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Einhundert Euro, die niemand sieht. Italiens Wartezeitgesetz scheitert an der Realität

Sechs Monate nach Einführung der 100-Euro-pro-Stunde-Regel für Wartezeiten im italienischen Straßengüterverkehr fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus.

Eine aktuelle Umfrage des nationalen Transportverbands ASSOTIR* zeigt, dass für die Mehrheit der Transportunternehmen die gesetzlich verankerte Entschädigung bislang ohne spürbaren finanziellen Effekt bleibt.

*ASSOTIR (Associazione delle Imprese di autotrasporto) ist ein italienischer Transportverband, der sich auf die Vertretung und den Schutz von kleinen und mittleren Unternehmen im Straßengüterverkehr konzentriert. 

Klare Zahlen, klare Schieflage

Diese Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache:

  • Nur 28 % der mittelgroßen Unternehmen geben an, die Entschädigung erfolgreich durchgesetzt zu haben, wenn Lkw über die gesetzliche Schwelle hinaus warten müssen.
  • Bei Kleinstunternehmen mit ein bis fünf Fahrzeugen, einem Rückgrat des italienischen Straßengüterverkehrs, liegt die Quote bei lediglich 5 %.
  • De facto erhalten damit über 70 % der anspruchsberechtigten Unternehmen keine Zahlung.

Was als starkes politisches Signal gedacht war, droht damit in der Praxis zu verpuffen. Die Daten legen eine wachsende Kluft zwischen gesetzgeberischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität offen.

Eine Reform mit Signalwirkung

Mit dem im vergangenen Sommer verabschiedeten Decreto Infrastrutture setzte Italien ein deutliches Zeichen. Das Gesetz 105/2025 gilt als einer der entschlossensten Eingriffe in die europäische Straßengüterverkehrspolitik der letzten Jahre.

Die zentralen Punkte:

  • 90 Minuten Karenzzeit für Be- und Entladevorgänge
  • Danach 100 € für jede weitere Stunde oder angebrochene Stunde Wartezeit
  • Gesamtschuldnerische Haftung von Auftraggeber und verladeberechtigter Partei
  • Unabdingbarkeit der Regelung (kein vertraglicher Ausschluss möglich)

Im November bekräftigte das italienische Ministerium für Infrastruktur und Verkehr in einem offiziellen Rundschreiben, dass diese Zahlung verpflichtend ist.
Sie darf weder ausgeschlossen noch reduziert oder vertraglich „wegverhandelt“ werden.

Auf dem Papier ist die Regel klar und eindeutig.

Widerstand aus der Praxis

Doch die Umsetzung stieß früh auf Widerstände. Ende 2025 warnte der Branchenverband FIAP*, dass einige Auftraggeber nicht mit Anpassung, sondern mit Druck reagierten.

*Die FIAP (Federazione Italiana Autotrasportatori Professionali) ist ein weiterer Branchenverband für den Straßengüterverkehr in Italien. Sie vertritt die Interessen von Transportunternehmen und Speditionen auf nationaler Ebene. 

Laut FIAP wurden Transportunternehmen, die die 100-Euro-Gebühr in Rechnung stellten, teils mit dem Verlust zukünftiger Aufträge bedroht.
In anderen Fällen sollen Frachtführer aufgefordert worden sein, Verzichtserklärungen zu unterzeichnen, trotz klarer gesetzlicher Unabdingbarkeit.

lkw stehen an einer rampe und warten auf die beladung. zu sehen sind drei weiße iveco und ein blauer scania.

FIAP bewertete solche Klauseln als rechtlich unwirksam und potenziell als Missbrauch wirtschaftlicher Abhängigkeit.
Der Verband informierte die italienische Wettbewerbsbehörde und richtete ein Monitoring-Observatorium ein, um problematische Praktiken an Be- und Entladestellen systematisch zu dokumentieren.

Das Kernproblem: Kein Automatismus

Die aktuellen Daten von ASSOTIR legen nahe, dass die Schwäche der Regelung weniger in ihrer Formulierung als in ihrem Mechanismus liegt. Denn die Entschädigung erfolgt nicht automatisch.
Sie muss aktiv vom Frachtführer gegenüber dem verantwortlichen Auftraggeber geltend gemacht werden.

Für kleine und kleinste Betriebe bedeutet das ein Dilemma:

  • Sie sind häufig von einer begrenzten Zahl an Auftraggebern abhängig.
  • Das Einfordern der Zahlung kann wirtschaftliche Risiken bergen.
  • Die Verhandlungsmacht ist oft ungleich verteilt.

Ein gesetzlich verbrieftes Recht ist in der Praxis schwer durchsetzbar, wenn Marktstrukturen und Abhängigkeiten dagegensprechen.

Gerade Kleinstunternehmen sind doppelt exponiert. Diese leiden besonders unter langen Wartezeiten.
Schon wenige Stunden können Folgeaufträge gefährden und Margen aufzehren und zugleich setzen sie die Entschädigung am seltensten durch.

Der Blick nach Portugal und Spanien

Italien steht mit diesem Ansatz nicht allein. Ähnliche Regelungen wurden in den letzten Jahren bereits in Portugal und Spanien eingeführt.

In Portugal trat 2021 das Decreto-Lei 57/2021 in Kraft. Es:

  • verbietet Fahrern schwerer Nutzfahrzeuge, Be- und Entladetätigkeiten durchzuführen,
  • setzt eine maximale Wartezeit von zwei Stunden fest,
  • erlaubt eine Entschädigung zwischen 12 € und 40 € pro Stunde, abhängig von Fahrzeuggewicht und Transportart,
  • sieht bei Verzögerungen über 10 Stunden einen Zuschlag von 25 % pro weiterer Stunde vor,
  • schreibt zudem Mindeststandards für Wartebereiche (Toiletten, Aufenthaltsräume) vor.

In Spanien gilt seit September 2022 eine vergleichbare Regelung. Sie verbietet Fahrern von Fahrzeugen über 7,5 Tonnen die Durchführung von Be- und Entladearbeiten und führt eine verpflichtende Entschädigung bei Verzögerungen von mehr als einer Stunde in Verteilzentren ein.

Zuvor lag die Schwelle bei zwei Stunden. Zusätzlich enthält die spanische Gesetzgebung Mechanismen zur Anpassung von Transportpreisen an Kraftstoffkosten sowie zur Durchsetzung des EU-Mobilitätspakets, insbesondere in Bezug auf Lenk- und Ruhezeiten.

Fazit: Starkes Gesetz, schwache Durchsetzung

Die italienische 100-Euro-Regel ist politisch ambitioniert und rechtlich klar formuliert. Doch die ASSOTIR-Daten zeigen, dass ohne effektive Durchsetzungsmechanismen selbst eine zwingende Vorschrift in der Praxis oft wirkungslos bleibt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob die Regel richtig konzipiert ist, sondern ob sie strukturell so ausgestaltet ist, dass insbesondere kleine Marktteilnehmer ihr Recht tatsächlich wahrnehmen können.

Solange die Durchsetzung vom individuellen Mut einzelner Frachtführer abhängt, bleibt die 100-Euro-Stunde für viele ein theoretischer Anspruch, aber kein realer Ausgleich.

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Litauen: Billige Arbeitskräfte, hohe Profite? Justiz nimmt Transportbranche unter die Lupe

Die Botschaft der Strafverfolgungsbehörden an den litauischen Transportsektor ist alles andere als subtil. Sie ist klar, deutlich und sie klingt nach einem Wendepunkt.

Die Vilniuser Bezirksstaatsanwältin Edita Ignatavičiūtė, die Fälle von Ausbeutung ausländischer Lkw-Fahrer untersucht, spricht nicht von Einzelfällen. Aus ihrer Sicht handelt es sich um ein systemisches Problem.

Ihre drastische Metapher: In manchen Unternehmen erinnere die entstandene Arbeitskultur an das Buch „Wald der Götter“ von Balys Sruoga. Eine Welt, in der der Mensch zum bloßen Werkzeug degradiert wird.

Meiner Meinung nach erleben wir in Litauen eine systematische Ausbeutung im Logistiksektor. Die meisten Unternehmen arbeiten nach ähnlichen Modellen.

Edita Ignatavičiūtė, Bezirksstaatsanwältin von Vilnius

Das sind starke Worte. Und sie kommen nicht ohne Hintergrund.

Ermittlungen werden professioneller. Das Problem bleibt

Nach Angaben von Ignatavičiūtė haben sich die Ermittlungsansätze im vergangenen Jahr deutlich weiterentwickelt. Die Behörden verstehen inzwischen sehr genau, wie der Transport- und Logistiksektor funktioniert: Arbeitszeiterfassung, Finanzströme, Subunternehmermodelle, die Vorgaben des EU-Mobilitätspakets.

Doch trotz dieses Wissens ist das Grundproblem nicht verschwunden.

Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehr als sechs Logistikunternehmen in Litauen. Und das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein, denn auch in anderen Regionen des Landes könnten Verfahren laufen.

Erwartung Europa. Realität Bürokratie.

Viele der betroffenen Fahrer kommen aus Tadschikistan, Usbekistan oder Kirgisistan. Sie reisen legal nach Litauen ein, mit der Erwartung europäischer Standards, funktionierender Institutionen und verlässlicher Arbeitsbedingungen.

Was sie aber teilweise erleben, scheint davon weit entfernt zu sein.

Ein zentrales Problem ist laut Staatsanwältin der sogenannte „Papierkram“. Dokumente wirken formal korrekt. Verträge stimmen. Abrechnungen sind sauber abgeheftet.
Doch die Realität hinter diesen Papieren kann eine andere sein. Beschäftigte haben mitunter keinen Zugang zu ihren eigenen Unterlagen. Teilweise würden relevante Informationen sogar vor Ermittlungsbehörden verborgen.

Komplexe Verfahren, lange Wege zur Gerechtigkeit

Die Aufarbeitung solcher Fälle ist alles andere als einfach. Um festzustellen, ob Löhne korrekt berechnet wurden und Arbeits- sowie Ruhezeiten eingehalten wurden, müssen Ermittler:

  • Buchhaltungsunterlagen analysieren
  • Bescheinigungen auswerten
  • Spezialisten hinzuziehen
  • Dolmetscher einsetzen
  • komplexe Finanzierungsmodelle

entschlüsseln.

Selbst wenn Anklage erhoben wird, können sich Verfahren lange hinziehen. Für Betroffene bedeutet das oft eine zermürbende Wartezeit.
Und mit jedem Monat wächst das Risiko, dass Motivation und Vertrauen in die Gerechtigkeit schwinden.

Abschreckung als Signal

Gleichzeitig betont die Staatsanwaltschaft die präventive Wirkung der Verfahren. Der Transportsektor ist eng vernetzt, Unternehmen beobachten sich gegenseitig sehr genau.
Bereits die Einleitung eines Vorverfahrens kann daher ein Signal senden: Geschäftsmodelle stehen unter Beobachtung.

Das Bild zeigt zwei Lkw der Marke Renault, zugelassen in Litauen.

Ignatavičiūtė macht deutlich, dass es ihr nicht darum gehe, Unternehmen „zu zerstören“. Ziel sei es vielmehr, systemische Verstöße zu unterbinden. Sie formuliert es unmissverständlich: Sie werde sich nicht an einem System beteiligen, welches das Problem ignoriere.

Ich sage immer: Schlaf ruhig, bis wir kommen. Wenn alles in Ordnung ist, schlaf ruhig. Aber wenn nicht, ist es Zeit, sich Sorgen zu machen.

Edita Ignatavičiūtė, Bezirksstaatsanwältin von Vilnius

Arbeitskräftemangel oder Geschäftsmodell?

Offizielle Zahlen zeigen: Die Zahl der Lkw-Fahrer in Litauen ist innerhalb eines Jahres um mehr als 4.000 auf 91.600 gestiegen. Gleichzeitig klagt die Branche über Arbeitskräftemangel.

Die Staatsanwaltschaft stellt deshalb eine unbequeme Frage: Stecken hinter diesen Klagen möglicherweise Modelle, die auf besonders günstige Arbeitskräfte aus Drittstaaten setzen?

Um das zu klären, müssten reale Indikatoren, versicherungsfreie Zeiträume und Arbeitszeitdaten sorgfältig analysiert werden.
Vielleicht liegt das Problem nicht nur im Mangel an Personal, sondern in der Organisation der Arbeit selbst.

Menschenhandel und Zwangsarbeit im Fokus

Wie das Portal VZ.lt unter Berufung auf einen Bericht des Seimas-Ombudsmanns* (August 2025) meldete, wurden 22 Vorverfahren wegen Menschenhandels eingeleitet.
Zehn davon stehen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit, überwiegend im Transportsektor.

*Der Seimas-Ombudsmann ist ein vom litauischen Parlament (Seimas) ernannter, unabhängiger Staatsbeamter, der die Grundrechte und Freiheiten der Bürger schützt.
Er untersucht Beschwerden über Amtsmissbrauch oder Bürokratie von Beamten und zielt darauf ab, die öffentliche Verwaltung zu verbessern. Er ist Teil des Seimas-Ombudsmannbüros, das Menschenrechtsfragen behandelt. 

Die Methoden verändern sich. Statt Dokumente einzuziehen, setzen einige Akteure offenbar zunehmend auf wirtschaftlichen Druck: Unrechtmäßige Bußgelder, künstlich erzeugte Schulden, finanzielle Abhängigkeiten.

Kontrollen im Jahr 2025 deckten zudem Verstöße gegen Mobilitätsvorgaben auf, etwa Fälle, in denen Fahrer ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht an ihrem Wohnort verbringen konnten.

Der Bericht weist darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen höher sein dürfte. Viele ausländische Fahrer meiden aus Angst vor dem Verlust ihrer Aufenthaltserlaubnis den Kontakt zu Behörden. .

Am Ende bleibt eine Frage: Handelt es sich um bedauerliche Ausnahmen? Oder um strukturelle Probleme eines ganzen Sektors?

Quellen: trans.info, vz.lt

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Absurdistan? Nächste Ausfahrt rechts.

Heute Vormittag wollte ich duschen, nicht an einer Autobahnraststätte, sondern an einer normalen Tankstelle, aber auch gleich an der Autobahn gelegen.
Vor mir war noch ein anderer Koleka in der Dusche. Ich wartete also. Vielleicht zehn, fünfzehn Minuten.

Der kam dann irgendwann raus, gibt die Schlüssel ab. Ich tausche die anschließend mit dem Tankstellenmann, also meinen Zündschlüssel gegen seinen Duschraumschlüssel.
Dann gehe ich nach hinten in den Sanitairbereich, lass die Tür noch kurz auf, damit der Dunst raus ziehen kann. Nebenbei hänge ich meine Tasche an einen der Haken und räume das was ich gleich brauche, schon raus.

Dann kommt eine Frau, keine Ahnung, wie alt die war. Vielleicht Anfang, Mitte sechzig, schätze ich mal.
Die schaut mich an, guckt in den Duschraum, schaut mich wieder an. Dann kommt die rein und schiebt mich raus.

Ich sage „Hallo!? Hallo, was treiben Sie hier?“ Ja, sie müsste auf Toilette und sie würde nicht auf Toilette gehen, wenn ich da drin bin.
Ich antworte, „Aber doch nicht hier. Das ist eine Dusche, dafür habe ich bezahlt. Das Frauenklo ist hier daneben, da müssen sie rein. Und jetzt raus hier, Sie komische Dullitante.“

Dann guckt sie mich noch mal an und geht. Ohne ein weiteres Wort.

Ganz ehrlich? Die Leute werden irgendwie immer wunderlicher. Was ist nur passiert? Warum sind Menschen so? Haben wir irgendwo eine Abzweigung genommen Richtung „Absurdistan – nächste Ausfahrt rechts“? Unglaublich.

Ich war ehrlich ein wenig irritiert. Es geht mir nicht nur um die Situation an sich, sondern um das Selbstverständnis, mit dem manche Menschen in fremde Räume und Abläufe eingreifen, ohne nachzufragen oder Rücksicht zu nehmen.
Solche Begegnungen hinterlassen schon ein bissel ein ungutes Gefühl und die Frage, warum respektvolle Kommunikation für manche offenbar nicht mehr selbstverständlich ist.

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Tankstellen: Wenn Italien plötzlich günstiger ist als Deutschland

Wenn ich an einer Tankstelle vorbei fahre, schaue ich oft auf die Preise. Vielleicht so was wie eine Berufskrankheit, ich weiß es nicht.
Letzte Woche ist mir dabei zum ersten Mal aufgefallen, dass die Spritpreise in Deutschland höher sind als in Italien.

bild zeigt zwei preisanzeigen an tankstellen in deutschland und italien. der preis in italien ist mittlerweile günstiger als in deutschland.
Links Italien, rechts Deutschland. Tanken in Italien ist günstiger.

Das habe ich in den zwanzig Jahren, die ich mittlerweile fast jede Woche darunter fahre, nie gesehen. Im Gegenteil, es gab Zeiten, da lag der Unterschied bei über zwanzig Cent der Liter.

Für mich war immer klar: Italien = teurer, Deutschland = etwas entspannter. Und jetzt plötzlich genau andersrum. Komische Realität.
Warum das so ist? Keine Ahnung. Steuern, Politik, Schicksal, kreative Preisgestaltung?

Am Ende ist es mir auch egal. Fakt ist: Deutschland hat es vollbracht, Italien bei den Spritpreisen zu überholen. Respekt. Das muss man auch erst mal schaffen.

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WmDedgT 5.2.26

Es ist mal wieder der fünfte eines Monats. Und an diesem fragt „Gut gebrüllt“, wie denn von anderer Leute Blogger der Tag so war. Das nennt sich dann „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag„.? Oder eben in Kurzform „WmDedgT„.
Hier ist, zum fünfzehnten Mal – joa mei, wie die Zeit vergeht – meine Ausgabe:

02.50 Uhr, die Weckfunktion vom Handy weckt mich. Lust hab ich nicht, aber hilft ja nix. Steh am Irschenberg, mein erster Kunde ist bei Wetzlar. Bis dahin brauch ich noch sieben Stunden. Länger schlafen ist also nicht.
Außerdem ist es kalt in der Hütte. Die Standheizung ist aus. Der Tag beginnt schon mal kacke.

02.56 Uhr, fertig angezogen. Tacho auf Arbeitszeit stellen, Motor anmachen. Die Anzeige für die Außentemperatur zeigt minus ein Grad an. Und es nieselt. Toll.

Ich piesel ins Gras, danach die übliche Kanisterwäsche und beim Zähne putzen die Runde um den Lkw. Plane ganz, in den Reifen ist noch Luft, Beleuchtung funktioniert, alle drei Tankdeckel zu, an der Sattelkupplung hat sich auch niemand vergangen. Abfahrtskontrolle im Schnelldurchgang.
Nur glatt scheint es nicht zu sein, trotz leichten Regen und Minustemperatur. Das ist doch schon mal was.

03.10 Uhr, Abfahrt. Die entspannendste Zeit um zu fahren. Wenigstens dafür lohnt das frühe Aufstehen.
Der Verkehrsservice um halb vier in der „ARD-Hitnacht“ erzählt was von einer Unwetterwarnung. Eisregen, Schneefall irgendwo in Deutschland. Ich bin bei München, hier ist alles gut. Selbst der leichte Regen hat aufgehört. Darauf den zweiten Kaffee.

06.38 Uhr, Zeit für ne erste Pause. Die mach ich auf dem Autohof bei Geiselwind. Ich geh duschen und hole mir zwei belegte Brötchen in der Metzgerei.

07.12 Uhr, weiter geht’s. Apropo Geiselwind und A3. Bis auf zwei kurze Baustellen bei Erlangen und Höchstadt ist die fertig ausgebaut. Freie Fahrt auf drei Spuren bis Aschaffenburg. Geil

8.10 Uhr, knapp viereinhalb Stunden Fahrzeit. Wird also Zeit für die zweite halbe Stunde Pause. Die mache ich auf einem Parkplatz bei Marktheidenfeld.
Lehne vom Sitz zurück, Augen zu.

11.00 Uhr, in einem Dorf bei Wetzlar ist mein erster Kunde. Zehn Paletten bekommt der. Ich melde mich an. Die Frau in der Annahme sagt völlig schuldbewusst, „Oh, Sie haben aber zwei andere Lkw vor sich. Das kann etwas dauern“. Aber die Dame kann ja nix dafür.
Sie telefoniert mit dem Staplerfahrer, der verspricht, mich noch vor der Mittagspause abzuladen. Läuft doch.

12.02 Uhr, hat geklappt. Jetzt zum zweiten Kunden nach Siegen.
Ich sag ja immer, wäre Siegen noch in Hessen, wäre Kassel nicht die hässlichste Stadt Hessens.

12.56 Uhr, für die Firma in Siegen habe ich zwei Kisten geladen. Beide nicht sehr groß, jede wiegt etwas 800 Kilo. Türen auf, Hubwagen drauf, Kisten abladen lassen. Nach zehn Minuten ist alles erledigt.
Danach noch ein kurzer Plausch mit dem Staplerfahrer und dann Abfahrt. Einen Kunden hab ich noch.

13.44 Uhr, ich bin beim letzten Kunden. Der ist in einem Ort auch im Siegerland. Oder Wittgensteiner Land. Keine Ahnung.
Man muss aber aufpassen, wie man die Leute da bezeichnet. Hab mal in Bad Berleburg jemanden als Siegerländer benannt. Der wollte mir fast an die Gurgel. Ganz gefährlich.

Aber wie auch immer. Dort lade ich meine letzten Paletten ab. Das gleiche Spiel. Türen auf, Hubwagen drauf, der Staplerfahrer nimmt die runter.
Danach noch das bissel Papierkram erledigen und fertsch. Auflieger ist leer, ich bin zufrieden.

Morgen habe ich eine Ladestelle, die ist bei Korbach. Dort kann ich auch übernachten. Meine Fahrzeit reicht sogar noch bis dahin. Die Nacht verbringe ich also da.
Danach geht’s nach Hause, Wochenende.

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Richtgeschwindigkeit <75

Heute auf der Brennerautobahn, es war wieder ein Krampf. Die Osteuropäer oder Asiaten, wo sie auch immer herkommen, bei vielen ist bei 75km/h Schluss. Achtzig fährt von denen mittlerweile kaum noch einer.

Bis vor einigen Jahren, wenn es auf der Autobahn, also der Brennerautobahn, kacke lief, bin ich raus auf nen Rasthof gefahren, hab da eine viertel Stunde Pause gemacht, dabei einen Kaffee getrunken und weiter gefahren.
Danach hatte ich meist erstmal freie Fahrt.

Heute wenn es scheiße läuft, fahr ich runter, mach ne viertel Stunde Pause, fahr danach wieder auf die Autobahn.
Aber zack, hänge ich in der nächsten Kolonne, die mit 70, 75 dahin gurkt. Jedes Mal.

Weil es einfach nur noch ein Pulk ist. Es gibt kaum ein Stück, auf dem mal kein Lkw fährt. Ich frage mich echt, was ist hier passiert? Wo kommen die Lkw alle her, wo wollen die hin?
Italien ist doch eigentlich das Ende. Zumindest von Nord nach Süd. Gut, ein paar fahren vielleicht weiter nach Griechenland, aber die kann man vernachlässigen.

Was hier über den Brenner fährt, unglaublich. Und es ist ja nicht so, dass keiner durch die Schweiz juckelt. Oder über die Tauern.
Grad Schweiz, da bin ich das letzte Mal vor sieben Wochen durch, da war auch nicht gerade wenig Schwerverkehr unterwegs.

Apropo raus fahren. Vorhin am Brenner eine kurze Pause gemacht. Dabei an einer Möhre geknabbert, nebenbei aufs Regenradar geschaut, wie das Wetter in Deutschland ist.
Sehe ich, oh, Hannover orange, noch immer Eisregen. Dann schaue ich etwas genauer, war es nur ein Stückchen Möhre, welches auf dem Display vom Handy lag.
Oh je…

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Tag der männlichen Körperpflege

Gestern Tag des arbeitslosen Duftbaumes, heute Tag der männlichen Körperpflege.
Für mich heißt das: Ein ganz normaler Arbeitstag, nur mit dem leisen Gedanken, dass ich vielleicht doch mal nicht nur mit dem Waschlappen bei SaniFair hantiere.

In den USA läuft das Ganze unter „National Men’s Grooming Day“ und wurde 2007 von Kosmetikherstellern eingeführt. Wahrscheinlich, weil sie gemerkt haben, dass Männer, besonders mit vielen Kilometern auf dem Tacho, manchmal sanfte Hinweise brauchen.

An diesem Tag soll Mann sich besonders mit seinem Körper beschäftigen und extra Zeit in die Pflege investieren.
Also nicht nur Zähne putzen zwischen zwei Touren, sondern auch mal Haut und Haare beachten. Dazu Fingernägel, Fußnägel, also alles, was sonst gern unter dem Motto „hält noch“ läuft.

Auch der Körpergeruch spielt eine Rolle. Laut Kalender darf der an diesem Tag ruhig mal verbessert werden, zum Beispiel mit Deo oder Duftmitteln.
Ich sag mal so: Nach acht Stunden im Führerhaus schadet das niemandem.

Nicht vergessen werden sollten außerdem Bartpflege und allgemeine Haarentfernung.
Ob das nun Rasierer, Trimmer oder einfach der entschlossene Blick in den Spiegel ist, bleibt jedem selbst überlassen. Hauptsache, man steigt am Ende wieder gepflegt in den Lkw und denkt sich: So, jetzt kann die nächste Tour kommen.

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