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Gewerkschaftspositionen

Ein Gewerkschaftsfunktionär hat wieder einmal zugeschlagen. Nein, nicht mit Fäusten, sondern akustisch. Aber von Anfang an…

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, Frank Richter, fordert den Einbau von Abstandswarn-, Notbrems- und Spurhaltesystemen in alle Lkw, denn dadurch könnte die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer deutlich reduziert werden. Das klingt doch toll, oder? Ist es auch!

Doch was dann an Vorschlägen kommt, ist, nun ja, pure Polemik. So fordert er u.a. ein Überholverbot für LKW auf zweispurigen Autobahnen. Als Grund nennt er, dass häufig riskante Überholmanöver die Unfallursache seien.

Schauen wir uns seinen Vorschlag doch mal etwas genauer an: Lkw auf der rechten, Pkw auf der linken Spur. Kein Laster würde die mehr oder weniger rasante Fahrt von Urlaubern oder Geschaftsreisenden stören. Die Autobahn würde ihrem Anspruch gerecht, eine der schnellsten Strassen auf unserem Planeten zu sein.
Was macht es dann schon, wenn ich 30 Minuten zu spät bei einem Kunden bin, hauptsache der Pkw – Fahrer ist pünktlich an seinem Ziel.

Durch diese 30 Minuten Verspätung stehe ich aber vor verschlossenen Türen. Schon wird aus 30 Minuten eine ganze Nacht. Jede Minute kostet Geld, auch die, in der ein Lkw scheinbar nutzlos herum steht. Diese Zeit lässt sich mein Arbeitgeber natürlich bezahlen. Das gefällt dem Auftraggeber nicht und so ist er gezwungen, die Preise für sein Produkt zu erhöhen.
Gut, die 40 Cent Mehrpreis für ein Kleidungsstück oder für ein Glas Gurken bezahlt der Endverbraucher gerne, da er ja freie Fahrt auf deutschen Autobahnen hat.

Nun passiert aber folgendes: An einer Steigung kommt der Verkehr durch einen langsamen, weil schwer beladenen Lkw ins Stocken. Rasch baut sich hinter diesem Brummi ein Stau von mehreren Kilometern auf und meine Verzögerung beträgt schon mehrere Stunden. Dadurch stehe ich am Wochenende irgendwo und schon betragen die Mehrkosten nicht mehr 40 Cent, sondern zwei oder drei Euro je Produkt.

Aber selbst diesen Mehrpreis zahlen sicher viele gerne, wenn man nur schnell am Einkaufsmarkt ist. Nur, wie kommt man eigentlich mit seinem Pkw von der Autobahn herunter? Die Ausfahrt ist im Normalfall rechts, also müssen sich Autos einen Weg durch die kriechende Lkw – Schlange suchen. Gelingt das nicht, bleibt man auf der Überholspur stehen, denn man will ja nicht 15 Kilometer bis zur nächsten Abfahrt weiter fahren, um dort erneut sein Glück zu versuchen. Also ist das Chaos auch auf der linken Spur perfekt.

Es hätte diesem Gewerkschaftsfunktionär gut gestanden, für ein besseres Miteinander auf deutschen Autobahnen zu werben, anstatt gleich die „Keule rauszuholen“. Denn ein wenig Verständnis für den anderen, macht nicht nur die Autobahn zu einem „besseren“ Ort.

14 comment

  1. Paddy
    Paddy 06/10/2009

    Gut argumentiert, wenngleich übertrieben. Leider habe ich schon oft genug kopfschüttelnd Brummi-Überholmanöver mitbekommen, die mich wünschen liessen, es gäbe ein LKW-Überholverbot.

    PWs, die von 120 mal eben auf knapp über 80 abbremsen müssen, nur weil ein Brummi die noch so kleine Lücke sucht, um an seinem Vordermann mit 5 Mehr-KM/H vorbeizuziehen. DAS ist gefährlich. Und kann noch Kilometer später zu Auffahrunfällen führen, insbesondere in den Stosszeiten.

    Maik: Warum ist denn die Lücke zwischen Pkw so klein? Heißt es nicht: Geschwindigkeit – halber Tacho = Abstand?
    Also müßte ein Pkw bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h sechzig Meter Abstand halten. Diese Lücke wäre doch eigentlich groß genug, um mir ein Überholen zu ermöglichen, auch ohne dass ein Pkw – Fahrer stark abbremsen muß.

    Hmm…

  2. Stefan
    Stefan 06/10/2009

    Maik, deine Rechnung mit den Verzögerungen durch ein Überholverbot in allen Ehren…

    …leider meiner Meinung nach etwas zu einseitig. Natürlich aus der Sicht des LKW-Fahrers verständlich. Ich persönlich „versauere“ auch nicht gern hinter einem Langsamfahrer.

    Allerdings muss man ja bei einer Kosten/Nutzenrechnung, wie Du sie aufgemacht hast, auch andere Faktoren berücksichtigen.

    Mal abgesehen davon das 30min Zeitersparniss am Tag erstmal durch überholen rausgeholt werden wollen, meiner Erfahrung nach muss man da wirklich jede Gelegenheit zum Überholen konsequent nutzen. Wobei ich einräume das das auch mit der Streckentopographie zusammenhängt, im Bergland kann bringt es sicherlich mehr da die Geschwindigkeitsunterschiede oft größer sind.

    Die andere Seite der Medallie ist allerdings der Kraftstoffverbrauch und der Verschleiß. Der nimmt nun mal bei häufigen Überholvorgängen und höheren Geschwindigkeiten überproportional zu.

    Am ende ist man zwar eine halbe Stunde schneller, hat aber höhere Kosten durch Mehrverbrauch an Diesel/Adblue/Reifen/Bremsen etc. Zu dem Schluss kommen im übrigen auch anerkannte Fachleute und Fachmagazine.

    Grüße

  3. Paddy
    Paddy 06/10/2009

    Maik, auch wenn die Lücke 100 Meter ist: Brausen die Autos mit 120 heran haben sie einen Geschwindigkeitsunterschied von 40 gegenüber einem Trucker. Da musst du nur unwesentlich weniger abrupt bremsen bei 100 statt 50 Meter Abstand.

    Durch den Schreck bremst man stärker ab, als nötig, was dem Hintermann den noch grösseren Schreck einjagt und ihn zu noch stärkerem Bremsen führt. Zieht sich das über drei, vier Autos weiter, hast du bald mal Stau. Und Auffahrunfälle. Von dem spüren der Truck und die ersten Autos nix, die sind längst weg. Und im Nachhinein wundert man sich, weshalb da Stau oder gar ein Unfall ist…

  4. Ralf
    Ralf 06/10/2009

    Wir können den Spieß auch umdrehen: Generelles Tempolimit von 80km/h auf allen zweispurigen Autobahnen. Dann muss kein LKW mehr „riskant“ überholen und kein PKW mehr scharf abbremsen!
    Merkwürdigerweise funktioniert das nämlich in all unseren Nachbarländern hervorragend. Zwar mit einem generellen Tempolimit von 120km/h, jedoch sind z.B. in den Niederlanden die Autofahrer irgendwie wesentlich gelassener. Selbst wenn ein LKW mal 3 oder 4 Minuten (!!) zum überholen braucht.

    Diese saudämliche Argumentation mit dem Überholverbot geht mir ohnehin nicht in den Kopf. Es heißt doch immer das schnelles Fahren (aka. Rasen) sehr gefährlich ist. Warum soll dies also durch ein LKW-Überholverbot auch noch unterstützt werden?
    Ach ja. Damit unsere Automobilindustrie weiterhin Autos bauen kann die jenseits der 250km/h fahren. Dies obwohl ja Umweltschutz seit einiger Zeit irgendwie en vogue ist.

    Aber in einem Punkt muss ich dir widersprechen. Niemand würde höhere Transportkosten zahlen und diese dann auch noch auf den Endverbraucher umlegen. Eher würde man sich Billiglöhner aus dem Ausland holen die 36 Std. am Stük hinterm Steuer klemmen um die Touren zu schaffen. Und da die auch nicht an ihrer Arbeit reich werden, sparen sie halt an der Technik und Wartung. Die Polizei nennt diese LKW mit den leicht übermüdeten Fahrern ja gerne rollende Bomben.
    Na da hätte man ja wirklich was für die Sicherheit getan. Ich habe immer den Verdacht, die wollen alle nur ins Fernsehen und stolz präsentieren wie sie wieder eine dieser „rollenden Bomben“ entschärft haben.

  5. bernd
    bernd 06/10/2009

    [quote]PWs, die von 120 mal eben auf knapp über 80 abbremsen müssen, nur weil ein Brummi die noch so kleine Lücke sucht, um an seinem Vordermann mit 5 Mehr-KM/H vorbeizuziehen. DAS ist gefährlich[/quote]
    Ein pkw Fahrer der es nicht schafft innerhalb von kurzer Zeit/Wegstrecke von 120 auf 80 abzubremsen? Und hintendran im cm Abstand am besten noch Weitere von der gleichen Sorte mit Reaktionszeit im Minutenbereich und „Mitdenken ist nur was fuer die Anderen“ Ansicht. Sorry, fuer -diese- Leute sollte es ein Ueberholverbot geben.
    Zugegeben, als Motorradfahrer bin ich da wohl auch etwas voreingenommen, aber mit LKW’s, egal wie vielen, komme ich bei weitem besser (also gefahrloser) zurecht wie mit solchen Helden in Ihren Blechdosen

  6. Maik
    Maik 07/10/2009

    Zu den letzten beiden Kommentaren gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen – also lasse ich es.

  7. Andreas
    Andreas 08/10/2009

    Immer wieder diesselbe sinnlose Forderung: generelles Überholverbot für LKW auf zweispurigen Autobahnen. Alles hätten wir PKW-Fahrer ein RECHT auf höhere Geschwindigkeiten, als hätten wir ein VORrecht auf die Benutzung der Straßen mit PKW, als gäbe es nicht schon genügend PKW, die nicht schneller als 100 über die Autobahn fahren. Und immer wieder die Beispiele der Elefantenrennen – als gäbe es nicht mindestens genauso viele Beispiele von durch PKW-Fahrer verursachte Störungen und Gefährdungen.

    Ich fordere: generelles Überholverbot für Wohnwagen, Holländer, Kleintransporter, BMW und Mercedes – ach ne, nennen wir es beim Namen: für alle andern ausser mir selbst.

  8. Ulrich
    Ulrich 08/10/2009

    Dass die Holländer entspannter Autofahren hat einen einfachen Grund: Dort verteilt sich der Verkehr auf engerem Raum auf mehr Straßen. Teilt mal spaßeshalber die Straßenkilometer (Quelle z.B. CIA-Factbook) durch die Einwohnerzahl: In D kommen auf jeden Einwohner 7,86 Meter Straße, in NL 8,16 Meter. Hört sich wenig an. Aber Holland hat eine viel kleinere Fläche und ist dichter besiedelt. Also weniger Stau und mehr Entspanntheit.

  9. Ulrich
    Ulrich 08/10/2009

    Kleine, aber feine Korrektur: Es muss natürlich heißen:
    Dass in Holland entspannter gefahren wird…

  10. Ralle
    Ralle 08/10/2009

    Hier geht es aber nicht nur um Stau Ulrich, sondern um die Verkehrsdichte. Und die ist in Holland genauso dick wie in Deutschland.

  11. Ralph
    Ralph 10/10/2009

    Hallo Maik
    So ganz unrecht haben die nicht , Abstandswarner
    sollten von der Politik her , Pflicht werden
    und zwar müßte es eine Nachrüstpflicht für alle LKW
    ab Baujahr 2000 + geben , nur so könnten erheblich
    mehr Unfälle verhindert werden .

  12. Walter
    Walter 12/10/2009

    Lieber heute als morgen ein Überholverbot für LKW auf zweispurigen Autobahnen, jeder LKW schafft es heutzutage, die erlaubten 80 km/h zu fahren. Was soll das bringen, wenn ihr mit 3-5 km/h den Vordermann überholt, ohne Rücksichtnahme auf Abstand und fließenden Verkehr ???????? Hauptsache Erster !

  13. Andreas
    Andreas 12/10/2009

    Gerade auf längeren Bergstrecken fallen viele LKW deutlich unter die 80 km/h. Was wäre die Folge, müssten alle anderen dahinter bleiben? Stau auf der rechten Spur – mit der Folge eines Staus auf der linken Spur.

    Ich hatte vor Jahren mal das Altmühltal via A8 passiert, von München kommend wurden die LKW auf der drei- (!) spurigen Autobahn angehalten und wegen Glätte einzeln das Altmühltal runtergelassen. Die Folge: Stau auf allen drei Spuren ab kurz hinter München.

    Das „Hauptsache Erster“ gilt doch eher für den Kommentator – oder nicht, Walter?

  14. Ralf
    Ralf 15/10/2009

    @walter: 40 Tonnen, 350PS, 3% Steigung und 45-50km/h. So sieht die Realität aus die ich erlebe. Ich weis ja nicht welche Realität du erlebst. Aber für die Kollegen hinter mir, die mitunter 440 und mehr PS haben und dann auch noch leer sind, gilt das gleiche wie für die „armen“ Autofahrer die von 120 auf 80km/h abbremsen müssen. Die Kollegen hinter mir müssen ebenfalls um 30-40 km/h abbremsen. Warum soll man von den LKW-Fahrern mehr verlangen als von einem gewöhnlichen Autofahrer?

    Zudem versorgt ein LKW mit seiner Ladung mehrere hundert Menschen. Entweder mit Nahrungsmitteln oder mit Werkstoffen damit die Leute was zu arbeiten haben (wir fahren ja nicht so zum Spaß rum). Die Begründung warum ein Reisebuss, der voll besetzt ebenfalls so um die 20-28 Tonnen auf die Waage bringt, 100km/h fahren darf ist die, dass man den Transport von vielen Personen bevorzugen wollte (höhere Reisegeschwindigkeit).
    Politisch gesehen will man also den Individualverkehr ausbremsen und lieber die Massenbeförderung fördern. Das wird auch durch verschiedene Programme der ehemaligen Regierungen deutlich, die die Bahn finanziell kräftig unterstützten.
    So gesehen müssten LKWs eigentlich auch Vorfahrt haben, denn sie nutzen mehr als nur dem LKW-Fahrer. Dafür müsste man den Individualverkehr, also dem PKW in dem nur 1 Person sitzt, deutlich ausbremsen. Das dem so nicht ist, liegt alleine daran das in jedem PKW auch ein Wähler sitzt. Und mit denen will man es sich halt nicht verscherzen.

    Busse dürfen übrigens auf 3-spurigen Autobahnen auch die äußerst linke Spur benutzen, was LKWs strikt untersagt ist. Vorausgesetzt sie haben mindestens eine Leistung von 11kW/Tonne zGG. Auf einen 40 Tonnen LKW übertragen bedeutet dies, dass der LKW rund 600PS haben müsste um die gleichen Bedingungen zu erfüllen wie ein Bus. Bei einem 3-Achs-LKW mit 26 Tonnen zGG wären dies sogar nur 388PS.
    LKWs könnten demnach eigentlich genauso eine 100er-Zulassung bekommen wie Busse. Werden sie aber nicht, denn auch dies ist ein Politikum das dafür sorgen soll das die Wähler im PKW zufrieden sind.

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