„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“
Keine Ahnung, von wem der Spruch stammt. Ist mir auch kack egal.
Letzte Woche habe ich mich zum ersten Mal über jemanden bei der Firma beschwert, in der er angestellt ist. Aber in einem normalen Ton, also weder übertrieben noch aufgeregt.
Ich fahre durch ein kleines Dorf im Westerwald, irgendwo bei Altenkirchen. Ziemlich eng da, kurvenreich, ich fahre also langsam. Von vorn kommt mir ein Bus entgegen. Er fährt und fährt, dann bleibt er stehen.
Ich halte auch, weil Autos halb auf der Straße, halb auf dem Gehweg parken. Es war einfach etwas eng. Ich gebe Lichthupe, damit der Bus weiterfährt. Macht er auch, bleibt dann aber neben mir stehen. Der Fahrer macht das Fenster auf. Er sitzt tief in seinem Linienbus, ich gucke von oben zu ihm runter.
Dann sagt er: „Bist du zu dumm zum Fahren?“
Ich antworte: „Hä? Was willst du jetzt von mir? Fahr einfach weiter, dann komme ich vorbei, ohne auf den Bürgersteig fahren zu müssen. Wo ist denn jetzt das Problem, Koleka?“
Er entgegnet, auf seiner Seite wäre ein Hindernis.
Ich sage: „Wo ist denn da ein Hindernis? Da ist Platz. Fahr jetzt weiter vor, damit ich vorbeikomme und es hier weitergeht.“
Dann legt er los: Ich wäre zu dumm zum Fahren, ich solle mein dreckiges Maul halten, ich sei eine „alte Schwuchtel“ und noch ein bisschen mehr.
Der Bus war übrigens halb voll mit kleinen Kindern. Gleich was fürs Leben gelernt, die kleinen Racker. Ich selbst habe kaum etwas gesagt.
An der Seite stand der Name vom Busunternehmen, den habe ich mir gemerkt und nur noch erwidert: „Komm, Junge, beruhig dich und fahr weiter.“
Er hat noch ein wenig herumgelabert, ich bin ein Stück vorgefahren, und es ging langsam weiter.
Später habe ich dann bei dem Unternehmen angerufen und den Vorfall geschildert. Aber keine Ahnung, ob da was passiert. Ist mir jetzt auch egal.
Hätte er nur „Halt’s Maul“ oder so gesagt, wäre es mir egal gewesen. Nach dem Motto: Lass ihn quatschen und fertig.
Aber ehrlich. Ich lasse mich doch nicht als „alte Schwuchtel“ bezeichnen. Der war vielleicht Anfang dreißig, ich bin 56. Ok., für den ist das alt.
Eigentlich habe ich ja darauf gewartet, dass er noch sagt: „Ich ficke deine Mutter.“
Meine Antwort wäre gewesen: „Viel Spaß. Die ist seit elf Jahren tot.“
Aber mal ehrlich: So funktioniert das nicht. Irgendwo gibt es Grenzen. Werden die überschritten, bin ich halt auch Mal ein Denunziant.

Der Typ sollte nie wieder etwas mit Personenbeförderung machen dürfen.
Hatte ich bisher als PKW-Fahrer auch erst ein mal über einem deiner Kollegen (also allgemein LKW-Fahrer, in der Region hier eher osteuropäisch) gemacht: Ich hatte es gewagt, regelkonform auf einer Landstraße (side note: formell Tempo 60 für LKW) bei einer Kreuzung mit Tempo 70 auf 70km/h abzubremsen. Zuerst wollte er mich gefühlt anschieben, ist dann trotz explizitem Überholverbot im Kreuzungsbereich über sämtliche Sperrflächen zum Überholen angesetzt (mit max. 10km/h Differenz, nach 200m war weit sichtbar Tempo70 wieder aufgehoben, sprich ich wäre wieder 100 gefahren) – und das trotz absehbaren Gegenverkehrs. Hätten nicht der Gegenverkehr und ich abgebremst wäre es unschön geworden. Alles, damit er 3km später keine 5 Sekunden schneller am Ziel ist.
Da gab es dann auch eine Mail an das (auf dem Trailer deutlich ausgeschriebene) Unternehmen, dass deren Fahrer seine suizidalen Triebe gerne ausleben kann, aber keine Dritten involvieren möge. Gab auch nur eine automatische Eingangsbestätigung.
Eine Straftat oder ein Vergehen anzuzeigen oder publik zu machen alleine reicht noch nicht aus, um ein Denunziant zu sein. Zum Denunzianten gehören immer auch die „niedrigen Beweggründe“ als Motiv.
D.h. wenn Du einen wegen eines abgelaufenen TÜVs anzeigst und du tust das nur deshalb, weil dir der Typ die Frau ausgespannt hat, dann ist das Denunziation. Alles gut also, du bist kein Denunziant…