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Kategorie: Gedanken

Festland unter den Rädern

So. Der Kontinent hat mich wieder. Diese zweieinhalb Tage in England waren schon cool.
Auch wenn der Verkehr krass ist. Auf der M25 um London rum, war ich heute früh um kurz nach fünf. Da lief es zwar noch flüssig, aber der Verkehr war da schon heftig. Auch auf der M1. Die führt von London Richtung Norden. Trotz drei bis vier Spuren in jede Richtung ging da streckenweise kaum noch was. Aber von Hektik oder Nervosität der Autofahrer, war da kaum was zu merken.

Im Gegenteil. Kaum hatte ich mal den Blinker gesetzt, gab mir einer die Gelegenheit, die Spur zu wechseln. Drängeln habe ich da drüben kaum erlebt. Auch die Leute, mit denen ich zu tun hatte. Alle nett und freundlich.
Funktioniert auch. Unglaublich.

Linksverkehr

Jetzt stehe ich auf einem Rasthof bei Brüssel. Morgen früh gegen drei geht es weiter. Wird nochmal ein langer Tag. Erst in der Nähe von Giessen entladen und dann bekomme ich im hessischen Hinterland Ware für Italien. Die Routine ist wieder da.

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Fast ein Unfall

Einige von Euch haben diese Woche sicher das Video gesehen, in dem ein unachtsam hinter einem Schulbus die Straße überquerendes Kind fast von einem Lkw erfasst wird. Die Sache ist bekanntlich gut ausgegangen, weil der Laster rechtzeitig zum stehen kam.

kind wird fast vom lkw erfasst

Für viele stellt sich jetzt die Frage, ob der Fahrer so schnell reagiert hat oder ob er von einem Bremsassistenten unterstützt wurde. Da hat Volvo aber ziemlich schnell klar gestellt, dass Fahrzeuge wie der FH zwar mit einem Kollisionswarner inklusive Notbremsassistent ausgestattet sind, dieses System jedoch aktuell nicht auf Fußgänger reagiert. Also hat der Fahrer selbst gebremst.

So. Nachdem das jetzt auch geklärt ist, kann man unter solchen Meldungen einen Schlußstrich ziehen. Zumindest in diesem Fall:

Tweet vom WDR Aktuelle Stunde Fakenews

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Kaputte Straßen und Mihail, der zu alt ist und nix versteht

Die A 20 brach entzwei. Ist die Straße der Einheit etwa verflucht? Gabriel Kords über den Bruch der Ostseeautobahn.

Mihail aus Craiova bekommt von seinem Chef die Anweisung, 22 Tonnen Stahl zu laden. Ganz am Ende der WhatsApp-Nachricht entdeckt er die Ladeadresse mit dem Hinweis, er wäre angemeldet und die Leute dort wüssten bescheid. In der Firma angekommen, zückt er sein Handy und hält es dem Versandmitarbeiter unter die Nase. Der hat natürlich keine Ahnung, was Mihail laden soll und fragt ihn nach Ladenummer und Lieferadresse. Die Antwort ist ein stummer Blick und Schulterzucken. Mihail versteht kein Wort.

Ich habe keine Ahnung, wie viele Male täglich so etwas passiert. Aber wohl so oft, dass Firmen sich mittlerweile genötigt fühlen, deutsche Frachtführer darauf hinzuweisen, den Fahrern klare Anweisungen zu erteilen. Oder halt Deutschunterricht:

„Die Fahrer die der deutschen Sprache mächtig sind wären herzlich willkommen. Man merkt dass wir auch viele ausländischen Fahrer schicken die sich gar nicht verständigen können. Und nicht wissen wohin sie laden wollen. Daher unbedingt den Fahrern den Ort mitteilen. Damit könnten die Aufträge zusortiert werden. (aber es ist bekannt, da alle anderen Speditionen auch keine deutschen Fahrer schicken)“.*

*Danke an Speditionskaufmann Björn-Malte für den Hinweis.

Noch etwas erheiterndes aus Sardinien. Der Kamerad versuchte mehrmals, durch diese Einfahrt zu kommen. Trotz mehrmaligen Anlauf klappte es natürlich nicht. Die Strohballen gaben kaum nach. Erst als vom innern des Hofes lautes Geschrei ertönte, gab der Fahrer auf. Wie die Geschichte letztlich ausging, weiß ich nicht. Ich ging dann weiter.

Zu hoch geladen mit Stroh

Allein am Dienstag letzter Woche wurden nur in Thüringen zwei Lkw-Fahrer wegen offensichtlich starker gesundheitlicher Probleme aus dem Verkehr gezogen. Beide Fahrer seien über 60 Jahre alt und der anstrengende Job als Lasterfahrer wohl nicht ohne Spuren an ihnen vorbei gegangen, teilt die Polizei einen Tag später mit.

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Urlaub, Vereine und Erinnerungen

Raus aus dem Flugzeug, Rucksack vom Gepäckband geholt, rein ins Auto. Und schon im ersten Stau gestanden. Freitagnachmittag auf der A 5 bei Frankfurt. Oder auch Willkommen in Deutschland. Was für ein Unterschied zu der Woche auf Sardinien. Der Gegensatz zwischen Entspanntheit und Hektik kam mir selten so krass vor.

Eine Woche vorher. Abflug in Frankfurt. Hinein in ein seltsames, verschwommenes Blau. Knapp zwei Stunden später Ankunft in Cagliari. Der Himmel darüber war klar und blau. Ach was untertreibe ich. Blau, blau, blau. Auch hier. Raus aus dem Flugzeug, Rucksack vom Gepäckband geholt, ab zum Autoverleih. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Rein in den Mietwagen und weg vom Flughafen. Die Fahrt zum Hotel nicht über die Schnellstraße, sondern abseits über ruhige Nebenstraßen. Spätestens jetzt einen Gang runter geschaltet. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen.

Schon hier das Gefühl, dass Sardinien die Insel ist, die ich immer wieder besuchen werde. Egal ob traumhafte Buchten, die Stille in den Bergen oder das treiben in den Städten und Dörfern. Überall fühlte ich mich wohl. Die Treffen mit einem alten Freund, den ich seit über dreißig Jahren kenne, taten ihr übriges. Obwohl wir uns nur selten sehen, war es wie immer. Schwatzen, lachen, sich gut fühlen. Eigentlich das, was zählt.
Aber gut. Ich will Euch nicht mit irgendwelchen Reiseerlebnissen nerven. Das können andere besser.

Seine Fahrer zwingen, Gesetze zu überschreiten, ist dumm. Die Zeiten, wo Brummilenker gesucht werden, sind vorbei. Irgendeiner macht diese Gülle glücklicherweise nicht mit und informiert die Behörden. Gut so: Emsländischer Fleischtransporteur zwingt Fahrer zu überlangen Touren

Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Auch in der Autoindustrie: Umbruch in der Autoindustrie. Die Angst vor dem Jobkahlschlag.

Letztes Jahr war ich 2. Kassenprüfer in einem Verein. Ehrenamtlich versteht sich. Der 1. Kassenprüfer, ich nenne ihn mal Alex, hat sich mittlerweile im Streit aus diesen Verein verabschiedet. Warum es so weit kam, wissen andere besser. Ist nicht mein Bier.

Abschied heißt aber nicht vergessen. Vor einigen Wochen hat er einigen Mitgliedern dieses Vereins – nicht allen, auch nicht mir – eine Stellungsnahme auf schönsten Briefpapier zukommen lassen. In diesem Brief beschuldigt er der Vereinsführung eine unsaubere Buchführung. Es geht dabei um sechs Ausgaben mit einer Gesamtsumme von EUR 325,80. Ich als 2. Kassenprüfer konnte das nach Rücksprache mit dem 2. Vereinsvorsitzenden nicht nachvollziehen und habe Ihm, also Alex, das auch so mitgeteilt. Bei der Jahreshauptversammlung im März diesen Jahres war ich aus beruflichen Gründen nicht anwesend. Aber Alex. Der jetzt von Ihm beanstandete Kassenbericht, wurde damals von den anwesenden Vereinsmitgliedern einstimmig entlastet. Also auch mit der Stimme von Alex.

Aber nochmal zu seinem Brief. Darin erwähnt er logischerweise auch mich.

Auszug aus Brief

Klar war diese Prüfung mit mir abgesprochen. Mit dem Ergebnis, dass ich – wie bereits erwähnt – nach Rücksprache keine Fehlbuchung erkennen konnte. Natürlich nur als Amateur. Eine Bitte, den Kassenbericht ein wenig abzuschwächen, habe ich nie geäußert. Warum auch.
Aber es kommt noch besser. Im Vorfeld der JHV besprach Alex diesen Kassenbericht mit einem normalen Mitglied dieses Vereins. Zu diesem Zeitpunkt war das scheiße und genauso sagte ich das auch Alex. Aber das versteht er bis heute nicht, denn seine Gründe dies getan zu haben, sind ja noch immer anders. Irgendwie nebulös:

Brief Auszug

Zum Schluß kommt Alex zu folgender Feststellung:

Auszug aus Brief

Ob die Erklärung eines gemeinnützigen Vereins von Steuerberater und Finanzamt einfach so durch gewunken wird, mag ich nicht beurteilen. Bezweifeln darf ich es aber. Vielleicht beruht diese Äusserung aber auf persönliche Erfahrungen von Alex. Das widerum wäre aber irgendwie traurig.

Noch einmal Sardinien: Mitten in den Bergen, nördlich von Cagliari, steht das drittgrößte Radioteleskop Europas: Das Sardinia Radio Telescope. Im Dezember 2009 durfte ich für das Teil Stahlträger anliefern. Damals war es noch im Bau und sah so aus:

Sardinia Radio Telescope 2009

Letzte Woche kam ich eigentlich nur durch Zufall wieder dort vorbei. Speziell gesucht habe ich es nicht. Aber wenn schon da, musste ich natürlich ein Foto machen. So sieht es heute aus:

Sardinia Radio Telescope 2017

Es war schon cool, nach fast acht Jahren mal wieder da zu sein und die Veränderungen zu sehen. Und wenn ich an die Anfahrt damals denke. Keine richtige Adresse, sondern nur den ungefähren Ort gewusst. Die Straßen da hoch ziemlich eng, in jedem zweiten Dorf durch das ich kam, Anwohner gefragt. Aber ich kam auch an mein Ziel.

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Arbeiter, Urlaub, Parkplätze. Alles fehlt.

Momentan schleicht die Zeit nur so dahin. Liegt vielleicht auch daran, dass ich meinen Urlaub herbei sehne. Ein dreiviertel Jahr ohne, ist viel zu lang. Nächstes Jahr werde ich das wieder ändern. Dann mache ich schon im Mai zwei Wochen frei. So umgehe ich auch zwei Feiertage, die ich sonst hätte draußen verbringen müssen. Problem gelöst.

Paketdienstfahrer gesucht

Ganz andere Probleme haben Transportunternehmer und die Versandbranche. Obwohl, auch die sind hausgemacht. Gemeint ist der Fahrermangel. So werden Paketdienstfahrer gesucht. Händeringend. Nur wen wundert das? Wer will sich schon wie der letzte Sack behandeln lassen?

Dabei war es doch eigentlich vorauszusehen. Paketversender verlagerten den Transport an Sub- und Subsubunternehmer aus, große Händler versenden kostenlos, selbst die Rücksendung kostet nichts. Und wenn diese Subunternehmer an den Autos nicht mehr viel sparen können – weil die oft eh schon aus dem letzten Loch pfeifen – dazu die Qualität der Dienstleistung auch nicht mehr gedrückt werden kann, geht man eben dem Personal ans Geld. Besonders bedrückend ist die Welle an Altersarmut, die auf die Betroffenen zukommt.

Warum werden diese Kurierfahrer nicht anständig bezahlt und auch die Überstunden vergütet? Klar, dazu müssten auch die Versandgebühren für den Onlinehandel steigen. Das Rücksenden umsonst ist dann wohl auch nicht mehr drin. Vielleicht gehen dann wieder mehr Menschen „offline“ einkaufen. So werden Arbeitsplätze im Einzelhandel geschaffen und die Innenstädte werden wieder belebt. Eine Win-Win-Situation, ist doch toll.

Aber solange nur oberflächlich Anteilnahme geheuchelt wird und es danach wieder zur Tagesordnung übergeht, oder eben zum Online-Shopping, wird sich daran nichts ändern. Und wehe der Bote kommt dann auch noch, wenn man gerade nicht da ist…

Einen Fachkräftemangel gibt es aber bekanntermaßen auch bei den großen. Gerade letzte Woche hat der DSLV (Deutscher Speditions- und Logistikverband e.V.) darauf hingewiesen. Einige Ursachen hat der Verband auch parat: Parkplatzmangel, die vorhandenen sind dazu unsicher und oftmals schlecht ausgestattet. Dann der sehr schlechte persönliche Umgang an den Be- und Entladerampen und auch das gesetzliche Verbot zur Übernachtung in der Fahrerkabine während der Ruhezeit.
Die letztere genannte Ursache ist bestimmt kein Grund. Im Gegenteil. Verboten ist nur das Übernachten im Fahrerhaus, während der regulären wöchentlichen Ruhezeit. Das heißt, die verkürzte Ruhezeit von 24 Stunden darf jeder Fahrer weiterhin in seiner Hütte verbringen. Nur eben die reguläre von 45 Stunden nicht. Und die steht eh nur alle zwei Wochen an.

Aber auch hier gilt: Nur die Unternehmer können für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Das Fahrermangel die Versorgungssicherheit gefährdet, interessiert mich als Fahrer am wenigsten. Genauso wie es große Logistiker interessiert, wie ich als Fahrer unterwegs behandelt werde. Es zählt nur der Profit. Muckt ein Fahrer irgendwo auf, zieht i.d.R. er den kürzeren. Der Kunde hat immer recht.
Von seinem Arbeitgeber bekommt ein Fahrer vielleicht noch Rückendeckung. Doch dem eigentlichen Auftraggeber, häufig ein großer Logistiker, interessiert nur der Kunde.

Warum es Leute gibt, die unter diesen Bedingungen arbeiten?

Die Transportbranche ist zum Niedriglohnsektor verkommen. Warum es trotzdem Leute gibt, die unter diesen Bedingungen arbeiten? Die Antwort ist einfach: Weil viele keine Wahl haben. Aber genau das ist auch politisch gewollt. Hauptsache die Leute arbeiten und liegen nicht faul rum. Nur wer sorgt denn für den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland? Mit dieser Lohnsklaverei ruinieren die nicht nur unser Land, sondern ziehen Europa mit in den Abgrund.
Und da wundert man sich, daß immer mehr Fahrer kaum noch ein Wort Deutsch sprechen? Wäre der eiserne Vorhang wieder da, würden umgehend große Teile von Dienstleistungsjobs wie Gastronomie, Pflege und Versand- sowie Speditionsbranche zusammenbrechen.

Aber genau hier ist die Politik in der Pflicht. Der Schutz der Bürger ist in den letzten Jahren auf Kosten von Profit und Lobbyismus nur noch vernachlässigt worden. Der einfache Mensch wird im Wahlkampf umgarnt, danach ist vieles vergessen. Im Hintergrund lachen sich die Bosse der Konzerne ins Fäustchen, denn niemand macht ihnen ihre Gewinne streitig, die ihnen aus der Ausbeutung ihrer Mitbürger erwachsen.

Die „Augsburger Allgemeine“ titelte letzte Woche „Die tägliche Not auf den A8-Parkplätzen„. Wer von diesem Thema betroffen ist, liest nichts wirklich neues. Sätze wie „Wer einen Stellplatz für die Nacht gefunden hat, darf sich glücklich schätzen“ oder „Problem wird sich in den kommenden Jahren verschärfen“ habe ich schon zig mal gelesen. Im Endeffekt werden wir Fahrer mit diesem Problem allein gelassen. So sieht es leider aus.

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Gastbeitrag: Ein System der Angst

Deutsch­land­weit und in ganz Europa steht die Transportbran­che mit dem Rücken zur Wand, und das nicht ohne Grund. Billigstar­bei­ter aus Ost­eu­ro­pa und Asien sind in in den Fahrerhäusern der Fernlaster längst keine Seltenheit mehr. Ihre Ar­beits­be­din­gun­gen und Löhne sind mi­se­ra­bel.

So auch in den Betrieben der Globalplayer und Großlogistiker: Die Firmen geben große Teile des Be­trie­bes in die Hände von Sub­un­ter­neh­mern, womit diese selbst nicht mehr die Ver­ant­wor­tung für die dort Be­schäf­tig­ten trägt. Die Ar­beits­be­din­gun­gen in die­sen Sub­un­ter­neh­men sind ver­hee­rend: 10-18 Stun­den-Schich­ten, mi­ni­ma­le Löhne, keine Ar­beits­ver­trä­ge und Kran­ken­ver­si­che­run­gen, man­gel­nde Schutz­klei­dung, völ­li­ge Iso­la­ti­on von der Au­ßen­welt.

Täg­li­cher sozialer- und Arbeitsdruck der Be­trof­fe­nen schaf­fen ein Sys­tem der Angst, aus dem sie sich meist selbst nicht mehr be­frei­en kön­nen. Der Gang zu einer Behörde oder zum Arzt wird schlichtweg un­ter­sagt, indem die Betroffenen gar nicht erst in die Nähe Ihres Lebensmittelpunktes disponiert werden. Eine soziale Ver­bin­dung zur „Au­ßen­welt“ und zur eigenen Familie wird somit nahezu un­mög­lich gemacht. …

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Liebe Journalisten…

…ihr habt alle studiert, damit Ihr Euren wichtigen Beruf ausüben dürft. Ihr wisst, worauf es bei einem Artikel ankommt, wie man Leser auch das entfernteste Szenario miterleben lassen kann. Ich habe da wirklich Respekt davor.

Schon als Heranwachsender habe ich gerne die Lokalzeitung gelesen, welche meine Eltern aboniert hatten. Die hieß „Das Volk“ und war das „Organ der Bezirksleitung Erfurt der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands„. Die Politikseiten wurden meist ignoriert, wen interessierten schon die Beschlüsse des X. Parteitages.
Interessant waren hauptsächlich die Lokalseiten und der Sportteil. Wie fieberte ich jedesmal mit, wenn die olympischen Heldentaten unserer Sportler gefeiert wurden oder wie enttäuscht war ich über den Spielbericht meiner Rot-Weißen aus Erfurt, wenn es selbst gegen Stahl Brandenburg nur zu einem Unentschieden reichte.

Aber das ist lange her. „Das Volk“ nennt sich nun „Thüringer Allgemeine„, Rot-Weiß Erfurt verliert jetzt gegen Paderborn und den politischen Teil? Den lese ich mittlerweile regelmäßig. Von der Pressevielfalt mal ganz abgesehen. Es gibt einige große überregionale Blätter und noch mehr kleine, lokale Zeitungen. Die lese ich noch lieber. Diesen Einblick in die Gegend in der ich gerade bin, mag ich. Man merkt, wie die Menschen in der Region ticken, was die umtreibt.

Natürlich muss das auf Papier geschehen und nicht auf einem Tabletcomputer. Eine Zeitung vor mir hat etwas gemütliches. Die Augen über die Beiträge wandern zu lassen ist viel entspannter, als von Artikel zu Artikel scrollen zu müssen. Dazu das Gefühl, die Druckerschwärze noch riechen zu können. Das ist kaum zu ersetzen.

Trotzdem hat das digitale Zeitalter auch einen Vorteil. Man kann praktisch jede Zeitung lesen, egal wo man ist. So bringt mir die „TA“ immer meine Heimat nahe. Aufs Wochenende zu warten, um von einem Unfall vor meiner Haustür zu erfahren, gehört lange der Vergangenheit an.
Ebenso andere schreckliche Berichte. Heute kann ich in Bologna lesen, wenn es auf der A2 bei Gütersloh einen Auffahrunfall mit drei Lkw gegeben hat. Spannende neue Welt.

Oder ich lese bei Verona, dass auf der A4 bei Bad Hersfeld eine „tickende Zeitbombe“ aus dem Verkehr gezogen wurde. Mit mangelnder Ladungssicherung, technisch miserablen Zustand und völlig überladen mit zwei riesigen Baumaschinen.
Bei den zwei erstgenannten Vergehen stimme ich zu. Das funkioniert so nicht. Diese Art von Ladung gehört auf einen Tieflader, gesichert mit Ketten. Und das der Auflieger alles andere als verkehrssicher ist, dürfte dem Bericht zufolge auch klar sein.

Beitrag Bild HNA Bagger

Was aber auch nicht funktioniert, ist der Artikel an sich. Schon diese Art von Überschrift bin ich normal nur von der „BILD“ gewohnt. Aber „tickende Zeitbombe“ klingt halt spektakulärer, als „Lkw bei Kontrolle still gelegt„. Der Leser muss halt gelockt werden.
Auch der Rest hat wenig mit seriöser Berichterstattung zu tun:

Auf der Ladefläche des Sattelaufliegers standen zwei riesige Baumaschinen (21 Tonnen), die nur mit Spanngurten und nicht mit Ketten gesichert waren.

Das mit Gurten und Ketten ist in Ordnung. Habe ich ja schon geschrieben. Nur wo sind die zwei riesigen Baumaschinen? Wenn überhaupt, sehe ich nur eine. Den Bagger. Auf dem Bild in dem Bericht erkennt man an der Stirnwand ein kleineres Teil. Keine Ahnung was das ist. Auf jeden Fall nicht riesig.

Die Polizei hat bei Friedewald einen völlig überladenen Lastwagen von der A4 geholt. Der Druck auf die Räder war so groß, dass der Straßenbelag eingedrückt wurde.

Völlig überladen mit 21 Tonnen? Der nächste Quark. Da wäre der Lkw den ich fahre, dauernd zu schwer. Ist er aber nicht. Wenn die mittlere der drei Achsen des Aufliegers wirklich mit Spangurten unter dem Auflieger fest gezurrt wurde, war vermutlich die Achslast etwas überschritten. Ist auch Gülle, aber was ganz anderes.
Das der Straßenbelag eingedrückt wurde, liegt vermutlich an dessen schlechten Zustand auf dem Kontrollplatz und daran, dass der Lkw zu eng um die Kurve ziehen musste.

Noch eine Anmerkung zum Schluß:

…und ein Teil der Befestigung der Bordwand entfernt werden

Was für eine Bordwand? Diese Auflieger haben keine Bordwände. Wenn doch, habe ich meine irgendwo verloren. Scheiße!

Es ist mir klar, dass Redaktionen sparen müssen und deshalb Beiträge gekauft werden. Das dabei nicht jede einzelne Meldung überprüft, sondern einfach übernommen und veröffentlicht wird, ist aber nicht so toll. Da fühle ich mich als Leser ein wenig veralbert.

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Leben auf der Strasse

Habe ich es eigentlich schon erwähnt? Nein? Dann halt jetzt: Es sind noch 55 Tage bis zu meinem Urlaub. Einen Teil davon verbringe ich – natürlich – auf Sardinien. Und jetzt kommt mal ein sentimentaler Ausbruch. Ich freue mich tierisch darauf. Aber das soll reichen…

Am Freitag letzter Woche war Helmpflicht angesagt. Also in einem Stahlwerk laden, nur mit Helm auf dem Kopf. Da ich das Ding selten brauche, liegt der im rechten Aussenstaufach ganz hinten. Noch hinter dem Koffer mit Augenspülflasche, Schutzbrille, Handschuhe und Gummistiefel. Unter dem Koffer liegen die Feuerlöscher, davor der Eimer mit Streugut und Spaten.
Um an den Schutzhelm zu kommen, darf ich alles raus räumen. Eigentlich kein Problem. Nur bei Regen muss es schnell gehen.

An diesem Freitag regenete es natürlich in Strömen. Beim späteren einräumen achtete ich nicht darauf, ob alles sicher verstaut wurde. Ich wollte nur schnell ins trockene. Der Helm lag irgendwo mittendrin, die Feuerlöscher auf dem Gefahrgutkoffer.

Aus den Augen, aus dem Sinn

So kam es dann auch. Ich dachte echt nicht mehr daran, die Flaschen sicher zu verstauen. Irgendwann diese Woche löste sich an einem Löscher der Sicherungsstift und am Donnerstagmittag passierte es dann. Ich fuhr durch einen Kreisverkehr, der Feuerlöscher rutschte gegen die Innenseite der Klappe des Staufaches und…

…scheiße. Der Inhalt eines sechs Kilo-Pulverlöschers verteilte sich laut zischend im Staufach und im Fahrerhaus. Das Zeug kam durch jede Ritze.

Die Sauerei ist nicht zu beschreiben. Es sah aus, wie nach einem Wintereinbruch. Alles weiss. Ich mache es mal kurz: Den Luftanschluss im Führerhaus habe ich noch nie so gemocht. Den größten Teil des Pulvers konnte ich damit raus blasen. Der Rest war und wird putzen. Gestern habe ich schon über drei Stunden damit verbracht und obwohl die Hütte wieder augenscheinlich sauber ist, werde ich auch die nächsten Wochen damit zu tun haben. Das Zeug ist so fein, es wird dauern, bis es weg ist.

Wie gut, dass ich privat einen Diesel von Saab fahre. Da komme ich nicht in Versuchung, mir einen Golf kaufen zu müssen. Was aber eh nie passiert wäre.

Dobrindt will golf kaufen
Quelle: Twitter

Der Beitrag über mich in der “Frankfurter Allgemeine Woche” ist jetzt auch online erreichbar. Wer möchte, kann diesen hier lesen >>>
Die Angst, vom Zeitungsverkäufer eine verzerrte Selbstwahrnehmung attestiert zu bekommen, ist nun also unnötig.

Zum Schluß noch einmal das Thema „Urlaub“. Bisher bin ich mit einem Billigflieger nach Sardinien geflogen. Das lief so ab: Im März, April gebucht, dann bis Oktober nix mehr von denen gehört. Dieses Jahr dachte ich, probierst es mal mit „Condor“. Der Preis war auch ok. und fünf Kilo Mehrgepäck sind auch nicht zu verachten. Ausserdem fliegen die von Rhein/Main. Gegenüber Hahn ein großer Vorteil.
Komisch nur, dass die alle drei, vier Wochen eine eMail mit irgendwelchen Änderungen schicken. Erst ändert sich die Abflugszeit nach hinten, dann die Fluggesellschaft. Statt Condor, fliegt Bul Air, statt Bul Air fliegt Cobalt Air. Erst reserviere ich Sitzplatz 24F, dann bekomme ich 19F, jetzt habe ich 22A und 22F. Hoffentlich verlaufe ich mich nicht im falschen Flugzeug.

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