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Schlagwort: Zitat

Wir importieren Fahrer, statt Probleme zu lösen

Vom alten Haudegen Udo Skoppeck habe ich vor acht oder neun Tagen auf seinem Facebook-Profil ein Zitat gelesen.
Klar, deutlich, unmissverständlich. Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken:

Wir lösen keinen Fachkräftemangel, indem wir neue Menschen in alte Probleme stecken.

Udo Skoppeck (Fahreraktivist der ersten Stunde)

Der Grund dafür? Ich glaube, Udo hat auch auf diesen Artikel angespielt: Spedition rekrutiert ihre Mitarbeiter aus Burkina Faso.
Der ist Ende März in der Westfalenpost erschienen. Allerdings ein plus Beitrag, ohne Abo also nicht lesbar.


Der Fahrermangel ist unbestritten. Denn kaum eine Branche betont seit Jahren so anstrengend auftreibend, wie sehr ihr qualifiziertes Personal fehlt, wie die Logistik.
Nur statt mal konsequent zu hinterfragen, warum sich immer weniger Menschen für den Beruf „Lkw-Fahrer“ entscheiden, dreht sich die Debatte seit langem darum, woher neue Arbeitskräfte kommen könnten. Das ist nicht nur behaglich, sondern auch bequem.

Denn die zentrale Frage lautet doch nicht: „Wo finden wir neue Fahrer?“
Nee. Sondern eher: „Wieso will diesen Job unter den aktuellen Bedingungen eigentlich kaum noch jemand machen?“

Oder anders ausgedrückt, statt darüber zu sprechen, warum sich so wenige Menschen für diesen Beruf entscheiden, wird vor allem darüber nachgedacht, woher neue Arbeitskräfte kommen könnten.

Der Fachkräftemangel wird so zu einer Art Dauerzustand, der immer neue „Lösungen“ hervorbringt, ohne die eigentlichen Ursachen zu beheben.

Dabei sind diese Ursachen längst bekannt. Nämlich zum Beispiel eine hohe Arbeitsbelastung, unattraktive Arbeitszeiten, mangelnde Wertschätzung und oft auch fehlende Perspektiven.
Solange sich daran nichts ändert, wird jede noch so kreative Rekrutierungsstrategie ins Leere laufen.

So bleibt jede Lösung ein Provisorium. Klar kann man natürlich neue Arbeitskräfte gewinnen, aus anderen Regionen, aus anderen Ländern, von anderen Kontinenten.
Aber wenn sie in ein System kommen, welches viele vorher schon verlassen haben, was genau soll sich dadurch eigentlich verbessern?

zwei Lkw Renault stehen auf einem Parkplatz. Deren Fahrer kommen aus vielen Ländern.
Fahrer aus aller Herren Länder und ihre Maschinen

Aber ich glaube, da schwingt oft die Erwartung mit, dass „andere“ vielleicht eher bereit sind, diese Bedingungen zu akzeptieren. Vielleicht, weil sie weniger Alternativen haben.
Und genau da wird es für mich bedenklich. Denn dann reden wir nicht mehr nur über Fachkräftemangel, sondern auch über ein Ungleichgewicht, das sich Arbeitgeber zunutze machen.

Genau hier liegt das Problem

Ich meine, ein nachhaltiger Ansatz beginnt bei den Grundlagen. Nämlich gleiche Rechte für alle Beschäftigten, faire und transparente Löhne, verlässliche Verträge und Arbeitsbedingungen, die diesen Namen auch verdienen.

Denn am Ende ist die Antwort eigentlich einfach: Eine Tätigkeit, die fair bezahlt wird, planbare Arbeitszeiten bietet und vielleicht auch ein bissel gesellschaftliche Anerkennung erfährt, wird Menschen anziehen, unabhängig von ihrer Herkunft.
Ein Beruf hingegen, der diese Standards nicht erfüllt, wird auch langfristig niemanden halten können, egal wo auf unserem Planeten die Suche nach Arbeitskräften organisiert wird.

Eigentlich sollte es doch egal sein, wo jemand herkommt. Entscheidend ist, ob die Arbeit so gestaltet ist, dass man sie machen will.
Und nicht nur, dass man sie irgendwie macht, weil man keine bessere Option hat.

Solange das nicht passiert, bleibt der Fahrermangel ein hausgemachtes Problem, welches man nicht mit neuen Menschen lösen kann, sondern nur mit besseren Bedingungen. Und da bin ich ganz bei Udo.

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Schlaue Dialoge

Letzte Woche sitz ich im Auto mit nen Kiffer. Mitfahrgelegenheit, ich hab den mitgenommen. Zwei Stunden kein Wort. Chillt einfach nur, guckt aus dem Fenster.
Dann irgendwann aus dem Nichts, guckt der mich an und meint so: „Ey, kennste das? Wenn Du auf der Straße fährst und du hast freie Fahrt und auf der anderen Seite ist Stau?“

Ich sag „Joa“. Und er so: „Das macht mich irgendwie glücklich.“
„So Brudi, hast Du da jetzt zwei Stunden drüber nachgefacht?“

Alter wo die ihr Glück herholen, er steht morgens auf und denkt, oh, dass wird ein krasser Tag. Ich sitz den ganzen Tag in der Karre, ich hoffe, die anderen haben Stau.

Michael Jäger, Comedian, aus seinem Programm „Unfallkind“

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Schlaue Zitate

Meine Welt besteht aus meilenlangen endlosen Straßen, die Spuren von zerbrochenen Träumen hinter sich herziehen.

Chris Rea, Sänger und Komponist, im Song „The Blue Cafe“ aus dem gleichnamigen Album

Hi Chris,

Du kanntest mich nicht. Ja, Du wusstest nicht einmal, dass es mich gibt.

Trotzdem haben wir viele Stunden zusammen hinter dem Steuer verbracht.
Hast mir gezeigt, was Freiheit bedeutet und trübe Stunden vertrieben. Du warst ein toller Beifahrer.

RIP Chris Rea

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Schlaue Zitate

Wie zum Teufel kann ein Mensch es genießen, um 6:30 Uhr morgens von einem Wecker geweckt zu werden, aus dem Bett zu springen, sich anzuziehen, sich zum Essen zu zwingen, zu kacken, zu pissen, Zähne zu putzen und im Verkehr zu kämpfen, um an einen Ort zu gelangen, wo man im Wesentlichen viel Geld für jemand anderen verdient und gebeten wird, dankbar dafür zu sein?

Charles Bukowski (1920 – 1994), deutschamerikanischer Dichter und Schriftsteller

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Schlaue Dialoge

Wo kommen Sie her?
Überall. Und Nirgendwo.

So ist Amerika eben. Aber Sie leben hier schon sehr lang. Wo wohnen Sie?

Na hier Sir. In meinem Truck.
Ich verstehe. Mein Auto ist auch sehr oft ein Bett. Stört mich nicht. Einsamkeit ist schön.

Dialog zwischen Juliette Binoche und Morgan Freeman im Roadmovie „Paradise Highway – Straße der Angst“.

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Schlaue Zitate

Wenn du kein Erbgeld hast, wenn du nicht in irgendeine Bildungssituation gekommen bist, um Sachen sozusagen rational permanent zu durchschauen, sondern immer jeden Tag an deinem Leben dran bist, dann bist du einfach irgendwann hart gefrustet, weil du irgendwann merkst, dieses Versprechen des Kapitalismus, dass ist eigentlich gar nicht erreichbar.
„Ich werde ja nie reich werden, ich werde nie zu Wohlstand kommen. Die verarschen mich.“ Also das sind ja grundehrliche Gefühle, die erst mal einsetzten.

Und da sitzt so eine populistische… oder populistische Parteien, haben wir ja seit diesem Jahr mehrere, da greifen die mit ihren Armen rein, wie in so einem „Herr der Ringe“ Film, und ziehen dich umher.
Das ist dieser Monster-Moment, wo die sagen: „Wir protestieren mit dir dagegen.“

Carsten Johannes Marcus „Charly“ Hübner, *1972, deutscher Schauspieler, Regisseur und Hörbuchsprecher in der ARD-Sendung „Käpt’ns Dinner“ mit Michel Abdollahi

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Schlaue Zitate

Das Kostenniveau der osteuropäischen Speditionen ist so niedrig, da kann kein bayerisches b.z.w. deutsches Transportunternehmen mithalten. Zwar sind die Arbeitsbedingungen wie auch die Fahrerlöhne bei deutschen Transportunternehmen in der Regel signifikant besser.
Dennoch greifen zahlreiche deutsche Unternehmen aus Industrie und Handel bei den billigeren osteuropäischen Angeboten zu, obwohl ihnen mittlerweile bekannt sein müsste, welche Arbeitsbedingungen dort herrschen.

Diese Art der Wettbewerbsverzerrung kann nicht unser Verständnis von einem freien Europa sein.

Stefan Doppelhammer, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) e.V.

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Aber, und da müssen wir jetzt mal alle ehrlich sein. Ich glaube, am Ende ist das alternativ Antriebthema zum aktuellen Zeitraum ein Thema für Großflotten, für Großspediteure, für Verlader und vielleicht für Werkverkehr, wo man sagt, ok., ich stelle mal ein eigenes Produkt her und fahre das intern von A nach B oder zum Kunden.

Für alle oder die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmer ist der finanzielle Spielraum ja gar nicht da zu sagen, ich investiere hier mal ne viertel oder halbe Million in Elektroladesäule, in Infrastruktur, um dann teure Fahrzeuge zu kaufen.

Spediteur Max Menninger in einem Podcast „Funkkontakt“, Folge 20

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