{"id":5558,"date":"2015-01-24T00:25:35","date_gmt":"2015-01-23T23:25:35","guid":{"rendered":"https:\/\/truckonline.de\/blog\/?p=5558"},"modified":"2015-01-24T00:27:31","modified_gmt":"2015-01-23T23:27:31","slug":"die-situation-im-transportsektor-litauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/truckonline.de\/blog\/2015\/01\/24\/die-situation-im-transportsektor-litauens\/","title":{"rendered":"Die Situation im Transportsektor Litauens"},"content":{"rendered":"<p>Ingo Schulze ist der Vorsitzende des Vereins &#8222;<a href=\"https:\/\/www.kraftfahrerclubsdeutschland.de\/\" target=\"_blank\">Kraftfahrer-Clubs Deutschland e.V<\/a>.&#8220; (Website wird derzeit \u00fcberarbeitet). In dieser Funktion hat er einen Brief aus Litauen erhalten, der die Zust\u00e4nde im litauischen Transportsektor sehr gut beschreibt.<\/p>\n<p>Es ist arg verwunderlich, <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/nachrichten\/wirtschaft\/Berlin-Prag-Warschau-Kraftstoffverbrauch-Mindestlohn-Posse-Prag-Warschau;art2819,5598586\" target=\"_blank\">welcher Erfindungsreichtum bei den dortigen Firmen vorhanden ist<\/a>, um den Mindestlohn zu umgehen. Es ist aber auch sehr erstaunlich, wer so alles gegen diesen Mindestlohn protestiert. Gerade die osteurop\u00e4ischen Firmen haben doch in den letzten Jahren das dicke Geld verdient. Nat\u00fcrlich auf Kosten ihrer Arbeitnehmer, auf die nie R\u00fccksicht genommen wurde.<br \/>\nDieses Schreiben zeigt deutlich, dass die Profitgier keine Grenzen kennt. Der Schreiber hat Ingo Schulze in einer weiteren Nachricht noch einmal versichert, dass es die reale Wirklichkeit ist.<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>wir, Fahrer des Internationalen Fracht Transfers der Unternehmen Litauens, wundern uns: haben Sie denn keine Information dar\u00fcber, dass die Fahrer von Unternehmen Litauens, die von Politikern Litauens regiert werden, st\u00e4ndig beraubt werden? Dadurch entsteht der Schaden auch dem Staat. Es geht um riesige Geldsummen.<\/p>\n<p>Wir, die Fahrer, arbeiten wie Sklaven im wahrsten Sinne des Wortes. Schon 25 Jahre verbringen wir je sechs Wochen am Steuer und wissen nicht nur vom H\u00f6rensagen, wie es in Buchhaltungen so zugeht. Vor vielen Jahren haben die Herrschaften <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dalia_Grybauskait%C4%97\" target=\"_blank\">Dalia Grybauskaite<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Algirdas_Butkevi%C4%8Dius\" target=\"_blank\">Algirdas  Butkevicius<\/a> (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/abutkevicius\" target=\"_blank\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/algirdasbutkevicius.lt\/\" target=\"_blank\">Website<\/a>) damals als Finanzminister, bei der Zusammenarbeit mit Frachtfahrerunternehmenverband \u201e<a href=\"https:\/\/www.linava.lt\/\" target=\"_blank\">Linava<\/a>\u201c ein Gesetz verabschiedet (es ist auch in Kraft getreten), das das Stehlen von 50% des Tagesgeldes und der Einkommensteuer legitimiert hat. Das gilt auch heute noch. <\/p>\n<p>Unternehmen behaupten, dass sie den Fahrern 100% Tagesgeld und 1,3% vom monatlichem Mindestlohn (391 \u20ac brutto) auszahlen. In der Tat ist es anders. Ein Fahrer bekommt 10 ct pro km, dass  widerspricht nicht nur den Gesetzen der Litauischen Republik, der EU und IRU, sondern ist nur die H\u00e4lfte vom Tagesgeld.<br \/>\nIn Wirklichkeit bekommen die Fahrer \u00dcBERHAUPT KEINEN LOHN und die H\u00e4lfte vom Tagesgeld. Das macht insgesamt \u00fcber 1000 \u20ac monatlich. Unternehmen eignen sich das nicht nur an, sondern sie vermindern dadurch auch den Gewinn und die Steuer werden davon auch nicht bezahlt.<\/p>\n<p>Unsere Fahrer bekommen keine DKV, UTA oder Routex Karten. Statt dessen werden f\u00fcr Gesch\u00e4fts- oder Strafzahlung entweder die pers\u00f6nliche Bankkarte oder die private Bankrechnung des Fahrers genutzt. Das Geld wird als Vorschuss vom Lohn und Tagesgeld \u00fcberwiesen, auf diese Weise bleibt die gestohlene Summe verborgen. Au\u00dferdem kann man nicht beweisen, dass man die Ausgaben und Strafen beglichen hat. Aus diesem Grund haben die Fahrer zu leiden.<br \/>\nAuch die h\u00f6chsten Strafen k\u00f6nnen die Unternehmen nicht daran hindern, wenn nur das Transportmittel nicht beschlagnahmt oder die Lizenz des Europ\u00e4ischen Transfers nicht suspendiert wird.<br \/>\nSogar an Wochenenden d\u00fcrfen wir nicht auf bezahlten Rastst\u00e4tten parken, so dass manche dringende Bequemlichkeiten uns erspart bleiben.<br \/>\nSo verlieren daran auch deutsche Gesch\u00e4ftsleute.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Rast werden von den Fahrern selbst auf Kosten ihrer Erholung LKWs gewaschen, kleine Reparaturen unternommen. Die Unternehmen wollen auf diese Weise sparen, indem wir gezwungen sind das alles kostenlos zu machen.<br \/>\nF\u00fcr das Laden und \u00e4hnliche Arbeiten wird nicht gezahlt. Dabei muss diese Zeit auf dem Tachograph als Ruhepause angemerkt werden. Kein Fahrer w\u00fcrde freiwillig Bundesstra\u00dfen durch ganz Deutschland w\u00e4hlen. Manager und Eigent\u00fcmer der Unternehmen zwingen uns dazu, um die Zahlung f\u00fcr die Autobahn zu vermeiden. So werden dann die Bundesstra\u00dfen mehr belastet.<\/p>\n<p>Manager versprechen, die Eilfrachten rechtzeitig zu liefern, dadurch werden die Fahrer in die Ecke getrieben und k\u00f6nnen die Vorschriften des (AETR) Europ\u00e4ischen \u00dcbereinkommens \u00fcber die Arbeit des im internationalen Stra\u00dfenverkehr besch\u00e4ftigten Fahrpersonals nicht befolgen.<br \/>\nGeschwindigkeitsbegrenzungen \u00fcberschreiten, Fahrzeiten und allgemeine Zeit umstellen \u2013 dazu sind wir gezwungen. Technisch oft unordentliche Fahrzeuge \u2013 das alles bildet eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Verkehrsteilnehmer. Man ist gezwungen, alle m\u00f6glichen Regel zu \u00fcbertreten, sonst wird man arbeitslos. An ihre Stelle kommen Fahrer aus dritten L\u00e4ndern. Gerechtigkeitshalber w\u00e4re es richtig, nicht nur Fahrer, sondern auch Unternehmen zu bestrafen. F\u00fcr das Unternehmen sollte die Strafe um das 10fache gr\u00f6\u00dfer sein, sonst r\u00fchrt sich nichts. Nach sechs Arbeitswochen hat ein Fahrer bis drei Wochen frei. Da bekommt er kein Geld, wie auch f\u00fcr drei Tage Hin- und R\u00fcckfahrt.<br \/>\nAuf sechsw\u00f6chigen Dienstreisen befinden sich st\u00e4ndig etwa 80 000 Fahrer (laut Angaben von LINAVA (<a href=\"https:\/\/www.linava.lt\/en\/about-association\/\" target=\"_blank\">linava.lt\/en\/about-association<\/a>).<\/p>\n<p>Also monatlich befinden sich in der schwarzen Kasse des Transportgesch\u00e4ftes 80 Millionen Euro, die man zum Bestechen gebrauchen kann. Oder das geht auch an die schwarzen Kassen mancher Parteien. Und wieviel Steuer werden dabei vermieden! Au\u00dferdem werden Dotatien aus dem Budget der Republik oder auch von den EU-Mitteln von den Politikern, die oft auch Eigent\u00fcmer der Unternehmer sind, an die \u201eunrentablen\u201c Unternehmen zugewandt.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass man behauptet, dass es an Fahrern mangelt. Das nimmt man als Anlass f\u00fcr die Einladung der B\u00fcrger aus den dritten L\u00e4ndern, denn sie k\u00f6nnen noch mehr begraben werden.<br \/>\nDie Fahrer vom Ort werden nicht gerne eingestellt. Es hei\u00dft, junge Leute haben keine Erfahrung, w\u00e4hrend ein Reserveoffizier aus der Ukraine, Belorussland oder Russland gerade der richtige ist, obwohl er nie so ein Transportmittel gefahren hat. Man verlangt von den hiesigen Arbeitswilligen ein Pfand von einigen Tausend Euro und, um die billige Arbeitskraft aus Russland zu bef\u00f6rdern, werden da \u201eSklavenb\u00fcros\u201c errichtet. Die Menschen von dort werden mit Mietbussen hierher gebracht. Keinen interessiert die Tatsache, dass ihre Arbeitsgenehmigung nur f\u00fcr Litauen g\u00fcltig ist, nicht aber f\u00fcr andere EU Staaten.<\/p>\n<p>Alle Transportmittel, die Richtung Westen fahren, benutzen das russische Diesel\u00f6l. Das tun hier alle, angefangen mit <a href=\"https:\/\/www.girteka.lt\/\" target=\"_blank\">Girteka<\/a> und abschlie\u00dfend mit denen, die gar nicht nach Osten gehen, aber Diesel\u00f6l den Kollegen aus Osten abkaufen.<br \/>\nUnd schon rollt ein litauischer LKW mit 1,5 T russisches Diesel\u00f6l und einem Belorussen, Russen, Moldaven oder Ukrainer am Lenkrad Richtung Westen. Wenn Ihr den Fahrermarkt besch\u00fctzen wollt, sollten Sie die Staatsangeh\u00f6rigkeit der Fahrer pr\u00fcfen.<br \/>\nArbeitserlaubnis f\u00fcr Litauen l\u00e4sst nicht zu, dass jemand aus den dritten L\u00e4ndern Gesch\u00e4ftsreisen in andere L\u00e4nder der EU unternimmt. Unternehmer gr\u00fcnden \u201eAbteilungen\u201c im Ausland. Da \u201ekaufen\u201c sie Dienstleistungen. Einkommensteuer wird vermieden. <\/p>\n<p>Nicht wenige Abteilungen dieser Art befinden sich auch in den L\u00e4ndern der EU, wo auch Fahrer aus Litauen f\u00fcr einen  Sklavenlohn schuften, ohne Steuer zu zahlen und ohne soziale Sicherheit zu bekommen. Davon profitieren ihre Vermittler.<\/p>\n<p>Noch etwas zum Schluss. Litauische Fahrer sind nicht billiger. Das ist ein Mythos, um Steuer und Lohnerh\u00f6hungen f\u00fcr die Fahrer zu vermeiden. In gemeinsamen Unternehmen werden gro\u00dfe Ausgaben angegeben und die Steuer wird auch in keinem Land gezahlt.<br \/>\nKaum zu glauben, dass es Ihnen bis jetzt unbekannt war. Es w\u00e4re f\u00fcr die Wirtschaft unseres Staates und die ganze EU viel g\u00fcnstiger, dass das Geld, das die Fahrer verdienen, auch an ihre Familien ginge. Es w\u00e4re f\u00fcr die gesamteurop\u00e4ischen Finanzen von Vorteil. Jetzt profitieren daran die Ukraine, Russland, Belorussland.<\/p>\n<p>Von 80 000 Fahrern haben die meisten Familien. Dreimal 80 000 \u2013 so viele Verbraucher beeinflussen m\u00e4chtig die finanziellen und politischen Aussichten nicht nur Litauens sondern auch der ganzen EU. Andererseits, wer kann mit Sicherheit behaupten, dass Tausende von Reserveoffizieren, hier als Fahrer angestellt, nur dazu da sind, um zu verdienen? Sie haben ja einen Eidschwur ihrem Staat geleistet.<\/p>\n<p>Hochachtungsvoll Inter Transfer Fahrer<\/p>\n<p>P.S. Es ist zu betonen, dass sich in Litauen nichts \u00e4ndern wird wegen der hohen Korruption, bis sich die EU Beh\u00f6rden nicht einmischen. Allein im Jahre 2013 sind in Litauen laut Angaben LINAVA 3036 Fahrer aus den dritten L\u00e4ndern angestellt worden. Geldstrafen sind wegen oben genannten Gr\u00fcnden unwirksam. Darunter haben nur einfache Fahrer zu leiden, deren monatlicher Lohn 391 \u20ac brutto betr\u00e4gt. Gewerkschaften sind vernichtet worden, allerhand Kontrollen sind nicht effektiv. Wir sind Geiseln des Systems und kennen keinen Ausweg mehr.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingo Schulze ist der Vorsitzende des Vereins &#8222;Kraftfahrer-Clubs Deutschland e.V.&#8220; (Website wird derzeit \u00fcberarbeitet). 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