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TruckOnline.de Posts

Gedanken

Morgen ist Herbstanfang. Zeit sich Gedanken zu machen, wo ich im Frühjahr die Schneeketten deponiert habe.

Gestern Abend eine Reportage angeschaut. Der Sprecher meinte, viele Lkw – Fahrer würden einen Bauch vor sich herumtragen. Wenn ich so an mir herab schaue, muß ich dem Mann recht geben.

Auf dem Autohof in Geiselwind angelt ein Obdachloser Pfandflaschen aus den Mülleimern. Welche Träume der wohl früher hatte? Nebenbei der Gedanke, wie schnell es einem selber erwischen kann.

Ich schaue auf die Uhr. Noch immer 25 Minuten Pause. Manchmal kriecht die Zeit elend langsam dahin.

Geiselwind sieht aus, wie Amerika im Kleinformat. Ein großer Truckstop Autohof, BurgerKing und McDonalds, über den von Bäumen verdeckten Dorf ein Freizeitpark. Und anderswo regt man sich auf, wenn ein Parkplatz, weitab vom Dorf, vergrößert werden soll.

Zweieinhalb Stunden bis Regensburg. Genügend Zeit, um die RoLa heute Abend zu erreichen.

Noch 17 Minuten Pause…

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Stolz wie Oskar

Von Friedemann Jäger

Stolz wie Oskar steht Klaus vor seinem Truck. Heute ist ein großer Tag, weil er zum ersten Mal nach seiner Führerscheinprüfung auf große Fahrt geht.
Sein Truck hatte schon bessere Zeiten gesehen. Manche würden sogar sagen, er hätte sich das „H“ auf dem Nummerschild redlich verdient, welches für einen Oldtimer steht.

Komfort gibt es nicht. Das Bett im Führerhaus würde selbst bei hartgesottenen Truckern eher auf Ablehnung stoßen und ist wohl mal für einen indischen Fakir gebaut worden. Aber Klaus ist sehr hager und er ist dennoch stolz darauf.
Früher fuhr er einen 7,5-Tonner, ebenfalls ein Seelenverkäufer, welcher kein Bett hatte. Da schlief er schon mal drin, indem sich seine Kniekehlen um den Schaltknüppel wickelten. Wenn man will, dann geht alles.

Klaus war fleißig und willig. Er war ein echter Kämpfer und sein Chef war stolz auf ihn. Als nun sein Fernfahrer in die Rente gehen wollte, fragte Chef den Klaus, ob er nicht stattdessen auf Ferntour gehen möchte. Er würde ihm den CE schon finanziell vorstrecken und er könne ihn ja abarbeiten.

Klaus war begeistert und nahm das Angebot an. Fortan besuchte er die Fahrschule und träumte von einer Fernfahrerkarriere. Noch bevor er die Prüfung hatte, legte er sich schon mal einen Pseudonamen zurecht. Er nannte sich „Sitting Bull“ und hatte daheim auch schon ein Blechschild mit diesem Namen für die Windschutzscheibe.
Er kaufte sich Cowboystiefel aus imitiertem Schlangenleder, eine hautenge Jeans und ein kariertes Hemd. Und natürlich durfte auch ein Cowboyhut nicht fehlen. Er kopierte sich fleißig Country- und Westernsongs auf Kassette, damit in seinem Truck immer die richtige Stimmung herrschte.
Nur für eine Funke reichte die Kohle nicht mehr. Aber die würde Klaus sich hinterher noch besorgen.

Nun stand er da, der Klaus aus dem thüringischen Gefell, einem Ort an der Grenze zu Bayern. Er sollte einen ganzen Zug Möbel zu einer Firma nach Gladbeck transportieren. Alles passte wie die Faust auf´s Auge.
Das Outfit von Klaus war vom allerfeinsten und das Blechschild klebte mit Saugnäpfen an der Windschutzscheibe. Sofort zog er sich Musik von Jonny Cash rein. Den Stetson behielt er erst mal auf dem Kopf.
Er fuhr nicht gleich auf die Autobahn sondern holte mit dem Truck seine Freundin Tina aus Schleiz ab. Der Chef durfte es nicht wissen, aber Klaus wollte seiner Freundin mal so richtig imponieren und nahm sie deshalb mit auf seine erste Tour. Er hatte sich extra seinen Tiger-Tanga angezogen, weil er wusste, dass Tina auf Tangas abfuhr. Es konnte eine heiße Nacht im Lkw erwartet werden, voller Romantik und anschließenden wilden Liebesspielen.

In Schleiz erwartete ihn dann schon Tina. Tina war das, was man einen Kugelblitz nennen konnte; also eher quadratisch als rechteckig gebaut, wenn man das mal aus der Warte der Geometrie betrachtet. Sie war bekleidet mit einem grauen Jogginganzug und hatte hatte die Verpflegung für unterwegs dabei. Drei Knaldi-Tüten voll mit leckeren Sachen, mit denen sie ihren Klaus verwöhnen wollte.

Als Tina die Stufen des Lkw hochkletterte, rutschte ihre Jogginghose ein klein wenig und legte einen kleinen Ausschnitt ihres Intimlebens frei. Ein blauer Strick hielt eine dicke Falte über dem Hüftknochen in Zaum und zweigte dann ab in die Falten der beiden Backen. Es ist schier unglaublich, welche Qualitätsstandards die deutsche Textilindustrie entwickelt hat, um jedem Typ Mensch seinen individuellen String-Tanga zu ermöglichen.

Mit lauter Musik startete Klaus dann seine Tour. Auf der A 9 sang er noch falsch und unschön das laute „Ring of Fire“ mit, aber dann wurde er doch etwas ruhiger. Den Hut setzte er kurz vor dem Hermsdorfer Kreuz ab. Die Kollegen guckten so komisch, wenn sie ihn überholten.
Verstohlen warf Klaus öfter mal einen Blick auf Tina. Befriedigt nahm er zu Kenntnis, dass Tina ehrfürchtig und stolz auf ihn blickte. Ja, es war ein schönes Leben, dieses Truckerdasein. Niemals würde er es gegen einen Büro- oder Lagerjob eintauschen.

Kurz hinter Jena wurde ihm dann aber etwas mulmig in der Lendengegend. Dieser b l ö d e Tiger-Tanga. Das rechte Ei hatte sich aus dem Strick herausgewagt und klemmte nun fest. Diskret versuchte Klaus, das Ding wieder in die richtige Position zu rücken. Aber die enge Cowboyjeans ließ es nicht zu. Der Druck nahm langsam aber stetig zu.

In Erfurt hielt er es dann aber nicht mehr aus. Er fuhr auf einen Rastplatz und machte erst mal seine Hose auf. Mit einem befreiten Stöhnen schob er das Ei wieder unter das schützende Stückchen Stoff vom Tiger-Tanga. Tina nahm das belustigend zu Kenntnis und hauchte Klaus einen frivolen Wunsch ins Ohr. Verdammt! Klaus könnte schon jetzt, aber er beherrschte sich und fuhr weiter.

Gegen Abend kamen sie dann in Gladbeck an. Klaus gierte förmlich nach Liebe und war froh, dass er ein ruhiges Plätzchen im Industriegebiet von Gladbeck erwischt hatte. Sofort wurden die Gardinen zugezogen.
Was dann geschah, lässt sich nur erahnen. Ich sehe im Geiste das schmale Bett vor mir und die rundliche Gestalt von Tina. Meine Phantasie schafft es einfach nicht, mir die Platzverteilung auf der Liege räumlich vorzustellen. Wer liegt oben und wer liegt unten? Nebeneinander geht nicht.

Am anderen Morgen gehen die Gardinen wieder auf. Ein Gesicht erschien am Seitenfenster, dass irgendwie zu Klaus gehören musste. Er sah aus, als ob er die ganze Nacht durchgesoffen hätte. Seine Augen waren blutunterlaufen und er schien um Jahre gealtert. Er sah tatsächlich so alt aus wie sein Vorbild, Sitting Bull.
In seinem Tiger-Tanga trat er aus dem Lkw, um sich seine enge Hose anzuziehen. Er schaffte es einfach nicht, das im Lkw zu machen. Als er wieder einstieg, reichte ihm eine Hand von hinten ein ehemals liebevoll geschmiertes Butterbrot, dass mittlerweile aber schon krumm war. Klaus biß kraftlos in die Knifte und schob dann noch einen kalten Kaffe vom Vortag hinterher. So langsam begann er, sich zu erholen und fuhr dann zu seiner Abladestelle.

Klaus ist auch heute noch ein Trucker mit Leib und Seele, der die gute alte Fernfahrerromantik wie einen Schatz hütet. Wenn ihr unterwegs einen Seelenverkäufer seht, der von einem hageren Mann mit einem Stetson gelenkt wird, dann grüßt ihn schön.
Es ist Klaus. Mittlerweile hat er auch seine Funke und er meldet sich unter seiner Kennung „Sitting Bull“. Nur den Tiger-Tanga, den hat er in die Altkleidersammlung geworfen.

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Unterwegs…

…am Brenner:






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Ausser Spesen nix gewesen

Meine Pause in dieser Nacht mache ich auf einem Maxi – Autohof in der Nähe von Montabaur. Die Parkgebühr beträgt 7.50 Euro, für’s Duschen verlangt man 2.99 Euro. Macht zusammen 10.49 Euro. Von der Parkgebühr werden nur 6.50 Euro als Verzehrrabatt angerechnet. Da ich diesen Betrag nicht verfallen lassen möchte, gehe ich in das Restaurant.

Für einen Herrentoast und ein Glas Schwarzbier zahle ich weitere knapp sieben Euro. Schon bin ich bei einer Ausgabe von fast 17 Euro angelangt – nur am Abend. Rechne ich meine Einkäufe vom Tag hinzu (belegtes Brötchen am Morgen, ein Stück Kuchen am Nachmittag, sowie diverse Getränke), komme ich auf rund 25 Euro an diesem Donnerstag. Eigentlich eindeutig zu viel, zumindest für mich.

Nicht aber für meinen Tischnachbarn im Gasthaus. Der erzählte mir doch voller ernst, jeden Abend auf einem Autohof seine Pause zu verbringen. Schließlich würde er ja Auslöse dafür bekommen.
Die bekomme ich auch. Trotzdem zähle ich diese zum Lohn hinzu. Es würde mir nie einfallen, Spesen sinnlos zu verfressen.
Aber einige sehen das wohl etwas anders.

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Schlaue Dialoge

Ein Autobauer, der sagt, dass er keine Probleme hat, hat ein Problem.

Louis Schweitzer (Renault)

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…und da sage noch einer, Marktwirtschaft wäre nicht sozial!

Was kostet es zu lernen, wie man einen störenden Arbeitnehmer kreativ aus der Firma entfernt? Gerade mal schlappe 795,00 Euro!
Achso: Natürlich zzgl. 19% Mehrwertsteuer. Dafür sind diese Kosten steuerlich abzugsfähig. Seminargetränke, Mittagessen, Parkgebühren sowie Seminarunterlagen sind natürlich im Preis inbegriffen.

Ich finde diese Lehrgänge gut. Kreativ gekündigt zu werden, tut nur halb so weh. Was ich aber vermisse, ist der künstlerische Aspekt. So eine kleine Gesangseinlage seines (noch) Vorgesetzten lindert die Sorgen über die bevorstehende eigene Finanznot doch ganz erheblich.

Wie wäre es z.B. mit: „Wer soll Dich bezahlen? Wer hat soviel Geld…?“ Anschließend gibt es dann die Kündigung. Natürlich nicht auf schnöden weißen Papier. Nein, dass geht überhaupt nicht. Farbenfroh und mit Ornamenten verziert, sollte das Blatt schon sein. Schließlich geht es hier um einen kreativen Rauswurf.

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