Der Mitteldeutsche Rundfunk wollte wissen, wie das Leben und arbeiten so unterwegs während der Corona-Krise für uns Lkw-Fahrer ausschaut. Also ob wirklich alle Toiletten geschlossen sind, Duschen nicht genutzt werden dürfen, Firmen uns den Zutritt verwehren. Wir Fahrer unser Geschäft demzufolge hinterm Busch oder am Lkw-Reifen verrichten müssen, keimig und müffelnd herumlaufen dürfen oder auf den morgendlichen Kaffee verzichten, weil ein Getränkeautomaten bei einem Kunden unerreichbar geworden ist.
Ich habe versucht, in einem Gespräch darauf einige Antworten zu geben. Natürlich aus meiner Sicht. Kann ja nicht für andere sprechen. Aber ich denke, dass sehen einige ähnlich.
„Ich hab mich schon oft am Kanister waschen müssen und konnte nicht essen gehen. Im Ausland gibt es oft gar keine Duschen für Fahrer. Auch ohne Corona nicht. Mittlerweile haben einige Tankstellen ihre Sanitärbereiche wieder geöffnet. Auch Autohöfe machen sich Gedanken. So kann man Essen vorbestellen und dann am Autohof abholen.“
Vor einigen Tagen noch ein „Minister dankt“, jetzt wird im Verkehrsministerium über die Freigabe der Kabotage nachgedacht. Statt inländische Spediteure zu unterstützen, gibt es einen Freifahrtschein vor allem für Osteuropäer. So ist sie, die Logistik 2.0, billiger geht immer. ***
Auch der Gesundheitsminister dankt mir. Ich nehme es mal so hin.
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Viele viele Jahre fahre ich jetzt schon fast jede Woche nach Italien. Selbst meinen Urlaub verbringe ich bei Freunden auf Sardinien. Die Leute da unten tun mir einfach nur leid. Fuck Corona. ***
Zwei Tage in Deutschland unterwegs und schon passiert das, was ich in den letzten sechs, sieben Jahren in Italien nicht erlebt habe.
Nicht zu verstehen
Abgesehen davon, dass der Schnitt eh zu klein ist, um den Inhalt des Aufliegers auszuspionieren. Genau dahinter steckt eine Alulatte, also war diese kack Aktion erst recht sinnlos.
So. Feierabend in der italienischen Sperrzone. Ach ja, seit letzter Nacht ist ja das ganze Land als Gefahrenzone deklariert. Nicht mehr nur der Norden.
Jetzt am späten Abend ist der Parkplatz voll
Aber mal meine Beobachtungen von heute.
Der Schwer- und Lieferverkehr läuft wie immer. Ist also nicht weniger geworden. Aber logisch, Industrie und Gewerbe müssen beliefert werden, ebenso Super- und Fachmärkte. Menschen müssen auch in einer Krise versorgt werden. Kontrollen habe ich keine gesehen, den ganzen Tag nicht. Auch die Polizei selbst war nicht öfter unterwegs, wie zu normalen Zeiten.
Was merklich nachgelassen hat, ist der Individualverkehr. Viele Italiener halten sich wohl doch an das Dekret der Regierung, private Wege zu beschränken und sich nach Möglichkeit nur zu und von der Arbeit, sowie zu Arztbesuchen draußen aufzuhalten. Auch die Parkplätze vor Einkaufsmärkten waren leerer. Zumindest in der Lombardei. Schließen tun die eh schon um achtzehn Uhr, ebenso die Raststätten an den Autobahnen.
Spaziergang im Piemont
In Turin, also im Piemont, wo ich am frühen Nachmittag war, sah es anders aus. Menschen gingen spazieren, führten ihre Hunde Gassi oder joggten sich gesund. Lag vielleicht auch daran, dass Teile der Lombardei schon länger als „rote Zone“ gekennzeichnet sind, die Leute dort also schon folgsamer sind.
In drei Firmen habe ich entladen. Mit der Gefahr durch das Corona-Virus gingen die Leute unterschiedlich um. In der ersten bei Brescia saß der Pförtner mit Schutzmaske und Gummihandschuhen hinter seinem Tresen, der Staplerfahrer hingegen gab anderen Leuten die Hand, unterhielt sich normal mit denen, irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen Fehlanzeige. Aber vielleicht kannten die sich auch gut, wussten das der jeweils andere gesund ist. Was weiß ich.
Interessant noch. Bei jedem Lkw-Fahrer wurde vor der Einfahrt die Temperatur gemessen. 35,9 Grad zeigte das Thermometer bei mir an. Also alles im grünen Bereich. Was mich aber interessiert. Bei Fahrern mit erhöhter Temperatur, werden die nur weg geschickt oder wird ein Arzt benachrichtigt?
In den beiden anderen Betrieben bei Turin, war es ähnlich. Auch dort liefen einige mit Mundschutz rum, andere ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen. In der Warenannahme eines Lagers hingen vier Leute auf engsten Raum zusammen. Natürlich ohne Schutz. Die hatten echt vollstes Vertrauen zueinander.
Nicht ohne meine Handschuhe
Ich selber? Gestern von einer deutschen Autobahnraststätte einen Pack Dieselhandschuhe mitgenommen. Die da neben den Zapfsäulen hängen. Sobald ich irgendwas außerhalb vom Lkw anfasse, ziehe ich ein Paar an und entsorge es danach. Dann natürlich Abstand zu jeden und Hände waschen noch öfter als sonst.
Mag leicht panisch klingen, ist aber nicht so. Sowas kann man leicht bewerkstelligen, passt also.
Darüber hätte ich auch berichten können. Sogar ohne Studie. Sehe diese Not ja fast jede Nacht. Also Vorschlag: Zahlt mir einen kleinen Unkostenbeitrag, vielleicht nen Hunni, und ich zähle Lkw auf dem Park- oder Rastplatz, auf dem ich gerade stehe. Ist doch ein guter Deal. ***
Die Polizei will nach mehreren schweren Lkw-Unfällen auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel mit Geschwindigkeitskontrollen für mehr Sicherheit sorgen. Bei einer ersten Blitzeraktion am vergangenen Montag zwischen Hann. Münden/Lutterberg und der hessischen Landesgrenze wurden insgesamt 538 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. In 73 Fällen seien es Lkw-Fahrer gewesen. Am schnellsten war hier ein Lkw-Fahrer, der mit 99 Stundenkilometern fuhr – in einer 60er-Zone. Er muss nun mit einem Bußgeld von 200 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot rechnen.
Fast 40 km/h zu schnell kostet 200 Euro und vier Wochen Netflix zu Hause. Ein Scherz. Zumal fraglich ist, ob fällige Bußgelder auch im Ausland vollstreckt werden. Also kein Scherz mehr, sondern schon ein Witz. ***
Einfach so auf Verdacht. Irgendwie sind alle verrückt geworden. Die Angst vor dem Virus lässt schon seltsame Blüten treiben. Gegenteiliges Beispiel. Gestern war ich beim Spiel „BVB gegen Freiburg„. Auf dem Hin- und Rückmarsch mit hunderten Leuten in der Stadtbahn eingepfercht, dass Stadion ausverkauft. Es hingen zwar überall Desinfektionsspender, aber ich habe keine Ahnung, wie oft die benutzt worden.
Ach übrigens. Nächste Woche bin ich im Großraum Mailand unterwegs und Samstag feier ich meinen Geburtstag nach. Werde Warnhinweise ausdrücken und meinen Gästen in die Hand drücken, bevor ich sie begrüße. Also der allgemeinen Hysterie folgend. ***
Wo ist der losgefahren, mit seinen 79 Jahren? In Südfrankreich? Joa, schon klar. War wohl eher ein Bedienfehler. Oder er ist einige Minuten vor Ende der regulären Pause weiter gefahren. Mit 79 hat man ja nicht mehr so viel Zeit. Aber am besten ist der letzte Satz: „Es gebe immer wieder Kraftfahrer, die sich im Ruhestand noch etwas hinzuverdienen wollten.„ Streicht das „wollten“ und ersetzt es durch „müssen“. Denn mit 79 am Steuer eines Lkw zu sitzen, ist traurig. ***
Kleiner Tipp: In der Überschrift fehlen noch Panik, Grauen, Entsetzen, Todesangst, Grausen, Abscheu, Angst, Bestürzung. Dann wird ein Artikel erst lesenswert. ***
Bevor jetzt einer anfängt, von wegen beruflicher Härte oder so. Da bin ich auch von betroffen. Ist mein Führerschein weg, Job ade. Logisch. Zumal, auch ich durfte vor Jahren mal meinen Führerschein für vier Wochen abgeben. Tja, mit dem Pkw zu fix unterwegs, zack hat es geblitzt. War ich selbst Schuld, also hilft auch kein lamentieren. Immerhin durfte ich innerhalb eines halben Jahres den Zeitpunkt der Abgabe selbst bestimmen, habe es über die Weihnachtsfeiertage gelegt. Und diese Möglichkeit ist schon ein großes Entgegenkommen des Gesetzgebers. Finde ich jedenfalls. ***
Heute mal was wirklich speziell exotisches, ein Kennzeichen aus Südkorea. Gesehen in der Nähe von Mailand. Hab mal ein wenig gegoogelt, diese grünen mit weißer Schrift wurden zwischen 2004 und 2006 ausgegeben.
Die Zahl oben, also hier die 75, steht für Kleinbus. Passt also. Warum der in Italien unterwegs ist? Keine Ahnung. Kann mir nur vorstellen, dass der zum südkoreanischen Konsulat in Mailand gehört.
Kennzeichen aus Südkorea
Südkorea selbst liegt in Ostasien im südlichen Teil der koreanischen Halbinsel. Sagt ja schon der Name. Einziger Nachbarstaat ist Nordkorea, getrennt durch eine 243 Kilometer lange Grenze.
Das Land hat knapp 52 Millionen Einwohner, etwa die Hälfte davon lebt im Großraum Seoul. Weitere Millionenstädte sind Busan, Incheon und Daegu.
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