2023, eine Raststätte zwischen Frankfurt/M. und Darmstadt. Rund achtzig Lkw-Fahrer aus Georgien, Usbekistan und der Ukraine stehen dort.
Nee, nicht, weil sie Pause machen. Sondern weil sie nicht mehr können.
Monatelang unterwegs. Ohne Lohn.
Als ich damals davon gehört habe, blieb vor allem ein Gedanke hängen: Wie lange hält man so etwas eigentlich aus, bevor man einfach stehen bleibt?
Genau das haben sie getan. Sie haben ihre Lkw abgestellt und plötzlich wurden sie sichtbar.
Ein Film, der hängen bleibt
Der Dokumentarfilm Driving Europe von Felix Länge erzählt solche Geschichten. Er läuft im Mai beim DOK.fest München.
Aber eigentlich spielt sich das, was er zeigt, jeden Tag draußen ab. Auf Autobahnen, Rastplätzen, irgendwo zwischen Ländergrenzen und Lieferterminen.
Das alles ist nicht neu. Auch ich höre solche Geschichten immer wieder. Und trotzdem geht alles weiter.
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Weitere InformationenEs ist unangenehm, das zuzugeben. Aber dieses System funktioniert. Pakete kommen an, Supermärkte sind voll. Preise bleiben niedrig.
Wir alle profitieren
Auch ich profitiere davon. Wahrscheinlich jeder, der das hier liest Aber gleichzeitig bedeutet genau das, dass irgendwo Menschen unterwegs sind, die für diese „Effizienz“ den Preis zahlen.
Andere Menschen, die arbeiten und dafür schlecht bezahlt werden.
Das passt nicht zusammen. Trotzdem funktioniert es.
Regeln, die nicht reichen
Es gibt ja Regeln. Das EU-Mobilitätspaket zum Beispiel. Eigentlich sollte genau das solche Zustände verhindern 1.
Aber wenn Fahrer monatelang ohne Lohn unterwegs sind, frage ich mich schon, ob das reicht? Oder beruhigt man sich damit eher selbst?
Vielleicht liegt das Problem tiefer. Vielleicht geht es nicht nur um Regeln, sondern darum, wie dieses System grundsätzlich aufgebaut ist.
Der Moment, der etwas verändert
Was mich an der Geschichte auf der Raststätte Gräfenhausen kaum loslässt, ist der Moment, in dem die Fahrer einfach aufgehört haben weiterzufahren. Kein stilles Aushalten mehr. Kein „es wird schon irgendwie gehen“.
Sondern Schluss.
Und genau da ist etwas passiert. Plötzlich gab es Aufmerksamkeit. Druck. Reaktionen. Nicht, weil sich ein Gesetz geändert hat.
Sondern weil Menschen gesagt haben: Bis hierhin und nicht weiter.
Warum passiert das so selten?
Das ist die Frage, die bei mir hängen bleibt. Warum braucht es so viel, bis Menschen an diesen Punkt kommen? Und warum sieht man solche Momente so selten?
Vielleicht, weil der Druck vorher schon zu groß ist. Vielleicht, weil jeder für sich allein unterwegs ist. Vielleicht auch, weil das System genau so funktioniert.
Kein Film über Einzelfälle
Driving Europe wirkt für mich nicht wie ein Film über Ausnahmen. Eher wie ein Blick auf etwas, dass wir oft nicht sehen wollen. Und genau das macht ihn so wichtig.
Denn die eigentliche Geschichte läuft nicht im Kino. Sondern draußen. Jeden Tag. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind kein Randproblem.
Sie sind ein zentraler Bestandteil eines Systems, von dem wir alle profitieren.
Die Frage ist nur, wie lange wir noch so tun, als hätte das nichts mit uns zu tun.
1Das EU-Mobilitätspaket I soll die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern durch strengere Regeln verbessern: So durch ein Verbot der regelmäßigen Wochenruhezeit in der Kabine, Rückkehrpflicht an den Wohnsitz oder zur Betriebsstätte alle 3–4 Wochen, sowie verbesserte Entsenderegelungen.
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