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Kategorie: Lkw

„Elektrotrucker“ auf Weltreise. Technik vorhanden, aber reicht das für den Alltag?

Letzte Woche wieder eine Diskussion einen Disput gelesen, ich glaube auf Threads, in dem es um Elektromobilität bei Lkw ging. Der Diskurs eigentlich wie immer pro und contra, von Leuten, die der Branche fremd sind und dann wurde von jemanden der YouTube-Account von Tobias Wagner, der sich „Elektrotrucker“ nennt, verlinkt. Ohne eine weitere Information, einfach nur einen Verweis darauf.

Kann man machen, ist aber ein bissel einfallslos. Zumindest eine kurze Begründung wieso der Kanal verlinkt wird, wäre doch schön. Habe ich so auch geantwortet, es kam aber keine Antwort.

Aber wie auch immer. Tobias Wagner hat viel vor. Gerade fährt er mit einem Mercedes-Benz eActros 600 einmal um die Welt.
45.000 Kilometer, mehr als 35 Länder und rund 80 Ladestopps. Das ist schon ein ambitioniertes und spannendes Projekt.

Der Elektrotrucker fährt mit maximal 80 Stopps um die Welt. Das Bild zeigt den Mercedes-Benz eActros 600.
Quelle: Daimler Truck AG

Er will damit aber mehr als nur eine spektakuläre Weltreise absolvieren. Seine Botschaft ist klar. Die Technik für elektrische Lkw sei inzwischen weit genug entwickelt.
Das eigentliche Problem liege zunehmend bei den Unternehmen, bei Investitionen, Planungssicherheit und dem Mut, den nächsten Schritt zu gehen.

Aber der Alltag sieht manchmal etwas anders aus. Denn eine Weltreise mit einem Elektro-Lkw ist zwar ein eindrucksvoller Praxistest, aber eben kein Beweis dafür, dass der batterieelektrische Fernverkehr bereits überall alltagstauglich ist.

Wagner fährt unter besonderen Bedingungen. Er hat einen Hersteller im Hintergrund, technische Unterstützung, zusätzliche Ausrüstung und kann seine Reise entsprechend planen. Relativ entspannt sogar.
Ein Spediteur mit 50 oder 100 Fahrzeugen kann seinen Fuhrpark dagegen nicht einfach nach den Bedingungen einer Weltreise organisieren.

Zwischen Rekordfahrt und Speditionsalltag

Auch Wagner selbst räumt ein, dass seine maximal 80 Ladestopps wenig mit einem normalen Logistikbetrieb zu tun haben. Für den Rekord muss der Akku teilweise möglichst weit heruntergefahren werden und geeignete Ladeparks werden bewusst nicht immer genutzt.

Das zeigt auch die Grenzen des Projekts

Wenn ein Elektro-Lkw unter diesen besonderen Voraussetzungen um die Welt fahren kann, ist das sicherlich ein Argument dafür, dass die Technik funktioniert.
Es beantwortet aber noch nicht automatisch die wesentlich wichtigere Frage für die Transportbranche: Nämlich kann ein Elektro-Lkw unter wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen jeden Tag zuverlässig im normalen Fernverkehr eingesetzt werden?

Dafür zählen nicht nur Reichweite und Ladeleistung. Entscheidend sind auch Ladezeiten, Strompreise, Netzanschlüsse, Fahrzeugauslastung, Tourenplanung, Standzeiten und die Verfügbarkeit geeigneter Ladeinfrastruktur.

Das Problem beginnt beim zweiten oder dritten Lkw

Ein Elektro-Lkw auf dem Hof ist inzwischen vielerorts machbar. Interessant wird es, wenn aus einem Testfahrzeug eine Flotte werden soll. Dann reicht ein vorhandener Netzanschluss möglicherweise nicht mehr aus.
Ladepunkte müssen geplant, Stromkapazitäten aufgebaut und teilweise erhebliche Investitionen getätigt werden.

Dazu kommt eine Frage, die in der Diskussion gerne etwas untergeht: Was passiert mit einem Unternehmen, das heute viel Geld in Ladeinfrastruktur investiert, aber in fünf oder zehn Jahren seinen Standort verändert oder verkauft wird?

Gerade für kleinere Speditionen ist das keine theoretische Überlegung. Wagner bezeichnet solche Probleme deshalb als klassisches „Change Management“. Das ist nachvollziehbar.
Aber man sollte daraus nicht den Schluss ziehen, dass jede Zurückhaltung der Unternehmer mangelnder Mut ist.

Ein Unternehmer muss schließlich nicht nur mutig sein, sondern auch rechnen.

Die Rechnung muss am Ende aufgehen

Die Elektrifizierung wird langfristig eine größere Rolle im Straßengüterverkehr spielen. Die Fahrzeuge werden besser, die Ladeinfrastruktur wächst und die Auswahl nimmt zu.

Aber zwischen einem technisch möglichen Einsatz und einem wirtschaftlich sinnvollen Einsatz liegt manchmal ein ziemlich großer Unterschied.
Ein Unternehmer darf schließlich auch einmal fragen: Was kostet mich der Spaß und funktioniert er im täglichen Betrieb?

  • Was kostet das Fahrzeug tatsächlich?
  • Was kostet der notwendige Netzanschluss?
  • Wie teuer wird die Ladeinfrastruktur?
  • Wie hoch sind die Stromkosten?
  • Wie lange dauert das Laden?
  • Wie zuverlässig funktioniert die Infrastruktur?
  • Was passiert bei einem ungeplanten Umweg?
  • Wie sieht die Rechnung bei Winter, hoher Beladung oder schwierigen Topografien aus?
  • Und vor allem: Passt das Fahrzeug zu den tatsächlichen Touren?

Diese Fragen lassen sich nicht mit einer Weltreise beantworten. Das ist keine Technikfeindlichkeit, sondern schlicht Wirtschaftlichkeit.

Trotzdem ist das Projekt wichtig

Damit will ich Wagners Projekt keineswegs klein reden. Das steht mir auch null zu. Im Gegenteil, Genau solche praktischen Erfahrungen sind wichtig.
Ein Elektro-Lkw muss irgendwann raus aus dem Messestand und raus aus dem Pilotprojekt. Er muss fahren.

Und wenn Tobias Wagner tatsächlich 45.000 Kilometer durch mehr als 35 Länder schafft, wird das interessante Erkenntnisse liefern. Gerade dort, wo die Infrastruktur noch nicht auf europäischem Niveau ist.

Auch der Wettbewerb dürfte dabei eine Rolle spielen. Neben europäischen Herstellern drängen zunehmend chinesische Anbieter auf den Nutzfahrzeugmarkt. Für die etablierten Hersteller ist das durchaus ein Weckruf.

Der wichtigste Test findet aber nicht auf der Weltreise statt

Am Ende ist die Weltreise des Elektrotruckers deshalb vor allem eines. Nämlich ein beeindruckendes Symbol für den technischen Fortschritt.
Sie zeigt, was heute möglich ist. Sie zeigt aber nicht automatisch, was morgen für jede Spedition wirtschaftlich sinnvoll ist.

Der entscheidende Test wird deshalb nicht irgendwo in Zentralasien oder Südamerika stattfinden. Er findet auf den täglichen Touren europäischer Transportunternehmen statt, mit Zeitdruck, voller Ladung, knappen Margen, Fahrermangel und der ganz normalen Realität des Fernverkehrs.

Wenn der Elektro-Lkw dort zuverlässig, wirtschaftlich und planbar funktioniert, dann braucht es irgendwann tatsächlich weniger Überzeugungsarbeit.
Bis dahin darf man das Projekt des Elektrotruckers gerne spannend finden. Und trotzdem kritisch bleiben.

Denn Technikbegeisterung ist gut. Aber im Transportgeschäft muss am Ende nicht nur der Akku voll sein. Die Rechnung muss es auch sein.

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Ein 94-jähriger Lkw-Fahrer will sich den Guinness-Weltrekord als ältester Lkw-Fahrer sichern

Ein 94-jähriger LKW-Fahrer will sich den Guinness-Weltrekordtitel als ältester Lkw-Fahrer der Welt sichern.

Orrin Asmus, so heißt der Mann, begann im Alter von 19 Jahren im westlichen Zentral-Iowa als Lkw-Fahrer zu arbeiten, nachdem sein Schwager erkrankt war und eine Ladung Rinder, die für einen Schlachthof in Chicago bestimmt waren, nicht transportieren konnte.
Asmus setzte sich mit nur einem normalen Führerschein und wenig Erfahrung ans Steuer. 

Mein Schwiegervater sagte: Du kannst doch Traktor fahren, wie wär’s?‘“, erzählte Asmus der Zeitung „The Gazette “.
Dann habe er es versucht, obwohl ich noch nie in meinem Leben einen Sattelzug gefahren bin.

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Seitdem fährt Asmus immer wieder Lkw, angefangen in den 50er Jahren, und er sagt, die Straße sei damals ganz anders gewesen. Das Netz der großen Fernstraßen existierte noch nicht, Wiegestationen gab es nicht und elektronische Fahrtenbücher waren noch nicht üblich.

In vielen Bundesstaaten brauchte man weder einen Lkw-Führerschein, noch überhaupt einen Pkw-Führerschein. 

„Die Geschwindigkeitsbegrenzung in Iowa war ‚angemessen‘, so lautete die Definition“, sagte Asmus. „In Illinois lag sie bei 50 Meilen pro Stunde.“

Und natürlich sagt Asmus, dass die Kameradschaft unter den Lkw-Fahrern damals viel stärker war und die Fahrer viel mehr Können besaßen, wie so viele Fahrer der alten Schule heutzutage behaupten. 

„Früher, in den Anfängen des Lkw-Gewerbes, half jeder jedem. Das sieht man heute nicht mehr“, sagte er. „Wenn man eine Reifenpanne hat, … kommt niemand freiwillig zur Hilfe …
Die meisten denken, es ginge nur noch um Tempomat und Motorbremse
“, sagte Asmus. „Bei Regen, Eis oder Schnee sollte man beides nicht benutzen.“

Obwohl Asmus einige Zeit auf Milchviehbetrieben gearbeitet und Lager- sowie Ölfeldanlagen geleitet hat, ist er immer wieder zum Lkw-Fahren zurückgekehrt und sagt, dass er es auch nach all den Jahren noch liebt. 

Seit etwa 2011 fährt Asmus für McLaughlin Freight in Mediapolis, Iowa. Vor etwa vier Jahren, nachdem er die 90 überschritten hatte, wechselte Asmus in den Teilzeitbereich und fährt nun nur noch bei Bedarf. 

„Ein Fahrer der alten Schule, der nie Nein sagt. Er setzt sich einfach ans Steuer und fährt los“, sagte Firmenchef und Mitinhaber Dan McLaughlin. „ Asmus liebt seinen Job und beschwert sich nie. Die Arbeit erledigt er immer, wann immer sie erledigt werden muss.“

Asmus wurde am 11. August 94 Jahre alt, aber er und seine Familie googelten schon vor ein paar Monaten den Rekord für den ältesten LKW-Fahrer und stellten fest, dass Asmus den aktuellen Rekordhalter, Doyle Archer aus Kansas, übertrifft, der im Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren zertifiziert wurde. Er ist jetzt 92 Jahre alt. 

McLaughlin Freight teilt mit, dass sie den Antrag für Asmus bereits im März an Guinness World Records geschickt haben, dieser aber noch geprüft wird.
Asmus selbst sagt, er sei mit dem Lkw-Fahren zufrieden, ob mit oder ohne den Bonus eines Weltrekords. 

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Thüringen setzt das Sonntagsfahrverbot für Lkw bis Ende August komplett aus

Thüringen hebt wegen des Niedrigwassers das Sonntagsfahrverbot für Lkw vorübergehend komplett auf. Erst einmal bis zum 31. August.

Die Begründung? Auf der Straße muss aufgefangen werden, was auf den Wasserwegen derzeit nicht mehr funktioniert. Kann man machen.
Aber ich frage mich trotzdem, warum gleich für alle? Niedrigwasser in Thüringen?

Das Problem liegt vor allem auf Wasserstraßen wie Rhein, Elbe und Donau. Dort können Schiffe wegen der niedrigen Pegel teilweise deutlich weniger laden.
Also muss ein Teil der Ware auf die Straße. Das verstehe ich.

Bild ist KI generiert. Thüringen setzt Sonntagsfahrverbot für Lkw komplett aus.

Was ich weniger verstehe, Thüringen selbst hat keine vergleichbare, für den Güterverkehr bedeutende Wasserstraße. Wenn also ein Transport tatsächlich wegen des Niedrigwassers von einem Schiff auf einen Lkw verlagert werden muss, dann sollte dieser Lkw natürlich fahren dürfen.
Aber warum muss deshalb am Sonntag plötzlich jeder Lkw durch Thüringen rollen dürfen? Da bin ich raus.

Eine Ausnahme ist eine Ausnahme

Wir Fahrer kennen das doch. Erst heißt es „nur vorübergehend.“ Dann heißt es: „Nur wegen dieser besonderen Situation.“ Und irgendwann ist aus der Ausnahme eine Selbstverständlichkeit geworden.

Ich habe nichts gegen notwendige Ausnahmen. Im Gegenteil. Wenn irgendwo wegen Niedrigwasser dringend Ware transportiert werden muss, dann soll eine Lösung gefunden werden. Dafür habe ich Verständnis.

Aber eine pauschale Freigabe für alle Transporte macht es eben sehr einfach. Dann fährt am Sonntag nicht nur der Lkw mit der dringend benötigten Ladung, sondern unter Umständen auch der ganz normale Transport, der problemlos am Montag hätte fahren können.

Und was bedeutet das für uns Fahrer?

Auf den ersten Blick könnte man als Fahrer sogar sagen, endlich dürfen wir sonntags fahren. Weniger Verkehr, freie Autobahnen, vielleicht entspannteres Fahren.
Aber ich glaube die Branche inzwischen lange genug zu kennen, um zu wissen, wie solche Dinge funktionieren können. Heute ist es eine Ausnahme. Morgen heißt es:„Ihr dürft doch sonntags fahren.“ Und übermorgen vielleicht: „Warum steht der Lkw eigentlich noch?“

Genau davor habe ich Sorge. Denn am Ende sitzt nicht der Disponent am Steuer. Nicht der Auftraggeber. Nicht der Kunde.

Wir sitzen da. Wir fahren die Kilometer, stehen auf Parkplätzen, verbringen unsere Wochenenden im Fahrerhaus und versuchen irgendwie, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen.

Der Lkw ist nicht das Universalwerkzeug für jedes Verkehrsproblem

Was mich an solchen Entscheidungen deshalb besonders stört, ist die Einfachheit, mit der immer wieder auf den Lkw zurückgegriffen wird.

Binnenschifffahrt hat Probleme? >>> Lkw.

Bahn hat Probleme? >>> Lkw.

Brücke gesperrt? >>> Lkw muss irgendwie durch.

Lieferkette unter Druck? >>> Lkw soll es richten.

Und wenn dafür der Sonntag benötigt wird, wird eben das Sonntagsfahrverbot aufgehoben.

Der Lkw ist wichtig. Ohne ihn würde Deutschland ziemlich schnell ziemlich alt aussehen. Aber irgendwann sollte man vielleicht auch verstehen, dass auf jedem Lkw ein Mensch sitzt.

Warum nicht gezielt?

Genau deshalb hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht. Warum nicht diejenigen Transporte gezielt freigeben, die nachweislich wegen des Niedrigwassers von der Wasserstraße auf die Straße verlagert werden? Das wäre vielleicht etwas mehr Bürokratie.

Aber dafür wäre klar, diese Ausnahme gibt es wegen dieses Problems und nicht als Freifahrtschein für alle. Berlin und Brandenburg gehen beispielsweise einen solchen Weg und erlauben sonntags bestimmte Transporte, die normalerweise über die Binnenschifffahrt laufen.Das erscheint mir deutlich nachvollziehbarer.

Vielleicht sollten wir auch einmal über die Fahrer sprechen

Bei all den Diskussionen über Lieferketten, Logistik und Wirtschaft wird nämlich eine Gruppe gerne vergessen, nämlich wir Fahrer. Wir reden ständig darüber, wie wichtig der Güterverkehr ist.
Aber wenn es darum geht, die Bedingungen für diejenigen zu verbessern, die diesen Güterverkehr tatsächlich am Laufen halten, wird es plötzlich deutlich leiser. Parkplätze fehlen. Sanitäre Anlagen sind teilweise eine Katastrophe. Die Aufenthaltsmöglichkeiten sind vielerorts alles andere als menschenwürdig. Zeitdruck gehört für viele zum Alltag.
Und jetzt wird der Sonntag immer mehr zur flexiblen Variable. Ich frage mich deshalb, gibt es eigentlich noch eine Grenze?

Fazit

Ich verstehe, dass das Niedrigwasser Probleme verursacht. Ich verstehe auch, dass Güter transportiert werden müssen. Und ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn notwendige Transporte eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Aber eine komplette Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für alle Lkw in Thüringen halte ich für zu pauschal.

Denn der Sonntag ist für viele Fahrer nicht einfach nur ein weiterer Tag im Kalender. Es ist der Tag, an dem man vielleicht endlich einmal zu Hause ist. Bei der Familie. Bei den Kindern. Oder einfach mal auf dem Sofa.
Und genau das sollte man bei solchen Entscheidungen nicht vergessen. Der Lkw kann rollen. Das ist kein Problem.

Die Frage ist nur, muss er wirklich immer rollen oder könnten wir manchmal einfach akzeptieren, dass auch ein Fahrer mal Pause hat?

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Niedrigwasser auf dem Rhein. Jetzt soll der Lkw wieder alles retten?

Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein prüft die Bundesregierung Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw. Doch der Straßengüterverkehr kann die Probleme nicht dauerhaft lösen.

Ich musste ehrlich gesagt grinsen, als ich die Meldung gelesen habe. Kaum wird der Rhein wegen des Niedrigwassers zum Nadelöhr, kommt wieder der gleiche Gedanke auf: Dann sollen eben die Lkw mehr fahren.

Die Bundesregierung prüft jetzt Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot, damit Güter schneller auf die Straße verlagert werden können. Klingt erst einmal nach einer pragmatischen Lösung.
Aber wer jeden Tag auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, weiß, dass die Realität ganz anders aussieht. Denn die Straße ist doch längst am Limit.

Der Lkw ist nicht die Feuerwehr für jedes Problem

Irgendwie läuft es doch immer gleich. Die Bahn hat Probleme? Dann muss der Lkw einspringen. Die Binnenschifffahrt fällt wegen Niedrigwasser aus? Dann muss der Lkw einspringen.

Lieferketten geraten ins Stocken? Wieder soll der Lkw alles richten.

Lkw unterwegs am Frankfurter Kreuz mit eine Boing 777 von Emirates im Hintergrund.
Die Straße ist längst am Limit. Trotzdem sollen immer wieder Lkw einspringen, wenn ein anderer Verkehrsträger Probleme bekommt.

Ich frage mich manchmal, ob sich eigentlich noch jemand Gedanken darüber macht, was auf unseren Straßen wirklich los ist.
Denn zusätzliche Transporte entstehen nicht einfach dadurch, dass man ein Fahrverbot lockert.

Wer soll diese zusätzlichen Touren eigentlich fahren?

Das ist eine entscheidende Frage.

Denn wir reden seit Jahren über den Fahrermangel. Tausende Stellen sind unbesetzt.
Gleichzeitig fehlen Parkplätze, viele Rastanlagen sind überfüllt und die Arbeitsbedingungen werden nicht gerade attraktiver.

Und trotzdem scheint man immer davon auszugehen, dass irgendwo noch genügend Fahrer sitzen, die nur darauf warten, eine zusätzliche Tour zu übernehmen.
So funktioniert Logistik aber nicht. Ein Lkw fährt nicht von allein.

Das Sonntagsfahrverbot aufzuheben schafft keine neuen Kapazitäten

Natürlich kann eine befristete Ausnahme in einzelnen Fällen helfen. Unternehmen können ihre Transporte flexibler planen und wichtige Lieferungen schneller auf die Straße bringen.

Aber eines darf man dabei nicht vergessen. Die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten gelten weiterhin.
Wer sonntags fährt, muss seine Ruhezeit eben an einem anderen Tag nehmen.

Es entstehen also weder zusätzliche Fahrer noch zusätzliche Fahrstunden. Das Problem wird also lediglich zeitlich verschoben.

Der Rhein ist durch nichts zu ersetzen

Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer fehlen aktuell bis zu 75 Prozent der üblichen Transportkapazität auf den Wasserstraßen.

Das sind Millionen Tonnen Güter, die plötzlich einen anderen Transportweg brauchen. Allein diese Menge würde Hunderttausende zusätzliche Lkw-Fahrten bedeuten.
Ganz ehrlich? Das schafft niemand. Nicht die Straße und auch nicht die Schiene.

Seit Jahren wird geredet, passiert ist viel zu wenig

Was mich an der ganzen Diskussion eigentlich am meisten ärgert, ist etwas anderes.

Das der Rhein bei Niedrigwasser Probleme bekommt, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis. Spätestens seit 2018 wissen wir doch alle, welche Auswirkungen lange Trockenperioden haben können.

Trotzdem wird seit Jahren über tiefere Fahrrinnen, den Ausbau der Wasserstraßen und schnellere Genehmigungsverfahren gesprochen.
Und wie so oft ist auf dem Papier vieles beschlossen worden, in der Realität geht es aber nur schleppend voran.

Statt die Infrastruktur rechtzeitig fit für die Zukunft zu machen, sucht man wieder nach kurzfristigen Notlösungen.

Der Lkw kann nicht jede politische Baustelle schließen

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn der Straßengüterverkehr dort hilft, wo Hilfe nötig ist. Das machen wir Fahrer schließlich jeden Tag.

Aber irgendwann muss auch die Politik akzeptieren, dass der Lkw nicht unbegrenzt Probleme auffangen kann, die über Jahre entstanden sind.

Unsere Straßen sind voll, unsere Parkplätze sind voll. Viele Unternehmen suchen händeringend Fahrer. Und trotzdem wird immer wieder so getan, als gäbe es unbegrenzte Reserven.

Die gibt es nicht.

Fazit

Ja, Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot können kurzfristig sinnvoll sein. Sie verschaffen etwas Luft und erleichtern die Planung. Aber sie lösen das eigentliche Problem nicht.

Für mich zeigt diese Diskussion vor allem eines: In Deutschland wird oft erst gehandelt, wenn die Krise bereits da ist.

Anstatt Wasserstraßen, Schienen und Straßen rechtzeitig auszubauen, greift man wieder auf den Verkehrsträger zurück, der ohnehin schon seit Jahren an seiner Belastungsgrenze arbeitet.

Und genau deshalb habe ich bei solchen Ankündigungen immer das gleiche Gefühl: Der Lkw soll wieder einmal die Versäumnisse der vergangenen Jahre ausbaden. Das kann nicht funktionieren.

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