Es ist wieder so weit, der fünfte eines Monats. Und wie immer fragt „Gut gebrüllt“, wie denn der Tag anderer Leute Blogger so verlaufen ist.
Das Ganze läuft unter dem konstruktiven Motto „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Oder kurz: WmDedgT.
Hier also meine inzwischen siebzehnte Ausgabe. Joa mei, wie die Zeit vergeht.
05.30 Uhr, Das Handy reißt mich aus dem Schlaf. Keine Lust. Fünf Minuten bleib ich noch liegen.
Ich stehe auf dem Gelände einer Tankstelle bei Sirmione, irgendwo am Gardasee. Müssen muss ich in ein Dorf, südöstlich von Mailand.
Hab eine Komplettladung, dass macht das aufstehen ein bissel leichter.
05.38 Uhr, Klamotten zusammensuchen, anziehen. Nebenbei den Motor starten und Tacho auf Arbeitszeit stellen. Routine.
Draußen regnet es. In der Hütte ist es kühl. Für einen kurzen Moment überlege ich, die Standheizung anzumachen. Aber lohnt sich jetzt auch nicht mehr.
05.42 Uhr, schnelle Wäsche am Kanister. Von vorne nass, von oben nass. Der Tag beginnt schon mal kacke. Während ich Zähne putze, dreh ich eine Runde um den Lkw.
Plane ganz, in den Reifen ist noch Luft, Beleuchtung funktioniert, alle drei Tankdeckel zu, an der Sattelkupplung hat sich auch niemand vergangen. Abfahrtskontrolle im Schnelldurchgang.
05.51 Uhr, die Tankstelle ist schon offen. Frische Brioche mit Marmelade und Cremefüllung sind Pflicht. Dazu einen Americano.
Ich bin zwar geizig unterwegs, gebe wenig Kohle aus, aber das ist es mir wert.
06.01 Uhr, los geht’s. Bis Brescia-Ost bleibe ich auf der Staatsstraße. Spart meinem Chef ein paar Cent Maut. Und mir Nerven. Denn auf das Geruckel der A4 habe ich morgens keinen Bock.
Über die Tangenziale Süd geht’s weiter Richtung A35. Diese Autobahn ist kaum zehn Jahre alt und kostet mal eben doppelt so viel Maut wie die A4 weiter nördlich. Entsprechend leer ist es da meistens.
Normal meide ich die auch. Aber manchmal geht’s eben nicht anders.
07.43 Uhr, Ankunft beim Kunden. Ich bin etwas zu früh, die Bude öffnet um acht. Das ist eine Sache, die ich an Italien auch mag.
Die meisten Firmen fangen um acht an, Mittag ist von zwölf bis eins oder halb zwei und schließen um fünf Uhr am Nachmittag. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber in der Regel ist es so, wie eben beschrieben. Für mich als Fahrer ideal.
Die Firma hat zwei Lager, Magazzino I und Magazzino II. Ich fahre erstmal zum Lager I. Da bin ich aber falsch.
Also wieder raus aus der Firma, um das halbe Gelände herum, dann bin ich richtig.
Auch hier, wie in vielen Firmen in Italien, gibt es keine Rampe. Abgeladen, oder auch Beladen, wird meist von der Seite oder von hinten mit nen Hubwagen.
Hier hatte ich die Wahl. Die Paletten waren nicht schwer, außerdem regnet es, also von hinten.
08.42 Uhr, der Auflieger ist leer. Die Ware wird von einem Lageristen kontrolliert, ich telefoniere mit meiner Disponentin.
Zwei Minuten später bekomme ich den neuen Auftrag. Wird wieder eine Komplettladung, in der Nähe von Brescia.
08.53 Uhr, Abfahrt. Sind knapp 60 Kilometer bis zum Kunden. Alles easy.
10.12 Uhr, bin da. An der Anmeldung sagt man mir, ich soll im Lkw warten. Der Staplerfahrer holt mich, wenn es soweit ist.
Fast entschuldigend heißt es noch, es könne heute aber noch zehn Minuten dauern. Mir egal, hab Zeit.
Hier lade ich öfter. Eine gute Firma, noch nie irgendwelche Probleme gehabt. Im Gegenteil. Manchmal komme ich hier kurz nach fünf an und werde noch beladen. Außerdem gibt es immer Bonbons. Und ne Dusche.
11.18 Uhr, fertsch. Das Zeugs steht auf dem Auflieger. Geht nach Mittelhessen.
Jetzt noch die Seite zumachen, Lieferscheine und Frachtbrief unterschreiben und duschen.
Die Dusche hier ist ok. Gibt schlimmere. Nur sollte man vorher die Spinnen im Raum zählen. Denn fehlt später eine, besser Tasche, Handtücher und Klamotten ausschütteln.
12.04 Uhr, ich fahre wieder. Später auf der Autobahn mit 82. Und bin nicht mal der langsamste. Auf der Brennerautobahn eh nicht. Da pegelt sich die Geschwindigkeit bei 76, 77 ein. Dann mal 85, bevor wieder auf 70 abgebremst wird.
So ist das im Überholverbot, wenn Russen oder keine Ahnung wo die Fahrer herkommen, die Geschwindigkeit bestimmen.
Hat man Milch im Kühlschrank, wird die vom ständigen Bremsen und Gas geben sauer.
Hinter Trento warnen die Leuchtanzeigen über der Autobahn vor Lkw-Stau zwischen Bozen-Nord und dem Brenner. Darauf hab ich keinen Bock.
15.12 Uhr, fertsch für heute. Stehe auf einem Rasthof vor Bozen. Wollte eigentlich noch weiter kommen. Aber was nicht ist, dass ist nicht.
Jetzt in Ruhe was essen, diese paar Zeilen fertig schreiben und dann noch ein wenig TV. Morgen früh gegen fünf geht’s weiter.
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