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Energiekrise? Fahr halt langsamer.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat einen Maßnahmenkatalog rausgehauen. Anlass sind die explodierenden Ölpreise wegen des Irankriegs.
Die Idee dahinter klingt erstmal vernünftig. Nämlich irgendwie den Verbrauch drücken, um die Lage zu entspannen.

Aber wenn man sich die Vorschläge anschaut, fragt man sich schon: Wirklich?
Ein Highlight ist, Lkw (und Autos gleich mit) sollen einfach langsamer fahren. Zehn km/h weniger auf der Autobahn. Schon werden Probleme gelöst.

Klar, dass spart tatsächlich Sprit. Ist ja physikalisch unstrittig.
Aber es wirkt auch ein bisschen wie: „Wir haben ein strukturelles Problem, lasst uns mal am Tempomat drehen.“

Dabei weiß die IEA selbst, wo das eigentliche Problem liegt: Der Straßenverkehr frisst rund 45 Prozent des globalen Öls. Fast die Hälfte.
Und die Antwort darauf ist… effizienter fahren?

Ernsthaft? Das ist ungefähr so, als würde man bei einem undichten Tank empfehlen, den Hahn etwas vorsichtiger aufzudrehen.

Das Bild zeigt die A7 bei Kassel. Thema ist die Diskussion über eine Geschwindigkeitsbegrenzung wegen der Ölkrise.

Noch ein Gedanke: Viele dieser Ideen sind uralt. Denn Tempolimits, sparsames Fahren, weniger Flüge, dass hat man alles schon in früheren Krisen gehört. Funktioniert kurzfristig, keine Frage.

Aber langfristig? Eher nicht. Dafür bräuchte es nämlich echte Veränderungen. Wie eine andere Infrastruktur, weniger Abhängigkeit vom Öl, mehr Alternativen im Transport.

Stattdessen zielt vieles auf individuelles Verhalten. Die Leute sollen langsamer fahren, bewusster konsumieren, effizienter leben.
Klingt gut, verschiebt aber die Verantwortung ziemlich elegant nach unten.

Die großen Hebel, also Politik, Industrie und Infrastruktur, bleiben auffällig vage.
Und immerhin: Die IEA sagt selbst, dass diese Maßnahmen die Engpässe nicht ausgleichen werden.

Das ist ehrlich, aber auch entlarvend. Wenn die eigenen Vorschläge nicht reichen, warum klingen sie dann wie der Hauptplan?

Am Ende bleibt der Eindruck: In einer ernsten Energiekrise kommt eine ziemlich zahme Antwort.
Ein bisschen langsamer fahren, ein bisschen bewusster sein und hoffen, dass sich der Rest irgendwie regelt.

Das kann man machen. Aber es ist halt keine Strategie.

Quelle: Eurotransport de

5 Kommentare

  1. Daniel 25/03/2026

    Ich fahre deutlich langsamer, die Ersparnis ist da aber letztlich im 1-2€ Bereich angesiedelt, immerhin. Autos sind ja schon ziemlich sparsam.

    Anfangs war ich noch verwundert über die vielen LKW, die mich mit 100km/h überholen. Alle. Es ist keiner hinter mir geblieben, ich fahre 80km/h.

    In meiner Firma wird der Dieselaufschlag monatlich verhandelt, das bedeutet die Spediteure legen gerade ordentlich drauf.

    Abschließend habe ich mir die Frage gestellt wie sehr Deutschland ins Wanken käme, würden die LKW tatsächlich langsamer fahren. Vermutlich würden ganze Lieferketten zusammenbrechen. Just in Time.

    Also frage ich mich, können wir es uns wirklich leisten langsamer zu fahren, und was gäbe es für einen Aufschrei bei den Kunden?

    • maik 25/03/2026

      Können wir es uns leisten, langsamer zu fahren? Kurzfristig eher schwierig. Viele Lieferketten sind so auf Kante genäht (Just-in-Time), dass schon kleine Verzögerungen echte Folgen haben können, von Produktionsstopps bis zu leeren Regalen.

      Logistik ist auf maximale Geschwindigkeit und minimale Kosten optimiert. Nur vielleicht geht es jetzt eher darum, ein neues Gleichgewicht zu finden, wie etwas weniger Tempo, etwas mehr Puffer. Und dafür weniger Stress im Gesamtsystem.

      • Daniel 25/03/2026

        Ich habe heute noch mit einem Fahrer gesprochen der mir erzählt hat, dass sein Chef von den Fahrern wegen der Kosten verlangt, nicht schneller als 85 km/h zu fahren. Außerdem wäre auch die Bezahlung noch echt gut. Ich hatte es also mit einer der wenigen Ausnahmen zu tun.

        Wir arbeiten auch Just-in-Time, liefern Betonfertigteile auf Baustellen. Allerdings ist in der Planung so viel Puffer drin, dass die Speditionen echt keinen Stress haben. Die Zeitfenster werden direkt von der Baustelle vorgegeben, ich nehme mal an dass das dann auch ziemlich gut passt.

        Bei uns liegt der Vorteil aber auch darin dass mit maximal vier bis fünf Bauteilen an einer Entladestelle das Geld verdient ist. Für Zulieferer in anderen Gewerben wie etwa dem Lebensmittelhandel und X Kunden am Tag sieht die Sache schon ganz anders aus.

        Wenn ich beispielhaft eine Tour nach Darmstadt nehme und die Zeit für Beladung bei uns und Entladung auf der Baustelle rechne, ist die Tour nach maximal vier Stunden abgewickelt. Wer bei uns fest im Sattel sitzt hat es ganz schön will ich annehmen.

  2. Al 25/03/2026

    Hey Maik und Daniel,

    danke für Eure Beiträge! Es ist gerade teuer, das merkt man inzwischen an jeder Supermarktkasse. Bleibt, dem, was ist, geradeaus ins Gesicht zu schauen. Es wird jetzt unbequem, das erzeugt einen gewissen Änderungsdruck. Wir haben jetzt die Möglichkeit uns zu überlegen, was wir mittel- und langfristig wie anders machen können, damit es weniger unbequem wird. Wenn wir dann eh am Ändern sind, können wir gleich mit überlegen, wie wir das tun, ohne uns gleich wieder die nächste Kugel ins Knie zu schießen.

    Ich bin in all Euren Argumenten bei Euch, stelle dennoch die Frage: muss just-in-time (mittelfristig) sein? Muss so viel so weit auf der Straße laufen?

    Klar, der sparsamste Kilometer ist der, der nicht gefahren wird. Und wenn’s nötig ist: ich lerne gerade unseren Golf 6 Variant Benziner mit fünf Komma Litern zu fahren. Es geht – aber nicht zur Hauptverkehrszeit, da geht es gar nicht. Fahre ich eben wann anders. Ein anderes Auto ist für mich derzeit nicht bezahlbar. Es sind wirklich viele kleine Dinge, die ich selbst gerade entscheiden und verändern kann. Ist meine Liquidität im Portemonnaie… Ja, das sind keine großen Hebel, da wünsche ich mir auch viel mehr Effekt. Aber ich selber kann nicht dran ziehen.

    Beste Grüsse und allseits gute Fahrt!
    — Al

    • maik 25/03/2026

      Jep, vieles fühlt sich gerade teurer und unbequemer an und gleichzeitig liegt genau darin auch die Chance, Dinge grundsätzlich zu hinterfragen.
      Nur das machen viele, auch ich, doch jedes Mal, wenn irgendwas unbequemes, ungewohntes passiert. Am aende ändert sich nix, alles bleibt beim Alten.

      Ob alles „just-in-time“ und „muss alles über die Straße laufen?“ sein muss?
      Hmm, kurzfristig sind diese Systeme oft effizient, aber sie machen uns eben auch anfällig und unflexibel.

      Mittlerweile wäre es wieder sinnvoller, wieder mehr Puffer einzuplanen, regionaler zu denken und Transportwege zu diversifizieren. auch wenn das nicht immer die billigste Lösung ist.

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