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Schlagwort: Italien

Mein Fuß ist deutsch

Auf dem Bild unten sieht man das Ende einer Kontrolle, die mit „Buongiorno“ begann und mit „Piano“ endete. Aber von Anfang an: Ich sollte gestern Nachmittag in der Nähe von Cuneo, also südlich von Turin laden.
Wer die italienischen Straßen abseits der Autobahnen kennt, weiß das Gas geben eigentlich eine Sünde ist. Oder anders ausgedrückt, Loch an Loch, aber sie hält doch.

Nur wie es manchmal so ist, wenn einem die Zeit im Nacken sitzt, wird man halt zum Missetäter. Aber der Ansatz einer Strafe folgte prompt.
In den Dörfern fuhr ich fünfzig, eher noch etwas darunter. Außerhalb jedoch gab ich Gas. Also achtzig, fünfundachtzig. Den Blick stur nach vorne gerichtet, um den ärgsten Löchern auszuweichen, polterte ich Richtung Ladestelle.

Das blaue Auto mit den weißen Aufklebern bemerkte ich erst, als es neben mir war. Dann kam auch schon die Stopp – Kelle. Was folgte, war das übliche bei Kontrollen. Begrüßung, Fahrzeugpapiere, Führerschein, EU – Genehmigung und der ganze Versicherungskram. Ich habe das alles in einer Mappe, die ich denen komplett aushändige. Was die wollen und brauchen, können die sich selber raussuchen.

Dazu Ausdrucke aus dem Tachografen. Und das nicht zu wenig. Ich glaube, der hat gestern fast eine ganze Rolle aufgebraucht. Erst Fahrzeiten der laufenden Woche, dann Geschwindigkeiten und zum Schluss noch Ereignisse. Als ob ich viel Erleben würde.
Aber mal zur Erklärung: Unter „Ereignisse“ werden z.B. Geschwindigkeitsüberschreitungen gespeichert. Lasse ich mich bergab rollen und bin dabei 50 Sekunden schneller als 89 km/h, habe ich ein gespeichertes Ereignis. Ich versuche, dass zu verhindern. Immer gelingt mir das aber nicht.

Dann begann der eine ein Protokoll zu schreiben. In Gedanken rechnete ich schon mein Geld zusammen. Der andere schaute sich die Ausdrucke an und erzählte dem Protokollschreiber irgend etwas. So ging das bestimmt fünf Minuten.
Danach ging alles ganz fix. Ich bekam meine Papiere wieder und durfte fahren. Ohne Strafe, dafür mit der Ermahnung „Piano„.

Normal zahlt man bei Geschwindigkeiten jenseits der Achtzig. Und das nicht wenig. Keine Ahnung, warum ich gestern ohne Strafe davon kam. Vielleicht waren die „Juve – Fans“ und hatten Mitleid mit einem Deutschen. Wer weiß das schon.

Kontrolle Cuneo

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Aha

Italien erhärtet die Kontrollen zur Kabotagevorschrift. Es wird insbesondere daran erinnert, dass die Beweislast der Zulässigkeit der Kabotage durch den Spediteur, direkt erstmal durch die Mitführung aller notwendigen Papiere durch den Fahrer zu gewährleisten ist.

Wann endlich passiert das bei uns? Ich behaupte mal ganz dreist, dass wohl die wenigsten Kontrollbeamten auf den Nachweis aller Papiere seit Start der Kabotage bestehen. Und warum können dann die Italiener stilllegen, wenn sie doch derselben EU-Vorschrift unterliegen? Oder sollte ich lieber gleich sagen, warum macht das bei uns niemand? Das könnten die nämlich ganz genauso!

Controlli più stringenti per cabotaggio nell’autotrasporto

PS. Tina. Danke für den Hinweis.

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Einsam und allein

Wenn es irgendwo in Italien eine Einöde gibt, dann habe ich sie gefunden. Denn genau da verbringe ich diese Nacht.
Keine Behausung, geschweige denn ein Mensch weit und breit.

Falls Ihr also nichts mehr von mir hören oder eher lesen solltet, haben mich irgendwelche Kobolde geholt. Oder wilde Tiere.

Huch, mich schaudert es.

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Kleiner Service

Ab und zu schaue ich mir die Suchbegriffe an, mit denen Besucher dieses Blogs via Google hier landen. Interessant fand ich diesen:

Inhalt von säcken

Zur Erklärung: Auf bestimmten Autobahnabschnitten liegen alle fünfzig oder hundert Meter helle Säcke auf den Leitplanken. Ich habe davon vor Jahren mal einige Fotos gemacht. Nur finde ich die leider nicht mehr.

Aber egal. In den Säcken ist Streusalz. Diese Lösung finde ich eigentlich gut. Kommt man im Winter nicht weiter, schnappt man sich einen Sack und verteilt dessen Inhalt an strategisch günstigen Stellen.
Wenn man Glück hat, ist einem damit schon geholfen.

Nur sieht man die von Jahr zu Jahr immer seltener. Keine Ahnung, ob die geklaut werden. Ich finde es eigentlich schade.

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Doppelt kontrolliert

Gestern am späten Nachmittag Kontrolle in der Schweiz. Ausgelesen wurden 28 Tage, bemängelt wurde ein Verstoß. Die Gesamtlenkzeit innerhalb zweier Wochen wurde um zwei Stunden überschritten.
Ich hatte also 92 Stunden Lenkzeit. Erlaubt sind neunzig.
Bezahlen brauchte ich nichts. Der nette Polizist beließ es bei einer freundlichen Ermahnung.

Heute am späten Nachmittag Kontrolle in Italien. Das ich bereits gestern fällig war, wurde ignoriert.
Schweiz wäre Schweiz und Italien ist Italien. Interessante Logik. Aber nun ja.

Es wurden wieder 28 Tage ausgelesen, dann wurde fleißig geschrieben. Am Schluss kamen die nicht ganz so netten Polizisten auf einen Betrag von 114 Euro und 70 Cent.
Die zwei Stunden Mehrfahrzeit in der Doppelwoche durfte ich nun doch zahlen, plus eine übertretung der Tageslenkzeit.
Am 31.01. hatte ich zehn Stunden und acht Minuten auf der Karte. Erlaubt sind zehn Stunden.

Das ich an diesem Tag, ein Freitag, einfach nur nach Hause wollte, ist egal. Für mich heißt das in Zukunft, dass ich nochmal neun Stunden in der Karre penne, selbst wenn nur noch fünf Minuten bis zum Standplatz des Lkw fehlen.
Denn ich habe keinen Bock mehr, irgendeinem Staat mein sauer verdientes Geld in den Pops zu schieben.

Bei Verstößen jenseits von gut und böse sehe ich es ein, dass man zur Kasse gebeten wird. Aber nicht wegen solcher Kinkerlitzchen. Das grenzt allmählich an debilen Strafwahn. Mit Verkehrssicherheit hat das auch nichts mehr zu tun. Wer von mir wegen acht Minuten Überschreitung einen mittleren zweistelligen Betrag will, ist ein Abzocker.

Ich weis nicht ob es rechtens ist, einen Tag nach einer eigentlich ergebnisslosen Kontrolle noch einmal komplett kontrolliert zu werden und dabei Verstöße zu ahnden, die einen Tag vorher nur zu einer mündlichen Verwarnung führten. Auch wenn es in zwei unterschiedlichen Ländern passiert.

Wie auch immer. Nicht nur, dass ich keine Lust auf Diskussionen hatte, die bringen hier auch nichts. Selbst in Deutschland rede ich während einer Kontrolle nur das nötigste.

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Italien: Streik teilweise abgesagt

Ich denke mal, die nächste Woche kann ich ruhig angehen lassen. Zumindest wenn ich das hier lese:

Wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass die wichtigsten und größten Transportverbände UNATRAS und ANITA den von Montag, den 9. Dezember bis Freitag, den 13. Dezember geplanten fünftägigen Streik nach erfolgreich geführten Verhandlungen wieder abgesagt haben

Damit hätte sich dieser Beitrag auch erledigt: Streik in Italien geplant. Das bedeutet dann wohl freie Fahrt in Italien. Na ja, zumindest im gemäßigten Norden. Das hört sich doch gut an.

Streik der italienischen Frächter – TEILABSAGE

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Streik in Italien geplant

So wie es momentan ausschaut, plant die Unatras – eine Vereinigung italienischer Spediteure – vom 09.12 bis zum 13.12. eine landesweite Protestaktion. Wie so etwas abgeht, durfte ich bereits vor sechs Jahren miterleben. Lustig fand ich das nicht.

Damals wurde ich südlich von Rom mit Eisenstangen und Baseballschlägern zum Anhalten gezwungen. Nach zwei Tagen ging es weiter. Mit meinem Standplatz hatte ich noch Glück. Ein Schnellrestaurant war in der Nähe und die italienischen Fahrer waren relativ entspannt. Einige Kilometer weiter vor Neapel sah es etwas anders aus. Dort wurden reihenweise die Reifen von Lkw zerschnitten und Scheiben eingeworfen. Auf so eine Gülle habe ich keinen Bock.

Streik in Italien

Grund für den Ausstand ist die Unzufriedenheit italienischer Transporteure mit ihrer Regierung. Am letzten Mittwoch fand im Ministerium für Transport in Rom zwischen Regierung und Vertretern der Verkehrsverbände ein Treffen statt.
Dort forderte die Unatras eine Senkung verschiedener Verbrauchssteuern und das die Regierung schärfer gegen illegalen und unlauteren Wettbewerb vorgeht. Von Seiten der Regierung gab es keine konkreten Antworten.

Als Reaktion darauf beschloss die Unatras einen Fünf-Tage-Streik. Das würde bedeuten, dass für 120 Stunden kaum Lkw abseits der Autobahnen fahren würden. Noch soll es aber weitere Verhandlungen mit der Regierung geben, um mögliche Lösungen zu finden.

Link: Ankündigung der Proteste

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