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Kategorie: Ärgerliches

RiCö – Teil 4

Vor einigen Wochen lief auf mehreren TV – Sendern eine Reportage über die Spedition RiCö. Dort präsentierte sich diese Firma als vermeintliches Vorzeigeunternehmen.

Was diese Firma und deren Geschäftsführung wirklich wert war, merkte man in der letzten Woche: geplatzte Schecks, gesperrte Tankkarten, in Zwangsurlaub geschickte Fahrer – Gläubiger und Polizei im Haus.

Alles andere als Vorzeigbar ist die Geschäftsführung: als würde sich die prekäre Lage nicht in Windeseile unter den Lkw – Fahrern und der gesamten Branche herumsprechen, versuchte man die Lage schön zureden.

RiCö ist zu schnell groß geworden, auch Dank einer aggressiven Preispolitik. Die Quittung dafür kam jetzt.

Leidtragende sind die Mitarbeiter, die sich einer ungewissen Zukunft ausgesetzt sehen.

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Strafen im Ausland

Deutschland ist im europäischen Vergleich ein Billigland. In den meisten Ländern gelten viel härtere Bußgeldkataloge.

So zahlte ich z.B. in Bozen 74 Euro, weil ich nach dem Weg fragen mußte und dabei (angeblich) mit dem Auflieger meines Lkw auf einem Fussgängerüberweg stand und den Verkehr behindern würde.
Dies war definitiv nicht so (zumahl das „nach dem Weg fragen“ nicht mal eine Minute dauerte), aber Diskussionen bringen da nichts.

Entweder man zahlt an Ort und Stelle oder die Fahrzeugpapiere werden einbehalten und können (natürlich nach Zahlung der Strafe) auf dem zuständigen Polizeirevier abgeholt werden.
Wie man dorthin kommt oder dieses überhaupt findet – keine Antwort dieser Stadtpolizisten aus Bozen…

Oder folgende Begebenheit aus dem norditalienischen Pordenone:

Ich sollte 3 Heizkessel auf einer Baustelle entladen. Das Problem: Diese Baustelle befand sich mitten im Ort in einer relativ schmalen Strasse.

Um kurz nach 11.30 Uhr kam ich an dieser Baustelle an. Schon hieß es, dass man vor der Mittagspause nicht mehr mit dem Entladen beginnt. Im Normalfall wäre es mir egal gewesen, nur dort blockierte ich die ganze Strasse.
Trotzdem war nichts zu machen.

Ich stellte den Lkw soweit wie möglich an den linken Strassenrand, so das Pkw ohne Probleme vorbeifahren konnten.

Trotzdem passte das wohl einem nicht, so das nach etwas mehr als einer Stunde die Polizei erschien. Nun begann das übliche Getue: Führerschein und Fahrzeugpapiere aushändigen, dann Fragen beantworten (wieso ich hier stehe, was ich hier tue), Feststellungen treffen (ich stehe im Parkverbot und in einer für Lkw gesperrten Strasse) u.s.w.
Das ist irgendwie überall gleich…

Dann begannen Diskussionen, die sich über mehr als 2 Stunden hinzogen. Weder der Bauleiter noch ich waren bereit, die Strafe von rund 150 Euro zu zahlen.

Warum sollte ich auch – diese Heizkessel waren für diesen Neubau bestimmt, also mußte ich in diese Strasse. Eine Umlademöglichkeit an einem „besseren“ Ort gab es nicht.

So wurde diskutiert und noch mal diskutiert und wieder diskutiert – der Bauleiter mit mir, ich mit den Polizisten, die mit Ihrer Dienststelle, die Dienststelle mit dem Vorgesetzten des Bauleiters, der mit dem Auftraggeber, der Auftraggeber mit meinem Disponenten, der wieder mit mir u.s.w.

Nach etwas mehr als 2 Stunden erschien dann ein weiteres (größeres) Polizeiauto mit 6 (in Worten: sechs) weiteren Polizisten.

Nun wurde es richtig interessant: mir wurde angedroht die Fahrzeugpapiere einzuziehen und den Lkw zu beschlagnahmen und diesen erst gegen eine Kaution von rund 60 000 Euro wieder herauszugeben.
Es sei denn: ich zahle die Strafe von rund 150 Euronen…

Nun gut (um weiteren Ärger zu vermeiden), ging ich wieder zu meinem (inzwischen auserkorenen) Lieblingspolizisten und sagte Ihm, dass ich die Strafe zahle, aber erst zu einem Bankomaten gefahren werden müßte.

Nun ging alles ganz fix: die anderen sechs Polizisten zogen mit Ihrem Polizeibus wieder ab, ich auf den hinteren Hartschalensitzen des Polizeifiats Platz genommen und ab ging die Fahrt durch halb Pordenone.

Am Automat Geld geholt, gleich die Strafe bezahlt und wieder zurück zum Lkw (freundlicherweise wieder im Polizeifiat).

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RiCö – Teil 3

Gestern hat die Spedition RiCö beim Amtsgericht Osterode Insolvenz angemeldet.
Ricö bestätigte diese Angaben am Nachmittag in einer Pressemitteilung. Der geschäftsführende Gesellschafter Jens Preuß trat zurück. Neuer Geschäftsführer sei der bisherige Ricö-Qualitätsmanager Björn Gröschner, der zum 4. März 2008 seine Tätigkeit aufgenommen hat.

Nach Berichten aus Polen hatten in Osteuropa zuletzt viele Ricö-LKW stillgelegen. Die Fahrer hätten kein Geld mehr zum Tanken gehabt.

Eben diese Fahrer sind nun die Leidtragenden: laut einem Bericht von Polskaweb stehen zig Fahrer noch irgendwo in Drittländern wie Österreich, der Ukraine und Tschechien herum, weil sie wegen fehlender Mittel nicht weiterfahren können.
Familienangehörige der Brummifahrer bitten förmlich in den Foren um Hilfe für Ihre Männer oder Väter, die völlig mittellos irgendwo stehen. „Mein Papa steht in Graz auf einer Tankstelle und hat nichts zu essen und keinen Kraftstoff mehr! Bitte Helft ihm! – schreibt z.B. Justyna Baniak aus Zielona Gora.
Der Vater von Justyna steht schon einige Tage dort, doch wen interessiert das schon in Osterode oder Schopsdorf.

Etwa den Ex- Geschäftsführer Jens Preuß oder seinem Nachfolger Björn Gröschner?

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Parkplatz und kein Ende

Nachts kommt für uns Lkw – Fahrer oft die Stunde der totalen Müdigkeit, da kann man einfach nicht mehr. Dann wird der Wunsch, den Lkw zu parken, endlich in die Koje zu kommen und die Augen zu schließen, übermäßig groß. Das muß nicht unbedingt nach vielen Stunden sein, oft erwischt einen die gefährliche Erschöpfung schon Montagmorgen um zwei.

Doch längst ist die Suche nach einem Parkplatz zu einem Lotteriespiel geworden. Oft muß man mehrere Parkplätze und Raststätten abklappern, um endlich einen halbwegs vernünftigen Standplatz zu finden. Zum einen ist das eine unsägbare Quälerei, zum anderen versaut man sich durch diese Sucherei seine Tachoscheiben oder die Fahrerkarte.

Der Fernsehsender „Deutsche Welle TV“ sendete vor einigen Wochen einen Beitrag über diese Misere. Dieser ist auch für „aussenstehende“ interessant.

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Transitforum Austria

In Tirol gibt es eine Aktionsgruppe, die sich “Transitforum Austria – Tirol” nennt. Dessen Vorsitzender, ein gewisser Fritz Gurgiser fordert nun ein komplettes Nachtfahrverbot für die Strecke von Rosenheim bis Verona.Nur, wer ist denn für diese angebliche “Lkw – Flut” verantwortlich?
ALLE – auch Personen wie ein Herr Gurgiser! Oder verspeist dieser Mensch etwa nur Nahrungsmittel aus seinem Tirol?Wohl kaum! Auch diese selbsternannten Transitgegner leben sehr gut vom Transitverkehr, auch wenn die es nicht wahrhaben wollen (oder dürfen). Eines dürfen die nicht vergessen: der Konsument ist es, der immer mehr und das immer mehr immer billiger möchte.
Also beschwert Euch nicht in Eurem Tirol über den angeblich so bösen Transitverkehr.
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Ein Reh lenkt ab

Weil er einem querenden Reh nachgesehen hat, hat ein Lkw-Lenker in Klöch im Bezirk Radkersburg (Steiermark – Österreich) am Mittwochnachmittag (17. 05. 2006) einen Fußgänger erfasst und niedergestoßen.

Der 23-jährige Lkw-Fahrer war auf der Radkersburgerstraße unterwegs, als plötzlich ein Reh die Fahrbahn kreuzte. Während der Mann dem Tier nachsah, geriet er mit seinem Fahrzeug auf den rechten Fahrbahnrand, worauf er einen am Straßenrand stehenden 44-jährigen Slowenen niederstieß. Schienbein- und Fersenbeinbruch.

Der Slowene musste mit einem Schienbein- und Fersenbeinbruch ins LKH Feldbach überstellt und stationär aufgenommen werden.

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Zu tief ins Glas geschaut

Es war wieder einmal einer dieser Tage, wo alles schief lief.

Zuerst nervte mich der Disponent andauernd, da er anscheinend nichts besseres zu tun hatte, als mich alle halb Stunden anzurufen, um mir mitzuteilen, dass ich mich endlich beeilen solle.
Mir war das eigentlich egal, da ich eh nur die angegebene Höchstgeschwindigkeit fuhr. Mehr lag nach meiner Meinung auch nicht drin.

Doch dann kam auch noch die Geschichte mit dem Tschechen hinzu der auf der Autobahn hin und her schlingerte.
Doch nun erst mal zum Anfang dieses Erlebnisses. Ich hatte vom Chef den Auftrag erhalten eine Tour von Basel nach Neapel zu fahren. Eigentlich nichts spezielles. Ich bin diese Strecke schon etliche Male gefahren und liess mich auch diesmal vom Chef nicht hetzen.

Ich schob gerade meine Lieblings-CD in den Recorder, als ich einem ausländischen LKW immer näher kam. Eigentlich ein ungewöhnliches Gefühl, da ich nur mit 80 kmh fuhr und sonst immer von den schnelleren Kollegen überholt wurde.
Wir befanden uns gerade im Seelisbergtunnel auf der A2 beim Vierwaldstättersee, als ich das Nummernschild des LKW erkennen konnte. Es war ein Tscheche. Da es von hinten jedenfalls so aussah, dass er einen modernen LKW fährt, wunderte ich mich schon ein wenig über sein Reisetempo, welches knapp über 70 lag.

Ich überlegte mir gerade, ob ich ihn überholen sollte, als er plötzlich nach rechts auf die überholspur zog. So unerwartet wie er nach rechts zog, schwenkte er auch wieder nach links. Mir war ein wenig mulmig zumute, da wir uns ja in einem Tunnel befanden.
Da dieser Tscheche ständig Schlangenlinien fuhr, war es mir unmöglich, ihn zu überholen. Natürlich gab es aber Autofahrer, welche an ihm vorbeifuhren und ich konnte nur hoffen, dass kein Unglück geschieht.

Endlich fuhren wir aus dem Tunnel. Die Sonne blendete mich wieder und ich war erst mal erleichtert.
Doch die Irrfahrt des Tschechen setzte sich fort. Er fuhr noch extremere Schlangenlinien und es war mir auch nach dem Tunnel nicht möglich, an ihm vorbeizufahren.Ich überlegte also, was ich tun sollte und da kam mir eine Idee, welche ich jedoch sofort wieder verwarf. Doch je länger ich nachdachte, kam ich zum Schluss, dass dies das einzige richtige sei.
Also tat ich etwas, was ich in meiner langen Berufszeit als Fernfahrer noch nie gemacht habe. Ich verpfiff einen Berufskollegen! Denn der Tscheche war eine Gefahr für den Verkehr und ich wollte dass er noch vor dem Gotthardtunnel aus dem Verkehr gezogen wird, damit er nicht noch ein Unheil anrichten konnte.

Also griff ich zum Natel und rief die Urner Kantonspolizei an und schilderte ihr den vorliegenden Fall. Von ihr bekam ich den Befehl weiter, in einem genügend grossen Abstand hinter dem tschechischen 40 Tonner zu bleiben. Denn die Polypen wollten den Ostblock-Fahrer noch bei Erstfeld abfangen und brauchten mich danach anscheinend noch als Zeugen.
Ich tat was mir die Polizei befohlen hatte und blieb hinter dem Tschechen. Ich kam jedoch immer mehr ins Schwitzen, denn die Fahrweise, welche der Tscheche an den Tag legte war unglaublich. Immer wieder kam er auf die linke Spur und einmal auf einem Viadukt schwenkte er so bedrohlich auf den Pannenstreifen, dass ich dachte, dass war es für ihn.

Da kam mir ein Geistesblitz und ich fragte mich warum ich nicht schon früher darauf gekommen bin. Ich versuchte per Funk Kontakt zum Tschechen aufzunehmen, doch alle meine Versuche blieben leider vergebens. Ich fragte mich, ob der CB-Funk in den Ostblockstaaten etwa immer noch verboten sei, oder ob der Tscheche sonst einfach keinen Funk besass.

Wir kamen jedenfalls Erstfeld immer näher, als plötzlich die Polizei links an uns vorbeifuhr und vor dem Tschechen die Kelle schwenkte. Als dieser das irgendwann begriff, fuhr er auf den Pannenstreifen und stoppte seinen 40-Tonner. Ich tat es ihm gleich und fuhr ebenfalls auf den Standstreifen, als gerade die Polizei auf sein Fahrerhaus losstürmte und die Tür aufriss. Sie befahl ihm auszusteigen.

Mit solchen Fällen geht die Schweizer Polizei in der Regel nicht sehr zimperlich um.
Der Tscheche jedoch, ein Mann mittleren Alters, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Er schwankte und die Polizei nahm auch sogleich eine Alkoholprobe von ihm und sah sich sein Fahrzeug genauer an.

Danach wurde ich als Zeuge vernommen und ich schilderte nochmals diese 20 furchterregenden Kilometer, welche ich hinter dem Tschechen fuhr. Später kam ans Licht, dass der Tscheche einen Alkoholgehalt von 2,8 Promille im Blut aufwies.
Ich war sehr entrüstet über dieses Ergebnis, da Alkohol und LKW-fahren einfach nicht zusammenpassen. Und dieser Tscheche ist bestimmt kein Einzelfall, was den Alkoholkonsum während dem Fahren angeht!

Voller Sorge malte ich mir aus, was alles hätte geschehen können, wenn dieser Kollege weitergefahren wäre.
Ich wusste, ich hatte das einzig Richtige getan, auch wenn ich zuerst noch Gewissensbisse hatte, einen Kollegen bei der Polizei zu verpfeifen.

Monate später kam es aber dann doch zu dem, was mal geschehen musste: Ein betrunkener Türke ohne Arbeitserlaubnis krachte im Gotthardtunnel gegen einen korrekt entgegenkommenden LKW und löste eines der schlimmsten Tunnelunglücke in Europa seit dem Brand im Mont Blanc Tunnel aus.

Dieses schwere Unglück im Gotthardtunnel forderte insgesamt 11 Menschenleben und verursachte den nach Italien fahrenden Lkws noch monatelang Beschwerlichkeiten bei der Durchquerung der Alpen.

Darum appelliere ich an die Kollegen: Bitte lasst die Finger vom Alkohol während der Fahrt und seid euch bewusst, was für eine Verantwortung auf euch allen lastet, als Fahrer eines LKW.

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Mein Leben am Begrenzer

Hamburg, Freitagvormittag. Ich hatte es mir so schön ausgerechnet. Bis Mittag geladen, Samstag früh in München ausladen. Aber es sollte wie so oft ganz anders kommen.
Vor 17 Uhr ist die Ware nicht fertig„, brummt der griesgrämige Lagerist. „Just in Time“ nennt man die Produktion ohne Lagerhaltung. Das funktioniert nur, weil wir Fahrer die Produktionspannen ausbügeln. Also schnell eine Mütze voll Schlaf nehmen, um die Nacht durchzuhalten. Gar nicht so einfach: Draußen sind 28 Grad im Schatten, in der Kabine herrschen Saunatemperaturen.

Endlich beladen

Gegen 18 Uhr ist mein Laster endlich beladen. Zwei Termine gilt es jetzt einzuhalten. Erstens muss die Ware bis 7 Uhr in München sein, sonst steht dort die Produktion still.
Zweitens muss ich die Strecke Hamburg-München in höchstens 10 Stunden schaffen. Das ist eine EU-Regelung über Lenk- und Ruhezeiten. Kritisch wird die Sache, weil an diesem Freitag ganz Hamburg in Richtung Süden fährt. Stop and go ist angesagt. Die 10 Stunden Fahrzeit werde ich wohl vergessen können. Zumal Lkw heutzutage einen Tempobegrenzer haben, der gnadenlos bei 88 km/h abregelt.

kontrolle eines tschechischen lkw in den neunziger jahren des letzten jahrhunderts
Kontrolle eines tschechischen Lkw

Vor mir zuckeln zwei Türken mit 80 Sachen. Endlich ist das Überholverbot vorbei. Lücke auf der Überholspur abwarten, raus. Manchmal kannst du stundenlang blinken, und es lässt dich kein Pkw-Fahrer raus. Als nächstes ein Pole, der mit 70 dahinzuckelt.
Ich überhole, aber der Kollege hat nur was in der Karte gesucht. Als ich auf der Höhe seiner Kabine bin, bemerkt er mich und gibt wieder Gas. Polnische Laster haben keinen Begrenzer. So muß ich mich wieder hinter ihm einordnen.
Die Autofahrer hinter mir in der Schlange werden mich jetzt verfluchen. Ich würde ja gerne zügig überholen, aber es war die Pkw-Lobby, die uns den Begrenzer eingebrockt hat.

Überholen trotz Verbot

Die Steigung nach der Werratalbrücke krieche ich mit 15 km/h hinauf, obwohl ich mit meinen 410 PS und 25 Tonnen Gesamt- gewicht locker mit 60 Sachen hochfahren könnte. Vor mir kitzelt ein Tscheche das Letzte aus seinem Uralt-Liaz.
Etliche Kollegen ziehen trotz Überhoverbot vorbei – Holländer, Österreicher, Skandinavier. Wenn die von der Polizei erwischt werden, kostet es sie das gleiche wie uns. Aber Punkte bekommen nur wir Deutschen. Die Osteuropäer haben nur zwei Sätze drauf: „Nix verstehn!“ und „Nix Geld!“. Kein Wunder , dass sich die Polizei lieber an uns Einheimische hält.

die alte autobahn a 4 frankfurt - erfurt  in den hörselbergen
Die „alte“ A 4 Kirchheim-Erfurt in den Hörselbergen

Über Funk melden Kollegen, dass ein Abfangjäger in meiner Richtung unterwegs ist. Lkw sind für die Polizei wahre Gold- gruben. So ein Lkw hat etwa 40 Lichter, zwölf Reifen, zwei TÜV-Plaketten, ASU-Plakette, Eichplombe, eine Unmenge von Sicherheitseinrichtungen sowie einen Stapel Fahrzeug- und Frachtpapiere. Wofür man alles bestraft werden kann, ist totaler Wahnsinn.
Der Freitag ist für Polizei und Gewerbeaufsichtsamt Zahltag. Denn ich muß auf Verlangen die Tachoscheiben der ganzen Woche plus die letzte Scheibe der Vorwoche vorlegen. Und irgendwann in sieben Tagen hast du bestimmt deine Zeiten nicht eingehalten.

Aber sind denn die Straßen nur für die Pkw-Fahrer da? Glauben die alle wirklich, dass der Güterverkehr über die Bahn abgewickelt werden kann und wir die Sachen aus lau- ter Eigensinn durchs Land karren? Weil wir die Welt von BMW, Mercedes oder Porsche stören, macht es sich gut für Presse, Politik und ADAC, auf uns herumzutrampeln.

Der Satz „Fernfahrer sind potenzielle Mörder“ tut weh.

Ich habe einen Punkt in Flensburg, weil ich mit dem Pkw zu schnell gefahren bin. Der Frust ist groß unter den Fahrern. Aber Krieg mit den Pkw? Diesen Ausspruch höre ich von keinem meiner Kollegen. Im Winter haben wir Eis und Schnee, im Sommer sind es die Touristen, die uns das Leben schwer machen.

Weiter gehts in Richtung Süden. Gegen zwei Uhr werde ich müde , aber es ist aussichtslos, einen Parkplatz anzusteuern. Es gibt zu wenig freie Plätze. In Aurach halte ich in zweiter Reihe an der Tankstelle, lasse die Beleuchtung an, döse ein wenig, bis mich ein Kollege weckt, weil er weiterfahren will.

In Ingolstadt ist meine Fahrzeit von zehn Stunden zu Ende. Ohne die vielen Staus heute Nacht wäre ich in 9 1/2 Stunden in München gewesen. Eigentlich müßte ich jetzt 8 Stunden Pause machen.
Aber wen interessieren meine Stauprobleme? Die Ware muß um 7 Uhr in München sein. Jetzt darf ich mich nicht mehr erwischen lassen. Na ja, ein guter Polizist würde Verständnis haben. Ein Anfänger, der noch keinen Stern auf der Schulter hat, würde mir 50 Mark abknöpfen. Und etliche Lkw-Hasser unter den Grünen würden mich abstellen. Aber alles geht glatt. Ich erreiche pünktlich die Entladestelle.

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