten tauschen?

Oder wäre ein modernes Pooling-System, bei dem neutrale Betreiber die Verantwortung für Qualität, Rückführung und Instandhaltung übernehmen, nicht längst die wirtschaftlichere und gerechtere Lösung?

Denn eines ist sicher: Nicht der Berufskraftfahrer verursacht das Problem. Er muss es aber jeden Tag ausbaden.

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