Vor zwei Wochen die weggeworfenen Schuhe, jetzt das: Fast drei Minuten lang stehe ich quasi wie ein Ochs vorm Scheunentor, bevor ich kapiere, dass ich an der Kette ziehen muss, damit das Tor sich öffnet.

Vor zwei Wochen die weggeworfenen Schuhe, jetzt das: Fast drei Minuten lang stehe ich quasi wie ein Ochs vorm Scheunentor, bevor ich kapiere, dass ich an der Kette ziehen muss, damit das Tor sich öffnet.

Von Udo Skoppeck
Ich sitze hier und denke mir: Das kann doch nicht wahr sein. Ausgerechnet Rumänien, ein Land, welches in unseren Lkw-Kreisen oft nur als „Billiganbieter“ verlacht wird, verabschiedet gerade ein Gesetz, dass wir hierzulande seit Jahren fordern und fast wie eine Petitesse behandeln: Fahrer sollen endlich das tun dürfen, wofür sie ausgebildet sind.

Nämlich fahren. Und nicht gleichzeitig Beschicker, Stapler-Freizeitsportler, Paketpacker und Lagerhelfer sein.
Seit Jahren diskutiere ich mit Kollegen, schreibe Beiträge, sammle Beispiele, wie Fahrer systematisch für Aufgaben herangezogen werden, die nicht in ihre verantwortliche Tätigkeit gehören.
Wir haben darauf hingewiesen, dass Fahrer keine Nebenerwerbs-Lagerarbeiter sind.
Nämlich das solche Pflichten Arbeitsrecht, Versicherungsschutz und Gesundheit gefährden und das sie zu einer schleichenden Entwertung unseres Berufsbildes beitragen.
Und jetzt? Rumänien legt einen Gesetzestext vor, der genau das verbietet. Nicht als Empfehlung, nicht als abstrakte Studie. Sondern mit echten Sanktionen, Bußgeldern und einer klaren Zuständigkeit für Verlader und Empfänger.
Nicht nur das, die Verantwortlichen haben die Ausnahmen genau definiert: Spezialtransporte, wo Laden/Entladen wirklich Kern der Dienstleistung ist, bleiben außen vor.
Alles andere soll von Leuten erledigt werden, die dafür ausgebildet und verantwortlich sind.
Was sagt uns das? Das politischer Wille und klare gesetzliche Regelung möglich sind, auch wenn es unsere eigenen Parlamente hier in Deutschland nicht schaffen.
Das in Rumänien die Notwendigkeit gesehen wird, die Verantwortlichkeiten fair und sicher zu verteilen. Und dass jemand verstanden hat, dass es beim Güterverkehr um Menschen, nicht nur um Billig-Tonnenkilometer geht.
Vielleicht ist es ein Lehrstück: Nicht immer kommt der Fortschritt aus dem Land, welches wir an der Spitze der Debatte sehen. Manchmal kommt er von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.
Und wenn es Rumänien ist, dann sollte das uns hier in Deutschland daran erinnern: Wir müssen selbst dafür sorgen, dass unsere Berufskraftfahrer den Respekt, die Rechte und die Rahmenbedingungen bekommen, die sie verdienen.
Denn wenn andere es hinkriegen, dann können auch wir es.
Quelle: trans.info
Schreibe den ersten KommentarRotterdam. Dortmund. Verona. Klingt nach drei völlig verschiedenen Geschichten. Ist aber eigentlich immer dieselbe.
Es geht um Subunternehmerketten. Um Fahrer aus Drittstaaten. Um Firmengeflechte, bei denen am Ende keiner so richtig verantwortlich sein will. Aber alle verdienen.
Und wer lange genug auf Europas Straßen unterwegs ist, weiß: Das ist kein neues Thema.
Vor über zehn Jahren standen Lkw in Berlin vor dem Reichstag. Keine PR-Aktion, keine Show. Sondern Fahrer, die genug hatten von Lohndumping, Scheinfirmen und diesem ewigen „Dafür sind wir nicht zuständig“.
Damals war das für viele ein Randthema. Heute reden wir über beschlagnahmte Millionenbeträge. Vielleicht hätte man früher genauer hinhören sollen.
2025 haben italienische Staatsanwälte und die Finanzpolizei nicht lange gefackelt. Sie haben zugegriffen.
Nach Medienberichten wurden unter anderem beschlagnahmt:
Der Kern der Vorwürfe: Konstruktionen über Subunternehmen, bei denen Sozialabgaben und Arbeitsrechte umgangen worden sein sollen. Die betroffenen Unternehmen haben Vorwürfe teilweise zurückgewiesen oder auf Kooperation mit den Behörden verwiesen.

Wichtig ist: Das sind italienische Verfahren gegen italienische Gesellschaften. Aber die Botschaft ist europäisch. Italien zeigt: Wenn man will, kann man Strukturen auch strafrechtlich aufrollen.
Das Muster kennt jeder in der Branche. Ein großer Auftraggeber vergibt einen Transport. Der Logistiker gibt weiter. Der Subunternehmer gibt weiter. Und irgendwo am Ende sitzt der Fahrer.
Auf dem Papier ist alles sauber. In der Realität ist die Verantwortung so zerstückelt, dass sie kaum noch greifbar ist.
Wenn Lohn fehlt oder Sozialabgaben nicht stimmen, heißt es: „Das war nicht unsere direkte Firma.“
„Dafür ist der Sub zuständig.“
Und so dreht sich das Karussell.
Hier wird natürlich auch kontrolliert. Der Zoll prüft. Es gibt Verfahren. Aktenordner werden gefüllt.
Aber große, öffentlich sichtbare Millionenbeschlagnahmungen bei bekannten Logistikriesen? Eher Fehlanzeige. Man hört von Prüfungen. Von laufenden Ermittlungen. Von komplexen Zuständigkeiten.
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Weitere InformationenItalien beschlagnahmt. Deutschland prüft. Das ist zumindest der Eindruck, der bei vielen hängen bleibt.
Während Juristen diskutieren, schlafen Fahrer monatelang in ihren Kabinen. Arbeiten in Westeuropa, angestellt in Ländern mit niedrigeren Standards. Wenn ein Subunternehmen kollabiert, stehen sie plötzlich ohne Lohn da.
Für sie ist das kein Systemvergleich zwischen Rom und Berlin. Nein, da geht es ums Überleben.
Sind es wirklich nur ein paar schwarze Schafe? Oder ist ein System problematisch, das Verantwortung so lange weiterreicht, bis sie praktisch verschwindet?
Wer am Ende vom Transport profitiert, muss auch haften. Punkt. Solange Auftraggeber sich hinter Subunternehmerketten verstecken können, ändert sich nichts.
Italien hat gezeigt, dass man Strukturen antasten kann. Ob Deutschland irgendwann ähnlich konsequent durchgreift?
Das wird nicht nur für die Logistikbranche spannend. Sondern für jeden, der an fairen Wettbewerb in Europa glaubt.
6 Kommentare
Bauhaus- All We Ever Wanted – Live
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Schreibe den ersten KommentarGestern Abend einen interessanten Artikel von der „taz“ gelesen. In dem geht es um japanische Lkw-Fahrer, die ihre Trucks so aufmotzen, dass sie wie Raumschiffe aussehen. So ein Teil habt ihr bestimmt schon mal gesehen.
Diese Lkw nennen sich Dekotoras (kurz für „dekoreshon torakku„, englisch „decorated trucks„). Sie sind eine einzigartige japanische Subkultur, bei der Lastwagen extrem aufwendig verziert und beleuchtet werden.
Diese „Trucks“ sind fahrbare Kunstwerke, die oft mit tausenden Neonlichtern, LED-Leuchten, verchromten Stahlteilen und bunten Airbrush-Gemälden ausgestattet sind.
Sie sehen aus wie Raumschiffe auf Rädern, voller Chrom, Lichter und verrückter Details. Für die französische Fotografin Louise Mutrel sind sie vor allem rollende Selbstporträts ihrer Fahrer.
Seit Jahren begleitet sie Japans Truckdekorierer, die ihre Lkw mit Botschaften, Manga-Motiven und Retro-Elementen schmücken.
Inspiriert wurde der Trend einst von US-Popkultur und dem Film „Torakku Yarō„.
Torakku Yarō (übersetzt „Truck-Typen“) ist eine kultige japanische Action-Komödien-Reihe, die zwischen 1975 und 1979 insgesamt zehn Filme hervorbrachte.
In den 90ern wurden die auffälligen Trucks wegen Sicherheitsgründen aus Innenstädten verbannt, doch die Szene trifft sich bis heute.
Hinter dem Glitzer stecken Nostalgie, Kreativität und der Wunsch, lange, einsame Fahrten persönlicher zu machen.
Mutrels Serie „Only you can complete me“ feiert diese besondere, nie ganz fertige Verbindung zwischen Mensch und Maschine.
Zum taz-Artikel >>>
2 KommentareDas US-Verkehrsministerium plant eine weitreichende Änderung bei der Vergabe von Lkw-Führerscheinen (CDL). Verkehrsminister Sean Duffy kündigte an, ein neues Regelwerk voranzutreiben, nach dem sämtliche Führerscheinprüfungen künftig ausschließlich in englischer Sprache abgelegt werden müssen.
1 KommentarBei der DB Cargo drohen drastische Einschnitte, denn rund 6.000 Stellen in Deutschland sollen wegfallen. Von aktuell etwa 14.000 Vollzeitstellen würden damit rund 6.200 gestrichen. Das ist nahezu jeder zweite Job.
Der geplante Abbau betrifft fast alle Unternehmensbereiche und ist Teil einer umfassenden Restrukturierung.
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