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Kategorie: Ärgerliches

Mistfinken

Eine Tankstelle in Österreich. Ich zahle vier Euro für die Dusche, gehe nach hinten, da wo der kleine Sanitärraum ist. In dem hängt an der Wand auch ein Wickeltisch.
Kaum die Tür geöffnet, muss ich würgen. Auf dem Boden liegt eine vollgekackte Windel, der ganze Raum stinkt nach Scheiße. Es ist unglaublich.

Wieso nimmt Mama oder Papa das Teil nach dem Wickeln nicht einfach fix mit nach draußen und wirft es dort in eine Abfalltonne?
Dann kommt das große Müllauto und weg ist sie, die Windel. Zusammen mit anderen Reisemüll, ohne dass irgendjemand die Hinterlassenschaft noch sieht, geschweige denn riecht. Aber so, nee. Einfach nur eklig.

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Wenn du fünf Tage hintereinander keinen Parkplatz findest, verlierst du irgendwann den Glauben an die „Freiheit“ auf der Straße

Von Udo Skoppeck

Du fährst los. Dein Ziel kennst du. Deine Tour kennst du. Vielleicht hast du dir sogar ausgemalt, wie der Abend wird. Nämlich ankommen, duschen, etwas warmes essen.
Vielleicht noch einen Film auf dem Laptop. Oder einen Kaffee. Vielleicht triffst du noch Kollegen, mit denen du ein paar Worte wechseln kannst.

Eigentlich ganz normale Dinge. Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind.

Und dann suchst du einen Parkplatz. Und suchst. Und suchst. Und suchst.

Industriegebiet? Voll. Rastplatz? Voll. Autohof? Voll. Irgendwo an einer Landstraße? Alles dicht. Waldweg? Feldweg? Vielleicht noch eine Lücke, aber eigentlich weißt du genau, dass du dort gar nicht stehen darfst.

Und irgendwann stehst du irgendwo.

Nicht dort, wo du hinwolltest. Nicht dort, wo du dich wohlfühlst. Nicht dort, wo du deine Pause verbringen möchtest. Sondern dort, wo du gerade noch stehen kannst.

Beim ersten Mal sagst du dir: „Na ja. Wird schon.“ Beim zweiten Mal: „Kann passieren.“ Beim dritten Mal: „Ist halt so.“

Beim fünften Mal hintereinander merkst du, dass etwas mit dir passiert. Du wirst müde. Nicht nur körperlich. Sondern auch innerlich. Denn du hast dich den ganzen Tag konzentriert.
Du hast Termine eingehalten, Verkehr ausgehalten, Staus, Baustellen, enge Rampen, Wartezeiten und Zeitdruck.

das bild zeigt einen lkw, der wegen eines falsch geparkten lkw nicht weiter fahren kann
Parkplatz voll? Oftmals wird die letzte Lücke genutzt, auch wenn andere Lkw nicht weiterfahren können.

Und dann kommt eigentlich der Teil des Tages, an dem du Mensch sein möchtest. Aber selbst das wird zum Problem. Wo kann ich schlafen? Wo kann ich duschen? Wo kann ich essen? Wo kann ich auf die Toilette? Wo kann ich mich einfach einmal hinsetzen, ohne das Gefühl zu haben, im Weg zu sein?

Und irgendwann redest du dir die Situation selbst schön. „Ich habe doch Freiheit.“ „Ich kann stehen, wo ich möchte.“ „Schau mal, Vollmond.“ Oder ein schöner Sonnenuntergang.

Und ja, manchmal ist er tatsächlich wunderschön. Aber ein schöner Sonnenuntergang ersetzt keine Dusche. Ein Vollmond ersetzt kein warmes Essen.

Und diese vermeintliche Freiheit, die du dir selbst einredest, weil du sonst irgendwann an dieser Situation zerbrechen würdest, ersetzt keinen sicheren und menschenwürdigen Arbeitsplatz.
Denn Freiheit ist nicht, wenn du irgendwo stehen kannst, wo gerade zufällig noch Platz ist.

Freiheit wäre, wenn du dir aussuchen könntest, wo du deine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit sicher und vernünftig verbringen kannst.

Und dann denkst du an früher. Da war die Welt nicht perfekt. Aber vieles war menschlicher.

Du bist beim Kunden angekommen. Das Fahrzeug wurde beladen oder entladen. Und währenddessen konntest du deine Dinge erledigen. Vielleicht gab es eine Kantine. Ein günstiges Mitarbeiteressen. Sanitärräume. Eine Dusche.
Manchmal sogar einen Aufenthaltsraum.

Du warst vielleicht ein Fremder für den Betrieb. Aber du wurdest trotzdem wie ein Mensch behandelt.

Heute heißt es immer öfter: „Nein, das geht nicht mehr.“ „Wir haben kein Personal.“ „Die Kantine ist nur noch für Mitarbeiter.“ „Duschen? Nein.“ „Sanitärräume? Nur für unsere Beschäftigten.“ „Beladen? Das müssen Sie selbst machen.“ „Warten? Bitte draußen.“

Und wenn du dann wenigstens deinen Wasserkanister mit frischem Wasser auffüllen möchtest, damit du morgens deinen Kaffee kochen, dir die Hände und das Gesicht waschen und deine Zähne putzen kannst, wird selbst das zunehmend zum Problem.

Auf manchen Raststätten musst du inzwischen sogar für dieses Wasser bezahlen. Und immer öfter sind die Wasserhähne einfach abgedreht. Am Waschbecken kannst du deinen Kanister nicht vernünftig füllen.
Fragst du nach, heißt es: „Gibt kein Wasser.“

Wasser. Kein Luxus. Keine Wellness. Keine Sonderleistung. Einfach nur Wasser.

Und so wird aus einem Menschen, der unser aller Waren transportiert, immer mehr ein externer Dienstleister auf vier Rädern, der möglichst wenig kosten und möglichst wenig Raum beanspruchen soll.

Er soll funktionieren. Pünktlich sein. Flexibel sein. Niedrige Preise akzeptieren. Lange warten. Selbst beladen. Selbst entladen. Selbst einen Parkplatz suchen. Selbst für seine Verpflegung sorgen. Selbst für seine Hygiene sorgen. Selbst für seine Sicherheit sorgen.

Und wenn er irgendwann erschöpft ist? Dann kommt von außen nicht selten der Satz: „Dann such dir doch was anderes.“

Was für ein Satz. Ein Satz, der all das ignoriert, was diesen Beruf einmal ausgemacht hat.

Denn viele Fahrer haben diesen Beruf nicht gewählt, weil sie nichts anderes konnten. Sie haben ihn gewählt, weil sie ihn geliebt haben. Weil sie fahren wollten. Weil sie Technik mochten. Weil sie unterwegs sein wollten. Weil sie Europa kennenlernen wollten. Weil sie stolz darauf waren, etwas zu bewegen.

Und viele haben jahrzehntelang genau das getan. Aber irgendwann wurde aus dem Beruf immer mehr ein Kampf um Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

  • Parkplatz.
  • Toilette.
  • Dusche.
  • Wasser.
  • Essen.
  • Ruhe.
  • Respekt.

Und dann wundern wir uns über den Fahrermangel? Vielleicht sollten wir den Menschen nicht ständig sagen, sie sollen sich einen anderen Beruf suchen.
Vielleicht sollten wir endlich anfangen, diesen Beruf wieder so zu gestalten, dass Menschen gerne bleiben.

Denn der Fahrer verlangt keine Sonderbehandlung. Er verlangt keinen roten Teppich. Er verlangt keine Wellnessoase. Er verlangt nicht einmal Luxus.

Er verlangt nur die Möglichkeit, seinen Beruf auszuüben und dabei Mensch bleiben zu dürfen. Und vielleicht sollten wir uns alle einmal eine ganz einfache Frage stellen: Was wäre eigentlich, wenn wir selbst sieben Tage lang so leben müssten?

Nur sieben Tage. Kein eigenes Badezimmer. Kein eigenes Bett. Kein sicherer Parkplatz. Kein warmes Essen. Kein selbstverständlich zugängliches Wasser.

Und bei jeder Kleinigkeit: „Nein.“ „Geht nicht.“ „Nur für Mitarbeiter.“ „Dann suchen Sie sich eben etwas anderes.“

Vielleicht würden wir dann verstehen, warum manche Fahrer irgendwann nicht mehr können. Nicht weil sie zu empfindlich sind.
Sondern weil man Menschen auch mit kleinen Dingen Tag für Tag zermürben kann.

Und genau das passiert auf Europas Straßen. Nicht irgendwann. Heute. Jeden Tag.

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Thüringen setzt das Sonntagsfahrverbot für Lkw bis Ende August komplett aus

Thüringen hebt wegen des Niedrigwassers das Sonntagsfahrverbot für Lkw vorübergehend komplett auf. Erst einmal bis zum 31. August.

Die Begründung? Auf der Straße muss aufgefangen werden, was auf den Wasserwegen derzeit nicht mehr funktioniert. Kann man machen.
Aber ich frage mich trotzdem, warum gleich für alle? Niedrigwasser in Thüringen?

Das Problem liegt vor allem auf Wasserstraßen wie Rhein, Elbe und Donau. Dort können Schiffe wegen der niedrigen Pegel teilweise deutlich weniger laden.
Also muss ein Teil der Ware auf die Straße. Das verstehe ich.

Bild ist KI generiert. Thüringen setzt Sonntagsfahrverbot für Lkw komplett aus.

Was ich weniger verstehe, Thüringen selbst hat keine vergleichbare, für den Güterverkehr bedeutende Wasserstraße. Wenn also ein Transport tatsächlich wegen des Niedrigwassers von einem Schiff auf einen Lkw verlagert werden muss, dann sollte dieser Lkw natürlich fahren dürfen.
Aber warum muss deshalb am Sonntag plötzlich jeder Lkw durch Thüringen rollen dürfen? Da bin ich raus.

Eine Ausnahme ist eine Ausnahme

Wir Fahrer kennen das doch. Erst heißt es „nur vorübergehend.“ Dann heißt es: „Nur wegen dieser besonderen Situation.“ Und irgendwann ist aus der Ausnahme eine Selbstverständlichkeit geworden.

Ich habe nichts gegen notwendige Ausnahmen. Im Gegenteil. Wenn irgendwo wegen Niedrigwasser dringend Ware transportiert werden muss, dann soll eine Lösung gefunden werden. Dafür habe ich Verständnis.

Aber eine pauschale Freigabe für alle Transporte macht es eben sehr einfach. Dann fährt am Sonntag nicht nur der Lkw mit der dringend benötigten Ladung, sondern unter Umständen auch der ganz normale Transport, der problemlos am Montag hätte fahren können.

Und was bedeutet das für uns Fahrer?

Auf den ersten Blick könnte man als Fahrer sogar sagen, endlich dürfen wir sonntags fahren. Weniger Verkehr, freie Autobahnen, vielleicht entspannteres Fahren.
Aber ich glaube die Branche inzwischen lange genug zu kennen, um zu wissen, wie solche Dinge funktionieren können. Heute ist es eine Ausnahme. Morgen heißt es:„Ihr dürft doch sonntags fahren.“ Und übermorgen vielleicht: „Warum steht der Lkw eigentlich noch?“

Genau davor habe ich Sorge. Denn am Ende sitzt nicht der Disponent am Steuer. Nicht der Auftraggeber. Nicht der Kunde.

Wir sitzen da. Wir fahren die Kilometer, stehen auf Parkplätzen, verbringen unsere Wochenenden im Fahrerhaus und versuchen irgendwie, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen.

Der Lkw ist nicht das Universalwerkzeug für jedes Verkehrsproblem

Was mich an solchen Entscheidungen deshalb besonders stört, ist die Einfachheit, mit der immer wieder auf den Lkw zurückgegriffen wird.

Binnenschifffahrt hat Probleme? >>> Lkw.

Bahn hat Probleme? >>> Lkw.

Brücke gesperrt? >>> Lkw muss irgendwie durch.

Lieferkette unter Druck? >>> Lkw soll es richten.

Und wenn dafür der Sonntag benötigt wird, wird eben das Sonntagsfahrverbot aufgehoben.

Der Lkw ist wichtig. Ohne ihn würde Deutschland ziemlich schnell ziemlich alt aussehen. Aber irgendwann sollte man vielleicht auch verstehen, dass auf jedem Lkw ein Mensch sitzt.

Warum nicht gezielt?

Genau deshalb hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht. Warum nicht diejenigen Transporte gezielt freigeben, die nachweislich wegen des Niedrigwassers von der Wasserstraße auf die Straße verlagert werden? Das wäre vielleicht etwas mehr Bürokratie.

Aber dafür wäre klar, diese Ausnahme gibt es wegen dieses Problems und nicht als Freifahrtschein für alle. Berlin und Brandenburg gehen beispielsweise einen solchen Weg und erlauben sonntags bestimmte Transporte, die normalerweise über die Binnenschifffahrt laufen.Das erscheint mir deutlich nachvollziehbarer.

Vielleicht sollten wir auch einmal über die Fahrer sprechen

Bei all den Diskussionen über Lieferketten, Logistik und Wirtschaft wird nämlich eine Gruppe gerne vergessen, nämlich wir Fahrer. Wir reden ständig darüber, wie wichtig der Güterverkehr ist.
Aber wenn es darum geht, die Bedingungen für diejenigen zu verbessern, die diesen Güterverkehr tatsächlich am Laufen halten, wird es plötzlich deutlich leiser. Parkplätze fehlen. Sanitäre Anlagen sind teilweise eine Katastrophe. Die Aufenthaltsmöglichkeiten sind vielerorts alles andere als menschenwürdig. Zeitdruck gehört für viele zum Alltag.
Und jetzt wird der Sonntag immer mehr zur flexiblen Variable. Ich frage mich deshalb, gibt es eigentlich noch eine Grenze?

Fazit

Ich verstehe, dass das Niedrigwasser Probleme verursacht. Ich verstehe auch, dass Güter transportiert werden müssen. Und ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn notwendige Transporte eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Aber eine komplette Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für alle Lkw in Thüringen halte ich für zu pauschal.

Denn der Sonntag ist für viele Fahrer nicht einfach nur ein weiterer Tag im Kalender. Es ist der Tag, an dem man vielleicht endlich einmal zu Hause ist. Bei der Familie. Bei den Kindern. Oder einfach mal auf dem Sofa.
Und genau das sollte man bei solchen Entscheidungen nicht vergessen. Der Lkw kann rollen. Das ist kein Problem.

Die Frage ist nur, muss er wirklich immer rollen oder könnten wir manchmal einfach akzeptieren, dass auch ein Fahrer mal Pause hat?

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Niedrigwasser auf dem Rhein. Jetzt soll der Lkw wieder alles retten?

Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein prüft die Bundesregierung Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw. Doch der Straßengüterverkehr kann die Probleme nicht dauerhaft lösen.

Ich musste ehrlich gesagt grinsen, als ich die Meldung gelesen habe. Kaum wird der Rhein wegen des Niedrigwassers zum Nadelöhr, kommt wieder der gleiche Gedanke auf: Dann sollen eben die Lkw mehr fahren.

Die Bundesregierung prüft jetzt Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot, damit Güter schneller auf die Straße verlagert werden können. Klingt erst einmal nach einer pragmatischen Lösung.
Aber wer jeden Tag auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, weiß, dass die Realität ganz anders aussieht. Denn die Straße ist doch längst am Limit.

Der Lkw ist nicht die Feuerwehr für jedes Problem

Irgendwie läuft es doch immer gleich. Die Bahn hat Probleme? Dann muss der Lkw einspringen. Die Binnenschifffahrt fällt wegen Niedrigwasser aus? Dann muss der Lkw einspringen.

Lieferketten geraten ins Stocken? Wieder soll der Lkw alles richten.

Lkw unterwegs am Frankfurter Kreuz mit eine Boing 777 von Emirates im Hintergrund.
Die Straße ist längst am Limit. Trotzdem sollen immer wieder Lkw einspringen, wenn ein anderer Verkehrsträger Probleme bekommt.

Ich frage mich manchmal, ob sich eigentlich noch jemand Gedanken darüber macht, was auf unseren Straßen wirklich los ist.
Denn zusätzliche Transporte entstehen nicht einfach dadurch, dass man ein Fahrverbot lockert.

Wer soll diese zusätzlichen Touren eigentlich fahren?

Das ist eine entscheidende Frage.

Denn wir reden seit Jahren über den Fahrermangel. Tausende Stellen sind unbesetzt.
Gleichzeitig fehlen Parkplätze, viele Rastanlagen sind überfüllt und die Arbeitsbedingungen werden nicht gerade attraktiver.

Und trotzdem scheint man immer davon auszugehen, dass irgendwo noch genügend Fahrer sitzen, die nur darauf warten, eine zusätzliche Tour zu übernehmen.
So funktioniert Logistik aber nicht. Ein Lkw fährt nicht von allein.

Das Sonntagsfahrverbot aufzuheben schafft keine neuen Kapazitäten

Natürlich kann eine befristete Ausnahme in einzelnen Fällen helfen. Unternehmen können ihre Transporte flexibler planen und wichtige Lieferungen schneller auf die Straße bringen.

Aber eines darf man dabei nicht vergessen. Die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten gelten weiterhin.
Wer sonntags fährt, muss seine Ruhezeit eben an einem anderen Tag nehmen.

Es entstehen also weder zusätzliche Fahrer noch zusätzliche Fahrstunden. Das Problem wird also lediglich zeitlich verschoben.

Der Rhein ist durch nichts zu ersetzen

Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer fehlen aktuell bis zu 75 Prozent der üblichen Transportkapazität auf den Wasserstraßen.

Das sind Millionen Tonnen Güter, die plötzlich einen anderen Transportweg brauchen. Allein diese Menge würde Hunderttausende zusätzliche Lkw-Fahrten bedeuten.
Ganz ehrlich? Das schafft niemand. Nicht die Straße und auch nicht die Schiene.

Seit Jahren wird geredet, passiert ist viel zu wenig

Was mich an der ganzen Diskussion eigentlich am meisten ärgert, ist etwas anderes.

Das der Rhein bei Niedrigwasser Probleme bekommt, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis. Spätestens seit 2018 wissen wir doch alle, welche Auswirkungen lange Trockenperioden haben können.

Trotzdem wird seit Jahren über tiefere Fahrrinnen, den Ausbau der Wasserstraßen und schnellere Genehmigungsverfahren gesprochen.
Und wie so oft ist auf dem Papier vieles beschlossen worden, in der Realität geht es aber nur schleppend voran.

Statt die Infrastruktur rechtzeitig fit für die Zukunft zu machen, sucht man wieder nach kurzfristigen Notlösungen.

Der Lkw kann nicht jede politische Baustelle schließen

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn der Straßengüterverkehr dort hilft, wo Hilfe nötig ist. Das machen wir Fahrer schließlich jeden Tag.

Aber irgendwann muss auch die Politik akzeptieren, dass der Lkw nicht unbegrenzt Probleme auffangen kann, die über Jahre entstanden sind.

Unsere Straßen sind voll, unsere Parkplätze sind voll. Viele Unternehmen suchen händeringend Fahrer. Und trotzdem wird immer wieder so getan, als gäbe es unbegrenzte Reserven.

Die gibt es nicht.

Fazit

Ja, Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot können kurzfristig sinnvoll sein. Sie verschaffen etwas Luft und erleichtern die Planung. Aber sie lösen das eigentliche Problem nicht.

Für mich zeigt diese Diskussion vor allem eines: In Deutschland wird oft erst gehandelt, wenn die Krise bereits da ist.

Anstatt Wasserstraßen, Schienen und Straßen rechtzeitig auszubauen, greift man wieder auf den Verkehrsträger zurück, der ohnehin schon seit Jahren an seiner Belastungsgrenze arbeitet.

Und genau deshalb habe ich bei solchen Ankündigungen immer das gleiche Gefühl: Der Lkw soll wieder einmal die Versäumnisse der vergangenen Jahre ausbaden. Das kann nicht funktionieren.

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Der Palettentausch. Ein System, das längst nicht mehr funktioniert.

Von Udo Skoppeck

Wer nie einen Lkw gefahren hat, denkt beim Begriff Palettentausch wahrscheinlich an einen einfachen Austausch: Der Fahrer bringt Paletten und bekommt dieselbe Anzahl wieder mit zurück.

Die Realität sieht völlig anders aus

Ein Fahrer liefert beim Kunden 33 einwandfreie Europaletten an. Oft müssen diese sogar erste Wahl sein, weil automatische Hochregallager beschädigte oder stark reparierte Paletten gar nicht mehr akzeptieren. Moderne Fördertechnik erkennt Unebenheiten, gebrochene Bretter oder verzogene Kufen und verweigert die Einlagerung.

Doch wenn der Fahrer anschließend an die Tauschrampe fährt, stehen dort häufig nur Paletten dritter Wahl.

Verzogen, mehrfach repariert, feucht, mit gespaltenen Brettern. Oder schlicht nicht mehr tauschfähig.

Der Kunde hat seine hochwertigen Paletten behalten und die Spedition nimmt minderwertige Ware wieder mit.

Das Minusgeschäft beginnt also bereits an der Rampe.

Aus 15 Euro werden schnell 25 Euro Verlust

Eine neue oder hochwertige EPAL-Palette hat einen erheblichen Wert. Muss eine beschädigte Palette später aussortiert oder ersetzt werden, bleibt die Spedition auf den Kosten sitzen.

palettentausch funktioniert nicht immer und ist oft nervig. das bild zeigt leere europaletten hinter einem verschlag

Multipliziert man diesen Verlust mit hunderten oder tausenden Sendungen im Jahr, entstehen schnell Schäden von mehreren hunderttausend Euro.

Dazu kommen:

  • endlose Diskussionen an der Rampe,
  • Palettenscheine,
  • Reklamationen,
  • Palettenkonten,
  • Verwaltungsaufwand,
  • Leerfahrten zum Palettenausgleich,
  • und nicht zuletzt die Wartezeiten des Fahrers

Zeit, die niemand bezahlt.

Der Fahrer kann das Problem gar nicht lösen

Am Ende steht der Berufskraftfahrer zwischen allen Fronten.

Der Kunde sagt: „Wir haben nur diese Paletten.“

Die Disposition verlangt: „Nimm nur gute Paletten mit.“

Der Empfänger verweigert beim nächsten Auftrag genau diese Palatten wieder. Der Fahrer trägt die Diskussion, obwohl er die Qualität weder hergestellt noch verursacht hat.

Die Anforderungen werden immer höher

Durch automatisierte Hochregallager steigen die Qualitätsanforderungen ständig. Viele Unternehmen verlangen inzwischen nahezu neuwertige Paletten, weil nur diese störungsfrei durch automatische Fördertechnik laufen.

Gleichzeitig werden im offenen Tauschsystem oft deutlich schlechtere Paletten zurückgegeben. Genau diese Qualitätsunterschiede machen das heutige System immer problematischer.

Andere Länder zeigen, dass es anders geht

In Großbritannien oder bei vielen internationalen Lieferketten arbeitet man längst mit Pooling-Systemen, beispielsweise von CHEP. Die Paletten gehören dort nicht dem Fahrer und nicht der Spedition.

Sie gehören dem Poolbetreiber.

Dieser sorgt für:

  • gleichbleibende Qualität,
  • Reparaturen,
  • Austausch,
  • Rückholung,
  • Reinigung,
  • und den gesamten Kreislauf

Der Fahrer liefert Ware ab und fährt weiter.

Keine Palettensuche. Kein Streit. Keine Wartezeiten an der Rampe. Keine Blockierung der Ladefläche durch leere Paletten.

Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Ist das offene Palettentauschsystem noch zeitgemäß?

Das heutige System stammt aus einer Zeit, in der Lager kleiner, Lieferketten einfacher und Qualitätsanforderungen geringer waren. Heute bewegen wir Waren durch hochautomatisierte Logistikzentren mit Robotik, Scannern und Fördertechnik.

Nur beim Palettentausch arbeiten wir vielerorts noch wie vor Jahrzehnten.

Vielleicht ist es Zeit, die entscheidende Frage zu stellen: Müssen wir überhaupt noch Paletten tauschen?

Oder wäre ein modernes Pooling-System, bei dem neutrale Betreiber die Verantwortung für Qualität, Rückführung und Instandhaltung übernehmen, nicht längst die wirtschaftlichere und gerechtere Lösung?

Denn eines ist sicher: Nicht der Berufskraftfahrer verursacht das Problem. Er muss es aber jeden Tag ausbaden.

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Ich wollte nur mal die Beine vertreten

Mittwochabend stand ich auf einem Rasthof irgendwo in Franken. Den Namen nenne ich jetzt mal nicht.
Auf jeden Fall vorn an der Tankstelle. Oder hinten? Egal. Also am Anfang der Rastanlage.

Zwischen dem Tankstellengelände und dem Rasthof liegen einige Meter. Da dachte ich mir, läufst du mal vor. Also stand ich wohl doch hinten. Ich hinten, Rasthof vorne. Wäre das auch geklärt.
Denn ein paar Meter laufen tut ja mal gut. Es sind so, keine Ahnung, zwei- dreihundert Meter. Na ja, nicht ganz so viel, eher zweihundert.

Vorn mal über den Lkw-Parkplatz gelaufen. Der war schon rappelvoll. Dann bin ich ins Rasthaus, da drin war es so keimig.
Irgendjemand hatte Kaffee verschüttet, kann passieren. Aber die Brühe wischte niemand auf. Die Angestellte stützte sich am Tresen ab und drückte auf ihrem Handy herum.

Neben ihr in der Auslage lagen zwei vertrocknete Bratwürste. Viel mehr Auswahl gab es ohnehin nicht.
Dann bin ich auf die Toilette, weil ich mal pieseln musste. Beide Räume waren auch so dreckig, und auf den Mülleimern stapelte sich schon das Papier.

Anschließend bin ich noch durch den McDonald’s geschlendert, der ist hinten im Gebäude. Auch da waren Stühle und Tische schmutzig.
Auf dem Boden lagen Papier und Pommes. Und die sahen nicht so aus, als wären sie erst vor fünf Minuten heruntergefallen. Das war alles nicht besonders schön.

Und dann wundert sich Tank & Rast, wenn dort kaum jemand essen geht. Also vielleicht außer ein paar Urlaubern, deren Kinder quengeln.
Joa, dann bin ich wieder zurück zum Lkw, ich hatte genug gesehen. Das war mein Erlebnis an einem frühen Mittwochabend.

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