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Und plötzlich macht Rumänien vor, was wir seit Jahren fordern

Von Udo Skoppeck

Ich sitze hier und denke mir: Das kann doch nicht wahr sein. Ausgerechnet Rumänien, ein Land, welches in unseren Lkw-Kreisen oft nur als „Billiganbieter“ verlacht wird, verabschiedet gerade ein Gesetz, dass wir hierzulande seit Jahren fordern und fast wie eine Petitesse behandeln: Fahrer sollen endlich das tun dürfen, wofür sie ausgebildet sind.

Nämlich fahren. Und nicht gleichzeitig Beschicker, Stapler-Freizeitsportler, Paketpacker und Lagerhelfer sein.

Seit Jahren diskutiere ich mit Kollegen, schreibe Beiträge, sammle Beispiele, wie Fahrer systematisch für Aufgaben herangezogen werden, die nicht in ihre verantwortliche Tätigkeit gehören.
Wir haben darauf hingewiesen, dass Fahrer keine Nebenerwerbs-Lagerarbeiter sind.

Ein Hubwagen steht auf einem Auflieger

Nämlich das solche Pflichten Arbeitsrecht, Versicherungsschutz und Gesundheit gefährden und das sie zu einer schleichenden Entwertung unseres Berufsbildes beitragen.

Und jetzt? Rumänien legt einen Gesetzestext vor, der genau das verbietet. Nicht als Empfehlung, nicht als abstrakte Studie. Sondern mit echten Sanktionen, Bußgeldern und einer klaren Zuständigkeit für Verlader und Empfänger. 

Nicht nur das, die Verantwortlichen haben die Ausnahmen genau definiert: Spezialtransporte, wo Laden/Entladen wirklich Kern der Dienstleistung ist, bleiben außen vor.
Alles andere soll von Leuten erledigt werden, die dafür ausgebildet und verantwortlich sind. 

Was sagt uns das? Das politischer Wille und klare gesetzliche Regelung möglich sind, auch wenn es unsere eigenen Parlamente hier in Deutschland nicht schaffen.
Das in Rumänien die Notwendigkeit gesehen wird, die Verantwortlichkeiten fair und sicher zu verteilen. Und dass jemand verstanden hat, dass es beim Güterverkehr um Menschen, nicht nur um Billig-Tonnenkilometer geht.

Vielleicht ist es ein Lehrstück: Nicht immer kommt der Fortschritt aus dem Land, welches wir an der Spitze der Debatte sehen. Manchmal kommt er von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.

Und wenn es Rumänien ist, dann sollte das uns hier in Deutschland daran erinnern: Wir müssen selbst dafür sorgen, dass unsere Berufskraftfahrer den Respekt, die Rechte und die Rahmenbedingungen bekommen, die sie verdienen.

Denn wenn andere es hinkriegen, dann können auch wir es.

Quelle: trans.info

4 Kommentare

  1. Dominik 04/03/2026

    Hallo Maik, ich bin seit längerem ein Mitleser, nur muss ich jetzt mal kommentieren. Das soll keine Kritik sein, sondern im Gegenteil. Deine Beiträge sind interessant, lesenswert und verschaffen mir einen Blick in eine „Berufs“welt, die mir eigentlich total fremd ist. Denn ich habe mit Transport überhaupt nichts zu tun. Um so mehr möchte ich mich einfach mal für Deinen Blog und die Arbeit, die sicher dahinter steckt, bedanken. Mach bitte noch lange weiter, mit diesem Projekt. Viele Grüße, Dominik

    • maik 08/03/2026

      Danke für Dein Lob. Ich werde mich bemühen.

  2. René 05/03/2026

    Hallo. Grundsätzlich halte ich dies für eine gute sache. Jedoch bleibt es doch so das der Fahrer am ende auch für die Ladungssicherung verantwortlich ist, auch wenn er unterwegs kontrolliert wird, muss er dafür gerade stehen. Am schluss bleibt dem Fahrer aus meiner sicht nichts anderes übrig als doch auf der Rampe zu stehen und die beladung zu überwachen.
    Da währe es mir lieber wenn mir die Ladung einfach bis zum LKW gebracht wird und ich die Ladung dann selber in den LKW stelle. Gerade bei bei teilladungen kann ich so besser das Gewicht verteilen und je nach art der Ladung doch schon viel mit Formschluss sichern.
    Beispiel: Ich bin lange Forgo gefahren, wenn man da einmal Mineralwasser aus Italien holt kann man aus gewichtsgründen nicht 33 Paletten Laden.
    Rampenarbeiter stellten mir immer wieder alles einfach vorne rein, ergebnis, Antriebsachse überladen. Dann habe ich darauf bestanden selber zu beladen und habe das Gewicht nach hinten verteilt und habe vorne teilweise Paletten Quer in die mitte gestellt um doch Formschluss nach vorne zu haben. Seitlich mit sperrstangen gesichert und dann nach hinten alles aufgefüllt. Da passte dann die Gewichtsverteilung.
    Ich habe in über 20 Jahren nur einen Lagerarbeiter angetroffen der mir genau sagen konnte wie ich die Ware zu verteilen habe und es hat am ende gepasst, alle anderen füllen einfach von vorne nach hinten auf.

    • maik 08/03/2026

      Jep. Am Ende steht der Fahrer rechtlich immer mit in der Verantwortung, egal wer geladen hat. Genau deshalb finde ich auch, dass Fahrer zumindest ein Mitspracherecht bei der Beladung haben sollten. Gerade bei Teilladungen oder empfindlicher Ware macht die Gewichtsverteilung und der Formschluss oft einen riesigen Unterschied.

      Dein Beispiel mit dem Mineralwasser zeigt das ja perfekt: Wenn einfach stumpf von vorn nach hinten geladen wird, passt zwar vielleicht die Palettenzahl, aber die Achslasten stimmen am Ende nicht. Und der Fahrer ist dann derjenige, der bei einer Kontrolle erklären muss, warum die Antriebsachse überladen ist.

      Idealerweise wäre es tatsächlich so, dass Lager und Fahrer enger zusammenarbeiten. Die Leute im Lager kennen die Ware, der Fahrer kennt sein Fahrzeug und weiß, wie sich die Last am besten verteilen lässt. Wenn beides zusammenkommt, passt am Ende auch die Ladungssicherung und die Achslast.

      Leider läuft es in der Praxis oft so, wie du es beschreibst: Hauptsache schnell reinladen und der Rest ist dann das Problem vom Fahrer. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, warum du lieber selbst geladen hast, um sicherzugehen, dass alles passt.

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