Manchmal schreibt die Logistik ihre eigenen Geschichten. Zwei Unternehmen, derselbe Name, dieselben familiären Wurzeln. Und trotzdem fast 30 Jahre getrennt unterwegs. Jetzt finden sie wieder zusammen.
Gruber Logistics aus Südtirol übernimmt die Hamburger Gruber AG. Passend zum 90-jährigen Firmenjubiläum wird damit ein Kapitel geschlossen, das in den 1990er-Jahren eigentlich erst begonnen hatte.
Doch bei aller Familienromantik geht es natürlich auch ums Geschäft. Und da hat die Übernahme durchaus Gewicht. Vor allem beim kombinierten Verkehr zwischen Italien und Deutschland wollen die Südtiroler kräftig zulegen.
Vom Holztransport zum internationalen Logistikkonzern
Angefangen hat alles 1936. Damals gründete Josef Gruber in Südtirol ein kleines Transportunternehmen. Die ersten Aufträge bestanden vor allem darin, Holz aus den Bergen zu transportieren.
Aus diesem Betrieb wurde im Laufe der Jahrzehnte ein international tätiges Logistikunternehmen. Allerdings blieb die Familiengeschichte nicht ganz ohne Abzweigung.
In den 1990er-Jahren trennten sich die unternehmerischen Wege zweier Söhne des Firmengründers. Während das Südtiroler Unternehmen weiterwuchs, entstand in Hamburg ein eigenständiges Unternehmen mit demselben Namen.

Die Hamburger Gruber AG konzentrierte sich zunehmend auf den kombinierten Verkehr. 2003 startete man dort mit gerade einmal zehn Sattelaufliegern in den Schienengüterverkehr.
Daraus entwickelte sich ein Geschäft mit Schwerpunkt auf den Verbindungen zwischen Deutschland und Italien.
Fast drei Jahrzehnte lang waren die beiden Gruber-Unternehmen also Konkurrenten beziehungsweise eigenständige Marktteilnehmer.
Jetzt ist Schluss mit getrennten Wegen. Die Hamburger Gesellschaft, die zuletzt von einer Managergruppe kontrolliert wurde, gehört wieder zum Gruber-Konzern.
Martin Gruber, CEO von Gruber Logistics und Vertreter der dritten Familiengeneration, bezeichnete die Übernahme als Rückkehr eines wichtigen Teils der eigenen Unternehmensgeschichte.
Über 20.000 Bahntransporte jährlich
So nett die Geschichte von der wiedervereinten Familie klingt, entscheidend dürfte für Gruber Logistics etwas anderes sein: die Erfahrung der Hamburger im kombinierten Verkehr.
Mit der Übernahme holt sich der Konzern zusätzliche Kompetenz im Schienengüterverkehr ins Haus. Dazu kommen Lkw, Sattelauflieger und weitere Transportaktivitäten der Hamburger Gesellschaft.
Besonders interessant ist dabei die Verbindung zwischen Italien und dem Hamburger Hafen. Auf dieser Achse wickeln beide Unternehmen zusammen inzwischen mehr als 20.000 Bahntransporte pro Jahr ab.
Das ist allerdings das gemeinsame Transportvolumen nach der Integration. Die Zahl allein der Hamburger Gruber AG zuzuschreiben, wäre also falsch.
Für die Kunden soll daraus ein besser verzahntes Angebot entstehen. Lange Strecken auf der Schiene, Vor- und Nachläufe mit dem Lkw.
Im Grunde nichts Neues, aber ein Geschäftsmodell, das angesichts voller Autobahnen und zunehmender Verkehrsprobleme durchaus an Bedeutung gewinnt.
Der Brenner als wichtiges Puzzleteil
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Brenner. Die Verbindung zwischen Italien und Deutschland gehört zu den wichtigsten Güterverkehrsachsen Europas.
Gleichzeitig ist sie für viele Lkw-Fahrer eine Strecke, bei der man besser etwas Zeit mitbringt. Baustellen, Staus, Blockabfertigung und immer neue Einschränkungen gehören inzwischen fast schon zum Alltag.
Von einer wirklich verlässlichen Verkehrsplanung kann dort nicht die Rede sein.
Das Unternehmen deshalb stärker auf die Schiene setzen, ist nachvollziehbar. Zumindest auf langen Strecken kann der kombinierte Verkehr eine Alternative sein.
Ganz ohne Lkw geht es aber auch dabei nicht. Irgendjemand muss die Auflieger schließlich zum Terminal bringen und am anderen Ende wieder abholen.
Genau diese Verbindung aus Straße und Schiene will Gruber Logistics weiter ausbauen. Die Hamburger Gesellschaft bringt dafür nicht nur Erfahrung, sondern auch bestehende Kundenbeziehungen und entsprechende Transportkapazitäten mit.
Deutschland bleibt im Visier
Die Übernahme passt außerdem in eine größere Wachstumsstrategie. Bereits im September 2022 hatte Gruber Logistics den deutschen Schwertransport-Spezialisten Universal Transport übernommen. Die Integration dieses Unternehmens wurde 2026 abgeschlossen.
Im ersten Halbjahr erzielte Gruber Logistics nach eigenen Angaben zudem ein Rekordergebnis im operativen Geschäft auf dem deutschen Markt. Wie hoch dieses Ergebnis ausfiel, verriet der Konzern allerdings nicht.
Mit der Hamburger Gruber AG kommt nun ein weiterer Baustein hinzu. Universal Transport steht vor allem für Schwer- und Spezialtransporte, die Gruber AG für den kombinierten Verkehr.
Der Konzern verbreitert damit sein Angebot und stärkt gleichzeitig seine Position auf einer wichtigen europäischen Verkehrsachse.
Was kostet die Wiedervereinigung?
Interessant wäre natürlich auch, was sich Gruber Logistics die Rückkehr des Hamburger Familienzweigs kosten lässt. Dazu gibt es bislang keine Angaben.
Auch Umsatz, Mitarbeiterzahl und die Zahl der übernommenen Fahrzeuge wurden nicht veröffentlicht.
So bleibt neben der schönen Familiengeschichte vor allem die strategische Bedeutung der Übernahme. Gruber Logistics bekommt zusätzliche Erfahrung im Schienengüterverkehr und kann sein Angebot zwischen Italien und Deutschland erweitern.
Und irgendwie hat die Sache tatsächlich etwas Kreisförmiges: 1936 begann Josef Gruber mit ein paar Holztransporten in Südtirol.
Neunzig Jahre später sind aus dem Familienunternehmen zwei große Logistikgeschäfte geworden, die nun wieder unter einem Dach zusammenarbeiten.
Zwei Gruber, fast 30 Jahre getrennte Wege und am Ende doch wieder eine gemeinsame Richtung. Nur dass heute nicht mehr bloß Holz aus den Bergen gefahren wird, sondern ganze Transportketten organisiert werden.
Und die führen inzwischen eben auch über die Schiene.
