Gestern mit meinem Pkw knapp 130 Kilometer Autobahn gefahren, Tempomat konstant auf 120. Eigentlich schön, um entspannt und auch noch spritsparend unterwegs zu sein.
Tja, nur gefühlt war ich damit einer der Langsameren auf der Strecke. Ich wurde permanent überholt. Vom großen Sprit Dilemma hab ich ehrlich gesagt, kaum was gemerkt.
Als ich die Nachricht gelesen habe, dachte ich kurz: Wow, wieso geht das eigentlich nicht überall so schnell? Ein Dekret, ein paar Sätze auf irgenwelchen sozialen Netzwerken und plötzlich wird Tanken spürbar günstiger.
In Italien sinkt der Preis um 25 Cent pro Liter und man merkt sofort, wie politisch aufgeladen so ein Liter Benzin oder Diesel eigentlich ist. Denn natürlich fühlt sich das gut an, für Pendler, für Familien, für alle, die nicht einfach aufs Auto verzichten können, für Handwerker, Taxiunternehmer, Spediteure und Busunternehmen.
Genau deshalb ist es auch so ein dankbares politisches Instrument. Schnell wirksam, leicht verständlich, sofort sichtbar.
Und genau deshalb werde ich misstrauisch. Die Regierung unter Giorgia Meloni verkauft die Maßnahme als entschlossenes Eingreifen. Ihr Vize Matteo Salvini setzt noch einen drauf und vergleicht direkt mit anderen Ländern. Man werde bald günstiger sein als Deutschland oder Frankreich.
Nur klingt das weniger nach langfristiger Strategie, sondern mehr nach politischem Wettbewerb. So nach dem Motto, wer entlastet seine Bürger am sichtbarsten?
Was mich stört, ist nicht die Entlastung selbst. Logisch, die ist nachvollziehbar. Es ist dieses vertraute Muster dahinter. Wenn Preise steigen, wird kurzfristig gegengesteuert, aber ohne wirklich zu klären, was danach kommt.
Die Steuersenkung ist auf zwanzig Tage „zeitlich begrenzt“. Heißt übersetzt, der Moment, in dem sie wieder verschwindet, ist schon eingeplant. Und dann?
Noch skeptischer macht mich dieser „Anti-Spekulations-Mechanismus“. Preise sollen streng an den Rohölmarkt gekoppelt werden, ungerechtfertigte Erhöhungen so verhindert werden.
Klingt gut, fast zu gut. Denn wer legt fest, was gerechtfertigt ist? Und seit wann lassen sich globale Märkte so sauber politisch nachjustieren, ohne das neue Grauzonen entstehen?
Am Ende bleibt bei mir ein komisches Gefühl. Ja, die Maßnahme hilft jetzt. Aber sie wirkt wie ein Pflaster auf ein Problem, das tiefer sitzt. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Es geht weniger darum, das Problem zu lösen, als darum, schnell zu zeigen, dass man handelt.
25 Cent weniger pro Liter sind spürbar. Aber ein Vertrauen, dass hier mehr passiert als nur kurzfristige Beruhigungspolitik, spüre ich dabei nicht.
Wenn ich an einer Tankstelle vorbei fahre, schaue ich oft auf die Preise. Vielleicht so was wie eine Berufskrankheit, ich weiß es nicht. Letzte Woche ist mir dabei zum ersten Mal aufgefallen, dass die Spritpreise in Deutschland höher sind als in Italien.
Links Italien, rechts Deutschland. Tanken in Italien ist günstiger.
Das habe ich in den zwanzig Jahren, die ich mittlerweile fast jede Woche darunter fahre, nie gesehen. Im Gegenteil, es gab Zeiten, da lag der Unterschied bei über zwanzig Cent der Liter.
Für mich war immer klar: Italien = teurer, Deutschland = etwas entspannter. Und jetzt plötzlich genau andersrum. Komische Realität. Warum das so ist? Keine Ahnung. Steuern, Politik, Schicksal, kreative Preisgestaltung?
Am Ende ist es mir auch egal. Fakt ist: Deutschland hat es vollbracht, Italien bei den Spritpreisen zu überholen. Respekt. Das muss man auch erst mal schaffen.
In Italien hat man an vielen Tankstellen die Wahl zwischen Bedienung oder Selbstbedienung. Wenn der Unterschied 5 Cent ausmacht, nehme ich die Zapfpistole auch selber in die Hand…
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