Bei der DB Cargo drohen drastische Einschnitte, denn rund 6.000 Stellen in Deutschland sollen wegfallen. Von aktuell etwa 14.000 Vollzeitstellen würden damit rund 6.200 gestrichen. Das ist nahezu jeder zweite Job.
Der geplante Abbau betrifft fast alle Unternehmensbereiche und ist Teil einer umfassenden Restrukturierung.
Besonders betroffen: der Einzelwagenverkehr
Ein Schwerpunkt der Kürzungen liegt im Einzelwagenverkehr, also ausgerechnet in jenem Segment, das als Rückgrat der Fläche gilt und vielen Industriekunden den Zugang zur Schiene ermöglicht.
Kritiker befürchten, dass hier nicht nur Kosten gesenkt, sondern langfristig Strukturen geschwächt werden, die für eine klimafreundliche Logistik eigentlich gestärkt werden müssten.

Auch in Verwaltung und produktionsnahen Bereichen soll Personal eingespart werden. Die konkreten Ausgestaltungen müssen zwar noch mit den Arbeitnehmervertretungen verhandelt werden, doch die Richtung ist klar: DB Cargo setzt auf einen radikalen Sparkurs.
Verkauf von Substanz statt nachhaltiger Strategie?
Der Stellenabbau ist nicht die erste einschneidende Maßnahme. In den vergangenen Monaten wurden unter anderem:
- rund 6.000 Güterwagen verkauft und zurück gemietet
- Teile des Transfesa-Geschäfts veräußert*
- Werkstattstandorte zur Schließung angekündigt
- Beteiligungen an Containerterminals abgegeben
- die Automobillogistik-Tochter Semat verkauft
*DB Cargo hält 84 % an der spanischen Transfesa Logistics, konzentriert sich jedoch im Zuge einer Umstrukturierung (bis Ende 2025) verstärkt auf den internationalen Güterverkehr sowie Automotive-Logistik. Das spanische Inlandsgeschäft und intermodale Transporte werden an Boluda Shipping übergeben.
Diese Schritte sollen die Kosten senken und die Bilanz stabilisieren. Doch es stellt sich die Frage, ob hier langfristige Wettbewerbsfähigkeit entsteht, oder ob kurzfristig Vermögenswerte veräußert werden, um Zeit zu gewinnen.
EU-Druck und anhaltende Verluste
Hintergrund der Maßnahmen ist ein laufendes EU-Beihilfeverfahren. Bis spätestens Ende 2026 muss DB Cargo profitabel arbeiten. Der Zeitdruck ist entsprechend hoch.
Zwar konnten die Verluste zuletzt reduziert werden, doch das operative Ergebnis bleibt weiterhin negativ.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) signalisiert grundsätzlich Offenheit für Effizienzsteigerungen, kündigt jedoch Widerstand gegen einen massiven Stellenabbau an. Die anstehenden Verhandlungen dürften daher konfliktgeladen verlaufen.
Strukturreform oder Schrumpfkurs?
Die zentrale Frage bleibt: Handelt es sich um eine notwendige, schmerzhafte Sanierung? Oder um einen Schrumpfkurs mit ungewissem Ausgang?
Klar ist: Der Umbau von DB Cargo wird nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch verkehrs- und industriepolitische Folgen haben.
