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Kategorie: Ärgerliches

Hungrige Banditen

In der Straße, in der der Lkw, den ich fahre, regelmäßig über die Wochenenden steht, waren Samstag oder Sonntag, Banditen unterwegs.

Screenshot eines Artikels in dem berichtet wird, dass Ware aus einem Lkw Auflieger gestohlen wurde
Screenshot: Thüringer Allgemeine, Link zum Artikel >>> (+ Beitrag)

Der beklaute Lkw mit den verschwundenen Brötchen stand direkt hinter meinem. An dem war wohl kein Gauner dran.

Nicht einmal ein Zettel von der Polizei wurde hinterlassen, etwa mit dem Hinweis: „Achtung, bei Ihrem Hintermann oder eher Ihrer Hinterfrau, wurden einige Dinge vom Auflieger entwendet. Schauen Sie bitte bei sich mal nach, ob alles in Ordnung ist.“
Wäre mir der Artikel nicht von Bekannten zugeschickt worden, hätte ich nicht einmal gewusst, dass Räuber, Diebe und Bauernfänger unterwegs waren.

Sollten die tatsächlich bei mir reingeschaut haben, dann haben sie die Türen anschließend wieder ordentlich geschlossen. Denn das waren die gestern Abend.
Das wären dann wenigstens anständige Ganoven gewesen.

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Brenner: Der Fahrer darf warten und die Klappe halten

Mehr als zwanzig Jahre fahre ich fast wöchentlich über die Brennerautobahn. Mal läuft es einigermaßen gut, oft aber eher kacke.

Baustellen gibt es dort immer irgendwo, Schnarchnasen, die mit 77 oder 78 km/h dahinkriechen, auch. Und dann sind da noch die Staus. Die werden immer mehr und immer länger.

Gerade ist es ganz übel. Die Luegbrücke ist wegen Reparaturarbeiten nachts auf den verbliebenen Fahrspuren für alles über 3,5 Tonnen gesperrt. Tagsüber ist nur eine Spur frei.
Auf der italienischen Seite gibt es zwischen dem Brennerpass und Klausen ebenfalls Baustellen, bei denen der Verkehr immer wieder einspurig geführt wird.

Gestern habe ich mit einem Kollegen gesprochen. Er hat letzten Mittwoch von Bozen bis Sterzing fast sechs Stunden gebraucht. Das ist krank.

Im Gespräch mit einer Südtiroler Zeitung beschreibt ein anderer Berufsfahrer die Situation in einem öffentlichen Hilfeschrei als dramatisch:

Screenshot aus Südtirol News mit einem Bericht über einen Lkw Fahrer, der stundenlang im Stau auf der Brennerautobahn steht
Screenshot Südtirol News

„Stundenlang stehen wir im Stau – völlig regungslos. Wir sind Arbeiter und keine Ware“, erklärt der Lkw-Fahrer. Die Situation sei unmenschlich. Es stünden keine Informationen zur Verfügung, es gebe keine Erklärungen. „Am schlimmsten ist: Wir stecken in unseren Fahrerkabinen fest – ohne Toiletten, ohne Wasser, ohne Essen

Ein Fahrer im Gespräch mit Alto Adige online

Jep, wer als Lkw-Fahrer regelmäßig über den Brenner fährt, bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, welchen Stellenwert der Güterverkehr in Europa tatsächlich hat.
In politischen Sonntagsreden ist er systemrelevant. Ohne Lkw würden schließlich die Regale leer bleiben, die Produktion stillstehen und die viel beschworenen Lieferketten ziemlich schnell reißen.

Auf der Straße sieht diese Wertschätzung allerdings anders aus

Da wird eine der wichtigsten europäischen Transitstrecken zur Dauerbaustelle, der Verkehr wird ausgebremst, und Tausende Lkw-Fahrer dürfen zusehen, wie ihre Lebenszeit zerbröselt.

Die Luegbrücke muss saniert werden, ganz klar. Auch auf der italienischen Seite müssen Fahrbahnen und Brücken repariert werden.
Aber dass solche Engstellen den internationalen Güterverkehr über Jahre derart beeinträchtigen, ist nicht einfach nur ein technisches Problem. Es ist auch ein verkehrspolitisches Armutszeugnis.

Denn die Frage ist nicht, ob eine Brücke saniert werden muss. Die Frage lautet, warum die Folgen für eine der wichtigsten Wirtschaftsachsen Europas offenbar als etwas hingenommen werden, mit dem sich die Betroffenen eben irgendwie arrangieren sollen.

Europa will freie Warenströme. Aber bitte ohne störende Lkw

Besonders absurd wird es, wenn man sich anschaut, wie viel Aufwand betrieben wird, um den Verkehr zu regulieren. Dosierungen, Fahrverbote, wechselnde Verkehrsführungen und komplizierte Fahrkalender sollen den Verkehr beherrschbar machen.
Die ASFINAG spricht selbst von grundsätzlich einspuriger Verkehrsführung auf der Luegbrücke und einer nur zeitweise möglichen Zweispurigkeit.

Natürlich sind solche Maßnahmen auch notwendig. Aber sie lösen das grundsätzliche Problem nicht: Zu viel Verkehr trifft auf eine Infrastruktur, deren Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Und anstatt den Güterverkehr zuverlässig durchzubringen, wird er verwaltet, gebremst und auf freie Zeitfenster verteilt.

Der Lkw-Fahrer darf sich dann durch die Vorschriften arbeiten. Er soll wissen, wann er fahren darf, wann nicht, wo er warten muss und welche Einschränkungen gerade gelten.
Das dadurch Lieferketten komplizierter, Touren unberechenbarer und Arbeitsbedingungen schlechter werden, scheint in der politischen Rechnung kaum vorzukommen.

Wer trägt eigentlich die Kosten dieses Wahnsinns?

Ein Lkw, der im Stau steht, verdient kein Geld. Der Fahrer verliert wertvolle Arbeitszeit, der Betrieb bezahlt Fahrzeug und Personal, und die Ware kommt trotzdem nicht schneller ans Ziel.
Dazu kommen zusätzlicher Kraftstoffverbrauch, unnötige Emissionen und Stress für Menschen, die ohnehin schon unter Zeitdruck arbeiten.

Und wer erklärt dem Fahrer, dass er seinen Kunden nicht rechtzeitig erreicht? Wer organisiert einen neuen Entladetermin? Wer findet einen Parkplatz, wenn die geplante Pause wegen des Staus nicht mehr funktioniert?

Die Antwort ist meistens dieselbe: Der Fahrer muss irgendwie damit klarkommen.

Dabei wird von der Transportbranche gleichzeitig verlangt, effizienter, klimafreundlicher und wettbewerbsfähiger zu werden.
Wie das funktionieren soll, wenn eine zentrale Transitroute über Jahre zum Nadelöhr wird, darf gerne jemand erklären.

Das eigentliche Problem ist nicht die Brücke

Eine marode Brücke zu erneuern, ist keine Fehlentscheidung. Eine notwendige Baustelle lässt sich nicht wegdiskutieren.
Das eigentliche Ärgernis ist, wie selbstverständlich die Belastungen für den Güterverkehr und die Menschen am Steuer als unvermeidbare Begleiterscheinung behandelt werden.

Der Brenner ist kein abgelegener Alpenübergang, auf dem sich gelegentlich ein paar Lastwagen begegnen. Er ist eine zentrale Verbindung für den europäischen Warenverkehr. Das weiß man nicht erst seit gestern.
Der Zustand der Infrastruktur, die Abhängigkeit von einer einzelnen Verkehrsachse und die Folgen jahrelanger Bauarbeiten hätten deshalb längst viel stärker in die europäische Verkehrsplanung einfließen müssen.

Stattdessen bleibt der Eindruck, dass die Politik den Güterverkehr vor allem dann ernst nimmt, wenn er funktionieren soll. Wenn er wegen der Rahmenbedingungen nicht funktioniert, wird auf Baustellen, Vorschriften und notwendige Einschränkungen verwiesen.

Das mag alles seine Gründe haben. Für den Fahrer, der im Stau steht, macht es den verlorenen Arbeitstag trotzdem nicht besser.

Europa braucht den Lkw. Aber am Brenner entsteht zuweilen der Eindruck, dass Europa zwar die Waren haben möchte, den dazugehörigen Verkehr aber am liebsten irgendwo zwischen Kufstein und Sterzing parken würde.

Und genau das ist der bittere Witz: Ohne Lkw läuft die Wirtschaft nicht. Doch wenn es darum geht, dem Lkw-Verkehr vernünftige Bedingungen zu bieten, scheint diese Erkenntnis erstaunlich schnell vergessen zu sein.

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Zwei Bons, zwei Brötchen und trotzdem ärmer

Bei Rohrdorf, also kurz vor Rosenheim, mal wieder Stau. Wie so oft in letzter Zeit wegen einer Baustelle.

Ich dachte mir: Fährst du bei Achenmühle, einem Rasthof, fix runter. Da kann ich den Wasserkanister auffüllen und an der Tankstelle zwei Brötchen holen. SANIFAIR-Bons habe ich schließlich genug.

Also fülle ich den Kanister auf, gehe anschließend in den Shop und sage zu der netten Verkäuferin: „Ich hätte gerne zwei Brötchen. Kann ich dafür diese SANIFAIR-Bons einlösen?“

Sie antwortet: „Ja, das geht.“

Ich lege beide Bons auf den Tresen. Sie gibt mir die Tüte mit den Brötchen, und ich will gerade gehen. Da ruft sie: „Halt! “

Ich, etwas verblüfft: „Was?“

„Ich bekomme noch 38 Cent.“

„Aber ich habe doch die zwei SANIFAIR-Bons hingelegt.“

„Ja, aber ein Brötchen kostet bei uns 1,19 Euro.“

„Ist nicht euer Ernst!“

„Doch, Tankstellenpreise halt.“

Na ja, also habe ich noch 38 Cent draufgezahlt. Aber mal ehrlich, 1,19 Euro für ein einziges Brötchen? Wahnsinn.

Aber so ist das eben. Nichts ist mehr preiswert. Auch nicht zwei einfache Brötchen für unterwegs.

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SaniFair-Bon. Wer löst die Dinger eigentlich ein?

Vor kurzem habe ich meine Geldbörse mit SaniFair-Bons ausgeräumt. Knapp zwanzig Stück waren es mal wieder.

Früher habe ich die gesammelt und bin alle paar Wochen in einen Autobahn-Tank&Rast gefahren und habe dort etwas gegessen. Ein Steak, Nudeln oder eine Currywurst. Oder eben zu McDonald’s oder Burger King.

Jetzt, wo pro Produkt nur noch ein Bon akzeptiert wird, habe ich für die Dinger eigentlich keine Verwendung mehr. Denn ich kaufe dort nichts. Es ist mir einfach zu teuer.

Manchmal lasse ich die Zettel deshalb auch einfach im Automaten stecken. Soll sich der oder die Nächste daran erfreuen.

Das Bild zeigt SaniFair Bons. Diese einzulösen lohnt meist nicht mehr.

Ich habe diese Bons auch schon den Reinigungskräften angeboten. Aber selbst die wollen die Gutscheine nicht haben. Ob sie diese nicht annehmen dürfen oder mit der Regelung „ein Bon pro Produkt“ ebenfalls nichts anfangen können? Keine Ahnung.

Weil ich wissen wollte, ob das nur mir so geht, also ob andere Reisende diese Quittungen ebenfalls lieber wegwerfen, statt sie einzulösen, habe ich mal bei Tank & Rast nachgefragt, wie denn die Quote aussieht.

Also, wie viele dieser Voucher werden eigentlich tatsächlich eingelöst? Meine Frage klang dann so:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mich würde interessieren, wie häufig die von SANIFAIR ausgegebenen Wert-Bons tatsächlich für Waren oder andere Leistungen bei den angeschlossenen Tank & Rast-Betrieben eingelöst werden.

Könnten Sie mir bitte mitteilen, wie hoch der prozentuale Anteil der SANIFAIR-Bons ist, die für Waren bzw. Verzehr bei Tank & Rast eingelöst werden, für andere Leistungen verwendet werden bzw. nicht eingelöst werden?

Falls Sie hierzu keine aktuellen Zahlen für das laufende Jahr veröffentlichen können, wären auch Zahlen aus den vergangenen Jahren oder eine ungefähre Größenordnung interessant.

Hintergrund meiner Frage ist, dass mich interessiert, welcher Anteil der ausgegebenen SANIFAIR-Gutscheine tatsächlich wieder in den Tank-&-Rast-Betrieben als Umsatz ankommt.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Maik Erdmann

Relativ fix, ich glaube nach zwei Tagen, kam schon die Antwort. Diese will ich Euch natürlich nicht vorenthalten:

Sehr geehrter Herr Erdmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Wir wissen, dass gerade Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer auf ihren Touren auf schnell erreichbare, verlässliche und saubere Sanitäranlagen angewiesen sind. Genau darauf sind unsere SANIFAIR Anlagen ausgerichtet.

Das SANIFAIR Wert-Bon-Modell an Autobahntankstellen und -raststätten ist einfach und kundenfreundlich: 1 Euro Entgelt für die Nutzung der SANIFAIR Anlage, 1 Euro Wert-Bon, 1 Wert-Bon pro Artikel.
Das bedeutet: SANIFAIR Nutzer zahlen für die Nutzung der hygienischen Sanitäranlagen ein Entgelt in Höhe von 1 Euro.

Im Gegenzug erhalten sie einen Wert-Bon in gleicher Höhe, den sie für jeweils einen Artikel aus einem breiten Angebot in Shop und Gastronomie einlösen können.
Kauft ein Kunde beispielsweise einen Kaffee und eine Bockwurst, dann sind das zwei Artikel, für die er zwei Wert-Bons im Gesamtwert von 2 Euro einlösen kann.

SANIFAIR Wert-Bons von Autobahntankstellen und -raststätten sind innerhalb des Kalenderjahres, in dem sie ausgegeben wurden, sowie in den drei jeweils darauffolgenden Kalenderjahren gültig.
So ist beispielsweise ein Wert-Bon, den Sie am 31.08.2026 erhalten haben, bis einschließlich dem 31.12.2029 gültig.

Unserer Erfahrung nach machen unsere Kundinnen und Kunden sehr gerne von der Möglichkeit Gebrauch, ihren SANIFAIR Wert-Bon bei unseren Partnern einzulösen – entweder direkt im Anschluss an den Toilettenbesuch oder zu einem späteren Zeitpunkt. Der weit überwiegende Teil der Wert-Bons wird entsprechend eingelöst.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Wettbewerbsgründen grundsätzlich keine umsatz- oder ergebnisrelevanten Informationen zu einzelnen Unternehmensbereichen wie SANIFAIR bereitstellen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben.

Wenn Sie zitieren, dann bitte „ein Sprecher der Tank & Rast Gruppe“.

Mit freundlichen Grüßen
ein Sprecher der Tank & Rast Gruppe

Tja, Eigentlich ist meine Anfrage offen geblieben. Denn meine Frage zielte darauf ab, wie hoch der Anteil der ausgegebenen SANIFAIR-Wert-Bons ist, der tatsächlich wieder eingelöst wird.
Dazu schreibt der „Sprecher der Tank & Rast Gruppe“ lediglich, dass der „weit überwiegende Teil“ der Wert-Bons eingelöst werde.

Klar, ich verstehe schon, dass aus Wettbewerbsgründen keine konkreten Umsatz- oder Ergebniszahlen zu SANIFAIR veröffentlicht werden können.
Aber eine prozentuale Angabe zur Einlösungsquote ist doch aus meiner Sicht jedoch nicht zwangsläufig eine umsatz- oder ergebnisrelevante Information.

Ein Wert wie „80 Prozent“, „90 Prozent“ oder „95 Prozent“ wäre durchaus interessant. Denn daran lässt sich zumindest erkennen, wie häufig die Wert-Bons tatsächlich als Gegenleistung für das entrichtete Nutzungsentgelt genutzt werden.

Aber die Aussage, dass der „weit überwiegende Teil“ der Bons eingelöst wird, wirft deshalb eher weitere Fragen auf. Wenn beispielsweise 90 Prozent eingelöst werden, ist das etwas anderes als bei 60 Prozent.
Beides könnte man sprachlich durchaus als „überwiegend“ beschreiben.

Ich kann es jedenfalls nur aus meiner persönlichen Erfahrung beurteilen. Bei mir landen die Dinger inzwischen meistens im Portemonnaie, sammeln sich dort und werden irgendwann aussortiert. Und verschwinden dann im Müll.

Vielleicht ist das ja nur mein persönliches Problem. Vielleicht gibt es aber auch deutlich mehr Leute, die mit den Bons inzwischen ähnlich wenig anfangen können.

Und genau deshalb hätte mich eine konkrete Zahl eigentlich interessiert.

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Mistfinken

Eine Tankstelle in Österreich. Ich zahle vier Euro für die Dusche, gehe nach hinten, da wo der kleine Sanitärraum ist. In dem hängt an der Wand auch ein Wickeltisch.
Kaum die Tür geöffnet, muss ich würgen. Auf dem Boden liegt eine vollgekackte Windel, der ganze Raum stinkt nach Scheiße. Es ist unglaublich.

Wieso nimmt Mama oder Papa das Teil nach dem Wickeln nicht einfach fix mit nach draußen und wirft es dort in eine Abfalltonne?
Dann kommt das große Müllauto und weg ist sie, die Windel. Zusammen mit anderen Reisemüll, ohne dass irgendjemand die Hinterlassenschaft noch sieht, geschweige denn riecht. Aber so, nee. Einfach nur eklig.

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Wenn du fünf Tage hintereinander keinen Parkplatz findest, verlierst du irgendwann den Glauben an die „Freiheit“ auf der Straße

Von Udo Skoppeck

Du fährst los. Dein Ziel kennst du. Deine Tour kennst du. Vielleicht hast du dir sogar ausgemalt, wie der Abend wird. Nämlich ankommen, duschen, etwas warmes essen.
Vielleicht noch einen Film auf dem Laptop. Oder einen Kaffee. Vielleicht triffst du noch Kollegen, mit denen du ein paar Worte wechseln kannst.

Eigentlich ganz normale Dinge. Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind.

Und dann suchst du einen Parkplatz. Und suchst. Und suchst. Und suchst.

Industriegebiet? Voll. Rastplatz? Voll. Autohof? Voll. Irgendwo an einer Landstraße? Alles dicht. Waldweg? Feldweg? Vielleicht noch eine Lücke, aber eigentlich weißt du genau, dass du dort gar nicht stehen darfst.

Und irgendwann stehst du irgendwo.

Nicht dort, wo du hinwolltest. Nicht dort, wo du dich wohlfühlst. Nicht dort, wo du deine Pause verbringen möchtest. Sondern dort, wo du gerade noch stehen kannst.

Beim ersten Mal sagst du dir: „Na ja. Wird schon.“ Beim zweiten Mal: „Kann passieren.“ Beim dritten Mal: „Ist halt so.“

Beim fünften Mal hintereinander merkst du, dass etwas mit dir passiert. Du wirst müde. Nicht nur körperlich. Sondern auch innerlich. Denn du hast dich den ganzen Tag konzentriert.
Du hast Termine eingehalten, Verkehr ausgehalten, Staus, Baustellen, enge Rampen, Wartezeiten und Zeitdruck.

das bild zeigt einen lkw, der wegen eines falsch geparkten lkw nicht weiter fahren kann
Parkplatz voll? Oftmals wird die letzte Lücke genutzt, auch wenn andere Lkw nicht weiterfahren können.

Und dann kommt eigentlich der Teil des Tages, an dem du Mensch sein möchtest. Aber selbst das wird zum Problem. Wo kann ich schlafen? Wo kann ich duschen? Wo kann ich essen? Wo kann ich auf die Toilette? Wo kann ich mich einfach einmal hinsetzen, ohne das Gefühl zu haben, im Weg zu sein?

Und irgendwann redest du dir die Situation selbst schön. „Ich habe doch Freiheit.“ „Ich kann stehen, wo ich möchte.“ „Schau mal, Vollmond.“ Oder ein schöner Sonnenuntergang.

Und ja, manchmal ist er tatsächlich wunderschön. Aber ein schöner Sonnenuntergang ersetzt keine Dusche. Ein Vollmond ersetzt kein warmes Essen.

Und diese vermeintliche Freiheit, die du dir selbst einredest, weil du sonst irgendwann an dieser Situation zerbrechen würdest, ersetzt keinen sicheren und menschenwürdigen Arbeitsplatz.
Denn Freiheit ist nicht, wenn du irgendwo stehen kannst, wo gerade zufällig noch Platz ist.

Freiheit wäre, wenn du dir aussuchen könntest, wo du deine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit sicher und vernünftig verbringen kannst.

Und dann denkst du an früher. Da war die Welt nicht perfekt. Aber vieles war menschlicher.

Du bist beim Kunden angekommen. Das Fahrzeug wurde beladen oder entladen. Und währenddessen konntest du deine Dinge erledigen. Vielleicht gab es eine Kantine. Ein günstiges Mitarbeiteressen. Sanitärräume. Eine Dusche.
Manchmal sogar einen Aufenthaltsraum.

Du warst vielleicht ein Fremder für den Betrieb. Aber du wurdest trotzdem wie ein Mensch behandelt.

Heute heißt es immer öfter: „Nein, das geht nicht mehr.“ „Wir haben kein Personal.“ „Die Kantine ist nur noch für Mitarbeiter.“ „Duschen? Nein.“ „Sanitärräume? Nur für unsere Beschäftigten.“ „Beladen? Das müssen Sie selbst machen.“ „Warten? Bitte draußen.“

Und wenn du dann wenigstens deinen Wasserkanister mit frischem Wasser auffüllen möchtest, damit du morgens deinen Kaffee kochen, dir die Hände und das Gesicht waschen und deine Zähne putzen kannst, wird selbst das zunehmend zum Problem.

Auf manchen Raststätten musst du inzwischen sogar für dieses Wasser bezahlen. Und immer öfter sind die Wasserhähne einfach abgedreht. Am Waschbecken kannst du deinen Kanister nicht vernünftig füllen.
Fragst du nach, heißt es: „Gibt kein Wasser.“

Wasser. Kein Luxus. Keine Wellness. Keine Sonderleistung. Einfach nur Wasser.

Und so wird aus einem Menschen, der unser aller Waren transportiert, immer mehr ein externer Dienstleister auf vier Rädern, der möglichst wenig kosten und möglichst wenig Raum beanspruchen soll.

Er soll funktionieren. Pünktlich sein. Flexibel sein. Niedrige Preise akzeptieren. Lange warten. Selbst beladen. Selbst entladen. Selbst einen Parkplatz suchen. Selbst für seine Verpflegung sorgen. Selbst für seine Hygiene sorgen. Selbst für seine Sicherheit sorgen.

Und wenn er irgendwann erschöpft ist? Dann kommt von außen nicht selten der Satz: „Dann such dir doch was anderes.“

Was für ein Satz. Ein Satz, der all das ignoriert, was diesen Beruf einmal ausgemacht hat.

Denn viele Fahrer haben diesen Beruf nicht gewählt, weil sie nichts anderes konnten. Sie haben ihn gewählt, weil sie ihn geliebt haben. Weil sie fahren wollten. Weil sie Technik mochten. Weil sie unterwegs sein wollten. Weil sie Europa kennenlernen wollten. Weil sie stolz darauf waren, etwas zu bewegen.

Und viele haben jahrzehntelang genau das getan. Aber irgendwann wurde aus dem Beruf immer mehr ein Kampf um Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

  • Parkplatz.
  • Toilette.
  • Dusche.
  • Wasser.
  • Essen.
  • Ruhe.
  • Respekt.

Und dann wundern wir uns über den Fahrermangel? Vielleicht sollten wir den Menschen nicht ständig sagen, sie sollen sich einen anderen Beruf suchen.
Vielleicht sollten wir endlich anfangen, diesen Beruf wieder so zu gestalten, dass Menschen gerne bleiben.

Denn der Fahrer verlangt keine Sonderbehandlung. Er verlangt keinen roten Teppich. Er verlangt keine Wellnessoase. Er verlangt nicht einmal Luxus.

Er verlangt nur die Möglichkeit, seinen Beruf auszuüben und dabei Mensch bleiben zu dürfen. Und vielleicht sollten wir uns alle einmal eine ganz einfache Frage stellen: Was wäre eigentlich, wenn wir selbst sieben Tage lang so leben müssten?

Nur sieben Tage. Kein eigenes Badezimmer. Kein eigenes Bett. Kein sicherer Parkplatz. Kein warmes Essen. Kein selbstverständlich zugängliches Wasser.

Und bei jeder Kleinigkeit: „Nein.“ „Geht nicht.“ „Nur für Mitarbeiter.“ „Dann suchen Sie sich eben etwas anderes.“

Vielleicht würden wir dann verstehen, warum manche Fahrer irgendwann nicht mehr können. Nicht weil sie zu empfindlich sind.
Sondern weil man Menschen auch mit kleinen Dingen Tag für Tag zermürben kann.

Und genau das passiert auf Europas Straßen. Nicht irgendwann. Heute. Jeden Tag.

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